Marburg, Mittwoch, 29. August 1877.
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Eine Stunde nach unserem Einrücken ungefähr mußte
Lagesdericht.
In mehreren Blättern wurde kürzlich gemeldet, neuer- -jagS habe aus höhere Anordnung eine Erhebung über die Zunahme der Wirthschaften und Branntwein-Verkaufs- gellen in mehreren Provinzen stattgefunden, und eine im Hinblick auf die BevölkerungSzahl ganz unverhSltutßmäßige Vermehrung derselben ergeben. Wie die StaatSb. Ztg. jjit, hat eine solche Erhebung in der gesammten preußischen Monarchie stattgesunden, nnd zwar auf Anordnung des Ministers des Innern, um für die Prüfung und Entschei- >ung der im Verfolg der diesjährigen ReichStagSverhand« lmgen wiederholt zur Erwägung gestellten Frage, ob eine «Hinderung des § 33 der Gewerbeordnung vom 22 Juni 1869 geboren und zweckmäßig erscheine, Material zu sam «In. Die gedachte Erhebung hat sich erstreckt auf den Zeitraum vom 1. Januar 1872 bis in die neueste Zett.
Wie e« scheint, wird daS Vorgehen der Reichsregierung bei der Pforte wegm Verletzung der Genfer Convention «s einen PafsnS der Formel bezogen, mittelst welcher unser staisrr (als König von Preußen) die Convention ratificirte, Mb zwar auf die Worte »ni permettre qu’il y soit contrevenu«. Ein Blatt bemerkt dazu , kein StaarSober-
Mor sieben Jahren.
«buch eines DreinndachtzigerS aus la» deutsch - französischen Kriege 1870/71.
(Fortsetzung.)
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für den Monat September ^qlruuujjni auf die Ob-rhesfisch- Zei. Ung mit dem Jllnstrikten Sonntagsblatt «erden von allen Postanstalten entgegengenommen. w Die Exp. d. Oberh. Zeit.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.BlattrS, sowie d.Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Merfeld; C. Schlotte in Bremen.
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«gingen nimmt entgegen: Expedition d.BlattrS, «eit d.tlnnoncen-Bureaur en Th- Dietrich & Co. in Mel und Hannover; Th. Mrich in Frankfurt a.M.; ggafenftein & Vogler in jMkfurt a. M., Berlin, ^ipiig, Cöln ic.; Rudolf Unffe in Berlin, Frank- furt a. M- re.
DaS ministerielle Blatt von London, der „Standard," sirt den Protest Deutschlands gegen die Verletzung der ser Convention Seitens der Türken in einer zum Thril sehr geeigneten Weise. DaS Blatt bemerkt: „ES würde thöricht , jetzt die Einmischung Deutschlands in die orientalische
Erscheint täglich außer den Werttagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „UluftrtttteS GouutagSdlatt" durch die Expedition (Ko ch'fche Buchdruckerei) bezogen Sh Mark, durch die Postämter d«S Deutsche» Reiches 8 Mark 50 Pf«. (ejL Bestellgebühr). — InsertionSgebühr für die gespatteue Zette 10 Pf». Für in der Expedition zu ertherleude Auskunft und Annahme von Äbteffen werden 85 Pf«, berechnet.
Mhrt, wie König Wilhelm damals gethan, und der deutsche Ier< staiser werde unbedingt halten, was der König von Preußen * b seierl ch gelobt hat. An dem Letzteren wird allerdings ußge> Ktemand zu zweiseln wagen; tndrß wäre rS ein gefähr» „unb iichrr Jrrthum, wenn man glauben wollte, der Kaiser habe 'K «ine über sein Reich hinauSgeheude Verpflichtung übernom /sche «n. Der Kaiser hat gelobt, nicht zu gestatten, daß den vksttmmungen der Genfer Convention (in seinen Staaten M. imb von seinen Untertanen) entgegengehandelt werde. Die ilnstcht ist völlig unbegründet, welche dahin geht, daß der sta ser versprochen habe z. B. der Türkei nicht zu gestatten, ß sie der Convention entgegenhandle. Man wird bei ünftiger Ueberlegung einsehen, daß König Wilhelm eine unbegrenzte Verpflichtung nicht übernehmen konnte.
18. September. Sonntag. Ludwig der Heilige, König h__- ton Frankreich, nannte sich bekanntlich lieber nach dem Otte
feiner Taufe „Louis de Passy" als Ludovicus, rex Fran» »JU torum und bezeugte damit, daß der Ortsname Passy,^ Wenns ” auch nicht unser Passy war, in seinem Gedächtniß besser angeschrieben stand, als dies 600 und etliche Jahre später &ti den Musketieren der 1. Comp. 3. Hess. Jnfant.-Reg. $r. 83 der Fall war. Wir wenigstens waren herzlich froh, wir von unserem Sptttzenhause zum Sammelplatz des Bataillons und von diesem aus durch die prächtige Marne- i'gend dem Städtchen Joulyonne zu marschitten, das wir J Nachmittags 3 Uhr glücklich und etwas müde erreichten.
Der Ott war mit Truppen so angefüllt, daß unsere Quartiere nur sehr beschränkt sein konnten. Ich erhielt das peinige bei armen Leuten und gleich beim Eintritt in das Haus empfing mich der Hausvater, um mir mit der kläg- fyften Stimme und Miene anzukündigen, daß er mir wohl wattier, nicht aber etwas zu essen geben könne, da er i-13'- Mst mit den Seinen schon fett gestern Morgen kein Brod ■ Sehr zu sehen, geschweige denn zu essen bekommen habe.— Daß der Mann leider Recht habe, wußte ich selbst, und # machte ganz auf mich den Eindruck, als versehe er fich Segm des Mangels der Lebensmittel von unserer Sette vner brutalen Behandlung. Es wurde mir indessen nicht schwer, seine Sorge mit ein paar freundlichen Motten zu
ES hat allen Anschein, schreibt die Wiener „Presse", daß die bulgarische Frage bet längerer Dauer des Krieges und vor allem bei noch mehreren Rückschlägen in demselben gründlich gelöst wird; die ottomanischc Regierung ist in der vollen Arbeit begriffen, die bulgarische Nation c.uSzurotten. Der Konstantinopeler Correspondent der „Köln. Ztg." der beiläufig dieses Vorgehen vollständig in der Ordnung findet, schreibt dem genannten Blatte unierm 14. d.: „Für die Bulgaren hat die Stunde des Zornes und der Rache geschlagen. Kein Tag vergeht, daß nicht ein Hause betjelben eingebracht wird, entweder einzeln von ZapthiehS vorwärts gestoßen oder in Gruppen von 20 bis 40, durch Ringe um den Hals aneinandergek.ttet, wie zur Zeit des letzten bulgarischen Ausstandes. Amerikanische Missionäre, die aus der Gegend von Kalofer, Kesanlyk und Eski - Zagra fich hierhin flüchteten, behaupten, daß die Zahl der dort nieder gemetzelten Bulgaren nach Abzug der Russen an 30,000 betrüge. Die Hauptdenunziantenrolle bei den Bulgaren- verhastungen hat ein Jude auS der Nähe von Kesanlyk übernommen. Neuerdings scheint die Regierung Proscrip- tionSlisten anzugreifen, denn die Verbannungen nehmen einen gewaltigen Maßstab an. Da Jeder, der bulgarischer Abkunft ist, der Regierung mehr oder minder verdächtig ist, so mögen die in Konstantinopel ansässtgen Bulgaren auf ihrer Hut sein und Gott danken, daß eS hier Botschaften giebt, deren Nähe allein den absoluten Terrorismus ausschließt. Denn ließe mau j tz» der Pforte die Zügel schießen, so entstände ein Bluttribunal, das vor denen ber ersten Revolution und vor den Sulla'scheu Konskrip« itonen nicht zurückzutreten brauchte. Im Polizeiministerium ist ein geheimes Briefbureau errichtet, bei welchem ausschließlich Pomaken — zum Islam übergetretene Bulgaren — angestellt find, welche sämmtliche für die Bulgaren bestimmte Briefe — insofern ste mit internationaler oder türkischer Post aufgegeben find — eröffnen."
Der Kampf am Schipkapaß dauert seit fast 5 Tagen ununterbrochen fort und wird auf beiden Seiten mit einer Tapferkeit und Zähigkeit geführt, welche der KriegStüchtig- keit beider Theile das ehrenvollste Zeugniß ausstellen. — Die russische Posttion auf der Höhe deS Passes hat eine ungefähre Frontaus-ehnung von 4500 Metern und eine relative Höhe von 700 Metern. DaS NeigungSverhältniß des Abhanges ist in der Linie des kürzesten Abfalles ungefähr wie 1 : 6%, also für Angriffsbewegungen für Truppen keineswegs leicht. Zn der russischen Front werden mit Bezug auf ihre Ausdehnung und Terrain ungefähr 7—8000 Venheiviger 10—12,000 Angreifern gegen# überstehen, die von rückwärts her fortlaufend Bestärkung und Nachschub erhalten und daher mit frischen Kräften das Ringen fortfetzen. Aus den bis jetzt von beiden
5 Uhr ausgerückt und der Weitermarsch durch Felder und Wälder und über Berge auf ziemlich schlechten Wegen an- getreten. Wir langten um 3 Uhr Nachmittags in dem kleinen, auf hohem Berge, unweit Chateau Thierry gelegenen Dorfe Dompttn an.
Mein Quartier fand ich bei geringen Bauersleuten, die zwar sehr beschränkt wohnten, uns aber mit Trank und Speise reichlich stärkten. — Das Nachtlager freilich, das sie uns anzubieten im Stande warm, war herzlich schlecht. Aber so gehts im Kriege! Vorvorgestern in einer auf das Luxuriöseste ausgestatteten Villa und was das Herz nur begehrte, war da! — die andere Nacht in einem Spritzenhause — und heute Nacht gab sich eine in der Nähe unseres Schlasottes domirilirende Bartkuh, auf Deutsch auch Ziege genannt, alle mögliche Mühe, mit ihrem Mecken« dm wahrscheinlich auch ihr verhaßten Prussims das Bischen Schlaf zu verderbm.
24). September. Dienstag. In Anbettacht des er- wähntm Nachtlagers war ich eigmtlich ziemlich froh, daß, da wir heute eine ziemlich große Wegstrecke zurücklegen sollten, der Abmarsch bereits auf 4 Uhr Morgens besohlm war. Wegm des bevorstehenden weiten Marsches und weil die Witterung etwas zu heiß war, wurden uns heute auch die Tomister gefahrm, eine Erleichterung für dm Marsch, über die wir uns sehr freuten.
Wir bewegten uns auf der großm, über mehrere Berge führenden Straße in der Richtung auf Meaux und passitten mehrere Brücken über die Mame, die hier durch ein immer reizender werdendes Thal fließt — sowie einige Ortschaften, die zum größten Theile von ihren Bewohnern verlassen, uns einigermaßen andemolitt schienen.
(Fortsetzung folg« )
Frage ins Kalkül zu ziehen, obgleich kein Zweifel darüber bestehen kann, daß Deutfchland sich das Recht der Ein Mischung vorbehält. ES sind in Berlin Einflüsse thälig, welche jeden Nerv anstrengen werden, um die Pläne bi8 Czaren auZzusühren, und wenn irgend welche andere vorhanden sind, wäre eS gut, wenn ste bei Zeiten in Bewegung gesetzt würden. ES ist wenig zu befürchten, daß die Politik Deutschlands, geleitet, wie sie ist, durch einen so scharfsinnigen Politiker wie Fürst-Bismarck, in Zwiespalt mit der öffentlichen Meinung Europa'S gebracht werden wird. Es ist indeß völlig klar, daß die öffentliche Meinung Europa'S zu Gunsten einer Ringmauer um die Kämpfenden im Donauthale ist, und daß jedwede Intervention im Namen der „Humanität" als ein vorsätzlicher Versuch betrachtet werden wird, den Coniinent in den Krieg hinein zu ziehen. ES ist durchaus nicht wahrscheinlich, daß die deutsche Regierung sich in irgend eine solche Haltung gegen die Meinung Europas versetzen wird, während das russische Problem so viele mannigfache Aspekte zeigt, während die Polen rastlos die Oftseeprovinzm unzufrieden, und die echten russischen Bauern durch das Fehlschlagen ihrer nationalen Bestrebungen erbittert sind. Wenn eine solche unsinnige Politik von den „häuslichen Tugenden" eines 80jährigen Monarchen eingeleitet werben soll, ist zu hoffen, daß der fähige Minister, der dm deutschen Angelegenheilen vorsteht, und der intelligente Prinz, der eines Tages daS letzte Wort darüber habm wird, verhindern werden, daß das Unheil zu weit geht. Es ist vielleicht nicht zu früh zu fragen, ob die öffentliche Meinung DcuischlandS nicht ioteroentren und den Fortschritt einer Politik hemmen dürste, welche verderbenbringend für die Jntereffen deS ganzen civiliflrten TheileS Europa'S und vielleicht nicht am wenigstm füoDeutschland selber sein muß."
Nachdem daS Organ des Grafen Beust, erltürt hat, daß die Kooperation der serbischen mit der russischen Armee die Jntereffen Oesterreich» unberührt lassen würde, darf wohl an der Thatsache nicht mehr gezweifelt werden, daß Oesterreich sich dazu verstanden hat, dlesiS Zugeständ- niß zu machen. Indeß ist dasselbe doch gewiffen Beschrän- küngen unterworfen. Wie daS „Msmorial diplomaiiqne" auS ersichtlich guter Quelle meldet, hat die österreichische Regierung in dem was die Annäherung deS Kriegsschauplatzes an die österreichisch ungarischen Grenzen betrifft, ihre sGestchtspunkie nicht verändert. Sie hat sich also dahin ausgesprochen, daß daS serbische Territorium von den russtjchm Truppen nicht betreten werden und nicht als Schauplatz von Feindseligkeiten benutzt werden dürfe. Man kann nur sagm, daß eine solche Übereinkunft der österreichischen Regierung, welche doch immer ihre beobachtende Stellung wahrm muß, Unbequemlichkeiten zu schaffen geeignet ist.
ich mit einem Requisitionscommando auf ein IV, Stunde entferntes Dors fahren, um dort Lebensmitteln für Menschen und Pferde zu requirirm. Da das uns zur Requisition überwiesene Dorf recht wohlhabend und nicht sehr ausgesogen war, so fiel es uns nicht schwer, unsere nicht sehr bedeutenden Speise- und Fourage-Forderungen erfüllt zu sehen, wenn es auch nicht ohne lebhafte Betheuerungen der anrequiritten Gallier, daß sie nun für immer rninitt feien, abging. Da wir an derartige Exclamationen, deren Begründetsein uns nicht ganz klar war, gewöhltt waren, so kümmetten wir uns nicht sehr viel darum; schoben vielmehr in aller Gemüthsruhe einige privattm requiritte Würste und Schinkenstücke, welche verschiedene reiche Pisangs des Ottes, die übrigens hmte trotz des Sonntags stark mit der Wein- erndte beschäfttgt waren, unseren Kerlm, auf deren bittliche Vorstellung für morgen znm Frühstück geschenkt hattm, in unsere Brodbeutel, luden unsere Sachen auf und fuhren unter bett Klängen der Wacht am Rhein davon.
In Joulyonne kamen den Unseren die mitgebrachten Sachen sehr zu statten; den dankbaren Blick werde ich Ärigens auch nicht vergessen, mit welchem meine arme Quartterwitthin mich ansah, als ich auch ihr einige Lebensmittel, Brod und Speck namentlich, übergab; so konnten denn auch diese armen Leute ihrm Hunger etwas sttllen. Ob sie von den reichm Weinbauern in jenem Dorfe, wenn ste dieselbm angebettelt, so viel bekommen hättm, steht dahin — aber, ohne daß ich mich dieser Thal nur im Mindesten etwa rühmen wollte, ist sie doch ein Beweis, auf welch' wunderbare Art auch heute noch der liebe Gott das tägliche Brod in die Hütten der Armm zu bringen und es den Hungernden zu brechen weiß — und geschähe das auch durch die Hand eines Feindes.
19. September. Heute Morgen wurde schon um
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