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II

gir. 193,

Marburg, Sonntag, 19. August 1877.

xii. Jahrgang.

faltigen nimmt entgegen: ^Trpedttion d.BlatteS, Mit d-Annoncen-Bureoux gyi Tb- Dietrich & Co. in »gfiel und Hannover; Th. Wirich in Frankfurt a.M.; ■jafenftein & Vogler in Ejnffurt a. M., Berlin, £ipjig, Köln ic.; Rudolf Affe in Berlin, Frank­furt a. M. rc.

WcchksW ZitW.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.BlatteS, sowie d.Annoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hcrmann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C- Schlotte in Bremen.

dtfcheint t ägl i ch außer den Werktagen nach Sonn- nad Feiettage». Preis für da» Quartal mit der wöchentlichen Vellage „Mwtrtrtei GountaaSdlatt" durch die Ervedition Ifloä’fifce Buchdrucker-.) bezogen Mark durch die PostSmter deS Deutschen Reiche- 2 Mark 5» »f,7 lexl.Vllgebühr). - ^se^ion^Zchr fkr " ges^eZellelSPf. ^

Für in der Expedition zu etthellende Anslunst und Annahme von Adressen werde» 15 Pfg. berechnet.

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Aus: wrben, damit mindestens über seine geschäftliche Behänd- u-Ar: tag Beschluß gefaßt werde, wenn auch die Erledigung,

d. M., sm gestatten wolle, auf eigene Faust gegen die Türkei itter" ikszuschlagen, ist noch immer in rin geheimnißvolleS

1 liefet gehüllt; j doch hat die Nachricht, daß der Graf h, «drasty in Folge eines von Berlin ausgeübten Druckes ' h beiden Plänen nicht mehr mit der Entschiedenheit ent " yenstllle, wie früher, eine ernste Bestätigung noch nicht halten. Der finanzielle Theil der MobilistrungS Ange- Eafstl Mmheit ist vollständig geordnet und der Zinsfuß für die W7- »leihe endgültig auf 7 pEt. festgesetzt; die thatsSchliche (neu Nutzung der bereit gestellten Gelder scheint nach den Achen Mißerfolgen der litzten Wochen wieder einiger _____ brßen hinausgeschoben zu sein.

-Ex«: Herren

X.3 n. S« J de«

Pslitische Wiche». Uebersicht.

Kaiser Wilhelm ist am Freitag voriger Woche aus Schloß Babelsberg eingrtroffen und sein frisches Aussehen bestätigt die bisherigen erfreulichen Nachrichten über die ptm Erfolge seiner gasteiner Cur. In Deutschland rftfeo nun die herbstlichen Truppenschauen heran, deren Kche der Kronprinz deS Reiches bald nach seiner Rückk.hr ml Ostende, welche man zum 19. d. Mts. erwartet, im S-.reiche deS vierten Armeeco.ps eröffnen wird. Unterdeflen ginnen auch die Vorbereitungen zu den herbstlichen öfffionen der Gesetzgebungsköiper lebhafter betrieben zu eerten. Die Berathungen der betrffeuden bundesräthli hes Commission über die von Preußen beantragte ®tenv

hs-, die ten iie

be6; «glich der Erbschaftsstempel, als seinem Wesen nach eine lt mji indirekte Vermögenssteuer, dem Haushalte der Einzelstaaten ksrbehalten bleiben sollte, doch die eingen'liche Tendenz der Vorlage, die Vermehrung der Einnahmen deS Reichs auS

^"Desterreich-Ungarn in geheimen Verhandlungen mit )e Wand über die Einbeziehu.tg Serbi.nS in die russische "°5 etitmbafl« stehe oder gar direkt mit dem Ministerium - llisticS die Angelegenheit erörtere, ob es diesem Fürsten-

Murrvorlage werden fleißig fortgesetzt. ES stellt sich - meitS heraus, daß, wenn die bisherige Vorlage auch nicht is ihrem ganzen Umfange Zustimmung finden und na-

3la|er- Wich wie bei den großen Justizgesetzen im R ichStage, [2086 «hr als eine LandtagSfefston in Anspruch nehmen muß. Die Frage, ob der Letter der auswärtigen Politik in

»eroaev - - -

[1798 li8tntn indirekten Steuern, bei fämmtlichen Einzelstaaten Literstützung finden wird. Im preußischen Unterrichts Misterium ist der Entwurf zum Unterrichtsgesetze nun immn, z,hr in siebenhundert und einigen achtzig Paragraphen ronlc Motiven gänzlich vollendet; das große We k 1.2036 „och in der nahen Herbstsesston eingebracht

I-or sieben Jahren

.15-,9.

^s,H.

Eebuch eines DreiundachtjigerS aus dem deutsch - srau- röfifchen Kriege 1870/71. ,

(Fortsetzung.)

Der Dampf und die in der Abenddämmerung immer

[USt.

und glücklich war der, der ein französisches Zelt oder

mein Bruder noch spät Abmds geschickt, überließ ich

90 bti.

50 b.

8* September. Ein trüber düsterer Morgen! Es Me noch immer und der Boden war so erweicht, daß

zu entwickeln begann, bequem übersehen.

Leider fing es um 9 Uhr an recht tüchtig zu regnen

-6.

75 b — B ,50 B

Öler leuchtende Gluth der Bivouakfeuer, das Rufen und 1,10 b. chreien der Tausende, das Klirren der Waffen, das Wie- .70 b. m der zu Hunderten umherlaufenden französischen Rosse 7 _’b ■ dazwischen das Knallen der Gewehre, die auf dem 70 & chlachtfelde aufgelesen und abgefeuert wurden (bei welcher b. ilegenheit übrigens, wenn ich nicht sehr irre, auch einige 70 b. h sehr nöthige und brauchbare Knochen durch Unvor- — b» ^keit zerschossen wurden), das Alles belebte das reiche

& dieses Bivouaklagers, dessen Gesammteindruck Nie- 75 b. ^n, der es geschaut, aus dem Gedächtniß kommen

Inzwischen hatten auch die nunmehr kriegsgefangenen Mzösischen Regimenter sich auf der ihnen angewiesenen brshalbinsel vor Sedan zu sammeln begonnen, und konn- * »ir etwas oberhalb unseres Bivouaks das ganze fran- ' - sche Gefangenenenlager, wo nun auch ein reges Leben

fO b. l. nn trockenes Unterkommen fand. — Ich kroch in den ,0 G- ’tn uns stehendm ftanzösischen Wagen, und war auch SOG. \ P Lager, in demselben höchst unbequem, es schützte mich d. ch

vor dem Naßwerden, was die anderen Kameraden 10G. öilh empfinden mußten, denn es goß während der ganzen $0 b, vom Himmel herab in Strömen. Den Mantel, welchen L o. 1 mein Bruder noch spät Abmds geschickt, überließ ich >0 ti. ^wner-Lieutmant v. Stammford.

iObO. “ * ' ~ ‘ ~

Der schweizerische Bundesrath hat Verfügungen an die Gemeinderäthe erlaffen behufs Feststellung und Verzeichnung des militärisch diensttauglichen Pferdebe« standcs.

Eine von der italienischen Regierung schon längst in Aussicht genommene Maßregel, nämlich die Befestigung Roms durch einige detachirre Werke, um dasselbe wenig­stens gege.i einen militärischen Handstreich sicher zu stellen, s.'ll jetzt endlich in Angriff genommm werden. Achtzig schwere Geschütze auS den Arsena.ea von Neapel sollen die Armirung dieser Werke bilden.

In Frankreich ist seit dem 13. August plötzlich eine Pause eingetreten. Die Ultras des 16. Mai wurden täglich frecher in ihren Ansprüchen an die äußersten Ge waltmaßregeln zur Erzielung Gott wohlgefälliger Wahlen. Brozlie und DecazeS ist eS endlich gelungen, den Marschall zu überzeugen, wie schlimm seiner S.che dadurch gedient fei, daß er a S derjenige hingestellt werde, der ohne Be­lagerungszustand nicht zum Ziele kommen werde, aber nicht den Muth haben, der moralischen Ordnung dieses kleine Opfer zu bringen. Mac Mahon; der am 16. Aug. seine zweite Wahlreise angetreten hat, ist von BourgeS, wo er unter Fourtou's Farben operirte, schwerlich erbaut gewesen; er hat eS jetzt mit der milderen Praxis des Herzogs v. Broglle versucht und in Evrevx eine dem ent­sprechende Rede gehalten.

Die englische Regierung hat wohl seit langer Zeit kein Schriftstück mit größerem Vergnügen verfaßt und veröffentlicht, als die Thronrede, durch welche am Dienstag das Parlament verabschiedet wurde. Nicht als ob sie mit großem Stolze auf Errungenschaften der Session zurück­blicken könnte — die Aufzählung der zu Stande gekom­menen Gesetze ist im Gegentheil recht mager; jedoch sehen die Minister sich durch den Schluß der Session aus der unangeneh­men Lage befreit, jeden Tag mit Fragen behelligt zu werden, auf welche sie meist gewundene Antworten geben können. Die Beziehungen Enzianes zu den übrigen Staaten, ins­besondere zu Rußland, sind nicht der Art, daß ein verant­wortlicher Staatsmann gern Auskunft darüber gäbe, was er in einem bestimmten Falle heute oder morgen thun würde.

In Rußland scheint man sich mit dem Gedanken vertraut gemacht zu haben für dieses Jahr von dem Vor- marsch auf Konstnttinopel Abstand zu nehmen und die Operationen während der vor dem Eintritt deS Winters noch übrig bleibenden Monate auf den nördlichen Theil dec Bulgarei zu b-schränken. General Gurko hat demgemäß die Hauptmasse seiner Truppen über den Balkan zurückge- man keinen Schritt gehen konnte, ohne Gefahr zu lausen, auszugleiten oder stecken zu bleiben. Der Aufenthalt auf dem Schlachtfelde — und wir lagen ja auf demselben — wurde immer unangenehmer und der Leichengeruch nach der Hitze des gestrigen Tages und dem darauf folgenden Regen von Stunde zu Stunde unausstehlicher, so daß uns auch hier, wie schon bei Wötth, der Appetit zu Essen und Trinken verging. Es war eigentlich nicht durchaus Leichen- geruch, sondern die schwüle Atmosphäre war mit Miasmen, die sich scheinbar nicht bloß der Nase, sondern auch der Zunge und dem Gaumen bemerklich machten, erfüllt und wenn ich für diesen penettanten Geruch einen Vergleich uchen sollte, ich fände ihn nur in dem Vergleiche mit dem Geruch einer wochenalten, stinkend gewordenen Waschlauge.

Ein dienstlicher Gang, den ich heute Morgen thun mußte, führte mich zu einer Begegnung mit meinem Bruder, der von einem Burschen begleitet, von dem Bivouak der Fünfundneunziger herkam. Er theilte mir in den wenigen Augenblicken, die er und ich weifen konnte mit, daß das Elend unter den namentlich in Floing liegenden Verwun­deten enffetzlich fei; nach seiner gestrigen Rückkehr von St. Albert und Jlly habe er noch in einer Scheuer in Floing eine ganze Menge Verwundeter, zwischen dmen zwei Todte gelegen, gefunden und diese Leute hätten seit gestern Morgen noch keinen Trunk Wasser bekommen, da ein Franzose seine Wundbinden in dem ihnen hingestellten Wasservorrath angefeuchtet und so das Wasser ungenießbar gemacht habe; er komme eben vom 95. Regiment, wo ihm auf feine Schilderung für diese hungernden Verwundeten, von denen viele jenem Regimente angehötten, ein großer Pack Lebensmittel, namentlich Fleisch, Reis und geschälte Kar­toffeln verabfolgt worden fei.

Gegen Mittag, als eben der Regm etwas nachgelaffen hatte, erhielten wir den sehnlichst erwarteten Befehl, uns zum Abmarsch in ein Kantonnement bereit zu halten. Noch ehe wir aber den Marsch antraten, hatten wir das ünpo-

zogen und hält nur noch die Schipka-Straße besitzt, wäh­rend der Großfürst Nikolaus nach einer nicht unwahrscheinli­chen Angabe die Offensive erst nach dem Eintreffen von 100,000 Mann Verstärkung wieder zu ergreifen beabsichtigt. Auch Mehemed Ali ermattet bedeutende Nachschübe die ihm auf seinen Wunsch aus Armenien, dem Kaukasus und den in Konstantinopel neugebildeten Truppentheilen zugehen sollen. Während sich demnach beide Theile in wohlvetschanzten Stellungen gegenüberstehen, beschränkten sich die Operationen auf kleinere Vorpostengefechte bei RaSgrad, Osmanbazar und Eskidjuma, auf eine Vorwärtsbewegung des Prinzen Haffan über Bazardjik hinaus, auf die Versuche der türki­schen Flotte, bei Küstendsche L uppen zu landen, und auf die militärisch noch nicht hinreichend aufgeklärten Hin- und und Herzüge Suleiman'S, dem man den Auftrag beigelegt, dimnächst den Balkan zu Überschreiten. Im Westen der Türkei, unweit der österreichischen Grenze, beim Berge Tschernipotok, haben mehrere Zusammenstöße zwischen tür­kischen Truppen und den Aufstänoifchen unter Obe-st DeS- poiowitsch Statt gefunden; auch ist Fürst Nckita in d m montenegrinischen Lager vor Niksttsch eingeh offen. Auf dem asiatischen Kriegsschauplätze hat ein türkisches Streif­corps unter Ismail Pascha die russische Gräuze bei Bajasid überschritten, dagegen wird die Räumung deS Kaukasus — besten Aufwiegelung der Pforte 4800 Mann und 12,800.000 M. gekostet haben soll — unausgesetzt fortgesetzt, weil man die dort verwandten Truppen auf dem europäischen Kriegs­schauplatz dringender zu benölhigen glaubt.

Griechenland dehnt seine Rüstungen auch auf die Flotte aus und hat zu diesem Behuf einen Credit von 30 Millionen Drachmen in Anspruch genommen.

Lage-bericht.

Wie die w@lberf. Ztg." erfährt, wirb dem Abgeordneten­hause in der nächsten Sitzung eine Vorlage, betttffenb die Erweibung der beiden der Köln-Mindener Eisenbahngesell­schaft gehörigen Eisenbahnstrecken Oberhausen-Arnheim und Gießen-Deutz mit der Rheinbrücke durch den Staat, zugehen. DaS genannte Blatt bemerkt dazu: Die hohe Bedeutung dieser Vorlage für das Princip der Bereinigung jäwmtlicher Eisenbahnen unter der Verwaltung des Staates leuchtet ein, wie dieselbe denn auch bei der großen strategischen Wichtig­keit der genannten beiden Bahnen durch militärisch-politische Erwägungen veranlaßt sein mag und, ihre Annahme durch den Landtag vorausgesetzt, der Bevölkerung das Gefühl erhöhter Sicherheit zu v-rleihen geeignet ist. Der Köln- Minvener Eisenbahngesellschaft wü'den nach der Abtretung fante Schauspiel, den ganzen Zug des kriegsgefangenen Kaisers Napoleon an unserem Standorte auf seinem Wege über Belgien nach Wilhelmshöhe vorüberpassiren zu sehen. Schwarze Husaren, „les hussards de la mort“, wie sie von den Franzosen genannt wurden, das schauerliche Emblem des Todes an ihren Mützen, eröffneten und schloffen den langen Zug der reichen Wagen und prächtigen Handpferde, welche den Kaiser und sein Gefolge, er selbst in dem vor­dersten vierspännigen Wagen, in die Gefangenschaft führten.

Unter tiefem Schweigen bewegte sich, von Tausenden angeschaut, der Zug des gefangenen Kaisers durch unser Lager und bot dem Auge ein Bild dar, zu dem keine Ueber- schrift besser paßte, als: „sic transit gloria mundi!“

Bald nachdem der kaiserliche Transpott unseren Blicken entschwunden war, traten auch wir unfern Marscb — und Zwar nach Givonne, wohin unser Bataillon bestimmt war, an. — Der Regen hatte zwar aufgehött, aber der Lehm- boben des Schlachtfeldes, über das wir marschitten, war grundlos. Eine bedeutende Schwüle und dunkele, rasch am nordwestlichen Horizonte sich aufthürmende Wolken kündeten das Nahen eines Gewitters — in Sommermonaten der gewöhnliche Nachfolger großer Schlachten, an, und cs bauerte nicht lange, so zog dasselbe mit überaus heftigem Blitzen und Donnern über uns her. Der Himmel war wenn er nicht von Blitzen durchzuckt wurde, denen dann jedesmal sofott der knallende Donner folgte, schwarz wie Tinte — und habe ich gerade bei diesem Gewitter gesehen wie furchtbar ein solches toben kann, wenn es zwischen Berge, wie hier der Fall, sozusagen eingekeilt ist. Bald gog auch der Regen in Strömen hernieder und in dem­selben wurde, was bis dahin noch ober schon wieder trocken an uns war, jetzt erst recht naß — und so erreichten wir denn, triefend und zum Umfallen müde, gegen 6 Uhr Abends unfern Besttmmungsort.

(Fortsetzung folgt.)