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Marburg, Freitag, 24. August 1877.

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zöfischen Kriege 1870/71. (Fortsetzung.)

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^ türkische Festung Nicksik, welche das montenegrinische Gebiet vom Norden her beherrscht, theilweise einzunehmen.

Neueste Kriegsnachrichten:

Konstantinopel, 21. Aug. Ein Telegramm Su­leiman Pascha s vom 19. dS. bestätigt die Wiederbefetzung des Dorfes Schipka. Suleiman Pascha hatte bei seiner Ankunft in Kajanlik reguläre Cavallerie und Tscherkeffen gegen drei Escadroneu Kosaken, welche zwischen Kasanlik und Schipka standen, entsendet. Nach dem Gefechte, in welchem zehn Kosaken gctödtet wurden, zogen sich die Ko­saken über das Dorf Schipka hinaus hinter die dort befind­lichen Verschanzungen zurück, worauf die Türken das Dorf Schipka besetzten.

Wien, 22. Aug. Die „Presst" meldet aus Bukarest: Die Nachricht, daß der Schipkapaß von dm Rusten geräumt worden sei, beruht auf Erfindung; der Paß ist durch 25 kleine Redouten befestigt und mit Neunpsündern armtrt; die daselbst stehende russische Schützenbrigade ist auf mehrere Wochen verproviantirt. Rasstm Pascha hat sich in der Richtung gegen Schipka in Bewegung gesetzt. DaS bei Basardschik stehende türkische CorpS erhielt bedeutende Ver­stärkungen und rückre gegen die Dobruvscha vor, um General Zimmermann zu bedrohen. Größere türkische Jnfanterte- Abtheilungen auS Plewna haben am 20. d. zum zweiten Male einen Angriff auf Tutschenitza gemacht, wurden aber durch lebhaftes russisches Geschützfeuer zum Rückzüge ge­zwungen.

Pera, 13. Aug. Die Rusten haben durch den Prinzen Reuß die Herausgabe resp. Auswechslung des Lieutenants Putscht» beantragt; die Pforte hat dies aber in einer für letzteren äußerst schmeichelhaften Weise abgelehnt, indem sie bemerkte, daß er ihnen mehr werth sei denn Haffan Pascha und hundert andere türklsche Offiziere, die sich in den Händen der Rusten befänden. — Mehemed Ali hat eS bei der tür­kischen Regierung endlich durchgesetzt, daß Baker Pascha nebst drei anderen englischen Offizieren chm zur Unterstützung inS Hauptquartier gesandt würden. Der Grund soll darin liegen, daß Mehemed Ali seine bisherige Uathätigkeit durch diese Offiziere rechtfertigen will. Bisher ist eS ihm nicht gelungen, die zu einem AngriffSstoße nölhigen Truppen zusammen zu bringen.

»mm wegen Verbots von Sprenggeschoffm sich anschloß b die Brüsseler kriegsrechtliche Konferenz beschickte, scheint i d-S alles nur gethan zu haben, um Europa zu täuschen ___ k keineswegs io der Absicht, ihren Verpflichtungen ge- ffmhast nachzukommen. Angesichts der von den türkischen Maten begangenen Greueithaten findet das Vorgehen i Reichsregierung, dagegen energisch Protest einmlegen

•T -iegSrechtS gehalten worden ist, macht sich jetzt auf allen eitm bemerkbar. Selbst hochstehende Offiziere haben i"t Ahnung von den Pflichten, welche sie dm mit der sii" siege der Verwundeten beschäftigten Personen oder den -• i diesem Zwecke errichteten EtablistemmtS schuldig find. tS iS die Pforte der Genfer Konvention beitrat, dem Ab-

Lagesbericht.

Eine der letzten Reden, welche Fürst Bismarck in der MN ReichstagSfesston gehalten hat, richtete sich — es jät bei der Debatte über den Etat des ReichSgesundheitS- WteS — auf die Nothwendigkeit gesetzlichen Einschreitens |tgen die Verfälschung der Lebensmittel. Man weiß, mit scher Aufmerksamkeit der Reichskanzler dieses Thema ver- fjlßt, welches in den letzten Wochen Gegenstand der allge- ■rinen Debatte geworden ist. Wie die „Trib." verbürgt »Iben kann, hat der Reichskanzler soeben das RcichSge- wdheitsamt aufgefordert, in Gemeinschaft mit dem ReichS- iftizamt einen Gesetzentwurf zur Abhilfe gegen die Ver- ßlschung und gesundheitswidrige Anfertigung der NahrungS- ud anderweitiger Gebrauchsmittel auSzuarbeitm.

gftt ia bet Expeditwu ,n ertherlerrde Auskunft nab Annahme von Adressen werben 85 Pf», berechnet. ** fl IP tene öeue 10 Pf».

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.BlatteS, sowie d.Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst;

Hermann'sche Buchhaudl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

B. und wie ist's doch nachher noch so ganz anders b& m! Paris sahen wir wohl — aber auch noch manch'

und eine Abstellung deffelben zu erwirken, dm ungetheil» testen Beifall. Hoffentlich werden auch die übrigen Groß­mächte den betreffenden Schritten des Berliner KabinetS ihre Unterstützung nicht versagen.

Vom russisch-türkischen Kriegsschauplatz schreibt die „Prov.-Corr.": Auch in der dritten Woche deS August zeigt die Kriegslage nur geringe Veränderungen auf. DaS russische Hauptquartier, das nach der Schlacht bei Plewna von Tirnowa eine Zeit lang nach Bjela verlegt worden, befindet stch nunmehr weiter östlich in Gornii Siudeo. Die türkische Westarmee, die noch immer bet Plewna steht, wird von der russischen Hauptarmee beobachtet und sch iut von ihr umschloffen werden zu sollen. Eine türkische Of- senstve von Nordosten von Rustschuck her, scheint russtscher- seitö nicht befürchtet zu werden. Dagegen ist die Rede davon, daß die türkische Ostarmee, deren Hauptstärke sich nach dem Süden in die Nähe des BalkaaS gezogen hat, stch mit der über den Balkan heranrückenden Südarmee vereinigen solle. Aber noch ist diese Bewegung nicht aus- geführt. Auch ist eS dem Oberbefehlshaber der türkischen Südarmee keineswegs gelungen, die Ruffen aus den von ihnen eingenommenen Balkanpäffm zu verdrängen. So­wohl der Schipkapaß nebst den Höhen von Kazanlück, als Kyank öipaß, auch Hain Bozhaz genannt, werden von den Ruffen behauptet. Eine türkische Depesche vom 16. August bes gt zwar, baß an diesem Tage Suleiman Pascha stch des Paffes und des Dorfes Hain-Boghaz bemächtigt habe, aber eine russische Depesche aus dem Hauptquartier vom 18 August besagt, daß die Türken nach einem erfolglosen Angriff stch zurückgezogen. Es bleibt nun abzuwarten, ob Suleiman Pascha östlich von den noch in den Händen der Ruffen befindlichen Päffen den Balkan überschritten, wie eine türkische Meldung, welche ihn bereits bei Slatarizza stehen läßt, behauptet, um vereint mit der Ostarmee unter Mehemed Ali gegen die Ruffen zu opperiren. — Zn der Dobrudschr hatten die Russen am 18. August das kurz vorher verlassene Küstendsche wieder besetzt. Nach einer tü> reichen Meldung sollen am 17. August bei Küstendsche 10 000 Türken gelandet sein, um vereint mit einer anderen 8000 Mann starken türkischen oder ägyptischen Truppe, welche von Basardschik über Katschmak heranrückt, die rus­sische Stellung bei Tschernawoda anzugretfen. — Auf dem astatischen Kriegsschauplatz sind die Operationen schon se i längerer Zeit zum Stillstand gekommen. Die aufständigen Wchaster im Kaukasus haben nach russischen Berichten der an sie gerichteten Aufforderung zur Niederlegung der Waffen giößtentheils Folge geleistet. Das türkische CorpS, welches bet Küstendsche gelandet, soll daffelbe sein, welches früher zur Unterstützung des Ausstandes im Kaukasus zu operiren die Aufgabe hatte. — Den Montenegrinern ist es gelungen,

Nachdem auch wir am 10. September Befehl zum Vor­marsch auf Paris erhalten hatten, traten wir am

11. September, Sonntags, Morgens um 8 Uhr dm- selben an. Wir marschirten bei prächttgem Herbstwetter zunächst nach Sedan, das heute sich schon sehr zu seinem Vortheile verändert hatte und mehr und mehr den Anblick der hübschen Fabrikstadt, wie es wirklich ist, darbot; der Unrath war aus den Straßen aufgeräumt oder wegge­schwemmt. Auch die Noth der Verwundeten war nicht mehr eine so große wie in den ersten Tagen nach der Schlacht. Wie mir ein befreundeter Lazareth - Inspektor sagte, war nun für die allerdings noch massenhaft hier liegenden Ver­wundeten Pflege und Nahrung genügend vorhanden und durch die fortwährend eifrig betriebene Evacuaüon wurde der Zustand in Sedan von Tag zu Tag erttäglicher. Der gwxe Park der erbeuteten französischen Geschütze stand noch m der Nahe von Pont Torey; es sollen 480 Feldgeschütze und Mittailleusen gewesen sein.

Jenseits Sedan sahen wir an einer Stelle der Maas dieselbe von Pferdeleichen förmlich gestaut, während an dem Ufer selbst noch eine Masse von Cadavern umher lag.

In Donchery konnte ich bei einem kurzen Aufenthalte meinem Bruder, der sich wieder etwas erhott hatte, auf ein fröhliches Wiedersehen in Reims, wohin auch er sich in diesen Tagen begeben sollte, Lebewohl sagen.

Nachdem wir denn bis Flize die große Hauptstraße, die von Sedan nach Meziöres führt, benutzt hatten, bogen wir bei Letzterem Orte links ab und marschirten, immer noch von prächttgem Herbstwetter begünstigt, über Boutancourt nach dem kleinen Orte Ballaives, wo wir recht gute Quar- üere bezogen.

Hatten wir uns auf den früheren Märschen manchmal nach Ruhe in den Cantonnements gesehnt heute behagte

Deutsches Reich.

... ** 23. Aug. Fürst Bismarck ist bekannt­

lich am 20. d. M. von Varzin hier eingetroffen und hat stch gestern zum Kaiser nach Babelsberg begeben. Derselbe gedenkt stch, wie die heutige „Prov.-Corr." meldet, nach einem süddeutschen Bade zu begeben, um eine Nachkur zu der Kur in Kttsingen zu ^brauchen. Doch schwankt, wie uns, schon des herrlichen Wetters halber und nach den nichts memger als angenehmen Quartieren in Givonne, dieser Marsch, ttotzdem daß es einige wunde Füße gab ganz außerordentlich, und fühlten wir uns in der frischen Wald- luft, selbst nach angestrengtem Marsche, weit behaglicher Givonne^rEtbr al6 in bct drückenden Atmosphäre des düsteren

Uebngens stimmen ja auch die meisten Theilnehmer des Zuges von Sedan bis vor Paris darin überein daß lene Marschtage die angenehmsten des ganzen -Feldzuges gewesen seien. Prächttges Wetter, herrliche Gegenden, gute Verpflegung und die Aussicht, vor Paris bald und vielleicht ohne viel Blutvergießen zum Frieden zu gelangen, hob bte Herzen und stärkte wunderbar die Glieder.

12. September. Montag. Wir marschirten um 7 Uhr von Ballaives ab und mußten heute, namentlich zu Antana des Marsches, schlechtere Wege als gestern passiren Poix erreichten wir die große, südlich nach Attigny und zwar parallel , mit der etwas seitwärts fließendes Aisne führende Straße. Lmks der letzteren wurden wir Abends 5„U$r " DorfeToutteron, wo Quartier und Ver- pflegung Vieles zu wünschen übrig ließen, einquartirt. ™ September. Heute führte uns ein sechsstündiger Marsch, m eurer Rechtsschwenkung über Ecordal und Coucy, Wh™?9™6». L°n ?ethel, die mir Aehnlichkeit mit der

n 3 ?aben s^m. Das Marschwetter war sehr warm, doch nicht zu heiß. In Perthes r .^zogen wir Quartiere, mit welchen wir nur coup du v" |«°nnten" — gab es auch wieder „beau*

(gertfebnag folot.i

if.teigen nimmt entgegen: „1 istSrpebition b.Blattes, FT j j,mie d Annoncen-Bureaux ' l»n ib- Dietrich & Co. in

Lgel und Hannover; Th. fagttid) in Frankfurt a.M.; IhMienftein & Vogler in fiLfltfurt a. M., Berlin, l^ipjig, Cöln rc.; Rudolf Me in Berlin, Frank» __ furt a. M. rc.

War ließen Jahren.

tetuch eines Dreiundachtzigers ans dem deutsch - frans

... Ich benutzte meine freie Zeit in Givonne besonders, um ib. vie Correspondmzschulden zu tilgen und habe während dft ^en oine ganz niedliche Anzahl Briefe geschrieben. Wenn 1 b- $ fast jeder der Hoffnung Ausdruck gab, daß wir bald , b.‘ Gehalten wieder nach Haus zurückkehren würden, so b. j titen wir doch von Tag zu Tag mehr, daß dem nicht dB fein werde, daß vielmehr uns noch mancher sauere Marsch, * ^mancher harte Kampf Vorbehalten bleibe. —

। £ Freilich: sollte am Ende Sedan nicht der Wende- und b. ^hrpunkt auf unserer Kriegs- und Siegeslaufbahn sein ~ ■ Paris, auf welches unsere Augen mehr und mehr zuver- bft Ach zu schauen sich gewöhnt, mußte es dann gewiß 'TL Ja, es gab einige Prophetengeister unter uns, fdft ba Vie meisten Truppen schon längst aus der Gegend , ft ° Sedan auf Paris zu fortgezogen — wir dagegen so _B. die Letzten waren, (Landwehr-Compagnien vom Won Brühl thaten schon den Garnisonsdienst in Sedan)

' B' ' aller Bestimmtheit weissagten: wir würden wohl gar j mehr bis Paris kommen, sondern ehe wir noch die

।! Eine ersichtlich aus dem Auswärtigen Amte stammende ;; Üctij die heute der „Reichsanzeiger" bringt, dürfte nicht " «fehlen, Aussehen zu erregen. DaS amtliche Blatt schreibt: o Sie kaiserliche Regierung hat Veranlaffung genommen, ; f if Giund der ihr vorliegenden amtlichen Berichte über 1 r k gegen russische, verwundete und gefangene Soldaten n w türkischen Truppen verübten Grausamkeiten bei der ; '■ Iforte die Bestimmungen der Genfer Konvention vom 22. u Lgust 1864, welcher die Türkei bekanntlich im Jahre ।! 865 beigetreten ist, in Erinnerung zu bringen, und gleich- ;' tilg bei den übrigen europäischen Regierungen angeregt, । h i dieselben ähnliche Schritte in Konstantinopel thun wol- ;; e.1

।! Die Berichte der deutschen Generalstabsoffiziere, welche !! ir russischen Armee sich angeschloffen haben, bestätigen, wie ;; tt „Weser-Ztg." geschrieben wird, in vollem Umfange die । M russischer Seite erhobenen Klagen über Grausamkeiten ; itkischer Soldaten. Nicht nur die BaschibozukS, sondern ;; ch das reguläre Militär läßt sich die rohesten AuSschrei- I' mzen zu Schulden kommen. Die vollständige Uokmntniß, ! i »elcher die Armee über die Pflichten des internationalen

ibB- ^me von Rotte - Dame ragen sähen, würde wohl der - b- geschloffen sein: eine Aussicht, die Manchem, der sich 6- j ’s auf ein paar lustige Tage, oder wenns absolut sein M, auch Monate in Paris gefreut hatte, höchst unan- &rlm war.