Einzelbild herunterladen
 

xii. Aihrgmq.

JRarfiurg, Dienstag, 4. September 1877.

Ur. 906

ObchtM 3 cit iinii

een

vor, ganz

mation in Abrede. Jndcß liegen Loch Gründe dafür die Stellung des Vicomte Gootant in Berlin als unhaltbar anzusehen.

Allem Anscheine nach fahren die Russen fort, sich

I tzt arbeitet der internationale Handel ohne Intervention dcS Staats so korrekt, daß die Bevölkerung auch nach ge­ringen Ernten mit billigem Brod reichlich versorgt wird.

Demnach wäre der Einst iß der deutschen Ernte auf die Ernährung des Volks in normalen Zeiten bis aus ein ge­wisses Maaß zu tebudren.

Ganz anbeiö gestaltet cS sich natürlich, wenn durch Krieg over andere Behinderungen die auswärtige Zufuhr abgeschnitten ist. Dann wird in dem Maaße die heimisch: Ernte von Bedeutung werden, als wir auf sie mehr oder weniger ausschließlich angewiesen sind. Dann steigen auch die Getreide preise, aber wieder bis auf einen gewesten Grad unabhängig von dec eigenen Produktion. Im Krimkriege hatten wir trotz guter Ernten hohe Preise.

Aber auch in ganz normalen Zelten ist der Ei» fluß von guten und geringen Ernten nicht zu unterschätzen. Deutsch­land hat im Ich« 1876 um fast 3000 Millionen Mk. mehr Getreide und Fleisch eingeführt als im Durchschnitt der vier Vorjahre. Dieser Betrag ans Ausland gezahlt bedeutet eine Schädigung unserer Handelsbilanz um diese Summe. Hätten denselben aber die inländischen Prodn- cer-ten empfangen, so wäre ec bei der jetzigen ungünstigen Situation der Landwirthe nicht etwa eapitalistrt, sondern wieder als Ausgabe in die Brod und Fleisch laufenben Kreise zurückgekehrt.

Der deutsche Landwirth ist im Stande, in schlechten Jahren sich außerordentliche Entbehrungen an Dingen auf- zuerlegen, welche baares Geld kosten. Er ist aber auch zu Ausgaben für Meliorationen, sowie für seinen leiblichen und geistigen Comfort sehr geneigt, sobald eS die Einnahmen g-statten. Das wisten recht gut die gewerblichen und handel­treibenden Kreise, welche den Verkehr mit dem Landbewohner vermitteln. Diese wünschen ebenso dringend einen reichlichen Ervtesegen als der Landmann selbst.

ES bedarf kaum der Erwähnung, daß der Prodncent in erster Linie von einer mißlichen Ernte getroffen wird. Er hat dieselbe Arbeit und Auslagen wie in anderen Jahren gehabt, aber einen geringeren Ertrag und wie erwiesen nicht eine entsprechende Steigerung der Kornpreise. Er kann auch seinen Geschäftsbetrieb nicht einstellen, kaum etwas ein« schränken. Jedenfalls ist dadurch feine Kaufkraft, seine Fähig» k it Zinsen und Pacht zu zahlen geschwächt und darin liegt eben der schaden für die Wirthschast des VolkeS.

T-otzdem wir also seststellen konnten, daß die Ernäh­rung deS Volkes auch bei geringen Ernten in heuriger Z it sicher gestellt ist, so bedeutet gleichwohl eine solche Ernte eine Schädigung dcS VolkSverwögenS, nur eine reichliche Ernte einen ZuwarS beffdben. Wenn daher die diesjährige Ernte Weber das eine noch das andere, sondern eine Durch schnsttSernle zu werden ver'p lebt, so Haden wir wenigstens

von dieser Seite keine Belschlimmerung unserer allgemeinen mirthschastlichen Lage zu gewärtigen.

Lagerdericht.

Der „Reichs-Anzeiger" meldet, daß sich den Vorstellungen in Konstantinopel wegen bet inhumanen Behandlung von gefangenen und verwundeten Soldaten auch die spanische Regierung ongeschlofsen habe.

Wie die legitimißische „Correspoadenee St. Chsron" meldet, ist der Vicomte v. Gonlaul Biron der franzSsische Botschafter in Berlin, von seinem Posten abbernfen worden. Der Herzog von DecazeS hat vor einiger Zeit in Erfah­rung gebracht, daß der Botschafter am Berliner Hofe Jä« triguen gegen den Fürsten Bismarck spinne; 'm Hinblick auf die Gefahren einer solchen Haltung forderte Dccaz.s den Botschafter auf, sofort auf diesem Wege innezuhalten. Diese Anweisung kam sehr spät und halte nur den Erfolg, den V comte Gontaut in die Lage zu fitzen, daß er weder bei dem Reichskanzler noch besten W dcrfachern irgend einen Schritt wagen konnte. Die Situation wurde seit einigen Wochen mehr und mehr gespannt und eS wn de endlich deschlosten, den Botschafter abzuberufen. Mehrere Parifer Korrespondenzen, stellen zwar die Richtigkeit dieser Jnsor-

besanden wir uns auf dem Marsche; erst Abends gegen 9 Uhr rückten wir sehr ermüdet in dem Städtchen Montlhery ein.

Mich traf das Loos, so ermüdet ich und meine Leute auch waren, auf Wache ziehen zu müssen und es kostete mich nicht geringe Anstrengung, die Müdigkeit zu über­wältigen und die Doppelposten aufzuführen.

Die Nacht ging indessen ganz ohne Störung vorüber.

7. Oktober. Für heute war Ruhetag angeordnet. Wir wurden Mittags um 12 Uhr von unserem Füsilier­bataillon von Wache abgelöst, worauf ich mich in das mir angewiesene und ganz erbärmliche Quartier begab, um noch einige Ruhe zu finden. Nix pour manger!

8. Oktober. Mittags um 12 Uhr marschirten wir wieder von Montlhery ab, um weiter gegen Süden vor­zurücken. — Zu Anfang des Marsches regnete es ziemlich stark, ließ aber doch glücklicherweise bald etwas nach. Gegen 6 Uhr Abends kamen wir in dem kleinen Flecken Chama- rande in Quartiere, wenn schmutzige Scheunen und Ställe als Quartiere zu rechnen sind und nicht etwa in die Kate­gorie der wasserdichten Bivouaks fallen.

9. Oktober. Morgens um 7 Uhr wurde der Weiter­marsch angetreten. Es goß nur so in Strömen vom Himmel hernieder und kamen wir deshalb durch und durch naß gegen Abend in den schlechten Quartieren von Dommerville an. — So hatten wir uns den Aufenthalt im „schönen Süden" allerdings nicht vorgestellt; da wars doch in dem erbärm­lichen Valenton noch besser! Wenn übrigens an vielen Helmen damals die Schuppenbänder nicht mehr recht passen wollten, sondern zu kurz waren, so ist dies einfach damit zu erklären, daß über die getäuschten freudigen Hoffnungen die Gesichter zu lang wurden.

Uebrigens hatten wir bis dahin noch Nichts vom Feinde, der in nicht weiter Feme bei Angerville stehen sollte, be-

für den Monat September JPl|uUUUyiU auf die Ob-rh-istsch- 3-i' Ittng mit dem Jllirstrirte« Sonntagsblatt werden von allen Postanstaltm entgegengenommen.

Die Exp, d. Oberh. Zeit.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.Blatte», sowie d.Annoncen-Bureaux von ®. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; SB. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit bet wöchentlichen Beilage „Alnftrirte* ••nxteeWett" durch die Expedition (Kochffche Buchdruckerei) bezogen 31 Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 3 Mark W Pf», (exl, Bestellgebühr). — JnsertionSgebühr für bie gespaltene ßetle 10 Pf». Für in der Expedition zu ertbeileude Auskunft und Annahme von Sdreffen werden iS Pf», berechnet.

Rn,eigen nimmt entgegen: die Expedition d.BlatteS, (0®te d.Annoncen-Bureaux „on Th. Dietrich & Co. in Mel und Hannover; TH. Dietrich in Frankfurt a.M.; gfenftein & Bögler in ,kfurt a. M., Berlin, zig, Cöln ic.; Rudolf «offe in Berlin, Franl» surt a. M. ic

Di- »ede«t«ng der Ernte in der Wirthschast d-S Bolk-S.

ES ist eine weit verbreitete Anficht, der Hanp'vorlhell einer guten Ernte liege darin, daß das Getreide billiger wird und daß damit dem Brod kaufenden Thelle des Volkes die Ernährung erleichtert und die ArbcitSklaft gehoben wiid. Der Landmann hat nach dieser Anschauung den Ausfall der Einnahmen, der ihm durch den billigen Preis crwa ifen ist, durch den größeren Ernte - Ertrag ersetzt erhalten. Diese Li ficht paßt heute und in Deutschland nur noch auf die Ernte und den Markt in frischen Gemüsen und feineren Obst- und Weinsorten, nicht aber auf da« Getreide. Je mehr die Verkehrsmittel sich gehoben haben und je mehr Deutschland ein Getreide ImportlrenbcS Land geworden ist, um so mehr sind die Getreideprelse unabhängig gewo ben von der eigenen Produktion.

AlS Beweis mögen einige Zahlen deS Berliner Getreide markte» bienen. Dieselben gelten für die beste Ernte in den letzten 10 Jahren, die von 1874, für die mittlere von 1875 und für die geringste dlefeS Zeitraumes, die von 1876. Die Preise find der Durchschnitt von den Monaten August biS December der betreffenden Jahre; 1000 Ki'o Roggen kosteten 1874 198 Mk., 1875 173 Ml, 1876 187 Mk. 1000 Kilo Weizen kosteten 1874 226 Mark, 1875 222 Ml, 1876 229 Mk.

DaS Jahr de« Mißwuchses 1876 hatte also nicht höhere Betreib, preist wie 1874 mit reichlicher Ernte. Es war diese PreiSauSglelchung einfach die Folge der Ueberfüllnng der Lager im Herbst 1876 und diese eine Folge der großen Zufuhren des Auslandes. Von der norddeutschen Brod- fiucht, dem Roggen, lagerten tn B-rlin im November 1874: 1925 Tonnen, im November 1876: 14365 Tonnen.

Nach der schlechtesten Ernte lagerte also an dem ersten Handelsplätze DeutschlanpS über siebenmal so viel Getreide 1U nach der besten Ernte der l.tzten Jahre. Ganz gewiß ist die» ein den Staatsmann und BolkSwlrth sehr befrlc- dlgendes Resultat unserer rmf-ffelten und entwickelten 93er» kehrSverhältnisie.

In früheren Zeilen hätte die vorstchtlgste Regierung durch Verbote der Ausfuhr und deS Branntweinbrennens sowie Anlage von MagazMen nach einem Mßwacks wie dem von 1876 die HunaerSnv'h nicht abwehren können

Flor siebe» Jahre».

lagebuch eine« TreiundachtzigerS ans dem deutsch - fron- zöfischen Kriege 1870/71.

(Fortsetzung.)

Mit großer Freude wurde natürlich dieser Marschbefehl don uns Allen begrüßt; aus dem trostlosen Valenton her- 8u8, hinunter in die schönen reichen Gegenden an der Loire und dort nichts weiter, als ein paar Franctireurgefechte und vor Allem hinweg von dem miserabelen Paris! das toaren die Gedanken und Illusionen, die unsere Herzen fröhlich stimmten, ja die ein gewisses Dankbarkeitsgefühl gegen die lieben bairischen Kampfgenossen dafür, daß sie Ächt ohne uns mit den paar Franctireursbanden fertig kerben konnten, in unseren Herzen erweckten.

Ach und wie bald sahen wir ein, daß wir in unseren gehegten Hoffnungen uns arg getäuscht!

Durch schöne Gegenden, in denen hie und da auch leid- bche Quartiere zu finden waren, tarnen wir wohl, aber in diesen Gegenden setzte es nachher noch etwas Anderes, als bloße Franctireursgefechte.

Doch bei unserem Abmarsch aus Villmeuve St. Georges hing uns noch, wie man zu sagen pflegt, der Himmel voll Geigen — ohne besonderen Abschiedsschmerz sagtm wir Palenton Lebewohl und traten, luftig und guter Dinge, den Marsch nach dem Süden an.

Zunächst passirten wir auf einer Pontonbrücke die Seine, Äar^chirten dann eine weite Strecke der Seine entlang und kamen nach einer Rechtsschwenkung auf eine große Straße, _ Kelche zunächst durch die Cantonnements des VI. Armee­korps führte.

Der Herbstabend brach frühe herein und noch immer

den Türken schlagen zu taffen. Rach neuester Meldung gehen bie Türken nunmehr zur Offensive über unb es wäre nicht unmöglich, baß bie Ruffen, noch ehe sie ihre Ber- ftäitungen erhalten, gezwungen werben, den türkischen Loden gänzlich zu räumen. Abgesehen davon, baß bie Ruffen nach einem so schmählichen Ausgange be« von ihnen her- belgesührten Kriege« finanziellen unb politischen Credit ver­lieren , kurzum ruinirt dastchen würden, — eS wäre dem Interesse Europas, der Civlltfation, der Menschlichkeit, durch ein so schlau eingefädeltes unb so schlecht bnrLgeführtcS Unle-nehmen der schlechteste Dienst erwiesen. Dre Türkei würbe diejenige Nation, bie sie als ihren einzigen grim­migen Feind anstcht, nicht mehr fürchten, eS würde eine furchtbare Reactoa eintreten, die Christen in der Türkei, deren Jntereffen Rußland zu vertreten vorwendete, würden eine« fürchterltchen Schicksals sttzcr fein. Wer könnte noch von bnrchgreisenden Reformen bet siegreichen Türkei hoffen unb reben ? Wer bas Volk der Türken in feiner Natur unb Geschichte beobachtet hat, weiß, daß bürgerliche Gleich­stellung von Christen unb Türken eine Unmöglichkeit ist

........... ■■■»irf.. - »ikjwaira»-«?» n *,..--s >■ , ■ „■••••• - '

merkt; nur bie Baiern hatten heute ein Franktireurgefecht gehabt.

10. Oktober. Bei starkem Regenwetter marschirten Wir Morgens um 6 Uhr aus bem jämmerlichen Dommer­ville ab. Die Straße, welche von hier auf Orleans zu führt — sie ist gepflastert — mag bei gutem Wetter gut zu passiren fein; bei bem heute anbauemben Regenwetter aber war sie entsetzlich, unb war baher unser Vorwärts- bewegen auf berselben nur ein sehr langsames unb, bei ber Schlüpfrigkeit ber nassen Steine, ein mehr als jeber andere Marsch die Füße ermüdendes.

Auch heute kam unsere Division, obgleich der Feind ihr ganz nahe war, in keine nähere Berührung mit dem­selben; dagegen waren die Baiern bei Artenay engagirt, doch war der Kampf heute hauptsächlich nur Artilleriekampf. Von unserer 22. Division ist, soviel ich weiß, heute nur das 13. Husaren-Regiment in feindliches Feuer gekommen, während wir, links der großen Straße, in Referveftellung uns befanden.

Die Franzosen mußten Artenay, mit Hinterlassung mehrerer Geschütze und vieler Gefangenen, den Baiern räumen und zogen sich auf Orleans zurück. Als die Baiern die Stadt vollständig in ihrer Gewalt hatten, und das Gefecht mit dem Rückzug ber Franzosen beenbigt war, be­zogen wir in bem etwas rückwärts gelegenen Dorfe Ruan elenbe Quartiere.

11. Oktober. Wir wußten, daß heute in aller Frühe aufgebrochen werden müsse und daß der heutige Tag jeden­falls ein ernster und entscheidender und für Manchen von uns auch der letzte Tag fein würbe. Bereits um V-2 Uhr Morgens würben wir aUarmirt; so gut es ging würbe noch ein warmer Schluck Kaffee bereitet unb um 2 Uhr rückten wir schon in bie befohlene Stellung bei Dombron ein.

(Fortsetzung folgt.)