$r. 207.
Marburg, Mittwoch, 5. September 1877.
xii. Mrian.
Inwigen nimmt entgegen: »ir Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux oon Th. Dietrich & Co. in Gaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein L Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Köln rc.; Rudolf Wffe in Berlin, Frankfurt a. M. rc.
GechtUchk ZeitiiW.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.BlatteS, sowie d.Annoncen-Bureaux von ®. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhand!, daselbst; Jnvalidendank in Berkin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
Erscheint täglich außer den Werktagen »ach Sonn- und Feiertagen. Preis fitr das Quartal mit der «Schentlichen Beilage „Jluftrtrte« «onnta«S»l»tt" durch die ExpedMou («o ch'fche Buchdrucker ei) bezoge» 31 »art, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 8 Mark 5» Pf,, (exl. Bestellgebühr). - JnferttonSaebähr fktr die gespattene Zette 1» Pf«. Für in der Expedition zu ertheuende Auskunft und Annahme von Adreffeu werden 85 Pf«, berechnet.
Lohuarbeiteriunen der höhere» Stände.
Die „Sozial Cottefponbenz" schreibt: Wir werdm ton befreundeter Seite auf die Erzählung eines Berliner Blattes „Die fleißigen Mädchen" aufmerksam gemacht und zwar mit dem freundlichen Ersuchen, den Inhalt derselben einer Bearbeitung zu einem durchschlagenden Zet mngSartikel zu unterwcrsen. Die Frage sei eine so sehr wesentliche und die Handarbeiten der btsiern GesellschastS- klasien, d. h. eben der weiblichen Glieder derselben, nur um sich Taschengeld zu verschaffen, feien leider bereits zu einem Krebsschaden geworden, der wohl noch mit aller Macht bekämpft werden muffe.
Der Verfasser obiger Erzählung sührt eine ganze Reihe von Damen auS den höheren Ständen vor, welche für Geld arbeiten, aber mit sehr niedrigen Löhne« — 40 bis 70 Pfennige pro Tag — zufrieden sind, da ste aus die Erträge ihrer Arbeit nicht angewiesen seien. Sie wollten nur verdienen, was ihnen die Handschuhe kosten, oder eine Zubuße zur Bestreitung einer eleganten Toilette haben, oder öfter ins Theater gehen, oder ihre Langeweile todtschlagen. Diesen für Geld arbeitenden Damen wird ein gleichfalls gebildetes, aber tu sehr beschränkten Ver- hälknissen lebendes anderes junge» Mädchen gegenübergestellt. Sie muß die alte Mutter und sich selbst durch ihre Handarbeit ernähren. Dies ist ihr aber bet den stu- kenden Löhnen zuletzt nicht mehr möglich, so daß ste tu Elend verfällt.
Wir stehen nicht an, die Bemerkungen de« Einsender» über „da» für Geld Arbeiten der Frauen höherer Ständen anzuführen, ziehen aber eine andere Lehre aus dieser That- sache. Erstens möchten wir behaupten, daß die große Mehrzahl der Damen, welche aus den vorher erwähnten Gründen für G-ld zu arbeiten vorgeben, dies tu Wahrheit «ns wirklicher Roth lhun, aber um alle» in de, Welt nicht für bedürftig gelten wollen. Verschaffte sich aber auch die eine oder die andere durch ihrer Hände Arbeit einen berechtigten Genuß; wie Theater, geschmackvolle« Kleidung «. f. »., ja, zerstreute ste nur ihre Langeweile auf diese Weise, so wäre auch die» nicht tadelnSwerth. Sollte etwa erarbeitete» Geld nicht in demselben Grade zur Verschönerung de» Leben» beitragen dürfen, wie er erbte« oder geschenkte»? — Ferner ist zu beachten, daß
für den Monat September „ auf die Oberhejstsche Hei« tm»g mit dem Jllustrirte» Sormtagsblatt werden von allen Postanstalten entgegengenommen. Die Exp. d. Oberh. Zeit.
viele derer, welche vielleicht in ihrer Jugend für Geld arbeiteten, obgleich ste es nicht nöthig hatten, im Alter arbeiten, weil st- es nöchig haben. Wie wären ste aber dazu fähig, hätten ste sich nicht schon in der Jugend die Energie zu eigen gemacht, welche bet Lohnarbeit erforderlich ?
„Was wird aber aus den armen Mädchen, die für ihre Existenz arbeiten wüsten?" ruft man uns zu. Die meisten Hausfrauen werden gestehen, daß ste bisher oft Mühe hatten, eine geschickte und fleißige Näherin oder Schneiderin aufzutreiben. Oft werden dieselben wochenlang vorher bestellt. Kommt endlich der festgesetzte Termin so ist damit noch nicht gesagt, daß die sehnlichst Erwartete erscheint. Die gewöhnliche Entschuldigung ist in solchen Fällen: „Ich mußte bei Frau 3£. drei Tage länger bleiben", oder: „Ich hatte Frau Z. schon vor drei Monaten mein Kommen zugesagt und konnte dieselbe nicht länger warten lasten." An Arbeit dieser Art fehlt e» also nicht. — Weit entfernt also, daß Arbeiten der Frauen höherer Släude als „einen Krebsschaden" zu betrachten, wünschen wir unserm Volke Glück, daß das Vorurtheil, für Geld arbeiten sei eine Schande, zu verschwinden scheint und der Name de» Arbeiters immer mehr zum Ehrentitel für alle Klasten wird.
Einfall in Rußland nicht unbedeutender germanischer Einfluß selbst heute noch bemerkbar macht; die Veifastung des DonlandeS ist gewissermaßen socialdemokcatisch, da daS Land im Großen und Ganzen Gemeingut Aller, und jeder wehrfähige Kosak eine Stimme aus den Volksversammlungen _ zu führen berechtigt ist. Ein jeder Kosak ist vom 18. Jahre an zum persönlichen Dienst im Kosakenheere verpflichtet und erhält mit dem Tage, wo seine Wehrpflicht beginnt, einen gewtsten Theil Landes zur Nutznießung (30 Destätineo). Durchschnittlich mit dem 20 Jahre tritt er mit eigenem Pferde und eigener AuSrüftunz in eins der in Dienst gestellten Regimenter, wo er 2 ober 3 Jahre bleibt und dann entlasten wird, um im Bedarfsfälle wieder eingezogen ober im inneren Dienst verwenbet zu werben. Wirb er Unteroffizier, fo erhält er ein größere» Stück Laub (100 Destättnen) unb al» Offizier, wozu jeber Kosak aoanciren tarnt, noch mehr. Der Rest des Landes wirb von ben Gemeinden und ein Theil von ter Heeresverwaltung des DonlandeS selbst verwaltet. Da bereits seit geraumer Zeit der Staat für persönliche Verdienste Einzelner Grund und Boden als erbliches Eigenthum geschenkt hat, so ist dadurch bereits vielfach fester Grundbeiitz am Don entstanden. Die Vortheile dieser militärischen Organisation, namentlich für astatische Koloutsation, einsehend, hat man auch andere, unbebaute weite Laudstreckeu „kosakirt", da» heißt mit einer Kosakenbevölkerung und einer der dänischen ähnlichen Vet- fastung versehen. So ist bad uralische Kosakenheer aus der VerPflanzung ber ukränischen Zaporoger am Enbe bes vorigen Zahrhunbert», so baS Kuban- unb Terckheer am Kaukasus, das Orendurgische und mehrere stbtrische Heere entstanden. Aus dem Gesagten geht hervor, daß man sich irren würde, wollte man die Kosaken als irreguläre Kavallerie bezeichnen, wenn man damit zugleich den Begriff de» wilden und undiSeipliuirten verbindet. Im Gegentheil ist ber Kosak gerabe ber verhSitnißmäßig gebtlbetfte unb intelligenteste Solbat bet russischen Armee, weil er einem schon seit Jahrhunberten freien Bauernstanbe angehört. Um bei Beurtheilung ihres militärischen WenheS nicht zu einem falschen Schluffe zu gelangen, bars man von vornherein folgende zwei Gesichtspunkte nicht außer Augen lasten: 1. Der Kosak ist kein erzogener, sondern ein geborener Natursoldat. 2. Er genießt niemals eine der unsrigen ähnliche Ausbildung im Reiten unb eine sehr un- genügenbe in Handhabung ber Waffen. DaS Donheet stellt im Kriege 2 Garbe- und 64 Atmee-Regimenter ä 6 Svtnien zu 150 Pferben mit 14 reitenben Batterien ä 8 Geschützen zum Dienst. Im Frieben sind davon 4 Garde- Sotnien und 16 Armee - Regimenter mit 14 Batterien i, 4 Geschütze (Leibgarde - Batterie 8 Geschütze) in Dienst gestellt. Selbst die 16 in Di-nst gestellten und completeu
auf offenem Felde aufgefahren waren unb gegen die feindlichen Schanzen feuerten.
Gleich zu Anfang des Gefechtes hatte unser Regiment starke Verluste, namentlich an Offieieren; es fielen: Premierlieutenant Oestereich und Lieutenant la Barrö — beide sehr brave, liebenswürdige Offieiere, deren früher Heldentod allgemein bedauert wurde; verwundet wurden in dieser Schlacht: Hauptmann Moyö, Lieutenant Sander und Reservelieutenant Wessel.
Da wir von unserem Kleingewehrfeuer, während wie ein Hagelschauer die französischen Granaten und Kugeln fortwährend in unsere Reihen, häufiger aber noch in die Pappelbäume einschlugen, wie bereits gesagt, wenig Wirkung hatten, so wurde uns, während die 43. Inf.-Brigade von einer anderen Seite angriff, der Befehl gegeben, gegen die feindlichen Schanzen zu avaneiren — und dieser Befehl von dem ganzen Regimente, wie Kamerad H. sich ausdrückte, „mit Lust und Liebe zur Sache" ausgeführt.
Die Franzosen waren zwar nicht müssig, sondern überschütteten uns gleich zu Anfang des Avaneirens mit einem Hagel von Kartätschen-, Mitrailleusen-, Shrapnels- und Chassepotkugeln, daß uns die Ohren gellten und manchem unserer bravm Kameraden das Ohrengellen auf immer verging.
Aber mit Hurrah! gings gegen die feindlichen Schanzen, die ber Feind mit Zurücklassung von vielen Gefangenen und Munittonsvorräthen (die Geschütze hatte er vorsorglich bereits in Sicherheit gebracht) räumen mußte.
Und dann, nachdem die Schanzen unser waren, galt» noch einen Anlauf gegen die noch immer stark besetzten feindlichen Stellungen in den Weinbergen und den zum Theil brennenden Gehöften! Ich stürmte mit meiner Seetion gegen eine brennende Ferme, in welcher ich 9 unverwundete Franzosen zu Gefangenen machen konnte. — (Forts, s.)
Wor sieben Aahren.
ragebuch eine» Dreiundachtziger» au» »em deutsch - frau- zöstscheu Kriege 1870/71.
(Fortsetzung.)
Von dort ging bei dichtem Nebel in der Morgenfrühe unser Marsch bis zu dem Dorfe Briey. Dort war, und zwar von Einwohnern des Dorfes höchst wahrscheinlich, aus den Häusern auf die unsere Spitze bildenden Husaren geschossen worden, und wurde daher unsere 1. Compagnie beordert, das Dorf abzufuchen. Wir fanden zwar nicht die eigentlichen Attentäter mit der Waffe in der Hand, nahmen jedoch aus verschiedenen Häusern, aus welchen geschossen worden sein sollte, die Bauern, darunter einige recht verdächtige Gesichter, denen ich als Verwundeter um Alles in der Welt nicht hätte in die Hände fallen mögen, mit. Kaum waren wir — es mochte schon 8 Uhr vorüber {ein — mit dem Absuchen des Dorfes fertig, als wir jenseits desselben bei dem Dorfe les Barres, dem gegenüber inzwischen unser Gros aufmarschirt war, heftigen Kanonendonner vernahmen.
Les Barres war durch die Unseren von den Franzosen besetzt gefunden worden und gerade, als wir mit unseren Gefangenen bei dem Regimente wieder eintrafen, war unsere Artillerie emsig beschäfttgt, den Franzosen mit kanonischen Rechtsmitteln zu beweisen, daß das Dorf les Barres eigentlich unser sein müsse und die Herren Franzosen gebeten würden, sich aus demselben zu entfernen. Sie müssen auch die ihnen gegebenen Andeutungen -wohl verstanden haben, denn eben, als das Dors bereits an verschiedenen Stellen zu trennen anfing, kam Monsieur le Maire ans les Barres zu dem Commandeur unserer Division, Generalmajor r. Wittich, heraus und bat, da die feindlichen Truppen
Lage-bericht.
DaS „C-lestial Empire" veröffentlicht folgenbe Depesche von feinem Pekinger Correspondenten, datirt 3. Juli: „Herrn von Brandt, dem deutschen Gesandten, ist eö wiederum geglückt, von bet chinesischen Regierung eine günstige Berücksichtigung feiner Forberungen zu erlangen. ES ist nunmehr vereinbart worben, baß im Herbst Unterhandlungen mit sämmtltqen in Peking repräsentirten Mächten über die Frage der Lcki« unb ähnlicher irregulärer burch Verträge nicht autortstrter Eingangszölle auf fremde Waaren eröffnet werden sollen."
In bet Nacht auf ben letzten August verbreitete sich in Rom baS Gerücht, baß bet Papst plötzlich mit Tod abgegangen sei, unb baß bet in aller Eile herbei gerufene Leibarzt Ceccatelli nicht» weiter habe thun können, als ben eiuge- treteneu Todesfall zu bestätigen. Rach ben osfiziellw Nachrichten soll aber btt Papst die Nacht ganz wohl zugebracht nab de» Morges wie gewöhnlich feine Messe gelesen Haden.
Die russisch« Kosakenlänbet find au» ursprünglichen Militär- und FlüchtlingSkolonien, au« dem Untergänge de» KhayarenvolkeS unb ben Uebetbleibfeln de« Tatarenreiche» hervorgegangen, wobei fitz auch ein durch ben normännischeu
• ■ ■- - ....... i B 1 Li ■
inzwischen abgezogen seien, den Ort zu verschonen. Daraufhin wurde besohlen, das Arttllerieseuer einzustellen und Alles ans der ganzen Gefechtsaufstellung bewegte sich dem Dorfe näher.
Bei demselbm wurde ein kurzer Halt gemacht und konnten wir uns ein wenig mit Speise und Tranks — wer davon nur noch etwas im Brodbeutel hatte — stärken.
Nach etwa V* Stunden wurde der Weitermarsch befohlen und bewegte sich nun unser Regiment auf der großen Sttaße gegen Orleans zu, während die 43. Infanterie- Brigade (Regimenter 32 und 95) links von uns auf dem Felde vormarschirle.
Bereits sahen wir in der Ferne die hochragend« Thürme der schönen Cathedrale von Orleans, als feindliches Granatfeuer bei dem Dorfe Ormes, wo die Franzosen, namentlich in Weinbergen, in verschanzter und sehr gedeckter Stellung standen, uns belehrte, daß sie nicht gesonnen seien, uns so leichten Kaufes den Einzug in ihr schönes Orleans freizugeben. — Gleichzeitig wurde auch das 13. Husarenregiment aus einem Wäldchen heraus mit Kleingewehrfeuer attakirt; die Schwadronm gingen darauf zurück, aber nur, um einen Theil der Leute absitzen und so zu Fuß die Franzos« in dem Wäldchen wieder, und zwar mit Erfolg, attakiren zu lassen.
Das Terrain, auf welchem wir uns, den feindlichen Schanzen gegenüber und ihrem Feuer ausgesetzt, befanden, bot uns nur wenig sichere Deckung dar. Rechts und links von ber Chaussee standen Pappelbäume, hinter beenn wir uns postirten, während andere unserer Leute sich in die Chausseegräben warfen, und so eröffneten wir unser Jnsanterieseuer, das jedoch wegen der weiten Distanee nur eine geringe Wirkung haben konnte; eine bessere erzielte, freilich auch unter empfindlichen Verlusten, unsere und Abtheilungen der bairischen Artillerie, welche rechts der Sttaße und hinter uns