fr. SIS.
Marburg, Dienstag, 18. September 1877.
XII. Iahkgaig.
«eigen nimmt entgegen: e Expedition d.Blattes, sie d.Annonccn-Bureaux )B Th. Dietrich & Co. in effel und Hannover; Th. jelrich in Frankfurt a.M.; «ofenftein & Vogler in Lgnlfurt a- M., Berlin, Lpjig, 661 n ec.; Rudolf Effe in Berlin, Frankfurt o. M. 2L
WtWschk Icitm.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; JLger'sche Buchhandlung daselbst; Herrnau.t^che Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
Erscheint täglich außer de« Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „3In|hrtirtti Ganntagsülntt" durch die Erpedttion (Hoch'sche Buchdruckerei) bezogen Wert, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 3 Wert 5» Pf«, lexl. Bestellgebühr). — JuferttonSgebühr für die gespaltene gelle Ist Pf«. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 35 Pf». berechnet.
Frankreich «ud der Papst.
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ES war kein zufälliges Zusammentreffen, daß die Der- Inbung deS UnsehlbarkettS - Dogmas mit der französischen lieber klärung an Deutschland (1870) zujammenfiel. Der apst warf mit seiner Zumulhung, an die Unfehlbarkeit 8 Statthalters Christi zu glauben, dem deutschen Geiste aen F hochandschnh hin, während Frankreich seinen Nach it zum leiblichen Zweikampfe herausforderte. Es war ioeS Eine Sache, w.lche von den Jesuiten abgekartet orden war. Heute macht die Regierung vo.i Frankreich iedrr mit dem päpstlichen Stuhle gemeinsame Sache, aber gilt diesmal einen Kampf im Innern, einen erbitterten mpf zwischen einer Sippschaft von Abenteurern und deren ahang einer- und dem sranzöstichen Volke anderseits. Siebet verbinden sich diejenigen, welche die Geschicke Frank ichS zu leiten berufen stnd, mit jener wunderbaren Macht, e ihre Stärke in dem Aberglauben sucht und findet. Der apst eilt in seiner Geschäftigkeit dem VuadeSgenofien >ran und stellt sich als erster der Kämpfer in die Schlacht ihe. Französische Pilger aus der Diöceje AngecS wurden m dem Papste am 8. d. Mis empfangen und mit einer nsprache beglückt, aus welcher folgende Punkte als merk- ürdig hervorzuheben stnd:
Der Papst ermahnt die Pilger, Gott um guten Rath ib Stärke zur Befolgung desselben zu bitten und fährt »nn sort:
»Frankreichs besondere Lage verlangt, daß zu Neuwahlen schlitten wird, und beide Gaben — Rath und Stärk- — ästen Wählern wie Gewählten zur Seite stehen. Wolle ott, daß die Wähler frei und jeder Pactetstffei ledig bet n Neuwahlen Vertreter wählen, welche ebenfalls mit Rath ib Stärke begabt den Uebda widerstehen können, welche larrkreich und die ganze bürgerliche Gesellschaft bedrohen. Solle Gott, daß die Neuerwählten fest und einig einher- »reiten und tu der neuen Versammlung wahre Vertreter r großen Nation seien, welche mit der Regierung ein- llthtg verbunden, die inneren Feinde Niederhalten und die Beten abwehren können. WaS nutzt eS, verhehlen zu allen, meine Sieben ? Ihr sehet bester als ich, wie eurem inbc nachgestellt wird von inneren Feinden, welche es beigen und von äußeren, welche eS bedrohen, ja von inneren, lche eS nicht nur benagen, sondern ebenfalls bedrohen i der Stimme und mit der Preste und mit aller BoS- i f ihrer Bersammlungeu in der Finsterniß, inbm sie die i Innungen der äußeren Feinde nähren, welche sich über ! Spaltungen in de» Reihen ihrer Gegner freuen, weil dieselben um so leichter bekämpfen können. Diese Feinde lsten niedergehalten werden, damit der gemeinsame Feind ht in der Folge der inneren Zwietracht das U bergewicht
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'''■ Eine Rittergeschichte.
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(Fortsetzung.)
' Und so geschah eS. Die zusammengerotteten Haufen iten eine Wahlhandlung aus dem Stegreif ab, und die ahl traf ein auSerlesenes Halbdutzend von Maulhelden, it Bader war ober nicht darunter; der hatte sich wohl« Mich zurückgezogen, nachdem der Lärm einmal so recht dang gekommen.
D-r Bürgermeister hatte indeffen seine Fastung wieder- toben, und mit würdigem Ernst fragte er nach dem Be- t der Vortretenden.« Doch dürfe nur einer von ihnen «, bemerkte er dazu.
»Ganz recht, Bürgermeister, ich fchwätze für Alle," i einer auS dem Härfl in an: und unsere Sach' soll Ib gesagt sein. Ihr gebt unS den Amtmann und den immeister heraus, daß wir fie selber zurcchtmachen."
Die Väter der Stadt fragten lininber schon wieder t den Augen, doch schienen sie diesmal sehr geneigt, ohne tatet ja zu sagen. Jndesten nahm der Amtmann das «:
»Horch, Färber-Seppel," sagte er: »das ist keine Ord- ”8 und könnte Euch übel gerathen."
»Hali's Maul, Tintenklekser," antwortete Seppel, und Ile noch einige Redensarten seines Schlages hinzu.
Der Amtmann war mit der Antwott flugS bei der »d. ,Jch weiß wohl/ rief er daß zu Baden drei Dinge Üblich gesucht werden: ein redlicher Gilgen Bäck', ein chterner Sternwirth, ein höflicher Schafmetzger; aber wso gut weiß ich, daß Eure Köpfe allesamwt auf den tagen wackeln, wenn Ihr mir unv dem Sloppa nur ein klein k ümmt. Meint Ihr denn Ihr Loddel, daß Ihr ^straft thun wögt, was Euch gut dünkt?
b komme und um so leichter fein Ziel erreiche, nicht allein Frankreich, sondern auch die Religion Jesu Christi zu bekämpfen. Ich fahre daher fort, Gott zu bitten, wie ich ihn schon im Laufe deS heutigen Tages gebeten habe, daß er allm Franzosen die nöthige Kraft und den guten Rath gibt, daß sie zu ihren Vertretern Personen wählen, welche ihre Blicke vor Allem auf Gott und seine Kirche richien Willens stnd ihre (\ h der Kirche) Rechte zu verthei- dtgen...... Und du o Frankreich, auserwähleS Land
GoiteS, wende ohne weiteres deinen Blick zu ihm, bete, vertraue uns wirke indem von mir angedeuteten Sinne u.f. w."
ES ist leicht zu erkennen, daß die päpstliche Rede ein Theil jeaeS Unternehmens ist, welches die Abenteurer vom 16. Mai in's Weik gesetzt haben, und daß sie im Ein- verständn ß mit der französischen Regierung gehalten worden ist. Der Papst hat sich mit der letzteren veibunden, et wirkt im Sinne derselben und es scheint, daß man ihm daS Besprechen gemacht hat, die. Rechte der Kirche, d. h. den Anspruch auf Rom, zu verthedigen. Wenn die französische Regierung mit dem Papste ein ehrliches Bündniß geschlossen hat (und der Vatikan wird darin wohl sicher gehe ) so ist der europäische K kg daS Ende des Ganzen, immer vorausgesetzt, daß wirklich demnächst eine ultramon tane Kammermajorität zu Stande kommt. U 6er die schmäh liche Verleumdung Deutschlands ein Wort zu verlieren, wäre überflüssig. Hinter dem Wortschwalle deS alten Mannes im Vatikan verbirgt sich die Teufelsfratze nut schlecht. Wir schweigen, indem wir die Thatsachen für nnS jebtn lasten.
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Tagesbericht.
Gegenüber den Meldungen ausländischer Blätter über angebliche Eirflüffe der deutschen Regierung bei dem Ein- tlitte Rumäniens und Serbiens in die Action wird die „National Zeitung" in die Lage versetzt, mitzutheilen, daß alle derartige Unterstellungen durchaus und in jeder Beziehung unrichtig seien. Die deutsche Regierung habe sich zu keinerlei Beeinflussung, weder in Rumänien noch Serbien, im Sinne der neuesten Entschlüsse dieser Staaten Herbeigelaffen und stehe den Schritten dieser Staaten wie allen Verhandlungen, die etwa darüber gepflogen worden, absolut unbcthelligt gegenüber.
Von glaubwürdiger Seite erfahren wir, daß Fürst Bismarck am 19. d. zu Salzburg mit de« Grafen Andrafly zusammentreffen «erde.
Aus Panama wird unter« 18. August mitgetheilt: Die Affatre zwischen Deutschland und Nicaragua wegen deS
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Die rohe Rotte lachte. Draußen fing das ungeduldige Volk wieder an zu toben.
„Hört Ihr sie?" machte der Färber-Seppel: „Ihr habt jetzt alle Zeit, nach unferm Willen zu thun, sonst steh' ich für nichts mehr ein."
„So nehmt sie," stotterte ter Bürgermeister, auf's Neue bleich vor Angst.
„Bedenkt, was Ihr thnt," tief Angclo; und der Amtmann: »Seht wohl zu, wie Ihr am Tage der Verantwortung bestehen wollt, und dieser Tag ist erst nicht fern."
„Ach was," fuhr der Bürgermeister grob heraus: wir muffen bet Gewalt weichen. Die etwa« boßen, mögen’« verantworten. Macht Eure Sade selber aus. WaS geth'S nnS an, wofür wir nicht können?
Nun erhob Jörger feine Stimmt wieder.
»DaS Ding »st nicht fo wie Ihr meint," tief er aus: „Denkt nur an die zwölf Rathsherrn von Ettlingen. Die haben auch für den Frevel der Bürgerschaft die Köpfe hergeben muffen Merkt Ihr was? Gelt, j-tzt wißt Ihr nicht ein und aus? Ich will Euch den Ausweg zeigen. Geh' zu Deinen Leuten zurück, Sepperl, und heiße fie einen neuen Rath wählen."
„Das wird bald geschehen jein," meinte der: „ein RathSherr ist schnell gemacht."
„Nur zu," fuhr Jörger fort: wir wollen sehen, wer Eures Vertrauens würdiger ist, als wir bisher es waren, und wer sich herbeiläßt, unter solchen Umständen die Wahl anzunehmen. Von uns Keiner, verlaß. Euch daraus. Die zwei Herrn da legen wir einstweilen in den Thu m Der neue Rath möge fie bann ritten.
„Oho," rief der Seppel grob: „fo ist nicht gewettet; wir müssen fie mitbringen."
Der RathSherr erhob fich, trat mit stolzer Haltung auf dm Sprecher zu, und «ach dem Ausgang beute d Jagte
Angriff« auf ben deutschen Konsul in L on, C M. Giesen- stück, gestaltet sich ernst. Deutschland hat ein Ultimatum gestellt, in welchem eine Entschädigungssumme von 30,000 Dollar« und das Salutiren der deutschen Flagge verlangt wird, und droht, wenn dieser Forderung nicht Folge gegeben werden sollte, ein deutsches Geschwader nach Nicaragua und Militär nach Leon zu senden, um die Forderung einzutreiben. Der Minister für die auswärtigen Angelegenheiten erwivertr, daß die ganze Angelegenheit von den deutschen Konsularagenten falsch dargestellt worden sei, welche interessirte Parteim waren, da die Ausschreitungen in Folge eines Streites in ihren Familien entstanden. Er erklärt, daß, wenn die deutschen Drohungen ausgeführt würden, die Regierung gegen die ungerechte Anwendung von Gewalt seitens einer Großmacht gegen eine schwache und unschuldige Bevölkerung protestiren werde.
Der Kaschaner Kaiser-Toast ist .Geg-nstand lebhafter Erörterungen in den Wiener und Pester Blättern geworden. DaS ungarische Amtsblatt berichtet an der Spitze des amtlichen TheileS: „Se. Kaiserliche und Königliche Majestät hat am 11. d. in Kafchau bei der Hoftafel, anläßlich des Allerhöchsten Namenstages Sr. Majestät des russischen Kaisers fein Glas mit folgendem Toast zu leeren geruht: „Auf daö Wohl meines theuren Freundes des Kaisers von Rußland, deffen Namenstag wir heute feiern. Gott erhalte und beschütze Se. Majestät." Wie der W. Puffe aus Pest gemeldet wird, enthielt der Kaschauer Toast ursprünglich in der Original-Txlirung das Wort „äUlittet“. Unmittelbar vor dem Diner wurde daffelbe weggelaffen und Se. Majestät sprach es nicht auS. Hiervon vergaß man jenen Beamten des OberhofmeifteramteS zu verständigen, welcher den Text dem „Korresondenz Bureau" Übergab." AIS der Toast auSgebtacht war, soll sich nach dem N. W. T. der Erzherzog Albrecht an den rufstschea Militäratt^s gewandt und zu ihm gesagt haben: „Ich gtatulire, die Türken stnd vernichtet." Auch dieses wird von dem Pester Blatt Ellevör in Abrede gestellt; der Be richterstatter des Blattes erklärt: „Ich kann theils auf Grund persönlicher Wahrnehmung, theils auf Grund der Informationen, die ich mir über alle Vorfälle an compe- lentester amtlicher Seite verschaffte, behaupten, daß, entgegen dm falschen Mittheilungen der hiesigen Blätter, Erzherzog Albrecht ben russischen Attachv bet bem gestrigen Aus marsch, bei welchem ich zugegen war, nicht angesprochen und ihm folglich auch nicht gratulirt hat. Grundlos ist ferner, daß das Kaiserliche Gefolge den türkischen Attachä ignortrt." — Der „Lloyd" erklärt, eS ist Thalfache, daß die hierher zu- rückgekehrten Minister, welche jener Hostafel beiwohnten, mit Bestimmtheit erkSren, in dem Toaste feiner Majestät er enischieaenen ToncS: „Dore hinaus I Noch find wir in Amt und Würde, noch die verautu örtliche Obrigkeit der Gemeinde. Wählt die neuen Häupter, daß wir ihnen die Bü de aufladen und uns jeder Saft entheben. Alle« muß nach Recht und Gefitz vor sich geh n, denn Jedem von uns ist Ehr' und Leben mcht fo feil, wie etwa Euch und den Euren. Fort, fug' ich."
„Fort, hi raus I" fiel n Bürgermeister und Rath ein. Sie merkten wohl, wie klug bet Setter Hannes handelte, nm ihre Köpfe aus der Schlinge zu bringen
Die 8lbHeotbneten entfernten sich, um den Ihren Be» scheid zu jagen, wie sie ihn vernommen.
6.
Dem guten Angclo Stcppn wurde Zeit und Weile lang in seinem Gefängniß. Bei Brod und Wasser lag er mit Eisen an Händen und Füßen in deS HexenthutmS finsterem Gewölbe. Niemanden sah er, als den mürrischen Schließet, oct ihm dre ärmliche Ko st reichte. Keinen Laut vernahm er, als das Rauschen des OoßbacheS, der seines Kerkers Mauern bespülte. Nicht einmal dre Laute hatten sie ihm gelaffen, womit er die langen Stunden feiner EiN famtett hätte verkürzen, die bangen Zweifel seiner g ebe«, sthnsucht versüßen können. Tag für Tig bat er den Schließet, den Richtern zu b st llen, daß er verhütt und avgeurlheitt fein wolle. Der Gsungene ah; te nicht, woher die e seltene Verzögerung rühite. Sie war da« Glück im Uüylüd; der Scharftichter nämlich weigerte sich beharrlich, irgend einen Angeklagten zu foltern, jv lange noch uu,.e wie, wer nach Recht und G:s>tz in Baden zu bef hlen habe. Welche Gewißhett weit hinauSgeschoacn schien Zrat halte Ernst Friedrich, der Markgraf in der CarlSbutg zu Tut- lach, vom schnöden Handel zwischen seinem Vetter und
gugg r'.chen Hause schleunige Äuuot erhalten