(Später werde ich übrigens einen noch scheußlicheren Anblick zu berichten haben.) —
Ich schweige von dem durch Mark und Bein gehenden Jammern und Klagen der Verwundeten — aber wenn doch diejenigen, die so lebhaftes Interesse an Krieg und Schlachtendonner beweisen, wenn sie im Sicheren sind und denen es langweilig wird in der Welt, wenn nicht „wieder irgend Etwas los ist" — auch nur auf einen Augenblick die stummen Schlachtfelder von Wörth und Sedan geschaut hätten geschweige denn die winterlichen an der Loire, es sollte ihnen anders werden und sie sollten ihre Worte besser bedenken. Ich habe den ganzen Feldzug glücklich mitgemacht — ich glaube meine Pflicht und Schuldigkeit, wie es einem braven Soldaten geziemt, vollkommen getban zu baben — und das eiserne Kreuz auf meiner Brust beweist/ daß das anerkannt worden ist, aber so oft ich der Tage, die ich jetzt öejchrelbe, gedenke (unb bie ^citcrjtcn (Stunbcn. wenn
sie so nennen darf, des ganzm Feldzuges, waren ja schon bald nach dem Tage von Sedan vorbei), dann kommt mir aus dem Herzen unwillkürlich in den Mund das Wort •
Verleih uns Friedels gnädiglich, HErr Gott, zu unsren Zeilen!
Doch, um wieder auf das Schlachtfeld von Sedan zuruckzukommen: Unsere Compagnie hatte, im Vergleich zu dem heute Geleisteten und dem bei-Wörth, lange nicht so vrel Verluste. Außer den schon oben Genannten hatte dieselbe noch 1- Osficier, 1 Unterosficier und 8 Mann tobt und 5 Unterofficiere uud 16 Mann verwundet.
(Fortsetzung fotzt.)
Ur. 189
elfter.
dr>
liueigen nimmt entgegen: ^Expedition d.vlatteS, sovitd-Annoncen-Bureaux yn Ä- Dietrich & Co. in Mel und Hannover; Th. xtotrich in Frankfurt a.M.; ssafenftein & Vogler in Awkfutt a. M., Berlin, ymjig, Cöln rc.; Rudolf Stoffe in Berlin, Frankfurt a. M. rc.
Marburg, Mittwoch, 15. August 1877.
(OlifrljflW ZritW.
xii. Iahrgasg.
Anzeigen nimmt entgegen: dir Expeditton d.Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co- in Frankfurt a. M.; Jäger fche Buchhandlung daselbst; Hermami'sche Vuchhandl- daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C- Schlotte in Bremen.
mg.
Tagesbericht.
Einige Blätter melden: „Das Reichsgesundheitsamt ist
Der päpstliche Nuntius in München soll nach der Mel-
moi
in:
rar
Die Gerüchte über das Mißtrauen des Wiener Kabi» rtt gegen die italienische Regierung tauchen immer wieder M Neuem auf. Nach zuverlässtgen Berichten herrscht Mißtrauen aber weniger in Regierung«- als in reisen und wird von den Klerikalen und namentlich i Nuntius Jacobini genährt. Die Klerikalen erhalten ^lich die Behauptung aufrecht, daß die Aufregung, die einigen österreichischen Provinzen italienischer Nationa- Ut huscht, von der italienischen Regieiung durch gewistc mite6 auf italienischem Boden geschürt werden.
, auf dessen Verhalten da» gerechte Verdikt fällt: spät!'
In den politischen Kreisen London- find — wie man mittheilt — Gerüchte über den nahe bevorstehenden tt des Marquis von Salisbury als Mitglied de« kts in Umlauf.
Aor sieben Jahren.
»ch eines DreiundachtzigerS aus dem deutsch - frau- zöstsche« Kriege 1870/71.
(Fortsetzung.)
uns
nti«
Die Auslassung drS „Daily Telegraph" betr. die Erklärun; s Lord Beaco.Ssteld im Oberhause, welche telegraphisch Mllstrt worden ist, hat folgenden Wortlaut: „In dem j gälten an dem von ihr angedeuteten Verfahren wird de8 ! Regierung über die herzliche Unterstützung der Nation ticken; aber auf ihr wird die Verantwortlichkeit irgend irrigen Beurtheilung lasten, welche ihre Quelle in falschen Darlegung der Ereignisse hatte, und auf fie ird die Strafe dafür fallen. Uebereiltheit ist ein Fehler er kann wieder gutgemacht werden. ES ist indessen g für einen Menschen oder ein Ministerium vor-
hcaiischen Untersuchung zu unterwerfen." Diese Nichricht --- km» nur insofern bemängelt werden, als fie den genannten 3 loftrog als ein Eretgittß neuen Datums hinstellen will 1 bekanntlich hat Fürst Bismarck schon bei Berathung deö
MS des ReichSgesundheitSamteS in der letzten Reichstags- jfston über diese wichtige Aufgabe deS RetchSamteS Mit-
Eluf der Höhe hielt uns die feindliche Infanterie übri- 8 nicht mehr Stand, sondern ging nach dem Walde zurück, unseren Batterien hart beschossen. — Da dröhnte auf . der Boden von anstürmenden Cavalleriemassen. Wie Wörth, so suchten auch hier die Cavalleriedivisionen -lläsdS gegen uns die Division Marguerite, deren Com- rcheii- beim Angriff tödtlich verwundet wurde) die Ehre i .^ages zu retten, und so stürmten dmn gegen die auf Mhe aus allen Regimentern gesammelte Jnfanteriemasse °uche Cuirassire, Sander« und Chasseurs d'Afrique mit Todesverachtung heran. Die Landers griffen zuerst ___ «»cadronsfront an, doch da empfing sie und die nach- guß t- ^nde zweite Escadron ein solches Schnellfeuer von Seite, daß nur wenige Reiter im Sattel blieben.
p viel besser erging es dm Cuirassiren und Chasseurs, Jlitt-it was nicht von unseren Kugeln getroffen wurde, fiel ■ 2 ^uns den Husaren und Pionieren, wenn nicht schon 8 ® "äB siEilen Bergabhange Mann und Roß gestürzt waren, ' Hände; manche, die auch durch die Husaren hindurch s warm, fanden in der Maas durch Ertrinken ihren i 'während es Anderen gelang, die durch Floing führende vraße zu errdchen. Dort wäre mein Bruder, während
1 . kinem Verwundeten beschäftigt 'war, um ein Haar —"^cknem schwer verwundeten Cuirassier, welcher kaum 30
Me weüer auS dem Sattel stützte, überritten worden.
in« । Heilungen gemacht und zwar ziemlich genau mit dm Worten W“' kt obigen Nachricht.
tom Reichskanzler aufgefordert worden, feine Aufmerksamkeit der Verfälschung allgemein verbreiteter Nahrungsmittel [2Qj «ab Getränke zu widmen, und vor allen Dingen das Trink
«ajjet dec größeren Städte, das Bier und den Wein einer
kalt ti"8 btt F^renzer „Nazione" nach Rom berichtet haben, „ J kB die bayerische Regierung geneigt sei, in Unterhandlungen b ' - strüber einzutreten, wie bei der „Wahl von Bischöfen" ___ asahreu werden soll, um Unannehmlichkeiten vorzubeugen, sie früher bei solcher Gelegenheit vorg kommen find. Regierung gedmke aber auf keines der ihr zustehenden chie Verzicht zu leisten.
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Dem „Memorial diplomatique" werden einige «ndeu- tuugm über die Anstrengungen gegeben, die in Konstan tinopel gemacht worden find, um ein direkte» Einvernehmen zwischen dem Czar und dem Sultan herbeizuführen. Der Beginn dieser Verhandlungen bleibe den militärischm Begebenheiten untergeordnet, aber man dürfe erwarten, daß fie in einem günstigen Augenblicke statthabcn werden. Als die Grundlage dieses Arrangements wird die Abtretang des Hafens Bamm an Rußland und die Errichtung einer aus Muselmännern und Christen gemischten Regierung in Bulgarien bezeichnet.
Ueber die Gräuelscenen, die am Schipkapaß stattgefunden haben, veröffentlicht der Correspondent der „Times" folgende herzzerreißende Schilderung: „Wir stoßen im gegen warttgen Augenblicke auf Leute, welche die kopflose Leiche eine« OsstziereS auf einer Bahre herabtrageu und man spricht davon, daß dies nicht das einzige Beispiel ist. Auf der Höhe de« Passes erfahren wir die ganze Wahrheit. Der Türke, dieser „Gentleman" der Englischen Drawing- Room«, diese von regulären Offizieren geführte, mit Eng lischem und Bulgarischem Gelde gefütterte und genährte Kreatur, hat jeden Russischen Soldaten verstümmelt, der todt oder lebendig in seine Hände fiel. Ein junger Ti- raiüeuroffizier rief in meiner Gegenwart: „Ist der Englische Correspondent da?" und sagte dann zu mir gewendet: „Haben Sie den Haufen von Köpfen gesehen?" Auf meine verneinende Antwort fetzte er bitter hinzu: „Ah, eS würde besser sein, wenn Sie nachsähen, waS Ihre „Freunde" geihan haben I" Augenblicklich verwies ihm rin Stabs offizier das Wort und sagte: „Sie können nicht sagen, wie bitter wir es fühlen. Alle Offiziere find der Ansicht, daß es nie zu diesem Kriege gekommen wäre, daß die Bulgaren frei geworden sein würden, ohne Blutvergießen, hätten die Engländer nicht diesem Volke ihre Unterstützung angedeiheu lassen. Wir gehen weiter und untersuchen Batterien und Kanonen, aber mit abwesendem Geiste, in Gedanken mit dem „Haufen von Todtenschädeln" beschäftigt. Und was ist mit den Körpern geschehen? Auf jedem Munde schwebt dieselbe Frage: „Haben Sie die enthaupteten und verstümmelten Leichen der Verwundeten gesehen?" Auf die Frage um den Beweis, daß eS wirklich die Verwundeten waren, die eine solche Behandlung erlitten, wird uns stets dieselbe Antwort: „Urtheiien Sie selbst." Gegen die östliche Flanke der Position zurückkehrend, kommen wir an einer Gruppe verwundeter Türken — etwa fünfzig — vorüber, deren Wunden verbunden und gepflegt werden, als ob dieser Haufe von Russenschäaeln nie gesehen worden wäre.--
Wenige Schritte weiter steht ein Kreis von Russen, Offiziere und Mannschaft und blicken selbe wie betäubt auf das Schauspiel vor ihnen. Da find endlich die Körper zur Besichtigung gesammelt: alle ohne Kopf, einige in Stücke gehauen, andere auf eine Weise behandelt, welche allgemein Es war schon spät am Nachmittage, als die letzten Salven dieser ewig denkwürdigen Schlacht, in welcher die stolze französische Kaiserkrone in den blutigen Staub der Gefilde von Sedan fiel, erdröhnten; — noch einmal entbrannte in der Ferne bei dem brennenden Dorfe Bazeilles bd einem versuchten Durchbruche der Franzosen auf einige Momente em heftiger Artilleriekampf — als aber, von unserer Ar- ttllene beschossen, ein großes Fabrikgebäude in Sedan zu brennen begann und, schauerlich von der Abendsonne beleuchtet, eine ungeheuere pechschwarze Rauchwolke empor- qualmte, stieg, von den Truppen, denen sie sichtbar wurde, mit lauthallendem Jubel begrüßt, die wdße Fahne empor — und die Waffen durften ruhen von dem gräßlichen Tagewerke. In und um Sedan waren die in Verwirrung qe- rathenen Heerhaufen des Fdndes eng zusammengedränqt und es hatte unserer Batterien nicht mehr bedurft — schon bie jenseits ber Maas bei Wabelineourt postirte gwsie Batterie von 60 Geschützen hätte wahrscheinlich genügt, bie ganze französische Armee binnen Kurzem in ihrer jetzigen Stellung zu vernichten. Diese Batterie muß es auch ge- wesm sein, welche in bem Hohlwegd, unmütelbar vor bem Norbthore von Seban, so furchtbar unter bett in die Stadt drängenden Haufen der Franzosen gewirkt hatte; dort lagen Menschen- und Pferbeleichen zerrissen und in schauerlichen Knäueln zusammen und in bett Furchen und tieferen Stellen des Weges floß rin Blutbach. — Einen der scheußlichsten Anblicke gewährte etwas weiter oberhalb auf dem Berge der in Stücke zerrissene Körper eines Turkos. Demselben muß, während er vielleicht im Liegen feuerte, eine Granate durch Kopf, Bnist und Bauch gefahren und in letzterem geplatzt sein; die verbrannten Ueberreste lagen zerstreut um-
alS die tiefste Schmach für jeden lebenden oder tobten Körper betrachtet werden würde. Aber waren diese Leute tobt oder noch am Leben, als ihnen da« angethan wurde? Mit Bezug auf Einige kann die Sache zweifelhaft erscheinen, bei den Uebrigen aber ist jeder Zweifel ausgeschlossen, daß sie noch lebendig verstümmelt wurden. Hier sah man einen Körper, dessen Finger erbarmungslos abgehauen waren. Dort lag ein Mann in einer Stellung, welche deutlich zeigte, daß er gekämpft habe, um seine Kehle zu retten; neben ihm ein Anderer mit dem rochen Kreuz am Arm. Einer in der schrecklichen Giuppe lag mit bloßem Bauche da, der kreuzweiS mit-Messem durchschnitten war und zeigte, daß Blut auS den Wunden geflossen sei; einem Andern waren alle Extremitäten abgeschnttten. Ein junger wohlgebildeter Körper mit weißerer Haut als die übrigen war enthauptet und schändlich verstümmelt, aber eS fand sich keine einzige Wunde an ihm, bie er im regelmäßigen Kampfe hatte erhalten haben können. Da- sind aber nur einzelne Beispiele. Der Beweis lag nur allzuklar am Tage. Da lagen Männer, welche verwundet oder nicht verwundet in bie Hände ber türkischen „Gentlemen" gefallen waren, bie fie grausam ermordet und verstümmelt hatten, indem sie so zeigten, daß sie so grausame Wilde sind, als irgendwo in Afrika oder Indien zu finden seien. Und nur wenige Schritte davon verbanden russische Aerzte bie Wunden dieser Wilden und herumstehende Soldaten bewachten sie. DaS war keine Z^eoterfcene. Niemand wußte, daß ein Correspondent da fei, aber bie Wirkung war eine solche, wie fie kein Seu- sattonStableau hervorbringen könnte. Aas ber einen Seite war Civilisation, so rauh als man immer will, aber doch Civilisation, auf bie Vorschriften des ChristenthumS gegründet — auf her anderen Seite Barbarei und bie mehr als bestialische Wildheit grausamer Menschen."
Die Kriegslage hat sich in den letzten Tagen nicht bedeutend verändert; bie beiberfeitigen Streitkräfte finb nach der W. Presse zur Zeit etwa folgende: Die Russen haben in bem Raume, welcher durch bie Donaustrecke Rustschnk- Nikepolis, bie Osma, ben Som unb Balkan begrenzt wird, da« 4,8., 9., 11., 12. unb 13. Koips, also nach Abrechnung bet Verluste, ungefähr 140,000 Mann aufgestellt. Die gegen btei Seiten gekehrte russische Front ist durch die Punkte Nikopolis, Schipka unb Rustschuk maikirt. 3m Osten Bulgariens steht das Korps Zimmermami's, auö dem 14. unb Theilen des 7. Armeecops bestehend, demnach etwa 40,000 Mann stark. Auf dem W-ge aus Rußland und innerhalb der nächsten vierzehn Tage dürften auf dem Kriegsschauplätze vielleicht 80,000 Mann eintreffen. Die russische Armee wird also innerhalb eines gewissen Zeitraums an 260,000 Combattanlen zählen, denen innerhalb vier Wochen noch weitere Verstärkungen folgen können. Die tückische Armee zerfällt in drei Thelle. Osman Pascha steht bei Plewna mit höchstens 40,OOCMann; innerhalb deS Festungs-