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Marburg, Freitag, 31. August 1877.
XII. Zchk-W.
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Inicigen nimmt entgegen: »je Expedition d.BlatteS, „wie d-Annoncen-Bureau gen Th. Dietrich & Co. ii gaffel und Hannover; Th
Dietrich in Frankfurt a.M. tzaoseustein & Vogler ii Frankfurt a. M., Berlin iiipzig. Cöln rc.; Rudol, Hoffe in Berlin, Frank- furt a. 3)1. rc.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.Biattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jüger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.
Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Ml»strirt»4 Tonntagddlatt" durch die Expedition (kkoch'fche Buchdruckerei) bezogen S; Mart, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 3 Mark 56 Pf«, (exl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespalten- Zeile 16 Pf>. Für in der Sxs'edition $a ertheilende Au. tunst und Annahme von Adreffen werden 35 Yfz. berechnet.
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iUltidlltltilMt für den Monat Septembev |liplluUU||ni auf die Oberhesfische Zei'
Lage-dericht.
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iinfl mit dem Jllustrirten Sonntagsblatt »erben von allen Postanstaltm entgegengenommen. Die Exp. d. Oberh. Zeit.
Der Mailänder „Perseveranza" wird von Rom getrieben: Der deutsche Botschafter hat uns verlasfen. >S wird gewiß nicht an Berichterstattern fehlen, welche o- ochwichtige Kombinationen an die Abreise des Herrn v. itubetl knüpfen werden, während sie in der Thal nichts edcutet, als daß die politische Atmosphäre r in ist, daß die aß', der Dinge im Orient den Diplomaten in diesem lugenbl ck keine Gelegenheit zu Unterhandlungen bietet, und aß auch der Gesundheitszustand deS Papstes ihm keine stsorgnifle ciriflößt, sonst würde Herr von Keudell Rom icher nicht verlassen haben. Zndem er aber abgereist ist, al er weiter nichts gethan, als was alle D plomaten in ieser Jahreszeit zu thun pflegen. Er wird sich wahr- ßeinlich mit Familien^Angelegenheiten beschäftigen und der iahe pflegen.
Ja Indien giebt eS zwei Arten von Truppen, die EllgUschen und die Eingeborenen, von denen die ersten wieder n Engländer und SipohiS zerfallen. Im Ganzen beträat ile britannische Armee 189,000 Mann, von denen 127,283 vipohiS, 61,718 Engländer und 3.996 englische Offiziere Vas Heer ist in drei Armeen getheilt, die von Brngaen ait 87.900 Mann, die von Madras mit 39,725 Mann mb die von Bombay mit 36,272 Mann. Außerdem sthm einzelne Truppenthrtlr zur Disposition verschiedener !ocalbehördeo, z. B. des Gouverneurs deS Pendschab, des Lfibcnten von Hyderabad, von MeiShor u. s. w. Die »gltschcN Soldaten sind mit dem Martini - Henrygewehr Massnct, die SipohiS mit dem System Sutter, zu denen lan ihnen nur 10 Patronen per Kopf giebt. In der lrtillerie dienen ausschließlich Engländer, da die Kanonen ie Hauptstütze der englischen Herrschaft in Indien bilden; »gegen bestehen die Sappeure ganz aus Eingeborenen, d. |. SipohiS, da es für einen Engländer entwürdigend vor m Indiern sein würde, sich mit Erdarbeiten zu beschäflt- en. Indien hat keine eigene Flotte wie früher unter der srrrschasl der Kompagnie; aber in den Häfen von HIn- ostan sina gewöhnlich 7 btS 8 Schiffe der englischen Flotte ialionirt. Die Centraldirektioa dieser Flotille ist in Bom «y, wo sich auch die Abmiralität befindet. Im Beca fS all kann England seine Kräfte zur See leicht aus den sinestschcn Gewäffern verstä ken, wo eS immer 25 bis
30 seiner Kriegsschiffe im Di nst hat. So war eS 1875 bei dem Krieg in Pcrvk, wohin aus Hongkong zwei Kanonenboote dirigirt wurden. Die Truppen der eingeborenen indisch.« Fürsten haben eine Slärke von 324,598 Mann.
ES ist ein eigenthümliches Berhängniß, daß diejenige Mait, welche im Jahre 1874 so eifrige und man kann wehl annehmen: ernstgemeinte Anstrengungen zur Humani- strung deS Krieges machte, heute unter die schwere Anklage gestellt ist, den Krieg tatsächlich tq einer sehr Unmensch lichcn Weise zu betreiben. Es ist dies eine Anklage, die der ernstesten Untersuchung bedarf, selbst im Interesse deS Angeklagten. Man wird sich ecinncru, daß im Jahre 1874 zu Brüssel ein Congreß zusammen trat, den der Kaiser.von Rußland berufen und für welchen die russische Regierung einen Entwurf betr. das internationale Kriegsrecht ausgearbeitet hatte. Kaiser Attxander hatte sich persönlich für die Angelegenheit in sehr lebhafter Weise iuteressirt. In eß ging der Congreß auseinander, ohne zu einem Einvernehmen gelangt zu sein, namentlich weil England sich dem ganzen Unicrn.hmen gegenüber kalt und ablehnend verhielt. Es war, wie vor einiger Zeit verlautete, für das gegenwärtige Jahr eine neuerliche Session des CongreffeS beabsichtigt, wenn nicht der Ausbruch des Krieges dem in den Weg getreten wäre. Merkwürdig ist eS nun, daß gerade Rußland, dcffen LicblingSgevanke eS war, den Krieg zu huma- nisiren, H ute von den Türken beschuldigt wird, den Krieg mit unmenschlicher Härte, unter Verübung schändlicher Grausamkeiten und Gräuelihaten führe. Allwöchentlich verbreitet die türkische Regierung mue Anschuldigungen und klagt bet den neutrale» Machten über die Führung der russischen Truppen. Wir können hier nicht prüfen, was an diesen Berichten wahr und waS erlogen ist; man darf aber sagen, daß sie im Allgemeinen nicht zu den diplomatischen Aktenstücken gehören, welche eine sehr große Glaubwürdigkeit verdienen. Die deutsche Reichsregierung ist inzwischen der Sache näher getreten; sie ließ sowohl in Konstantinopel sowie auch durch die deutschen Mili äcbevollmächtigten beim russischen Hauptquartier Nachforschungen anstelle«. Die englische Regierung ihrerseits blieb auch nicht unthälig; sie ließ ihren Militärbevollmächtigten, den Obersten Wellcslly, zur persönlichen Beuchterslaitung nach Loedon kommen. DaS Zcuzniß, welches dieser ketz ere den russischen Truppen cusstellie, ist ein äußerst günstiges; er sagt, seine Elkan« diguogen hätten ihn zu der festen und ehrlichen Uebcrzeu- gung geführt, daß die Angaben von russischer Grausamkeit gänzlich ohne Begründung seien. ES mögen wohl einzelne solcher Fälle vorgekommen sein, aber eS sei kaum möglich, daß Maffenmctzeleien verübt sein können, ohne daß die
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ügebuch eines DreiundachtzigerS aus dem deutfch - frau- zöfifchen Kriege 1876/71.
(Fortsetzung.)
In Lagny wird in der Kunst, die er aus dem Funda- knte versteht, der Gärtnerei, ganz Außerordentliches geleistet »b wollte es denn auch das Glück, daß er mit seiner Cor- »ralschast in einem Hause einquartiert war, hinter welchem in wunderschön gehaltener Garten mit einer Masse von wergobst und Spaliertrauben sich befand; die Obstbäum« icn hingen voll der herrlichsten Früchte; Aepfel, Birnen nb Pfirsiche, sowie prachtvolle edele Weintrauben, zum öchutz gegen Vögel und Ungeziefer in kleine Gazesäckchen ingehüllt, prangten herrenlos der Verwüstung entgegen, »Mn'nicht irgend ein freundlicher Genius schirmend den Heu Händen wehrte. Und der war ihnen denn diesmal l der Gestalt eines König!. Preußischen Unterofficiers be- ellt. Daß die Gartenfrüchte zur Stillung des Hungers itnen mußten, verstand sich von selbst, aber dem von )'.s Mannschaften, der sich erlaubt hätte, in dem Garten vtch nur ein Blättchen, geschweige denn eine Frucht muth- »illig zu verderben, hätte ich doch von seinem behelmten saupte die Abwendung der'-gravsten Verbalinjurien wenigstens licht garanttren mögen.
Mit der Verpflegung sah es übrigens im Anfänge, zu- tal nachdem die von Meaux mitgebrachten Vorräthe auf- Pzehrt waren, kümmerlich genug aus; später jedoch wurde reichlich geliefert, so daß es uns gelang, unseren Tisch dit schmackhaften Gerichten zu besetzen.
। Für den Appetit oder vielmehr für dessen Stillung war Mo gesorgt — nicht minder für den Trinkettt, denn uns Mnd m „unserem" Hause ein reich gefüllter Weinkeller zur
beliebigen Verfügung; wenn auch der Besitzer nicht vor dem Weggehen an seine Kellerthüre geschrieben „ä votre dispo- sftion, messieurs!“ so thaten wir doch auch unaufgefordert den zurückgelassenen Weinvorräthen alle Ehre an.
In Lagny wurde überhaupt eine außerordentliche Masse Wein „gefunden" — sowohl leichter Tischwein als auch feinere und schwere Sorten, als Volnay, Vosnes, St. Emilion, und wie die edlen Bouquets alle heißen.
Mit Recht denkt wohl heute in der heißen Erntezeit Mancher, der damals in Lagny anwesend war, „hätte ich nur noch einmal einen Trunk von dem Weine, der mir damals in Lagny nicht gut genug war und statt dessen ich mir im nächsten Keller eine bessere Sorte mit „fünf Sous" kaufte!"
Nun ja, es war eine angenehme Zeit, die wir in Lagny damals verlebten; kein Mensch von uns hätte es sich träumen lassen, daß auf diese lustigen Tage noch so manche blutige, ernste folgen könnten! Und doch kamen sie — und ach, wie so schnell!
22. September. Da auf heute Morgen 11 Uhr Appell befohlen war, so brachten wir die Vormittagsstunden mit Jnstandsetzen unserer Sachen zu. Nachmittags wurde — und zwar seit langer Zeit das erste Mal wieder — eine Stunde lang eyercirt und gerade dieses Ererciren drückte unserem Leben in Lagny einen so friedlichen Charakter auf, daß Niemand von uns an die ernste und düstere Zukunft nur im Entferntesten dachte.
23. September. Auch heute wurde — und zwar bei prächtigem Herbstwetter — eine Zeit lang exercirt. Nachher bekamen wir unsere vollständige Fleischration geliefert, da unser Compagniechef im nächsten Dorfe eine ziemlich fette Kuh hatte requiriren lassen. — Brod war allerdings nur sehr spärlich vorhanden; man konnte cs wohl gegen Haares Geld in Lagny kaufen, es war aber so theuer, daß
Thatsachen zur Kenntwß der Gewährsmänner des Herrn Wellcsley gelangten. Im G'gentheile seien viele gütige Hanölungen auf Seilen der Rassen gegen lüikische Gefangene bezeugt wo.den. Von Seilen der Bulgaren mögen viele Schantthaten verübt worden sein, aber dieses Volk haben sich die Türken selbst zu dem erzogen, waS es ist. Die deutsche Reichsregierung beendete ihrerseits die Angelegenheit dadurch, daß sie nicht an die Russen, sondern an die türkische Regierung die ernste Mahnung richtete für bessere Beobachtung der Bestimmungen der Genfer Convention Sorge zu tragen. Die fämmllichen Großmächte haben sich inzwischen den Vorstellungen Deutschlands angeschloffen. Die Pforte hat auch die Berechtigung resp. Begründung dieser Vorstellungen anerkannt, indem sie versprach, die Genfer Convention — ins Türkische übersetzen zu laffen und unter ihren Truppen verbreiten zu wollen.
Den neuesten Nachrichten über die Kämpfe um den Schipkapaß zufolge, waren dieselben vom Sonntag Mittag an und am Montag und Dienstag ganz unbedeutend und dm Türken war eS nicht gelungen, den Paß zu forciren, Der Berichterstatter der Londoner „Daily News", Kapitän ForbeS, telegraphirte am Sonntage dem genannten Blatte aus Bukarest: „Ich erfahre hier, daß der Kampf im Schipka- Paffe noch fortwühtet, indem er heute wieder erneuert wurde, aber daß Radetzky sorlfährt, sich zu behaupten. Es handelt sich um Ausdauer. Die Türken können die Schwierigkeiten der Lage, in der sich die Russin befinden, dadurch vermehren, daß sie auf deren linker und rechter Flanke die Offensive ergreifen. In der That hat Mchem d Ali Pascha schon einmal gegen den Zarewitsch loSgefchlagen. Aber ich halte an dem Eindrücke fest, daß der Schipka-Paß so wie er jetzt von Radetzky besetzt ist, sich tu Sicherheit befindet, und daß, wenn Suleiman Pascha nicht eine Kolonne durch einen anderen Paß durch- bringen kann — und ob dies thuulich ist oder nicht, vermag ich nicht zu beurtheilen, — er sein Heer zerschellen wir», indem er eS dergestalt fortwährend gegen den Felsen Schipka anprallen läßt."
AuS dem Hauptquartier der Armee vor Plewna, 20. August, stellt der „Tunes"-Korrespondent einen furchtbaren Kampf in Aussicht. Die Ruffen habe» die Linien, die sie jetzt halten, befestigt, um im Falle einer dritten Niederlage einen sichern Rückzug zu haben. Die Türken haben von Suleiman Pascha 15,000 NzamS (reguläres Mtlitä-) Verstärkung erhalten und sie sollen 75 000 Mann mit 200 Geschützen stark sein. Die russischen Linien dehnen sich von Lowatsch über Toglan, Vtadin, Böget, Tulischcnitza. von da ein wenig östlich von Gorica, daraus westlich von Utschika, dann nordwestlich bis Riben aus. Der Angriff
man bei einigermaßen gereiztem Appetite — und wer von uns hatte den nicht? in aller Gemächlichkeit für 1 Franc verzehren konnte, ohne besonders davon gesättigt zu fein.
24. September. Heute wurde ich mit Vicefeldwebel Lerner auf Requisitions - Commcmdo nach Meaux beordert. Wir sollten verschiedene Lebensmittel in ziemlicher Quantität und Qualität, als Mehl, Brod (aber nur recht viel!), Fleisch, Kaffee u. s. w. holen, sanden jedoch bei unserer Ankunft auch nicht das Geringste von dem Gewünschten vor. Nachdem wir drei Stunden auf der Mairie vergeblich gewartet hatten, schickte unser Bataillons-Commandeur ein Commando in die Stadt, um das Verlangte aufzutreiben. Erst gegen Abend tarnen die Abgesandten wieder in Sicht und brachten nur etwas schlechten Kaffee, Reis und ein kleines Quantum Brod mit.
Da es inzwischen für uns zu spät geworden war noch nach Lagny zurückzukehren, so erhielten wir Quartierbilletö und begaben uns in unsere, freilich erst nach langem Suchen spät Abends gefundenen Quartiere, in denen wir jedoch gut aufgehoben und versorgt waren.
25. September. Heute Morgen luden wir den uns übergebenen Kram auf und traten bei drückender Hitze den Heimweg nach Laany an, wo wir, von Premier-Lieutenant v. Stammford freundlich empfangen, um 2 Uhr Nachmittags glücklich anlangten.
Die Tage vom 26. — 29. September boten nichts besonders Bemerkenswerthes dar. Es herrschte während derselben das schönste Herbstwetter und hatten wir an jedem Tage etwas Dienst zu thun, Exerciren, Wachtparade, Appell u. dgl.
Am 29. September aber bekamen wir Befehl, uns für morgen zum Vormarsch auf Paris bereit zu halten.
(Fortsetzung folgt.)