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Marburg, Dienstag, 28. August 1877.
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Wor sieben Jahren.
dl,»buch eines DreiundachtzigerS aus de« deutsch - srau- zöfischeu Kriege 1870/71.
(Fortsetzung.)
Bei diesem Rendezvous kam nun auch unser erster Er- satztranSport von Cassel, von Premier-Lieutenant Stachle geführt, bei unserem Regimente an. Nachdem die Leute in die verschiedenen Compagnien verthellt waren, defilirten wir «r dem damaligen Führer des XI. Armee-Corps, General
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wie für Preußen die Einheit deS GermanenthumS im Jahre 1870. Verkennt aber Dcmschland die Gefahren, die dabei diohm? Grstzt, daß die slawischen Racm im Osten und Süden Deutschland- und Oesterreichs und die lateinischen im Westen und Süden Deuts^landS sich einigten, wäre dadurch nicht die Lage dieses letzteren Reiches eine sehr mißliche? Obgleich wir nicht im geringsten an das Neber- gewicht des Koloff S mit den thönernen Füßen im Oriente glauben. In der Thal setzt uns das Verhalten Deutschlands in Erstaunen. Wir haben zwar nie geglaubt, daß es offen sich unserer Sache annchmen, sondern nur, daß eS sich bktr ffS der Gerechtigkeit derselben und unsere» auf Brrägen beruhenden Rechtes aussprechen würde; wenig ftens rächten wir, daß eS uns die unzweideutigen Sympathien zurückgeben werde, welche die türkische Presse und die Meh zahl deS türkischen Volkes in den Jahren 1870—71 kund gaben. Wir sahen damals in der Einheit Deutsch lanrs und der Erniedrigung Frankreich- schon ein-n neuen Schlitzstern für unS leuchtens Wir scheinen uns damals geiSujcht zu haben. Aber setzen wir die Gründe für die Sympathien Deutschlands zu uns bei Seite und betrachten die Haltung dieser Macht vom eurrpätschen Standpunkte. Die Emen behaupten, daß Deutschland zu England neigt und daher Rußland feindlich sein soll. Andere — und ihre Zahl ist noch größer — meinrn, daß die Allianz der drei Kaiser fester denn jemals besteht; daß Deutschland sogar Rußland gege über förmliche Verpflichtungen eingegangen, z. B. Eurrpa im Schach zu halten, so lange Rußland die Türkei bikrtcgt und besiegt . . . Beide Vorauss.tzungen sind wahrscheinlich. Aber da England nunmehr sich für die Türket zu erklären scheint, so gewinnt die Ansicht, daß Deutschland sich Rußland gegenüber veipfl'chtct hat, an Bcdeunng." Zum Schluffe bemerkt die „$erite" unvtk schämier Weise, eS hätten diejenigen'Recht, welche behaupteter,, daß Deutschland das neue von ihm erfundene Sprüch- n oit „Gewalt geht vor Recht" zu einem allgemeinen Grundsätze erheben wolle. — WrS die Sympathie der Türkei für uns im Jahre 1870 und 1871 betrifft, so macht dazu der Correspoudent der „Köln. Ztg." folgende Bemerkung: „Der damaltge Großvezir, Aali Pascha, machte aus seiner Vorliebe für die Franzosen nie ein Hehl und überredete sogar den Sultan Abdul Aziz, Deutschland den Krieg zu erklären und ein HilfskorpS nach Frankreich zu schicken. Damals legte sich General Jgnalieff inS Mitte«, indem er Aali erklärte, daß Rußland einem solchen Schritte nicht ruhig zuschauen könne, sondern gleichfalls rüsten rnüffe Wenn das Preßbureau glaubt, daß da« auswärtige Amt in Berlin ein so kurzes Gedächkniß für solche Dinge besitzt, wird es sich sehr läuichen." Wir sind neugierig aus einen anderen von der „Vs i 6" in AuSstcht gestellten Artikel, in welchem
mich und meine Corporalschaft eine sehr schöne Villa angewiesen. Die Herrschaften waren zwar verreist, oder besser gesagt „ausgerissen", die Dienerschaft aber zurückgeblieben.
Das ganze Haus mit Zimmern, Meubeln und Setten befand sich im besten Zustande und tonnten wir es uns in den schönen Räumen so bequem machm, als wir nur wollten. So ganz freundliche Blicke, wie wir sie gestern in Witry empfangen, wurden uns, dm fremben Eindringlingen, von den dienstbarm Geistern des Hauses nun zwar nicht zugeworfen, doch bmahmen sich dieselben auch nicht besonders feindselig und widerspenstig und gaben unS reichlich zu essen und zu trinken, sorgten auch dafür, daß alle meine Saite in Betten oder doch wmigstens auf guten Matratzen schlafen konnten.
16. September. Freitag. Für heute war Ruhetag anbefohlen — eine Anordnung, die uns sehr gut zu Stattm kam. Wir ließen es uns heute an Ruhe und sonstiger Leibespflege nicht fehlen und benutztm die uns außerdem noch verbleibende Zeit dazu, um unsere reparaturbedürftigen Sachm wieder einigermaßen in Stand zu setzen.
17. September. Heute Morgen 8 Uhr trat neu- gestärkt die Compagnie zum Weitermarsche an. Oberhalb des Dorfes sammelte sich das Bataillon und marschirten wir nun bis Paffy, wo wir Nachmittags um 4 Uhr ankamen. Passy ist ein kleines Dorf und bot bei der Menge der Truppen nur enge und schlechte Quartiere und war ich geradezu froh, als ich auf Wache commandirt wurde und im Spritzenhause des Dorfes ein leidliches Unter« . kommen fand.
Schon seit einigen Tagen hattm sich unsere Leute auf dem Marsche höchlichst über die französische Art, Wagen und Pflüge zu bespannen und zu fahren amüsirt — und sie fanden dazu an den überall auf den Feldern beflndlichm Ackerlmtm und ihren Gespannen genügend Gelegenheit.
fori Schachtmeier, vorüber und zogen mit klingendem Spiele F die alte schöne Stadt ein. Es war das erste Mal, daß - wir überhaupt in einer größeren Stadt Frankreichs unseren Einzug hielten.
wir über die Folgen belehrt werden sollen, die „aus der Unterstützung Rußlands für Deutschland entstehen." Gewiß wird er in dieser ernsten Zeit nicht wenig zur Erheiterung unserer Leser beitragen.
Rmeste Kriegsnachrichten:
Konstantinopel, 24. «ug. Ein Telegramm Suleiman Pascha'« vom Dienstag theilt über den türkischen Angriff auf den Schipka Paß Folgendes mit: Die türkischen Truppen kämpften 14 Stunden ungeschützt unter heftigem russischem F.uer aus schwerem und leichtem Geschütz, welches jedoch nur geringe Wirkung hatte. Mehreren Ausfällen der Ruffm wurde der heldenwüthigste Widerstand geleistet; letztere erlitten dabet große Verluste. Der Tag endigte ohne entscheidende- Resultat.
Wien, 25. Aug. Das „Tagblatt" meldet auö Bukarest: In der Schlacht bei Eski-Djuma kämpften auf russischer Seite beide Divisionen des 13. Armeekorps. Das 148. Regiment hatte türkisches Kreuzfeuer auszuhalten — Aus Serajewo meld.t dieselbe Zeitung: Das Journal „BoSna" berichtet über neue Kämpfe mit den Aufständischen. — Die bosnischen BegS erboten sich, gemeinsam mit der muselmännischen Bevölkerung große Abtheilungen gegen Serbien in» Feld zu stellen, fall» l.tztere» den Krieg erkläre. Gegen Montenegro sind 7 Tabor» in Marsch gesetzt. '
Petersburg, 25 Ang. Officiell. Gorni-Studen, 24 Aug., Mittags. Gestern früh griffen die Türken mit starken Streitkräften den Schipka Paß von drei ©eiten au. Unsere Truppen schlugen alle Angriffe zurück. Al» erste Verstärkungen erschienen mit Kosaken Pferden beritten gemachte Schützen. Abend» um 6 Uhr traf eine ganze Schützen-Brigade mit 6 Kanonen ein, welche sofort au dem Kampfe Theil nahm. Abend» nm 9 Uhr erstürmten die Schützen die Höhe vor unserer rechten Flanke. Es entspann sich ein verzweifelter Kampf bi» Mitternacht, wo die Moudfinsterniß eintrat und nur noch die Kanonade fortbauerte. Unsere Truppen behaupteten alle Positionen trotz der numerlschen Ueberlegenheit de» Feindes und eine» mörderischen Kreuzfeuers. Wir haben vier Tage lang die ganze Armee Suleiman Pascha's, ohne Schlaf und warme Nahrung zu genießen, bekämpft. Beträchtliche weitere Ver weitere Verstärkungen sollen in der Nacht eintt ffen. — Gorni-Stuven, 24. Aug., Abend» 9 Uhr. Heute beschränkte sich der Kamps auf eine lebhafte Kanonade. Die linke türkische Flanke mit zwei unseren Rücken bedrohenden Ge- schützen ist au» ihrer Stellung vertrieben. Nach Zurück- Weisung bet türkischen Angriffe gegen Ajaslar am gestrigen Morgen wurden unsere Truppen am Nachmittag durch starke türkische Sireitkrä'te aewunnen. sich cus die Position
Er sieht übrigens auch possig genug aus, so ein französischer zweirädriger Karren, vorn und hinten mit himmelhohen Rüstleitern und an denselben vier oder fünf plumpe Pferde gespannt — eines hinter dem anderen — alle mit schrecklichen Scheuklappen und hohen Kummeten, an denen gewöhnlich ein blaugefärbtes Schaffell befestigt ist. — Wenn auch die Pferde bei einem Haltepunkte, während der Fuhrmann etwa in einem Wirthshause einen „Canon" Wem zu sich nimmt, sich so gedreht — und die langen Ketten erlauben ihnen dies — daß die vorderen mit den Köpfen gegeneinander stehen oder dieselben nach allen Himmelsgegenden richten, — ein heiseres „Hüh!" oder dem ähnlich ausgestoßener Zuruf des Fuhrmanns bringt die ganze Gesellschaft wieder in die gewünschte Ordnung. In allen Tonarten werden dann beim Fahren — und, wenns ein rechter Franzose ist, fast ununterbrochen die Zurufe an die Pferde ausgestoßen, von dem leisen kurzen „Hük!" oder „Jib!" bis zu dem schrecklichen Brülle „Oäh!" welch letzterer Zuruf, wenn er normalmäßig sein soll, so accentuirt und modulirt ausgestoßen werden muß, daß man nicht anders glauben kann, als der Rufende laborire an den ersten Wirkungen eines heftig wirkenden Vomitivs. Selbstverständlich wurde heute an keinem Fuhrmann vorbeipassirt, ohne daß die muthwillige und durch das gute Futter üppig gewordene Mannschaft ihm nicht ein „Oäh!" oder „Hüjo!" zurief. — Abends hn Spritzenhaus wollte der Luftigste unserer Leute, em Haupteujon, während er noch mit der Vertilgung seines allerdings frugalen Abendbrodes beschäftigt war, seinen Kameraden noch einmal ein solches „Oäh", so recht aus dem Magen kommend, zum Besim geben und, noch mit beiden Backen kauend, kündete er das Programm seiner künstlerischen Leistung mit den Worten an: „ihr Kerle! ezt gebt emal Acht!" — aber, mag er nun zu tief angestimmt haben ober hat Speise unb Lachen seine Gaumen-
«nieigen nimmt entgegen: tte Expedition d.Blatte», sowie d.Annoncen-Bureaux wn Th. Dietrich & Co. in Mel und Hannover; Th. xictrich in Frankfurt a.M.; ftaafenftein & Vogler in fcantfurt a. M., Berlin, Leipzig, Cöln re.; Rudolf jRoffe in Berlin, Frankfurt a. M. re.
/ v Wir hatten indessen schon vorher auf dem Rendezvous krnornrnen, daß unser Bataillon nicht in Reims bleiben ■ — Derbe, sondern auswärts, und zwar unsere Compagnie in tor nicht weit entfernten Dorfe les Mesneup Quartiere Ziehen werde, lieber die vereitelte Aussicht, einen Tag tog in Reims zu bleiben, gabs allerdings verschiedene toere Gesichter unb ich muß selbst gestehen, schon heute ^tte ich mir gerne bie Sehenswürdigkeiten von Reims, ^besondere auch das Innere der Calhedrale mit seinen Erlichen Gobelins und Glasmalereien, sowie die Kirche st Renn angeschaut, aber am Ende wars doch für uns
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.Blatte», sowie d.Annoncen-Bureaux von ®. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jägerische Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in * Berlin; W. Thienes in
Elberfeld; 6. Schlotte in Bremen.
ir den Monat September v ’ r ’ ------i, " uuf die Oberhesfische Zei'
hing mit de,n Jllustrirte« Tormtagsblatt werden von allen Postanstalten entgegengenommen.
Die Exp. d. Oberh. Zeit.
Lagesdertcht.
Die Kaiserliche Regierung hat von den Kabiveten aller Großmächte, welche mit der Pforte in diplomatischer Be- ziehung stehen, die Mittheilung erhalten, daß bie betreffenden Vertreter in Konstantinopel beauftragt worden sind, sich ben Vorstellungen wegen grausamer Behandlung gefangener anb verwundeter russischer Soldaten, unter Berufung auf die Bestimmungen der Genfer Convention, anzuschließen. Za gleichen Schritten sind auch, nach beu bisher vorliegenden Nachrichten, die in Konstantinopel beglaubigten Vertreter «on Belgien, den Niederlanden, Schweden und Portugal den ihren Regierungen ermächtigt worden.
Der amerikanische Gesandte in Pari», Washburne, ist mit dem amerikanischen Gesandten, Bancrost Davis, in -erlitt am Sonnabend unter Führung des Ministers v. vülow von dem kronprinzlichen Paare empfangen unb durch eine im hohen Grade schmeichelhafte Aufnahme au« gezeichnet zum Dejeuner dinatolre, on welchem auch die Majestäten theilnahmen, gezogen worden. Washburne kehrt Sonntag nach Paris zurück und überreicht alsdann d m Marschall Mac Mahon sein AbbernfungSschreiben. Er »Itb mit einem Dampfer de« Norddeutschen Lloyd nach Amerika abreisen.
Ein naiver Versuch, Deutschland für die Türkei zu llpiiviren, ist in der „Vsri e," dem Organ de» tü kischcu IkriegSministeriumS gemacht worden. Wie man der „9t. Z " au8 Vera schreibt, bringt da» Blatt einen Artikel, betitelt »L’Allemagne«, durch den man Deutschland auf den Zahn fühlen möchte. Veranlaßt wurde er offenbar durch die -erichte Saadullah Bcy's, deS türkischen Botschafters am kerliver Hofe, welche von der Mißstimmung der deutschen Regierung wegen b.r türkischen Gräuelihaten sprachen. Der liitikel beginnt mit einer naiven Verminderung über Deutsch dndS Gleichgültigkeit. „Es bleibt uns schwer, die Haltung Deutschland» feit mehr al- zwei Jahren in der Orientfrage zu verstehen. Unser Erstaunen ist um so größer, als e« onst nicht zu den Gewohnheiten dieser Macht gehört, sich bei ähnlichen Fragen gleichgültig zu verhalten. Fast scheint rt, als ob Deutschland keine Ahnung von der Wichtigkeit k8 obwaltenden Streite» habe. Wenn Rußland darin si gt, ]o wird daraus die Einheit des SUventhumS hervorgehen,
Ito nicht so unangenehm, anstatt in bie bereits überfüllten 1 --variiere ber Stadt gelegt zu werden, noch nach dem tigfnb gelegenen les Mesnenp hinaus zu marschtten, welches Marschziel wir Nachmittags um 1 Uhr erreichten.
Das Glück war uns wieder außerordentlich günstig Evesen, und fanden wir ausgezeichnete Quarttere. Da ioß unsere Compagnie in dem Dorfe lag, reichten bie ge- toenen Quartiere für Alle bequem aus. Mir wurde für
Erscheint tSglich außer den Wetttagen nach Sonn- und Felettagen. Preis für daS Quartal mit der wSchentlichen Beilage „3lu*virttf ••eeteeeblett“ hur* Mr Ort»MHnn ,-»*'§*» »«chbru-erei, bezogen «urk, durch die Postämter de. Deutschen Reiche» 8 ÄMl 50 P,«7iexl^Bestlllgebähr. - A,A>n»gM'L'K 9eÄe ÄÄ Mr i» d« Expedition ju erldeilende Auskunft und «unahme von Adresse» werde» 85 Wft. berAett fl ö VTI*