Marburg, Sonnabend, 15. September 1877.
»r. 9616.
xii. Jahrgang
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möglich deren Rückzug dadurch, daß Theile von Jmere- tinsky's Division und ein Theil der Rumänen eine Flankenbewegung machen, abzaschneiden und den Türken eia orientalische« Sedan zu bereiten. Die Schlacht muß vielleicht den Charakter der Entscheidung d S Feldzüge« an- nehmen. Der Friede ist dann möglich, obwohl ich sagm gehört habe, daß des Großfürsten Absicht nach Plewna ist, den Balkan zu überschreiten, ehe der Winter beginnt, und nach der Deckung von Avrianopel in großer Macht auf Konstantinopel vorzudringen. Ich sagte, daß die Schlacht b'gönnen hat. Sie Hot nunmehr 10 Stunden gewüthet, aber e« ist l diglich ein niemals verstummender A-till rie- zweikampf. Die türkische Redoute auf den Anhöhen ober- halb Grivitz i ist den ganzen Tag hindurch von den russischen und rumänischen Batterien von allen Seiten de« dieselbe beherrschenden Plateaus beschossen worden. Unterhalb de« Pla eau« tn dem weiten Thale befindet stch da« Doef,Grivitza — neutraler Boden, weder von Ruflen noch von Tü ken ocenpirt. Dieses Dors i|t seit vielen Wochen von den Vorposten beider Seiten als neutrales Territorium anerkannt worden, wohin des Mo gens die Ruff.n gingen um Lebensmittel in Frieden einzakaafen. Den Türken wurde NrchmutagS dasselbe Privilegium gestaltet. Außer der langen Resoute find nuc wenige Batterien läng« des stch von Gcivitza bis Plewna ausdehnenden Thales vorhanden. Rujsttchers-itS wurde während dec Nacht j de Kanone bewundernswürdig in Position gebracht, mit Ausnahme der großen Belagerungsgeschütze, welche in der Dunkelheit auf dem unrechten Hügel, etwas weiter zurück als beabsichtigt war, aufgepflanzt wurden. Wir halten während des Tages einige Auslegung durch baS Erscheinen des CzarS auf dem Schlachtselve. Seine Aengstlichkeit harte ihn bewogen, die Scene einer Aktion zu besuchen, die aller Wahrscheinlichkeit nach die entscheidenve de« Fe.dzngeS sein muß. H.ute ist der Jahrestag der Krönung des Czaren. Auf einem Theile des Feldes steht eine noch gezimmerte Tribüne, welche für den Gebrauch Sr. Majestät errichtet worden. Der G oßfü.st Nikolaus besuchte während des Tages das Feld, und den Fürsten Karl sah man gelegentlich mit seinem Stabe den Verlauf de« Bombardement« beobarten. Em seltsames Gerücht beginnt zu kurstren, als der Tag stch seinem Ende zuneigt. Eine von der linken Flanke ausgejandte RecognoScirungs- abih ilung soll, wie man sagt, zarückzekehrt sein, ohne den Feind irgendwo in der Nähe von Plewna gefunden zu haben. ES entsteht die Befürchtung, daß die Türken stch zurückgezogen haben und die Ruff u eine Geisterarmee be kämpfen lassen. Die heutigen Uniälle der Russen find fast Null. Ich hörte, daß nur 1 Osfijier und etliche Soldaten verwundet worden. Heute Nacht wird die Kanonade
Eßwaaren davon ausnehmen) vor unseren Leuten sämmtlich ganz ruhig an Ort und Stelle in Kisten und Kasten liegen lassen können; so lange er im Hause blieb wäre ihm nichts angetastet worden.
Heute wurde auch durch einen Officier des 13. Husarenregiments ein von Paris gekommener Luftballon, der in der Nähe von Chartres sich zur Erde gelassen, mit vielen Briefschaften, die sofort an das Hauptquartier in Versailles befördert wurden, erbeutet.
5. November. Nachmittags um 2 Uhr löste uns aus unserer Vorpostenstellung das 2. Bataillon 32 ab und rückten wir um 5 Uhr wieder in Chartres ein, wo inzwischen unsere Ersatzmannschaften aus Kassel angekommen waren. Unsere 1. Compagnie erhielt 1 Officier, (Sec.-Lieut. Frankfurt), 3 Unterofficiere und 35 Mann. Durch diesen Ersatz kam an jenem Tage unser Regiment wieder auf die Stärke von 1910 Mann.
6. November. Feldwebel Lange, bei Sedan verwundet und mit den Ersatzmannschaften von Kassel wieder angekommen, übernahm von mir die Geschäfte des Compagnie- Feldwebels.
Heute Nachmittag um 4 Uhr fand Militärgottesdienst in der großen Bahnhofshalle von Chartres statt.
Regnerischer Tag!
7. November. Von 8—10 Uhr Morgens exerciert; Nachmittags Felddienstübung.
8. November. Morgens von 9—11 Uhr exerciert; Nachmittags Appell in Mänteln.
Von der Cavallerie liefen in diesen Tagen immer beunruhigendere Nachrichten ein; die Franzosen, jetzt unter dem Obercommando des Generals Aurelles de Paladine, hatten Chateauneus (nordwestlich von Chartres), Jlliers (24 Kilom. südwestlich) und Courville besetzt; in Jlliers war auch auf unsere Patrouillen Feuer gegeben und mehrere Mann ver-
Sajeigen nimmt entgegen: sie Expedition d.Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von Tb- Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th.
Sh« tanzenden Knachenmnn«.
Eine Ritt^rgeschichte.
(Fortsetzung.)
_ et selber sprach, stieg et eben vom
Baldreit au« die Staffeln gegen oen Markt hinauf, «them- schöpfend blieb er bet einem Absatz st,Heu; und da c« ihm vorkam, wie wenn er etwas schwirren over girren hörte, wandte stch seine Aufmerksamkeit dem Geräusch zu. Die Töne eines Seitenspieles waren's, die an des Lauscher« Ohr schlugen. Sein suchender Blick entdeckte bald auch ein erleuchtete« Fenster, woran« die Musik erklang.
«Hier wohnt ja der Bvtzcuer," sagte Philibert und
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.Llatte-, sowie d.Annoneen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Invalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in
4. November. Freitag. Um 7 Uhr Morgens mar- chittm wir wieder zur Compagnie nach Pont-Tranche- fötu zurück, wo wir Alle tüchtig durchfroren und mit ge- 'altigem Kaffeedurste, den wir freilich dort stillen konnten, »kamen. Dort blieben wir nun den ganzen Tag und die «aus folgende Nacht im Bivouak. War es gestern schon gewesen, so herrschte heute Nacht eine wahre Winter- Üte, bei der es sogar Eis fror.
Bei der 2. Compagnie hätten heute die Leute einer lldwache beinahe in aller Unschuld einen armen Bauer seine vergrabenen Habseligkeiten gebracht. Die Leute Een nämlich, um abzukochen, in dem Garten desselben m Feuer angezündet. Kaum aber brannte dasselbe, als
Bauer mit allen Zeichen der Angst und des Schreckens krankam und jammernd um das Feuer herumging. Die Mannschaften verstanden wohl seine Aufforderungen und Men nicht, und so lief er fort, um bald darauf mit einem Wcier wieder zurückzukehren, welcher den Leuten befahl,
Feuer auszulöschen und es an einer anderen Stelle >lcder anzumachen, da der Bauer ihm offenbart, daß er nadc an der Feuerstelle seine ganzen Habseligkeiten ver- raben habe. Natürlich wurde diesem Befehle sofort Folge leistet und dem Bauer gestattet, aus der an der Ober- ache bereits glühend gewordenen Erde seine Schätze -
1,8;. 6« Tageslicht zu befördern. Viel war es gerade nicht, « verborgen hatte, und wenn er es nicht etwa aus Mißtrauen gegen seine Compatrioten vergraben hatte, so -- alle er es (ich will ein paar Stücke Brod und andere
gegen die Redoute fortgesetzt werden, um zu verhindern, da« Breschen auSgebeffert werden. Der morgige Tag wird »eigen, ob die Türken stch zurückgezogen haben, oder ent« schloffen sind die Postiion von Plewna zu vertheivigen."
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War sieben Jahren.
Tagebuch eines Dreiundachtzigers aus dem deutsch - srau- zöfischen Kriege 1870/71.
(Fortsetzung.)
äaafenftein & Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Cöln rc.; Rudolf yiofle in Berlin, Frank-
Tage-bericht.
Die Nachricht, daß das deutsche Mittelmeer-G-schwader zur Zeit in der Bestka-Bai untere, entbehrt der Begründung. Daffelbe ist vielmehr am 10. dS., von Lyra kommend , wieder im PyräuS eingetroffen. Die Schrauben- Corvette „Hertha" ging am 12. dS. auf bet Fahrt von Kiel nach ©ibraltar wegen Weststurm« bei Cowes vor Anker. Das Kanonenboot „Albatros" hielt am 12. dS. bei Plymouth.
AuS München wird uns geschrieben: Der aller Voraussicht nach bevorstehende Tod des Erzbischof« von München würde die dritte Diözese Bayerns verwaisen und es dürfte dem bayerischen Kultusminist r schwer werden, für dieses wichtige ErzbiSthum einen neuen Oberhirten zu finden. Gregor von Schert ist am 22. Juni 1804 zu Neuaburg vorn, Wald, einem kleinen Marktflecken der Oberpfalz als bet Sohn „titiner" Leute geboten. Wie Haneberg trat er in den Benedictiner-Ocden und wuide Abt zu Metten. Als sein Vorgänger der Erzbischof Carl August Graf von Reisach (nicht Freiherr von Gebsattel, wie andererseits irrthümlich gemeldet) zum Kartinalpriester und Präf kten der Kongregation der Studien ernannt (17. Dezember 1855) und Damit das ErzbiSthum München erledigt wurde, fiel da« Auge des Königs auf den Abt von Metten, Gregor Schert, der seine Ernennung zum Erzbischof von München bereit« am 6. Januar 1856 erhielt. Auf dem vatikanischen Koncil gehörte er zu den Bischöfen der Opposition, wa« ihn aber doch nicht hinderte, gegen den Willen der Regierung und da« „non placet" be« König« bie vatikanischen Dekrete zu publtctren. Ohne viel von stch reben zu machen, hat bet Erzbischof doch nicht zu der Partei bet „Semmelschmarrn" gehört. Sehr zum «erger bes Sigl'schen Vaterlandes fuhr der Erzbischof fort, den königlichen Hof zu b.suchen, wo et mit Döllinger uns Lutz manche« Mal an einer Bank zu sitzen kam. Er fehlte bei keiner staatsunfreundlichen oder Überhaupt kultur- kämpferischen Kundgebung der bayerischen Bischöfe, aber et trieb c« nie so weil, wie einer seiner Suffragane, der al« Domherr eine milde liberale Gesinnung heuchelte und dann al« Bischof dem König, sobald et nicht mehr „von Gotte« Gnaden* sein wollte, mit Umstürzung deö Throne« mit Mistgabeln und Dreschflegeln drohte. Der Erzbischof bewährte eine gewisse Geschicklichkeit stch durch Szylla uny Eharybdi« hindurchzuwinven. Er wußte stch zugleich ba8 wundel worden. Im Südwesten, aus welcher Richtung namentlich sich bie feindlichen Colonnen vorbewegten, stand noch das bairische Corps von der Tann, und diesem sollte nun, in die Gegend von Orleans, unsere 22. Jnf.-Diviston als Unterstützung zueilen. Wir erhielten demgemäß noch in der Nacht Marschbefehl. w
9. November. Schon mit Tagesanbruch wurde von der ganzen Division der Vormarsch angetreten. Unsere 44. Infanterie-Brigade marschirte über Thivars, in südwestlicher Richtung bis zu dem erbärmlichen Hefte Rouvray St. Florenün. Dort traf mich das Loos, gleich auf Wache ziehen zu muffen.
Schon am Morgen und während des ganzen heuttgen Marsches hatten sich die Folgen der Erkältung vom 3. bis 4. November, an denen ich bereits seit ein paar Tagen litt, stärker bei mir bemerklich gemacht und in der Nacht wurde ich so unwohl, daß ich glaubte von Wache abgelöst werden zu müssen und nur mit vieler Mühe meinen wichtigen Dienst versehen konnte.
(Fortsetzung folgt.)
Die Schlacht bet Plewna.
Von ihrem Corrcspondenten im russischen Lager von Gcivitza erhält die „Daily News" folgende Depesche, batlrt Freitag Abend 5 Uhr: „Die langerwartete Schlacht von Plewna begann heute Morgen gegen 7 Uhr, nachdem die Rusftn bcsalloffen, nach der erfolgreichen Affaire von Lowtscha den Versuch, Plewna zu nehmen, nicht länger au'zuschieben. Seit der letzten Affäre bet Plewna war die russische Armee in und um ihre Posi ionen vor Poradim, Scalinea, Pelischat und Rogoi herum müßig geblieben. Erst vor wenigen Tagen wurde sie durch die Türken, welche ungeachtet der jenseits des Balkans von Suleiman Pascha entfalteten Energie, augenscheinlich hier eine Kraftprobe fürchteten, b unruhigt. Vor zwei Tagen besuchte ich die Lager, weiche so familiäre Objekte auf der Landschaft geworden stad, und fand fie ein gutes Stück mehr nach der Front und auch in der Richtung von Lowtscha vorgeschoben. Sechs türkische Regimenter aus Plewna v.rsuchie i die bedrohte Stadt zu erreichen, aber vergebens. Es schien eine große Erleichterung für Jedermann, Offiziere und Mann- schff en, ermüdet durch den ewigen Müßiggang oder daS -Planen und Ausführen von Erdwerken, zu sein, al« es H eß, daß etwa« gethan werden solle. Während der letzten zwei oder drei Tage kam neues Leben in bie halbschlummernden «Armeen. Regimenter und Divisionen verschwan den rasch und geheimnißvoll und ihre Plätze wurden schnell von neuen Ankömmlingen eingenommen. Lange Artilleriezüge tarnen an, darunter die ungeheueren BelagerungS- tanonen, welche lange aus der Straße unweit Sistowa gelagert. Jede derselben wurde von etwa 20 Ochsen vorwärts b-fördert. Am Sonntag kam der neue Commard uc en chef der Armee vor Plewna, der dunkle, hübsche und höfliche Herrscher Rumänien«, Prinz Carl von Hohcnzollern, Wit einer glänzenden Eskorte an. Es schien nicht- weiter ßu fehlen, als der Befehl, den Angriff zu beginnen. Der Sieg bei Lowtscha hatte diesen Befehl möglich gemacht. Henn mit der vollständig entwickelten linken Flanke und der von den drei rumänischen Divisionen eingenommenen xechten Flanke stand vor Plewna, Zotvff'S ursprüngliches Commanbo miteingerechnet, eine Kampfarmee von mindestens 100,000 Mann. Die Türken unter Osman Pascha sind ms angeblich unmertsch ebenbürtig, wenn nicht überlegen, such Haden gleichzeitig den Vor'heil starker Positionen auf m Plewna umgebenden Hügelkette. Die Rumänen nehmen sie rechte Flanke bi« über Arbica hinaus ein. Da« rus- stiche Centrum dehnt stch von Zgaltuge und Pelisat nach öogot aus, während die linke Flanke bie siegreiche Streit pacht von Lowatz bildet. Es ist muthmaßltch bet russische plan, bie Türken nach Plewna hineinzutreiben unb wo
(fc^eint tägliib au^et beu Werttagen nach Smm- unb 8ekrtOgen. Preis für das Quartal mit bet wöchentlichen Beilage „SliWrirtt* «au«.,«Statt-' durch bie «xpedttion (Koch'fche Buchdruckerer) bezogen 24 durch bie Postämter des Deutschen Reiche« 2 «art 5» Pf,. (exl. Bestellgebühr). - JasertionSgebübr für bie gehaltene Zeile 1»«, Für in der Expedition zu crtdeilende BuStunft und flenalme von Adressen werden <5 Pf«, berechnet. '