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Marburg, Sonnabend, 11. August 1877.

XII. Jalrgaiß.

WtchcsWk ZcitiiW

Neueste KriegSnachrichten:

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nach den Mißerfolgen bei Plewna in der russischen Donau- Armee Platz gegriffen hat, ist eine seltene Erscheinung und nicht einfach durch erlittene Verluste oder strategische Fehler zu erktären. Es fochten am 31. v M. auf russischer Seite das 9. Corps, nach Abrechnung der in siüheren Gefechten erlittenen Verluste, mit 20,000, die 30 Division mit 12.000, die 2 Brigade der 32 Division mit 6000, zusammen 38 000 Combattanten Auf türkischer Seite verfügte Osman Pascha an demselben Tage über 30000 Mann, mit welchen er von Widdin herangerückt war unv 1518,000 Mann, die von Nisch, Pirot und Sofia kamen, zusamm en also 4548,000 Mann, darunter gegen 40,000 Combattanten. Die Türk o fochten in der Defensive; die Ruffen griffen an und wurden nach einem achtstündigen intensiven Kampfe mit einem Ver­luste von 56000 Tovten und Verwundeter zurückgewiesen, ohne verfolgt zu werden u d ohne dem Feinde Trophäen zu überlasten. Ein unter solchen Umständen verlorenes Gefecht ist «ach strengen Begriffen keine Niederlage. Die Rusten find demnach nicht in der Lage, die Deroute, welche nach Plewna in ihren Reihen Eingang gesunden, durch eine Niederlage zu erklären; sie müffen zugebcn, daß dieselbe tiefer liegenden und schwerer zu beseitigenden Ursachen zuzuschreiben ist, als den Folgen eines EchccS auch der ganzen Armee. Die Bravour der russischen Truppen Hut sich in den bis­herigen G.fechten im glänzendsten 8 d>te gezeigt, denn nur vorzügliche Truppen vermögen im Offenfivkampfe so be deutende Verluste zu erleiden. Wenn aber folüe Verluste utchr von entsprechenden Ecsolgen begleitet find , so muß nolhwenbig aus eine mangelhafte Taktik uad auf Fehltr in der Trupp-«Verwendung geschloffen werden. In der Thot fußt die russtsche Taktik noch immer aus dem Angriff mit rem Bajounet, welche im Verein mit der ebenso antiquirten M-lsttn-Berwendung, die b Shergden russts- en CorpSiührern bel ebte, die Truppen gegenüber dem Hinterlader fast zum bloßen Kanonenfutter Herab etzt.- Die strategische Situattoa der Ruffen war ganz unstreitig eine solche, wie fit nur die besten Feldherr» anzustreben pflegen. Eingekeilt zwischen Osman. Suleiman uad Mehemed Alt wären sie in der Lage gewesen, einen nach dem andern mit Überlegenheit zu fasten und bei einigem Glück förmlich zu vernichten. Wa­that aber die russifche Armeeleitung? Sie griff die ge trennten drei Armeetheile diö Feindes gleichzeitig an und erschien ganz natürlich überall mit ungenügenden Kräften.

Ferner ist die russtsche Kriegführung, obschon ste im Namen der Humanität Anerkennung verdient, mit militäri­schen Nichtheilea verbunden. Die Türken mastakriren Alles, was ihnen unter die Hände kommt und begehen an den wehrlosen Bulgaren, den Schutzbrsohlenen des ru stschen HeereS, namenlose Gräuel, welche ^zden ehrlich fühlenden Mulchen selbst in der größten Entfernung vom KrieaS

-jgCT nimmt entgegen: Kptbition d.Blatte-, Tj5nnoncen«SButeour njj, Dietrich & Co. in Lad Hannover; Th. Ed, in Frankfurt a.M.; Mein & Vogler in Statt o. M., Berlin, Eg, Cöln rc.; Rudolf |, in Berlin, Frank- " snrt a. M. rc.

schauplahe schaudern machen. Welche Wirkung mag die« in nächster Nähe auf diejenigen, welche eS mitansehen müffen, auSüben? Dm Schrecken, der dm Soldaten darob ersaßt, und der verderblicher wirkt, als die feindlichen Kugeln, Unterlasten die Rusten zu pariren. Plewna hat vielleicht die Mängel der russischen 2bmee für die ganze Welt aufgedeckt, sonst aber an der Situation am KriegS- sch uplatze wenig verändert. Die Rusten beherrschen noch Immer den Raum von NicopoliS und Pyrgo« bis zu den Balkanpästm zwischen Schipka und Demirkapu und halten noch immer die türkische Armee in drei Theile getrennt von einander. Die russtsche Armee auf diesem Terrain besteht aus 6 ArmeecorpS zu durchschnittlich 40,000 Mann mit je 25 000 Combattanten, zusammen 240000 Mann mit je 150 000 Combattanten. Die Türken haben dagegen bei Plewna unter Osman Pascha 48,000 Mann mit 40.000 Combattanten, südlich vom Balkan unter Suleiman Pascha 30,000 mit 25,000 Combattanten und von Rustschuk bis Schumla unter dem direkten Befehle des Ober Komman­danten Mehmed Ali Pascha 85,000 Mann mit 70,000 Combattanten, zusammen 163000 Mann mit 135,000 Combattanten. Wie ersichtlich, haben die Rusten eine, wenn auch geringe lleberlegenheit. Die letzten Kämpfe haben erwiesen, daß diese Macht nicht zureicht, die auf Festungen gestützten und in bei Devenstve verharrenden Türken zu schlagen. Nicht minder dürfte eS stch aber auch zeigen, daß die Türken ihrerseits es nicht verwögen werden, die Rusten auS der eingenommenen Position zu werfen. Zu westen Gunsten sich dieser Zustand deS Gleichgewichtes mit der Zeit ändern dürfte, kann bei den allgemeinen Kräste-Verhiltniffen kaum einem Zweifel unterliegen. Die Türken haben so ziemlich den letzten Mann aufgeboten, wo hingegen die Rusten in ihren Ersatz-ilbthetlungen daS Mittel haben, ihre Trupprnkörper in infinifaim auf dem kompleten Kriegsftaube zu erhalten. - ,

ihn auszuführen war schon nach oa. 2 Stunden nicht mchr vorhanden und der eiserne Bestand hatte keinen Bestand mehr. Gegen 3 Uhr Nachmittags wurde weitermarschirt aus gebirgiger Straße -in den nördlichen Ausläufern des MgonnerwaldvS in der Richtung auf Beaumont. Aus dem Marsche vernahmen wir in dem coupirten waldigen Terrain wenig oder nichts von der gar nicht weit von uns tobenden Schlacht; als wir aber, es dämmerte säst schon, aus einer hochgelegenen Ackerfläche ein Rendezvous machten und ich eben gus einer Flasche .Champagner, .hie ich für eine besonders feierliche Stunde aufgespart und seit zwei Tagen mühsam im Brodbeutel mitgeschleppt hatte, Herrn Major,v. Schorlemmer einen Trinkbecher voll eingegosten und eben meinem Bruder zutrinken wollte, krachte, es schien uns wenigstens so, hart vor uns eine ganze Geschützsalve; da hieß es kurz besonnen; die geleerte Flasche zerschellte an dem nächsten Feldstein das Gewehr wurde mit fester Hand, deren Nerven der dröhnende Kampfruf vor uns mächtig stählte, ergriffen und so rasch und munter zum Weitermarsch angetreten, als stünden wir eben erst von der Ruhe auf .unb hätten nicht schon heute unsere 78 Stun­den zurückgelegt. Muth und Kampsesfreude zeigten stch aus jebem Gesichte und Alle glühten in der Erwartung, schon in der nächsten halben Stunde an den Feind heran­zukommen, denn daß, wenn sie noch einmal an chn kämen, die ganze Geschichte zu Ende sei und fröhlich nach Haus gegangen wurde, darüber schien jeder Einzelne Bries und Siegel zn haben. Unb es schien, als ob die Erwartung nicht getäuscht werden sollte: unsere Batterien fuhren im Trabe vor und rechts vor uns bewegten sich zwei reitende Batterieen und würtembergische Infanterie eiligst den Höhen zu, die unmittelbar am Gefechtsfelde lagen. Und dem Donner der Geschütze, dem Rasseln der Mitrailleusen und dem Rollen des Kleingewehrfeuers nach zu urtheilen, mußte

scheint täglich außer den Werktagen nach 6otm« und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage L,>uüaa-»l«t" durch die «rveditwn lKoch'lcke

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Bremen.

Lage-bericht.

s j ßk sogenannten .diplomatischen" Korrespondenten grö Blätter scheinen darüber einig zu fein, daß zwischen Hl«» und ÖsterreichPoarparlerS" ftat> finden oder "Efjunben Haden, um Oesterreich zu bewegen, baß eS Lf Einwilligung zum Durchmärsche russischer Truppen Serbien geben möge. AehnlicheS wirb bemDaily ErcBb* von Frankfurt (1) unb betTimes* aus 3Egi telegraphirt. Nach onberen Nachrichten rälh Deutsch Hadern Gesuche RußlanbS zu willfahren. Einer 8er > Depesche derMorning Post* zufolge ist der Kaiser Mim über deS Czaren Unglück sehr bekümmert und Aßch ernstlich bestrebt haben, Oesterreich zur Beobach- X der striktesten Neutralität zu bewegen. Wir können Ht wissen, aus welchen Quellen diese Informationen i , Ursprung herleiten, ober wir finden, daß eS kein sßst Kunststück wäre, derartigediplomatische* Ko.respon I® auch ohne höhere Inspiration zu Dutzenden zu " ddten.

DieTimes" erhält eine Depesche auS Konstantinopel, i |t geeignet erscheint, den bekanntenFriebevSgerüchten" sH Neuem Vorschub zu leisten. Die Depesche lautet: .Ttf Zichy, der österreichische Botschafter, hatte gestern t,»vertraultche Audienz bei Kadri B»y, bem Prästbenten güLtaaiöratheS, in welcher letzterer bemerkt Haden soll, Alitcmanische Regierung sei trotz ihrer jüngsten Waffen HM seft überzeugt, daß der Krieg wirklich ein Miß^

für die ganze Welt fei, daß er auf keiner bet bei» -igelten zu einem wirklichen Resultat führen würbe; Mtzaß bet Sultan glücklich sein würde, benjelben in einem teibe Kriegjührenbe ehrenvollen F leben enden zu sehen. xM Rußland nut eine Autonomie für Bulgarien unter i.fettn christlichen Gouverneuren verlangte, werde die !aktt einwilligen, Frieden zu schließen. Wan muß sich Mta, baß Kadri Bey der Kciegepartei angehört, unb -Dolche Eiklärungen, wie die, welche et einem Botschafter Silber abgegeben, eine doppelte Wichtigkeit haben. Die igfcnng zwischen dem Kaiser Franz Joseph und bem t fc Wilhelm mag demnach irgend eine Intervention zu ^Me» de« Friedens herbeibringen." Wir zweifeln & ob Rußland jetzt geneigt sein würde mit bet Pforte Sm zu schließen, nachdem bie russischen Truppen Nie- *%m erlitten haben, bie durch die Wechselfälle des Kriegs Hkt gutgemacht werben können.

M» competenter militärischer Seite erhält biePoltt. jh* bie solgenben Betrachtungen über die momentane "H beider Armeen in Bulgarien t. Eine Panik, wie ste

M Wor sieben Jahre«.

Mttch eines DreiundachtzigerS aus bem deutsch - frans J " zöslschen Kriege 1870/71.

<1 (Forrsetzimg.)

"Die Wege, auf bcnen unser heutiger Marsch ging, Hl schon durch den gestrigen Regen schlecht ; es waren "Hege, auf benen namentlich die Artillerie sich mühsam sMvegen konnte.

0Me Lebensmittel, namentlich Brod, wurdm immer sel- Wvrd so bezogen wir mit großem Hunger, für den wir jur Stillung fanden, Abends m dem Dorfe Mar- , Meins der scheußlichsten Allarmquarttere, die mir jemals inMMmen sind.

oW. August. Unser Vormarsch ging Morgens von ab bei schönem Herbstwetter direct nördlich auf einer und guten Sttaße bis zu dem Städtchen Vouziers. oRhörten wir von Nordosten her wieder nach längerer j«ben ersten Kanonendonner; die Sachsen und das J ips nebst Baiern waren bei Beaumont im Gefechte. ? Üir machten vor der Stadt, wahrscheinlich um Befehle »arten, ein Rendezvous von IV, Stunden^ passirten , sie Stadt und unmittelbar an ihrem östlichen Aus- -i wurde wieder ein längerer Halt gemacht. Auf -I Katze, wo wir lagerten, hatten vor 2 Tagen noch die b °,'en bivouakirt. Unsere Leute machten Feuer an

»gen die Kochgeschirre, mit Wasser gefüllt über, was ,i »r außer Kartoffeln und Zwiebeln sonst noch gekocht

r weiß der Himmel. Mein Bruder hatte in der Stadt hweres Geld einen halben Laib Brod und ein tüch- ' »tück Schinken gekauft, von dem ich die Hälfte sofort

sie, ben Rest aber als eisernen Bestand für künftige * «stund« aushob; ber Vorsatz war gut, aber die Kraft,

Konstantinopel, 8. August. Die Pforte hat ben englischen Botschafter Layarb benachrichtigt, ste werbe die Befestigungen Gallipolis mrvollstS-ioigen unb bie Garnison verstärken, um ben Platz selbst vertheibigen zu können.

Konstantinopel, 8. Äug. Das Kriegsgesetz wirb auf bie aufstänblschen Bulgaren unb bie Stäbte ThcaclenS, welche von ben Türken roieber besetzt wurden, name/llich auf Kasanlyk, Kalofer, Carlova unb Jmijagra, angewendet. Zn öulgarten steht eine große Schlaft bevor. AuS Asien »erben belanglose Kämpfe bei Bajazlv, KarS unb Ardahau stgnallstrt

Konstantinopel, 8. Aug. E n Telegramm Osman Pffcha's meldet: Gestern fand eine neue Schlacht bei Lowtscha es in dem Gefechte heiß hergehen; so ein arges Feuern glaubte ich selbst bei Wörth nicht erlebt zu haben. Doch kam uns schon nach einer Viertelstunde der Befehl zu, daß die Schlacht günstig für die Unseren stehe und sich der Feind immer mehr der Festung Sedan zu zurückziehe, wir also heute nicht mehr an dem Kampfe thellNehmen sollten. Wir machtm nunmehr eine Schwenkung und, während das Gefecht noch einmal wild entbrannte, bann aber mit jeder Minute an Heftigkeit abnahm, marschirten wir noch anderthalb Stunden über Stock und Stein auf Feldwegen oder geradezu über das Feld bis an die uns angewiesene Bivouakstelle, die wir, als die volle Dunkelheit schon längst angebrochen war, todmüde erreichten. Sie lag auf einem Berg acker in der Nähe von ©tonne; unten im Thale lag ein verlassenes Dorf genauer kann ich sie aber nicht mehr bezeichnen. Wir hatten heute einen der riesigsten Märsche gemacht, die einer Truppe nur zugemuthet werden können, unb hätten nicht bie Kanonen freilich nicht wie bei ben Franzosen von hinten, sondern von vorne unfern Marsch accompagmrt, es -hätte Wagen voll Maroder gegeben. So rückten wir also gegen V.ll Uhr Abends in das Wvouak ein, eins her großartigste», wie ich sie je im Feldzüge gesehen. Rings auf allen Höhen glühten die Feuer und aus dem dem unseren gerade gegenüberliegenden Bivouak der 21. Division schallte lauter Lärm und Gesang zu uns herüber. Wir waren allerdings nicht so fröhlich. Schweigend warfen sich dte Merften, in ihre Mäntel gehüllt, neben den Gewürm auf den Boden. Vor allen Dingen galt es aber, Holz zum Feuer und die Nacht war ziemlich kühl und Laster zum Koche», wenn auch außer Kaffee nicht viel zu koche» da war, zu bekommen. Es dauerte eine-halbe.Ewig­keit unb die Feuer brannten schon lange bis «das HVchser- commando mit einer trostlosen Flüssigkeit ankam, von der sie standhaft behaupteten, es sei Wasser, während sie einer