Sr. 302.
»««eigen nimmt entgegen: ^Expedition d. Blatte-, [olpie d.Annoncen-Bureaux Mn Th. Dietrich & Co. in gaffet und Hannover; Th. Dietrich in Franlfurt a.M.; tzaasenstein & Vogler in iranlfurt a. M., Berlin, > Leipzig, Köln rc.; Rudolf • Hoffe in Berlin, Franlfurt a. M. rc.
jfiorßutg, Donnerstag, 30. August 1877.
XU. A«hW»g.
WchcsW jfitmiii.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.vlatteS, sowie d.Annoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendanl in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C- Schlotte in Bremen.
Erscheint täglich außer den Werttagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jlußtrirtet Lomuag-tlatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruclerei) bezogen Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 3 Mnrk 50 Pf«, (exl. Bestellgebühr). — JusertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf,. Für in der Expedition zu crtbeilende Auskunft und Annahme von Adressen werde» 15 Pf», berechnet.
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" für den Monat September p-’r’”------ auf die Oberhesfische Zei-
lüg mit dem Jllustrirten Sormtagsbtatt «erden von allen Postanstaltm entgegengenommen. Die Exp. d. Oberh. Zeit.
Tagesbericht.
gj Während sich der Seehandel mit Asten vor dem Suezkanalbau fast ausschließlich in den Händen der Engländer Md Deutschen befand, scheint sich inzwischen nach Eröffnung sts Canals das Verbältniß sehr zu Ungunsten Deutschland« gestaltet zu haben. Unter den 871 Fahrzeugen, »ilche den Eanal im ersten Halbjahre 1877 passtrten, be anbeti sich 677 englische, 40 französische, 30 italienische. L9 niederländische, 29 österreichische, 25 deutsche, 14 dänische, i spanische, 7 norwegische. Bon dem zweiten Range ist vcutschland auf dm sechsten zurückgedrängt.
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Die Wiener „Neue fr. Presse" hat die Taktlosigkeit -.habt, die Nachrichten von der Befestigung Rom'S mit der Amerkung zu begleiten: „Wenn die Italiener unterliegen, »aS nur zu wahrscheinlich ist, so werden sie mit den Frle ftnSunterhandlungen nicht warten, bis der Feind vor den kboren Rom'S Hl." Dieser Aeußemng hat sich das offiziöse römische „Diritto" bemächtigt, um dem Wiener Aalte, welch?« Italien a priori als die unterliegende Macht tllfiehl, energisch zu begegnen. DaS „Diritto" macht sehr kichtig darauf aufmerksam, daß man auch den b.st gten Segncr achten muß weil daS KrtegSglück oft von Dingen ibhängt, die sich nicht vorauSsehen laffen. Auch der Stärkste, kenn er klug ist, hütet sich vor Prophezeihungen. Es ist «cht nützlich und nicht klug, eine Nation immer an dem Imigen Punkte zu verletzen, wo sie natürlicherweise am ksipfindltchstm sein muß, besonders eine Ration, deren Freund | -ast man zugleich sucht. UebrigenS hat Italien seit 1866 RanchcS für seine LaadeSvertheidigung gethan und eS stehen -kinahe eine halbe Million Streiter bereit, um Italien xgen j den Feind zu vertheidigen. „Italien sucht keine Aben- met, so schließt der Artikel, eS will Frieden und Fr-und -ast mit allen Staaten und namentlich mit seinen Nach tarn, aber eS verlangt von diesen ou h die Achtung, welche 8 ihnen entgegen trägt, und eS will nicht, daß man eS pt besiegt erkläre, ehe die Würfel des KriegSglückS, welches Immer ungewiß, ja nicht selten wetterwendisch gewesen ist, efallen find; denn wir würden unS tapfer und hoffmtlich «ch mit Erfolg vertheidigen."
Einen schätzenSwerthen Beitrag zu den Gräuelthaten et Türken bringt die „P. C." in dem folgenden ihr zur ierfügung gestellten Bericht des Consuls einer fremden Nacht; derselbe schreibt auS PWppopel, 11 August: Die stder sträubt sich, all die Akte unerhörter Rohheit und
War sieben Jahren.
tegebnch eine- Dreiundachtjtgers aus »em deutsch - französischen Kriege 1870/71.
(Fortsetzung.)
Nachdem wir, — ich glaube bei St. Jean les deux funeaux, ein Rendezvous abgehalten, marschirten wir durch «en großen Wald und kamen dann nach Trilport an der llarne. Hier erlitt unser Marsch eine längere Stockung, ■eil die Franzosen die beiden schönen und großen Brücken, St hier über die Marne führen — und zwar wiederum tztzlos, in die Luft gesprengt hatten. Unsere Pioniere kuten deshalb Pontonsbrücken geschlagen, über welche dann Wer Vormarsch ging, der uns nach einer Stunde vor die Dorstadt von Meaux brachte (viele unserer Leute sprachen Dich im Juli 1871 den Namen der Stadt nicht „Moh" Ordern wie er geschrieben wird „Me-aux" aus).
Am Eingang dieser Borstadt, St. Nicolas heißt sie, ttten die Franzosen wieder zwei Brücken über einen kanal gesprengt und wiederum gings auf Pontonbrücken, ■6 deren einer ein laubgrüner Bogen mit der Inschrift .Willkommen in Paris!" angebracht war, hinüber.
Meaux selbst, von der Marne durchflosien, ist abge- kchnet die Unliebenswürdigkeit seiner Bewohner, auf die ich töter noch einmal zurückkommen werde, eine ganz nette Stadt, Ä einer schönen Cathedrale (Bossuet) und prächtigen ^den, in einer herrlichen Gegend, in welcher namentlich feines Gemüse für den Handel nach Paris angebaut gelegen. Die Stadt wimmelte von Militär; alle Waffengattungen warm vertreten, alle freien Plätze und
Barbarei zu verzeichnen, welcher sich die türkischen Truppen — die regulären ganz ebenso wie die irregulären — bei der W e^rbesctzung der von den Russen suecessive geräumten Orischaften dleffeilö des Balkons schuldig gemacht haben.
i Am 27. Juli wurden von Lisaktöi auS, einem Dorfe un- wett von Karlowa, Baschi. BozukS und reguläre türkische Truppen ges.hea, welche sich von Philippopel auS nach Karlowa In Bewegung setzten. Die Bascht-LozukS, welche der regulären Truppe voran marschirten, machten jeden Christen nieder, der daS Unglück hatte, ihnen in den Weg zu kommen. Die Christen in den Dörfern jener Gegend, sowie der gegen Philippopel zu liegenden Ortschaften, welche Alle von einem panischen Schrecken ergriffen wurden, flüchteten haufenweise nach Karlowa, aber nur Jene kamen dort mit heiler Haut an, die daS Glück hatten, auf keine Baschi Bozuks zu stoßen. Am 30. Juli rückten die Baschi-BozukS, welchen Tscherkeffen folgten, in Karlowa ein und beganren a'.Sbalv gemeinschaftlich unter den dortigen Christen ohne Unterschied des Alters und deS Geschlechtes ein allgemeines Gemetzel, welchem die Plünderung auf dem Fuße folgte. Jeder Nicht - Türke fiel unter dem Aatagan der Bajchi- Bozuks und Tscherkeffen, jedes weibliche SB cf en wurde in brutalster Weise gemtßbraucht und hingeschlachtet. Die Zahl der in diesen Tagen gefallenen Opfer kann app oxi mativ aus 1000 angegeben werden, wovon 500 am 1. und 2. August verscharrt wurden. Unter allen diesen Opfern | aber befand sich nicht ein einziger Mohamedaner, ein schlagender Beweis, daß ein Widerstand fettens der Christen nicht stattgesunden Hot. Nach dieser herzzerreißenden Schauerscene rückten reguläre iüik.sche Streitkräfte in die Stadt ein, um, wie es hieß, das Morden und Plündern zu ver- hüten. Noch an demselben Abend wurden alle mohameda nischm Familien auf den Rath des Militär - Gouverneurs aus Kariowa hinausgeschafft und unter militärischer Be- gleitunz über Ltsaüöi nach Philippopel gebracht. Am 31. Juli bezogen die regulären Truppen das dieffeitS von Karlowa errichtete Lager, wo sie vier Tage verblieben. Am dritten August rückten der Kommandant des Lagers, Mahmud Bey, und der Kommandant der auS Schipka vertriebenen türkischen Truppenabtheilung, Rassim Pascha, mit 2 Bataillonen NizamS und beiläufig 800 tscherkessischen Reitern, wieder in Karlowo ein. Das Erscheinen dieser Letzteren gab das Signal zu einer Wieder holung der schrecklichen Vorgänge Dem 30 Juli. Alle», waS dem ersten Blutbade entronnen war, fiel unter den erbarmungslosen Streichen der neu eingerückten Tscherkeffen, welche in die Häuser und Werkstätten cinbrachen und Alles sortschleppten, waS noch nach der Katastrophe vom 30. Juli übrig geblieben war. Der Commaudant der regulären T'Upp n bemühte stch zwar, die Tscherkeffen abzuhalten — er lhat dies aber weder mit dem entsprechenden Ernste, noch mit der nöthigcn Energie, und die Tscherkeffen zogen erst wieder hinaus, nachdem sie Alles nieder gemacht und ge
Sttaßen von Truppen angefüllt, die theils hier einquarttrt werden, theils durchmarschiren sollten.
Unser Bataillon marschirte zunächst über die Marne und stellte sich dann auf dem schönen großen Marktplatze auf, wo die Compagnieen die Quartieranweisungen erhieltm. — Unsere 1. Compagnie kam an das westliche Ende der Stadt, in die Straße nach Lagny zu, zu liegen. Die Quartiere waren fast sämmtlich ziemlich gut — und war das meinige (ich lag dort mü noch einem Manne) in einer Restauration, wo wir sehr gut bewirthet wurden.
Um 7 Uhr Abmds war Löhnungsappell. Gegm 10 Uhr wurde auf mehrerm Wägen eine Anzahl Verwundeter — ich glaube vom VI. Corps — von Nogent her, wo ein Vorpostengefecht stattgefundm haben sollte, hier durchgebracht. Da die Wagen eine längere Zeit in der Nähe meines Quartters halten mußten, so benutzte ich die Gelegenheit, um die armen Kameraden mit Wein und Rum zu erquicken.
Ermüdet legte ich mich um 11 Uhr zur Ruhe nieder und freute mich, einmal einen langen Schlaf zu thun, hatte aber kaum die Augm geschlossen, als mir der Befehl mit- getheilt wurde, daß unsere Compagnie zugleich mit der 2. am anderen Morgen nach Lagny abmarschirm sollte.
21. September. Mittwoch. So war denn schon während der Nacht unsere Hoffnung, einige Tage oder doch wenigstens einen Tag in Meaux bleiben zu dürfen, vereitelt worden und mußten wir, 1. und 2. Compagnie, um 8 Uhr Morgens bereits zum Weitcrmarsch bereit stehen; während der Stab und die zwei anderen Compagnieen des Bataillons in Meaux blieben, marschirten wir unter Führung des Premier-Lieutenants von Stammford nach Lagny ab.
Plündert hatten. In Eskisagra ist nur ein Theil be« türkischen QnariierS vom Fcuer verschont geblieben, die ganze männliche Bevölkerung inclusive der Knaben im Alter bis zu 10 Jahren wurde von den Soldaten Suleiman Pascha'« unbarmherzig nieder geschoffen und nieder gestochen. Alle Ortschaften der Umgebung ESklsagra'S wurden mit den darin eingeschloffenen Christen, in Brand geschoffen. 3000 Weiber und Kinder wurden aus den zerstörten Dörfern theils hierher, theils nach Adrianopel gebracht. Nur drei Greife befanden stch darunter.
Der Kampf um den Schipkapaß hat stch auch vom Sonnabend die Nacht hindurch zum Sonntag und auch an diesem Tage selbst — eS war dies der sechste Tag des wie das russtsche offizielle Telegramm sagt, verzweifelten Kampfe- — fortgesetzt. Bis jetzt ist der Paß noch immer in den Händen der Ruffen; freilich aber find sie — so weit die Nachrichten reichen — noch nicht im Stande gewesen, die Türken zum Abzug zu zwingen. WaS Übrigen« die Phantasie bereits in Betreff dieser Kämpfe geleistet, mag man aus folgenden türkischen oder turkophilen Telegrammen ersehen: H. T. B. meldet: Konstantinopel, 26. Ang., Nacht«. Telegraphische Berichte Suleiman Pascha'S melden, daß seine Armee tief in den Schipkapaß eingedrunzea sei und stch saft am nördlichen Ausgange desselben befindet. Jeder Schritt mflffe erkämpft werden. Konstantinopel, 27. August. Eine offizielle Depesche de« Gouverneurs von Adrianopel bestätigt die Nachricht, daß die Ruffen den Schipkapaß verlassen mußten und bi« Gabrowa zurückgeworsen wurden. Fünfzig Kanonen find den Türken in die Hände gefallen. London. Der Ob- setver meldet au« Stambul vom Sonnabmd Abend: Telegramme Suleiman« zeigen die völlige Einnahme des Schipkapaffe« an; dieselbe sei nach viertägigem Kampfe und tapferstem Widerstand der Ruffen erfolgt. Paris, 26. , August. Die Agence HavaS meldet: Die Türkm haben den Schipkapaß genommen. — Die letzten Nachrichten vorn Kriegsschauplätze mdben, daß Suleiman Pascha, ohne stch bei den von ihm eroberten Stellungen von Schipka aufzahalten, auf Gabrowa marschiri ist, wo er stch mit .den Ruffen schlägt. In dem Engpaß erbeutete er 15 Kanonen. Bon all diesen Telegrammen ist auch nicht ein Wort wahr!
Der türkische „Sieg von 2) .bitter" (in Kleinasien) ist schnell dem „iü.kffchen Sieg von Jaslax- gefolgt. So jagt ein Sieg den anderen; von msstscher Sette wird dm beiden Gefechten jede Bedeutung abgesprochen, e« ist auch nicht zu ersehen, was sie für Folgen gehabt haben sollen. Weder ist Mehemed Ali über den Lom vorgedrungen, noch hat Mnkhtar Pascha etwa« erreicht; im Gegentheil behaupten die Ruffen, das Umgehnngsmanöver Mukhtar Paschas bei Yedikler (in der Nähe von Kars) vereitelt zu haben.
Obgleich es heute wieder sehr warm war, war unser Marsch doch nicht sehr anstrmgmd, vielmehr recht angenehm. Eine breite, schattige Straße, wie sie sich ja in Frankreich und namentlich in der Umgegend von Paris so häufig finden, war unser Marschterrain und da unser Marschziel nur 3‘A Stunde von Meaux entfernt war, so bewegten wir uns in ziemlich langsamem Tempo vorwärts, machten auch unterwegs ein längeres Rendezvous, bei welchem die Hälfte der von Meaux mitgenommenen Essensspeism und trinkbarm Flüssigkeiten vertilgt wurde.
Bei Chessy, nicht mehr weit von Lagny entfernt, vernahmen wir deutlich Kanonendonner von Paris her, wo eben ein Vorpostengefecht stattfand.
Gegm 2 Uhr Nachmittags rückten wir denn in dem allerliebst gelegenen Lagny ein. Dort befanden sich, außer S. K. H. dem Prinzen Karl und seinem Stabe, noch würtem- bergische Truppen, einige Lazarethe, Feldpost- und Tele- graphm-Abtheilung u. A. — Doch war an Quartieren kein Mangel und erhieltm wtt als Quartierrayon den west- lichm Theil von Lagny, an der großen Straße nach Paris zu, angewiesm.
Die Häuser, in welche wtt zu liegen tarnen, warm jwar von den Einwohnern verlaffm, dagegen so ziemlich noch mit Meubeln und anderem Hausgeräth auSgestattet; alles deutete darauf hin, daß die Flucht der Bewohner eine sehr eilige gewesen sein mußte. — Ich lag mit einem Theile meiner Corporalschaft in einem zwar kleinen, aber sehr schön eingerichteten Hause, in welchem es uns an weiter Nichts als an Essen mangelte. Die Quartiere in Lagny waren be. sonders ein Hochgenuß für meinen Freund und Kameraden H- (Fortsctzung felgt.)