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Marburg, Freitag, 10. August 1877.

XII. Jahrgang.

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also eine Kriegslist, um das Bett allein zu occupiren! hatten bereits mehrere Male schon bemerkt, daß die < Wenn draußen in der Küche sich ein verdächtiges Ge- ch, wie von zerbrochenen Töpfen oder Schüsseln hören ; mit besonderer Lebhaftigkeit horchend sich aufrichtete, total sogar Miene machte, das Bett zu verlassen. Auf

Schande Europas noch auf weitere 50 Jahre erhalten, der LondonerStandard" sehr richtig bemerkt. Die km werden übermüthiger und «nboimäßiger al« je sein, übermäßigen Ausraffung aller physischen Kräfte wirb furchtbare Reacttvn folgen.

Der Kaiser von Rußland hat eben einen österreichischen zier, der dem russischen Hauptquartiere betgegebea ist, einem wichtigen Auftrage nach Wien entsendet. Zwar hd da« Ltzire bestritten, aber e« liegen solche Bücg

durch den nachher bei Sedan gesallenm Adjutanten Henning bei der Frau Wirthin zu ihrem Abendbrode und jegliche Zuthaten von dem ziemlich in der Küche

ertönte in der Küche ein solches Klirren, als ob sämmttiche Teller und Flaschen in Scherben lägen. Mit einer ihr kaum zugettauten und ihre angebliche Krankheit ganz ver­leugnenden Rapidität sprang die Hauswirthin in halbem Negligee aus dem Bette und lief nach der Küche, während in wahrem Triumphe die zwei zurückgebliebenen Jäger daS Bett im Sturm einnahmen, ocmpirten und die am besten

schäften für die Richtigk.it bet Nachricht vor, daß man an tetfelben nicht zweifeln kann. Wird Fravz Joseph unserem Kaiser unter dem Eindruck einer schweren und wichtigen Entscheidung begegnen? Verlangt Kaiser Al.xander die Hülfe Oesterreich« oder nur Mwiffe Zugeständniffe betreffend die Mitwirkung Serbien« und Rumänien«? Die mlHtiL rische Lage im Orient scheint solche Fragen aufzudräagen, aber auf eine Antwort werden wir iu diesem Augenblick vergeblich warten. Wir müssen geduldig harren, wa« im hohen Olymp beschloflen sei« mag.

Die Kaiserbegegnung.

Ja Ischl trafen gestern die beiden befreundeten Kaiser, dm von Deutschland und Franz Joseph von Oefter- s, zusammen. Die Herren Sensationspolitiker, welche Ji vir Tagesordnung für diese« Zusammentreffen auf- 'llt hatten, sind durch die neuerlichen Ereignisse aus dem schauplatze etwa« stutzig geworden und offenbar tn legenheit, was sie den Monarchen zu thuo geben wollen, ste^ heute Jeder ein, daß v»u Frieden und Frtedea«- ndlungen nicht die Rede sein kann, somit wäre e« verfrüht, die beiden Kaiser über eine Frieder-Sverwitt- Abmachungen treffen zu laffen. Wir glauben, daß beiden Kaisermächte es al« gerathen anjeheu werden, Ereignisse an sich herantreten zu laffen. Wenn auf eicen oder der anderen kriegführenden Seite die Frte- rmittlung wirklich gewünscht wird, dürfte e« immer Zeit genug sein, sich mit dieser Angelegenheit zu br-

Wtr unserseits fassen die Sais.rbegegnung nicht als Vorgang von hoher politischer Bedeutung auf, wenn auch völlig die demonstrative Seite derselben anerkennen. ! liegt darin gewtssermaßeu eine Auffrischung deö Drei­set Kunde« wenigstens im Bewußtsein des Bockes, r der eigentliche Grund dieser alljährlich wiederholten erbegegnungen liegt eben doch nur in den persönlichen

cheS t i tritt

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Lage-bericht.

Aus Berlin wird telegraphisch gemeldet: Fürst Bi« marck mit Familie wird Mttle August ia Gastein erwartet.

DerArrny and Navy Gazette" zufolge wird Lord Airey die britische Armee bei den bevorstehenden Herbstma- növern der preußischeu Armee repräseutiren. Oberst Wilkinson und andere Offiziere werden ihn begleiten.

Die Schweiz hat nach den Berichten italienischer Blätter \ aus Pferde einen Ausfuhrzoll von 800 Franken für das Stück gelegt, eine Maßregel, die einem abfoluteu Ausfuhr­verbote vollständig gleichbedeutend ist. Das tlalienische au« «artige Amt soll indeß den Schweizer Bundeörath darauf hingewiesen haben, daß ein derartiger Schutzzoll nach dem zwischen der Schweiz und Italien zu Recht bestehenden Handelsverträge unzulässig sei. Rach den Stipulationen de« letzteren könne nut ausnahmsweise und im Kriegsfall ein absolute« Pferdeaussuhrverbot erlassen werden.

DieCorrespontauee HavaS" dementirt die Nachricht, daß die griechisch« Regierung tu Rücksicht .mf die politi­schen Schwierigkeiten de« Augenblick« daraus verzichtet hätte, an der Weltausstellung von 1878 cheilzuuehmeu. Diese Angabe beruhe ledtgttch auf Bermuthuug.

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Der Befehlshaber de« amerikanischen KriegSdampserS AShuelot" vom asiatischen Geschwader, Commodore PerkmS, der vor Kurzem mit Mr. Lincoln, dem amerikanischen Consul in (Santon, die neu eröffneten chinesischen Häfen Hoihow aus der Insel Hainau und Pakhoi auf dem Festlande be­suchte, hat seiner Regierung in Washington einen Bericht über diesen Besuch erstattet. Er sagt, laß die chinesischen Behörden ihn mit jeder Höflichkeit empfingen. Die Insel Hainan ist von ra. 1 Million Chinesen und 40,000 Wilden bewohnt. Letztere haben den Mittelpunkt der Insel inne. In der Mitte de« von den Judtanein bewohnten Territo rtums befindet sich eine Kirche der zum Chriftenthum über, getretenen Chinesen, welche von den Indianern nicht behelligt werden. Die Bevölkerung von Hoihow umfaßt 12,000 Chinesen und 12 Ausländer. Die Exportartikel bilden Betel- nüffe, Zucker, Leder, Sesomfamen u. s. w. Dl« Import

angewärmte Ecke ihrem Kameraden, der mit einigen auf- gelefenm Scherben in der Küche Has verlockende Geräusch gemacht, refervirt hielten. A

Doch um wieder auf die freundlichen Ouarttergeber in Epense zu kommen: die Herren vom Stabe hatten

handenen, ungeräuchertm Speck ernstlich verbeten; ob aus Mißverstand oder gerade den Prussiens zum Trotz,

mgt G. fahren mit sich. Siegt Rußland, so haben die Wichen Mächte die Gefahr abzuwenden, daß jenes ge- w "'ge Slavenreich die Beute an sich recht. Siegt die lei, so bleibt da« Türkenregiment mit seinen Skandal.»

Und ihre Wuth, da ich sie beide halte, Reißt auseinander und zerstückelt mich.

Beides, das Obsiegen der Russen, wie der Türken

letbsetttzünduug). Es war für uns Alle ein jammervoller und unser innigstes Mitleid erregender Anblick, diesen braven und von allen seinen Kameraden g «Lebten und verehrten Officier in dem grimmigsten Schmerze auf dem Boden sich wmden zu sehen. Bis em Wagen, der Ihn nach St. Me- nehould bringen sollte, vorgerichtet war, Tag er- aus einer Schütte Stroh , da er den ihn nur -quaknden Transport m em Bett sich selbst verbeten hakt«, den Kopf auf- den Schooß meines neben ihm sitzenden Bruders gelegt, während sein Kamerad von Henning seine im Schmerz zitternden Hände in den seinen hielt. Die Genesung, die ihm von Allen bei seinem Wegfahren gewünscht wurde, erlangte er freilich wieder, aber nur um bald darauf vor Orleans auf dem Felde der Ehre sein junge« Leben auszuhauchen.

28. August. Sonntag. Morgens um 5 Uhr von Epense.qusgerückt und da die Tornister gefahren wur­den, «strktM wir, daß die Lust nicht ganz rein sein müsse Obgleich nun eine große Last uns abgenommen war, war der MaM. doch ziemlich, unangenehm. Es regnete fast den ganzen und wir wurden gründlich durchnäßt. Unser Marsch führte, uns heute über da« Schlachtfeld von Ballny , für mich und meinen Bruder darum interessant, well hier vor beinahe 80 Jahren unser Großvater mitge- kampst. Gegen Mittag sah ich meinen Bruder, wie <r voll­ständig durchnäßt und von heftigsten Rheumaüsmusschmerzen gepeuugt, sich vom Pferde herunter- und aus einen Wagen schaffen ließ, auf welchem er in dem ffrcmmben Regen nur mit einem zerrissenen leinenen Wagenmch zugedeckt, dis an unseren Bestimmungsort, das Dorf Hans, eine Stunde nördlich der von Bewun nach Chaloutz führenden Bahn,

Mit welcher bet Parteien soll ich gehen? Mit beide»; jede« Heer hat eine Hand,

! ihnen schon bekannte Eigenthümlichkell der französischen 871. ^rriierwirthe, sofort, wenn ein unglücklicher Bursche oder

J^at in der Küche ein Eeräthe zerbrochen hatte, hinaus- itt.l£ Mfen und dasgrand malheur, das auch diese Assiette itb.N' *t Pot sein Leben kostete, laut oder leise zu beklagen, -r. hlttn.fte ihren Operationsplan ünd er gelang! Emer

kurz! bei dem Wendessen spielte, von der Suppe an, der Speck eine Hauptrolle. Das Essen wurde natürlich von Allen verschmäht und man suchte sich mit mitgebrachten Borrächen so gut es ging zu helfen. Mir aber verschafft dieser Umstand ein tüchtiges Abendessen. Als der Pa- - taillonscommandeur mich draußen stehen sah, forderte er. meinen Bruder aus, mich hereinzurufen;vielleicht verschmähe ich die fast unberührt dastehende Kost nicht". Und ich chats auch nicht und als ich satt nach meiner Scheuer ging, trug ich noch Brod und Speck für morgen bei mir.

, An diesem Abend erkrankte unser, nachher bei dem Orte gleichen Namens gefallene Bataillons - Adjutant La Barrü sehr schwer (wje die Aerzte damals vermutheten, an Untre

Da ich einmal bei den Qartierscenen bin, will ich eine Wiche, die mir ein befreundeter Marburger Jäger St. iählle und die gerade in diesen Tagen und in jener 8md sich zugettagen haben muß, hier einschalten: Mehrere irburger Jäger waren in einem Hause und in einem "ßi toter einquanirt, wo in einem Bette eine schon ältliche ; 3u lag, die vorgab, sie seimalade. Nun hätten sich > Zäger für ihr Leben gerne selbst in das Bett gelegt, 6 unter den grünen Röcken schlugen doch zu menschliche Etzen, als daß sie eine malade Französin aus dem Bette EfMgeschmissen hätten. Schlau wie die Jäger sein müssen,

i-huogen der beiden Kaiser zucinander, und in den Be- leue. kiffen, die Kaiser Franz Joseph von de» Pflichten der in

mationalen Höflichkeit besitzt.

---- Allerdings wäre e« wunderbar, wenn die beiden Kaiser

61 die Gelegenheit benützen sollten, über die Dinge im > tat ihre Ansichten auszutauschen, die das Lcben aller idonen Europas so tief berühren, daß auch bet am ent

»scheint täglich außer den «krtteflen nach Som,- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen BeilageJhtattti EonntagSdlatt" durch die Expedition (Äoch'fche «uchdruckeeei» bezogen -ß Wart, durch die Postämter des Deutschen Reiches S Werf 5» Pf«. (ejL Bestellgebühr). - JnsertionSgebühr für die gespaltene Zelle 1» Pf,. Für in der Ürpebition ,u ertbeitenbe Auskunft und Annahme von flbreffen werben 15 Pf«, berechnet.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b.Slatte«, sowie d.Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendanl in

Berlin; W. Thienes in Elberfeld' C. Schlotte in Bremen.

artikel find Opium, graut und weiße Shirtings, T«Z<uge u. s. w. Pakhoi hat ca. 10,000 Einwohner, darunter sechs Weiß", von denen fünf im Zvllamte angestellt sind. Der Handel ist unbeträchtlich. Die Stapelprodukte sind Zucker, AniSsamen, Indigo und Casstn.

91 »e KriegSnachrichten von Belang sind nicht eingetroffen. AuS Braila schreibt ein Correspond ent derPol. Corr." über die Lage auf dem westlichen Kriegsschauplatz: OSman Pascha dürfte seine Stellungen nicht lange hatten können, denn von allen Seiten rücken russische Abtheilungen gegen Plewna vor. Osman Pascha wird einen schweren Stand haben und e« ist wahrscheinlich, daß er mit seiner durch drei blutige Kämpfe sehr geschwächten Armee den ungleichen Kampf nicht ansnehmen und sich bei Zetten nach Süd­westen znrückziehea dürfte. Nach Widdin würde ihm sein Rückzug durch die inzwischen bei Rahowa übergesetzte rumä­nische Armee verlegt werden. Osman Psscha wärt mit seinen decimirten Truppen der Armee de« Fürsten Carl doch überlegen, aber er würde n<cht nur mit der letzteren zu kämpfen haben, sondern auch mit der verfolgenden rus­sischen Armee welche ihn während seines aufgehaltenen Rückzuges erreiche» und ki eine schwierige Lage versetzen könnte. E« ist bis jetzt nut schwer, sich eine Meinung über da« Ziel dieser Operationen der Wivdiner Aemcc zu bilden. Offenbar wurde von türkischer Seite ein Durch­bruch der russischen KommunikatiouSlinie bezweckt. Dann .kann man sich aber nicht erklären, warum dieser Angriff nur von OSman Pascha anSging, der doch über die wenig­sten Kräfte vei fügte. ÄndererseiiS scheint es, daß Mehmeo Ali ooi Erki-Djurna an« den Vorstoß Osman Pascha'« nicht nachdrücklich unterstützt hat. Denn nur in diesem Falle hätte der Sieg bet Plewna einen strategischen Werth erlangt

Eine merkwürdige Enthüllung liefert ein Correspondent betft Z.", welcher um den 20. Juli über den Balkan nach Süden ging. Er kehrte nämlich au« Kesanlyk wieder zurück, weil et, wie er au« Gadrowa vom 23. Juli mel­det, au« guter Quelle gehört hatte, daß sich zur Zeit nörd. lich vom Balkan zwei türkische Heermasten sammeln, die eine bei Plewna, die andere zwischen Schumla und Rust- schuk. Außerdem soll ein Theil der türkischen Truppen, welche Monteneg.o und den dortigen Krieasschavplatz ver- lass-u haben, zu Schiff in Varna eingetroff n und von da mit der Eisenbahn nach Schumla gesanot worden fein. Da« läßt nun, sagte er, auf die Absicht der Türken schlie­ßen, doch noch einmal nördttch vom Balkan da« Kriegsglück zu versuchen. In Unkemttmß über die Absichten" der Tn.k.n wat tue» also im russischen Lager am 20 Juli nicht. ' r.j ,?; Vth af /.Hu'-ck ur-

Neuche ftriegSuachrichte«: x .

Söten, 8. Ang. DerR. Fr. Pr.-* wird aus Schumla vom 6. Ang. teiegraphm: Suleiman Pascha melrtk'u de ß

Aor sieben Jahre«.

üwbuch eilt« Dreiundachtzigers aus dem deutsch - frau- zöfischeu Kriege 1870/71.

(Fortsetzung.)

. ..eigen nimmt entgegen: 1 rt /Expedition d.BlatteS, ^l* ^ed.Annoncen-Bureaux _ xh. Dietrich & Co. in Fel und Hannover; Th. Mch in Frankfurt a.M.; Jenftein & Vogler in -rffurt a. M., Berlin, nrxf«

;ung westen Stehende nicht gleichgültig bleiben kmn. Ist e« m is ch ein Streit, von dem Mancher mit Htzakespeaxe, sagen

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