8». 19«.
Marburg, Dienstag, 21. August 1877.
XII. Latzrgaig.
GkWschc Jcitiinj
Ue
mg.
Aor sieben Jahren
t sen.
gust
pelle.
1877.
ime*,
iiswch
Wag
■ägt, i erkauf erger
L
816.79,3
ille nstal
1. N tgeltli
Zur Frage der Handelsverträge.
Zu den Handelsverträge«, welche in nächster Zeit abließen kommen gehört auch der mit Frankreich; wenn auch seit 1862, wo der letzte Handelsvertrag zwischen Zollverein und Frankreich abgeschloflen wurde, sich die
ittfche Lage in Deutschland gründlich geändert hat, so doch der künftige Vertrag keine geringeren Schwierig- bereiten. Im Jahre 1862 war eö Oesterreich und
Doch waren in Givonne, wo sich übrigens außer unserm Äillon noch drei preußische und zwei französische Laza- t befanden, noch einige Betten und Lebensrnittel auf- tiben, und dadurch gestalteten sich die Quartierverhält-
ste indessen nicht lange genossen, da sie in der Frühe des andern Tags mit vielen auch hier umherlaufenden anderen Pferden zusammen- und nach Sedan getrieben wurden; der Wagen wurde gleichfalls in Freiheit gesetzt und ich durch diesen letzten Act meines Aufsichtscommandos enthoben und trat ich somit von der temporären Cavalleriestellung am andern Morgen wieder in den Dienst bei der Compagnie ein.
4> September. Sonntag. Heute Morgen wurde mir die Führung der ersten Corporalschaft übertragen. — Von Sonntagsfeier war heute bei uns wenigstens nichts zu verspüren; Dankgottesdienste waren allerdings bei dm einzelnen Truppentheilen am 2. und 3. September abgehaltm worden (uns hatte unser Abstecher nach Donchery verhin- dert, daran Theil zu nehmen), heute aber waren die Feldgeistlichen wohl sehr durch den Dimst in den Lazarethen in Anspruch genommen. Für mich war's wieder ein trauriger Sonntag — fast ganz wie der bei Wörth verlebte. Die Hauptbeschäftigung unserer Compagnie war an diesem Tage: Begraben der Leichen und Pserdecadaver (von den letzteren nammtlich lagen noch viele, und zwar in sehr fortgeschrittenem Grade der Verwesung, um Givonne) und dann Absuchen des Schlachtfeldes nach den hausenweis daliegendm Waffen und sonstigen Armaturgegenständen.
Ich war froh, daß ich mit diesem Commando verschont wurde — dagegen einen Gang nach Sedan unternehmen mußte. Von Givonne aus führt eine, sonst wohl sehr schöne, hmte aber noch mit all« Greueln des Krieges bedeckte Straße, hinter Daigny her durch den Fond de Gi» vonne (eine reizende Waldpartie!) nach Sedan. Sah's auf dem Wege, namentlich in der Nähe der Festung, schrecklich aus, so bot die eigentliche Stadt, obgleich schon alles Mögliche zur Räumung und Säuberung gethan wordm war, in manchm ihrer Straßen noch ein entsetzlicheres Bild dar; Schmutz und Unrath, dazwischen Waffenstücke aller Art, Lederzeug und zerfetzte Uniformsftücke lagen noch maffen-
Mengen Wein auö Frankreich, welche sie mit den elsässt schm Weinen vermischten, um diesen Gehalt und Farbe zu geben. Mit der Anmxion hat diese Einfuhr vollständig aufgehört, weil die französischen Weine durch den Zoll vcrthenert wmdm. Da eS sich hier um große Summen handelt, so würde eS den französischen Weinproduzenten sehr lieb sein, wenn von deutscher Seite der Zoll ermäßigt würde.
Wir unsererseits können uns nur freuen, in dem Wein zoll ein Mittel zu besitzen, um andere wichtige Zugeständ« niffe von Frankreich zu erlangen. Die französischen Regierungen habm stets dem Weinhandel und dem Weinbau ihre hervorragende Pflege gewidmet und es eS würde uns sehr wundern, wenn sie nicht Alles thun wollte, was Deutschland mit Recht verlangen kann, um d-m französischen Weinbau ein wichtiges Absatzgebiet wieder zu erschließen.
Von englischer Seite wird Lord Ainy den Herbstma- növern der deutschen Armee anwohnen und von Major Lranckner, vom Arlilleriestudien-Drpartement, begleitet sein.
Der Correfpondent der „Times" in Konstantinopel verbreitet sich in einer langen Depesche über die sogenannte „Gräuelfrage." Er gelangt zu der Schlußfolgerung, daß der Krieg „ein Bürgerkrieg der gegenseitigen Ausrottung" geworden ist, und daß es nicht leicht ist zu sehen, wie nach demselben Christen und Muselmänner je wieder neben einander werden leben können.
st einigermaßen erträglich.
Wir hatten unsere Beutepferde und dm Wagen bis 7her mitgenommen; da aber auch hier für die armen fiere sich nicht das Geringste zum Füttern vorfand, so ich ihnen mit höherer Ermächtigung die Freiheit, die
ssrbuch eines Dreiundachtjigers aus dem deutsch - fran- röfische« Kriege 1870/71.
(Fortsetzung.)
Givonne, ein großes und schönes Fabrikdorf an der ostseite des Schlachtfeldes, IV, Stunde von der bel- Grmze und in gebirgiger, aber fruchtbarer Gegend egen, war von seinen Bewohnern größtentheils verlassen, zeigtm alle Häuser, daß Feind und Freund hier ge- ft. — Klüger als die von Givonne hattm es doch
Lage-b-richt.
Auf Grund des Gesetzes betreffend die Feststellung des ReichShauShalt-. Etat- für 1877/78 hat der Reichskanzler bestimmt, daß Behufs der Beschaffung von Betriebsfonds zur Durchführung der Münzreform Schatzan Weisung« im Gesammtbetrage von 30 Millionen Mark, und zwar in Abschnitten von je 1000, 10,000 , 50,000 und 100,000 Mark auSgegebm werden. In Gemäßheit der Bestimmungen des erwähnten Gesetzes werden diese Schatzanwrisungen als unverzinsliche ausgefertigt. Die Dauer ihrer Umlaufszeit ist für 10 Millionen Mark auf drei Monate, vom 17. August bis zum 17. November d. Js.; für 10 Millionen Mark auf vier Monate, vom 7. August bis zum 7. December d. Js., Und für 10 Millionen Mark auf vier Monate, vom 17. August bi- zum 17. December d. I. festgesetzt.
Im preußischen Abzeordnrtmhause machten sich bei der letzten EtatSberathung hinsichtlich der Dauer der wirthschaft» lichm Krisis zwei entgegengesetzte Anschauungen geltmd. Der Abg. Rickert wollte behaupten, daß der Höhepunkt der KrifiS bereits überschritten sei, während der Abg. Berger die- ent» schieden leugnete. In der That schien e- vor riuigm Monaten, daß ein Umschwung zu besser« GeschäftSverhältviffm sich Bahn brechen wolle; indeß war diese Bewegung von keiner Dauer. Bon Stuten, die in der Lage sind, die ein» schlägigen Verhältnisse zu beurtheilen, ist unS versichert wordm, daß allerdings bis jetzt nur eine weitere Bewegung nach rückwärts erkennbar sei. Statistische Ermittelungen werdm die Richtigkeit dieser Behauptung ausweisen.
Der Braulstnder.
Original>Novelette von Rudolf Wellnau.
(Fottsetzung.)
Der Oberkclllier im Hotel zum goldnen Löwen war Emilien bekannt. Er war ouS Waldenburg und hatte von Emilien- Eltern manche Wohtthatm erhalten, wesh.-lb
Heute liegt nun allerdings die Sache von vornherein ander-. Da- deutsche Reich tritt von vornherein al- offene Bertrag-macht auf, wir werden uns nicht um Gesinnungen von Reuß-Greiz, von Lippe-Detmold und eck grämen müssen. Dafür würden wir mit Leuten verhandeln haben, dmen wir antipathisch sind und die liebsten eine hohe Mauer an unserer Grenz« aufführen ten. Die Franzosen betrachten eS als eine verhaßte wendigkett, sich in den Handeis-Beziehungen mit un« gen zu müssen.
Ein französisches Blatt hat kürzlich über den Stand Verhandlungen Einiges mitgeiheilt. Darnach werde w französischer Seite die möglichste Gegenseitigkeit der sätze angestrebt, namentlich wird auf eine neue Regn- g der Weinsteuer hingewirkt werden.
Zm Allgemein« könnt« wir nun zufrieden damit sein, wir in Frankreich dem Wunsche begegnm, daß die sätze nach Möglichkeit hüben und drüben, gleichgestellt o. Di« hauptsächlichste Klage unserer Industrie ist eben, daß 8ttitel, die bei uns zollfrei eingehen in den barländern hohen Zoll bezahlen oder daß das Ausland sätze anwendet die doppelt und dreifach so hoch find, die unsrigm. Wir könnten diesen Uebelstand — wenn verlangt würde — an einer ganzen Reihe von Bei erörtern.
Was die Weinsteuer betrifft, so liegt die Sache so. 1870/71 bezogen die WetnhLädier im Elsaß große
- ©Ktea mit vr«
Bewohner von Floing gemacht, die selbst währmd des echts in ihren Häusern bliebm und von denen nachher le, namentlich Frauen, sich mit anerkennenswerther Be- rabrei<Wwilligkeit bei der Pflege der Verwundeten becheiligten; hatten zwar in den erstm Tagen auch viel zu leiden Vieles wurde ihnen ruinirt oder wenigstens für den «blick unbrauchbar gemacht, aber sie hatten doch nicht hugroße Verluste zu beklagen — ja ein Bierbrauer diente in Floing, der mir am Abend des 2. Septembers
fertigen nimmt entgegen: ^HPtdttion d.Blattes, fgaie d.Annoncen-Bureaux „a Th. Dietrich & Co. in Mel und Hannover; Th. xietrich in Frankfurt a.M.; «gafenftein & Vogler in fajüfurt a. M., Berlin, geipjig, Cöln rc.; Rudolf vMe in Berlin, Frankfurt a. M. rc.
«
11877.
bei. -
Hte, er sei für immer ruinirt — und dem allerdings m hem Hause und seiner Brauerei Vieles beschädigt und . B seinen Vorrathsspeichern fast Alles weggenommen war, Nickis- mir, als ich ihn ein Jahr später wieder sprach, auf hne Frage: wie es ihm ergehe? mit fröhlichem Gesichte , ,1-OjA ^Worten: Gott sei Dank! aller Schaden ist ausgeheilt.
«tfcheint t«glich außer den Werktag« nach Sonn, und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlnftrirteS SSlatt" durch die Expedition («och'fche Bnchdruckerei) bezogen «art, durch die Postämter des Deutschen Reiche- 8 «art 50 Pf,, (exl. Bestellgebühr). - JnserttonSgebühr für die gespaltene Z«e 10 Psa. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 85 Pf,, berechnet.
sowie d.Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl- daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
rmietbe Nr.
mpfras Octo
Mg, :amm mutz» üche, ir gu ach ka
Xffcn Partei, welche den völlig abgeschlossen« Vertrag meh- II1 «re Jahre hindurch in der Luft schweben ließ. Die öfter# IVA, nichijchen Widersprüche gründeten sich insbesondere auf Pt. 31 deS Vertrag- durch welch« Preußen verpflichtet rauet wtbt, gegen Frankreich kein Ausfuhrverbot in Kraft zu Octob«. welches nicht zu gleicher Zeit auf die anderen Ratio- l0 M im Anwendung finde. Dieser Artikel berührte nach der Moyt bchauptung O.stecreich« nicht bloS commerzi.lle Interessen, [9# «dem den deutschen Nationalvirband und die Eigenschaft Pt, »es deutschen Bundes als Gesammtmacht und militärische kenber, Ktcheit. Erst im September 1864 wurde der Vertrag -----ne sämmtltch« Zollvereins-Staaten angenommen.
Au- Paris vom 17. d. wird telegraphisch gemeldet: Auf Wunsch de- Herzogs v. Broglie wird dem Vernehmen nach der Minister des Innern Fonrtou die Dauer seiner Abwesenheit verkürzen und wahrscheinlich schon morgen hierher zurückkehren. Man bringt die- in Verbindung mit Schwierigkeit« der inneren Lag« und ernsten Entschließungen, die sich aus den Verlauf der Reise des Marschall - Prästdenien beziehen. In Regierungskreisen ist man mit dem Erfolg dieser Reise wenig zufrieden.
DaS „Bäreau Hirsch" veröffentlicht folgende Depeschen: Paris, 18. August. Am Montag beginnen in ganz Frankreich di« Sitzungen der Generalräthe. In Anbetracht der politisch« Lage sieht man wichtigen Erörterungen ent- gegen.
London, 18. Ang. Wie „Daily Telegraph" meldet, ist die russische Administration für Bulgarien von Tirnowa wieder nach Sistowa verlegt worden.
Neueste Krieg-nachricht«:
Petersburg, 18. Aug. (Osficiell.) Gorni Stuben, 17. August. Zwischen Ruftschuk und Giurgewo hat am 15. d. ein Artilleriekampf stattgefunden. Derselbe endete dadurch, daß die russischen Batterien die türkisch« zum Schweig« brachten. Der Verlust der Ruff« bezifferte stch auf rin« tobten und zwei venrundete Artilleristen. — Am 16. d. begannen die Türk« auf dem rechten Donau- User die russisch« Borpostm vor Dolno zurückzudrängen, »utb« aber um 11 Uhr Morgens durch herbeigekomrnene 3 Compagnim Infanterie und 2 Geschütze zurückgedrängt. Später rückte türkische Cavallerie und Artillerie gegen Ba sardow und Kadlkoi und gegm die linke Seite der russisch« Stellung vier Bataillon« vor. Der dabei entstandene Schußwechsel hört« gegen 3 Uhr Nachmittag- uns. Die Türken zogen sich gegen Rustschuk zurück. Oberst Chrestschutizky verfolgte dieseibm mit 2 Totalen bi« Tscher- wenado utib Jcm-Emil und verdrängte von dort di« Ba- haft in jden Sttaßen — und dazu gerade in der Stadt ein fast stärkerer Leichengeruch, als draußen auf dem Felde!
Nach Erfüllung meines Auftrages ging ich, während ich meine Begleitmannschaft bei der Statue des Marschalls Turenne aus mich wart« ließ, in das Hotel Croix d’or, um in aller Geschwindigkeit wieder einmal das Vergnügen zu hab«, an einer ordentlich gedeckten Tafel zu esfen. Zu einer anderen Stunde hätte ich, wie man mir sagte, hier wohl kaum Platz gefunden, da in diesem Saale die meisten höheren Dffi eiere der in Sedan liegenden Truppen speisten; in diesem Augenblicke war er, bis auf einige schlachtenbummelnde Engländer, Tourist«, ziemlich leer. Wenn die Officierstafel ebenso bestellt war wie mein servirtes Diner (und mein Bruder bejahte dieses) bann war Sedan in jenen Tagen kein Capua. Es gab Suppe, ein Stück höchst zweifelhaftes Fleisch, eine Art Gemüse, einige Stücke Kartoffeln, Brod ohne Butter mit Käse für 3 gr. 75 C.
Als ich noch mit dem Verzehren dieses einfach« Mahles beschäftigt war und eben bei mir im Stillen bedachte, daß im Vergleich zu dem event. Preise des Diners das gesuchte Vergnügen doch etwas zu theuer erkauft sei, auch zu dem Resultate kam, daß ich mindestms ebenso schmackhaft in dem „Heft" Givonne, wenn die Leute, wie öfters geschah, Speck, Kartoffeln, Zwiebeln und „wirkliches" Rindfleisch zusammengeschmort, gespeist hätte, trat mein Bruder, den im Vor- übergehm meine Begleiter von meiner Anwesenheit unterrichtet hatten, in das Zimmer.
(Fortsetzung folgt.)