Einzelbild herunterladen
 

Z

ne li­nd er

!N.

t i«= ich ht, :in vo ict rf- EI* 22

°ß

>en

nit em

ier

k.

lei i. Det ;or.

Lfr. LOS.

Marburg, Freitag, 7. September 1877.

XII. IahrMg.

gaatigen nimmt entgegen: He Expedition d.Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux gon Th, Dietrich & Co. in jtaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Cöln rc.; Rudolf Woffe in Berlin, Frauk- furt a. M. rc.

GerWsche ZÄW.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfutt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

Erschemt täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Ferettagen. Preis für daS Quattal mit der wöchentlichen Beilage „gigfhrtrte» Eouutagsdlutt" durch die Expedition (Äoch'fche Buchdruckerei) bezogen U »ark, durch he Postämter des Deutschen Reiches 8 Mark 50 Pf,, (exl. Bestellgebühr). - JnfertionSgebühr für die gespaltene Helle 10 Pf, ’ Für in der Expeditton zu ettheilende Auskunft und Sunabme von Adressen werden 85 Pfg. berechnet.

Thier-.

Frankreich hat seinen größten Staatsmann verloren: ThierS, der frühere Präsident der Republik, der bei allen großen Entscheidungen seit 1870 eine so hervorragende Rolle gespielt hat, und der in der neuen Krisis, in welcher sich die Republik befindet, trotz seine- hohen Alters wiederum den bedeutendsten Einfluß zu üben berufen schien, ist durch einen Schlaganfall plötzlich dem Lande entrissen worden.

AuS dem reichen Leben des Verstorbenen ist an dieser Stelle nur die Thätigkeit hervorzuheben, welche er zur Wieder­herstellung des Friedens mit Deutschland und demnächst zur Wiederanknüp unz günstiger Beziehungen zwischen den beiden Reichen geübt hat.

Nachdem ThierS unter dem Kaiserthum seine Stimme vergeblich erhoben hatte, um von dem Beginn des verhäng- nißvollen Kriege- abzumahnen, — nachdem er sodann in mitten teS unglücklichen KciegSlaufS aus persönlichem Patriot! schem Antriebe eine Reise an die großen europäischen Höfe unternommen hatte, um dieselben zu Schritten zu Gunsten Frankreich- zu bewegen, — entschloß er sich im Augenblicke der letzten schwersten Entscheidung dazu, den Frieden zu verhandeln, durch welchen Frankreich sich unausweichlich ewpstadlichea Opfern unterwerfen mußte. Daß diese Opftx schließlich auf das nach deutscher Acffrssung unbedingt U- ec läßliche beschränkt wurden, durste ThierS sich mit vollem Recht als ein Verdienst um sein Vaterland anrechven.

Nach dem Friedensschlüsse aber war cs ihm beschieden, als Präsident der neuen Republik noch Größeres für Frank reich zu leisten: zunächst die Niederwerfung der „Kommune," welche daS gesäumte innere Staats! ben Frankreichs zu zerrütten drohte, sodann die über jede Erwartung rasche staatliche und wirthschaftliche Wiederausrichtung des schwer geprüften Landes. Seiner staatsmännischen Umsicht und Tüchtigkeit und dem Vertrauen, welches dieselbe überall ein, flößte, hatte Frankreich es zu dank-n, daß die deutsche Re, gierung in die Abkürzung der Fristen für die Abzahlung der Kriegsschuld und für die Zurückziehung der deutschen Truppen willigte, und daß es gelang, kurz nach dem un» glücklichen Kriege zwei beispiellos hohe Anleihen behufs Befreiung dcS Landesgebiets von Frankreich selbst und vom Auslande in überraschend glänzender Weise zu erlangen und zunächst den «irthjchaftlichen Kredit Frankreichs nach allen Seiten wieder Herzukellen. Gleichzeitig legte ThierS in kräftigster Weise den Grund zur Neugestaltung der zerrütteten Armee.

Trotz de- etnmüthigen Dankes, welchen ihm für diese unsterblichen Verdienste Frankreich und die Vertretung d>s Landes widmeten, mußte er unmittelbar nach vollendeter „Befreiuig des Landes" von seiner hohen Stellung weichen,

"^'l II, ' TTr -......... '■ ....... ' 11 '■TO'1,,'1 -----

weil er über die angemessene StaatSform für Frankreich anders dachte als die Mehrheit der damaligen National- Versammlung. Während diese die Wiederaufrichtung der Monarchie erstrebte, hielt er bei der tiefen Spaliung, welche unter den verschiedenen monarchischen Parteien in Frankreich herrscht, für jetzt nur eine gemäßigte Republik für möglich und für h ilsam.

„ES giebt nur einen Thron, Drei haben auf demselben nicht Platz," — rief er den Anhängern der alten Bour­bons. der Orleans und den Bonopartisten zu, — die Re­publik aber sei deßhalb fürs Erste die allein mögliche Staats­form, weil sie „am wenigsten spalte." Aber die Republik müsse eine konservative sein und mit Weisheit und Maß geübt werden, — sie dürfe das Land nicht erschrecken, son­dern beruhigen.

Die Auffassungen und Mahnungen des erfahrenen Staatsmannes sanden damals nicht die Zustimmung der konservativen Mehrheit: er trat deshalb zurück und der Marschall Mac Mahon wurde sein Nachfolger. Die Na­tionalversammlung aber kam nach vergeblichen Versuchen monarchischer Restauration zwei Jahre spater nothgedrungen auf das frühere Programm Threr's, aus die Errichtung einer konservativen Republik zurück.

In diesem Augenblicke befindet sich die Republik in einer neuen schweren Krisis, deren Ausgang von folgenschwerer Bedeutung werden kann. Wenn dabei alle republikanischen Kräfie des Landes, nicht bloS diejenigen, welche grundsätzlich der Republik huldigen, sondern Alle, welcye eine andere StaatSform zur Z it für unmöglich halten, fest geeinigt zusammenstehen, so war vor Allem der Name und daS Ans hen ThierS daS lebendige Pvpier, um das sich alle besonnenen Geister schaaiten.

Gerade jetzt wird daher daS Ableben des großen Staats­manns die empfi idlichste Lücke in den Verhältnissen Frank rrichS herbeiführcn und die weitere Entwickelung möglicher Weise in noch verwirrtere Bahnen treiben, indem der großen republikanischen Partei das Ansehen und Gewicht jener mäßigenden Kraft verloren ist.

ES kann und soll hier aus diese inneren Folgen des bedeutsamen Todesfalls nicht näher eingegangen werden. Für Deutschland knüpft sich an den Hingang des hoch­verdienten Mannes vor Allem die Erinnerung, daß seiner Besonnenheit und seinem gewichtigen Einflüsse die erste Wicderanknüpsung freundlicherer Beziehungen zwischen den beiden Völkern zu danken war, sowie der Wunsch, daß es den großen und maßgebenden Parteien in Frankreich auch ferner an Männern nicht fehlen möge, welche die Wünsche und Forderungen deS nationalen Gefühls mit den Erwä gungen des dauernden StaatSwohlS in Einklang zu bringen und die Bcst-ebungen und Leidenschaften der Parteien unter

die Gebote deS wirklichen EtaatSintercsseS und einer wahrhaft heilsamen Politik beugen zu wissen. (Prvv. Corresp )

Tagesbericht.

Das ReichSgesetzblatt publicirt die Bekanntmachung deS Reichskanzlers betreffend die Ausgabe von Schatzan­weisungen im Betrage von 10 Millionen Mark; vom 3. September 1877.

Der „Observer" enthält einen interessanten Brief anö Wien, dem wir folgende Stelle entnehmen: „Hier glaubt man allgemein, die Türkei werde im Stande sein, den An­griffen Rumäniens und Serbiens ebenso Widerstand zu leisten, wie sie bisher dem durch die Insurrektion in Bul­garien unterstützten Angriffe Rußlands widerstanden. Man glaubt, daß nach einigen weiteren türkischen Siegen ein McdiationSanerbieten im russischen Hauptquartier mit Ver­gnügen acccptirt werden würde, insbesondere wenn eS auf ein Verlangen um Reformen in den Bilkanprovinzen bastrt wäre und wenn Oesterreich und Deutschland die Initiative ergriffen. Der geeignete Augenblick für einen MediationS- Vorschlag wird, wie man glaubt, gegen Ende September erscheinen. Graf Andrassy wird dann die Note vom De­zember 1876 aus'S Neue präsentiren und die Pforte wird erklären, daß sie nicht allein bereits allgemeine Reformen eingeführt habe, sondern auch bereit sei, besondere Reformen für Bulgarien zu gewähren. Zu gleicher Zeit wird die D plomatie Mittel finden, die Empfindlichkeit Rußlands zu schonen. Mittlerweile werden Serbien und Rumänien keinen weiteren Wunsch hegen, eine Rolle in der orientalischen Frage zu spielen und zufrieden sein, wenn man ihnen ihre alte Unabhängigkeit läßt. Da die Möglichkeit irgend einer großen Lösung der Orientfrage durch die siegreiche Energie der Türken in die Ferne gerückt ist, wird sich die euro­päische Diplomatie mit einer theilweijen Lösung begnügen, die ohne weiteres Blutvergießen durch an Rußland gerich. tete gemeinsame energische Vorstellungen erlangt werden dürste."

Bon kompetenter Seite erhält die „Pol. Korr." die nachfolgenden Erwägungen über „Die Verhältnisse auf dem bulgarischen Kriegsschauplatz- nach den Schipka Kämpfen." Die erbitterten Kämpfe um den Schipka-Paß sind endlich zum Stillstände gekommen und möglicher Weise dürften dieselben nicht mehr ernstlich fortgesetzt werden. Suleiman Pascha, der energischste der türkischen Generale, konnte nach achttägigen ununterbrochenen Anstrengungen den Russen die Position des SchipkapasseS nicht erreichen. Seine Armee besteht ungefähr aus 50 000 Mann. Wie viel er

9. ,8t.

tec-

Wor sieben Aayren.

tagebuch eine» Dreiundachtzigers ans »em deutsch - fran­zösischen »riege 1870/71.

(Fortsetzung.)

b.

>.

>. B. G« t>. t>. t>.

B

!».

>.

>G-

14. Oktober. Heute verbreitete sich das Gerücht, der Feind, welcher bis dahin westwätts von uns gestanden, rücke vieder näher: es blieb jedoch in unseren Cantonnements Lies ruhig.

15. Oktober. Auch heute ereignete sich nichts Neues Md Bemerkenswerthes.

16. Oktober. Sonntag. Heute Morgen fand, durch Pfarrer Schwabe abgehalten, in der Kirche St. Jean evan- zelischer Militärgottesdienft statt. Leider war es mir und Beinen Leuten nicht vergönnt, an diesem Gottesdienste Theil » nehmen, da wir zum Abräumen des Schlachtfeldes vom 11. commandirt waren.

G.

3.

3.

,G.

Hf-

G.

3 B b. B.

Ich hatte heute Morgen du jour, als der Befehl an- Mi, daß schon um 11 Uhr Vormittags abmarschirr werde b, *tob kam gerade der mir ettheilten Weisung nach, zwei G. Eranke von unserer Compagnie m irgend einem Lazareth i. Mterzubringen. Aber wo ich auch mit den beiden armen liMferU hinkam und an einer Lazareihihüre vorsprach, wurde

Das war nun freilich eine entsetzliche Sonntagsarbeit Vld mir gerade die allerwiderwärttgste von allen miliiäri- hhcn Dienstleistungen, die je von mir verlangt wurden.

17. Oktober. $eute bekam unsere Division Befehl, ich wieder näher nach Paris resp. Versailles hin zu wen­den, jedoch ihren Rückmarsch so einzurichten, daß durch sie & Gegend von Chateaudun, nördlich von Orleans, von ,G. Franctireursbanden, welche sich dort gezeigt hatten, die G der Armee bei Versailles unbequem werden tonnten, ge­b' Mbert würde.

ich abgewiesen, weil Alles voll Verwundeter lag und an eine Evaeuation in den ersten Tagen gar nicht zu denken war. Im Bahnhof von Orleans lagen allein über 1000 Mann. — Nachdem ich nun noch eine Zeitlang vergeblich gesucht und überall umhergefragt, wurde mir zuletzt der Rath gegeben: „gehen Sie einmal ins französische Lazareth, Hotel Dieu; vielleicht werden Sie da die Beiden los!" — Und richtig, ich that dort keine Fehlbitte, sondern durfte mich mit der Gewißheit und der gegebenen Versicherung entfernen, daß die beiden Kameraden auch dort aut aufge­hoben seien.

Nun galt es aber, da bis zum Abmarsch nur noch kurze Zeit mir übrig blieb, mich sehr mit dem Packen und Um­hängen zu beeilen, denn einzelne Compagnieen traten schon zusammen; dann gings rasch nach dem Sammelplätze des Regiments, der sich in der Nähe des Bahnhofs befand, und von da nach kurzer Zeit auf den Rendezvousplatz der Division, vor der Stadt.

Nach einem etwas längeren Rendezvous daselbst mar- chirtcn wir auf der großen Hauptstraße in der Richtung nach Chateaudun ab. (Chateaudun ist 26 Kilometer von Orleans entfernt — und mit dem heuttgen begannen die eigentlichen „Kilometermärsche" der „Kilometerdivision".)

Nach vierstündigem Marsche, mir welchem wir etwa die Hälfte des Weges nach Chateaudun zurückgelegt hatten, kamen wir nach dem südlich der Straße liegenden Dörfchen St. Sigismond und bezogen daselbst abscheuliche Quarttere, in welchen es wenig oder gar nichts für Stillung unseres Hungers und Durstes gab.

18. Oktober. Heute war der Jahrestag der Schlacht von Leipzig und zugleich der Gebuttstag S. K. H. des Kronprinzen; daß wir diesen Tag aber nicht bloß feiern, sondern auch an ihm feuern sollten mit einer Ehrensalve,

die war so stark,

gar Manchem fuhr sie durch Bein und Mark! das dachten wir freilich beim Ausmarsch aus den elenden Quarttercn in St. Sigismond nicht. — Es war ein präch­tiges Herbstwetter, als wir uns in der Morgenfrühe gegen Chateaudun, das noch 4 Stunden entfernt sein sollte be­wegten, und zwar in der Marschordnung, daß das 13.^»- saren-Regiment die Tete bildete, diesem das 95. Regiment mit der Artillerie, und dann die Regimenter 32, 94 und 83 und die Munittonscolonnen folgten.

We auf diesem Marsche von uns berührim Ortschaften waren von ihren Einwohnern verlassen. Nur hier und da fanden wir einen alten Bauer oder ein altes Mütterlein, die über das gründ malheur, das Frankreich betroffen habe, bitter klagten und dabei verricthen, daß gestern noch Franctireurs hier gestanden, die sich auf Chateaudun zurückgezogen.

Nachdem wir, nach ungefähr dreistündigem Marsche, ein Rendezvous gehalten, bei welchem unser Oberst und damaliger Brigadeeommandcur mit kräftigen Worten uns an die Bedeutung des heutigen Tages erinnerte und ein von uns tausendstimmig erwidettes Hoch! auf S. K H den Kronprinzen ausbrachte, setzten wir unseren Marsch fort, und schon war Chateaudun für uns in Sicht, als das weüer vorne befindliche Husaren-Regiment Feuer aus der Stadt erhielt. — Unsere Cavallerie begann eben die Stadt zu umschwärmen, als wir einen Eisenbahnzug in südlicher Richtung und mit mächtiger Eile abfahren sahen; es war jammerschade, daß unsere Cuirassiere nicht drei Minuten früher da waren; den Zug hätten sic gewiß ge- kapett und damit _ eine größere Anzahl armer Kameraden aus der Gefangenschaft befreit, denn, wie ein später in Chateaudun aus gleicher Lage befreiter Husar von der 6. Cavalleriedivifion aussagte, brachte gerade dieser Zug