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Marburg, Mittwoch, 8. August 1877.

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zöfischen Kriege 1870/71. (Fortsetzung.)

geben. Das Blatt geht in seiner Offenheit so weit, Kriegserklärung sSmmtlicher Gcoßmächte an die Türkei Politik der Nichtintervention vorzuziehen. Wir wür mS also, falls Rußland sortsahren sollte, unglücklich sein, auf eine aktive Orientpolitik England« gefaßt können. Vielleicht hätten wir alle diplomatischen

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.BlatteS, sowie d.Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

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, vom Memorandum bis zur Konferenz, noch einmal machen und wir würden endlich England als Man «Europas der Türket den Prozeß machen sehen. Wo» England die Kosten deS Prozesses decken würde, uchen wir nicht zu fragen. Wir ersehen daraus, daß OrientkristS mit der Niederlage der Ruffen keineswegs det wäre. Jedenfalls wird England nach dieser osfi- _ m Indiskretion kaum mehr daran denken dürfen, die fei gegen die Russen zu unterstützen, wenn die Wechsel ! des Kriegs cS mit sich bringen sollten, daß die Armee Kaisers Alexander doch noch stegreich vor Konstanti-

yüefl nimmt entgegen: EptMtion d.BlatteS, «tdÄnnoncen-Bureaux . xh, Dietrich & Co. in 3 Uind Hannover; Th.

«ch in Frankfurt a.M.; ,s»nstein & Vogler m Hurt a. M., Berlin, rig, Cöln k.; Rudolf L in Berlin, Frank» " fort a.

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"a k Hoffnung schwand mit jedem Schritte, den unsere m und wundgelaufenen Füße auf dem schrecklichen Aller Pflaster zurücklegten. Zum einen Thore hinein tob zum anderen heraus und ein großes, srisch- ihtes Haferfeld lud uns ein, die müden Knochen auf bestmöglichst auszuruhen! Hunger brauchten wir in A Bivouak glücklicherweise nicht zu leiden; Lebensmittel

43 b di reichlich geliefert und zum Üeberfluffe befand sich in .Nähe ein Kartoffelfeld.

Sie Lage unseres Bivouaks war eine durch chre Fern- : ausgezeichnete; der Blick auf Luneville und die im iienftrahle blitzende Meurthe war entzückend, aber ich itt nicht, ob die Meurthe mir die Lahn oder der Gedanke , g kn heutigen Sonntag die ganze Heimath ins Gedächt- 3 N kurz! der volle Heimwehschmerz kam wieder ' 1 mich und heute noch mit mächtigerer Gewalt, als vor Tagen auf dem Blut- und Leichenfelde von Wörth, t da gerade, als mein Herz zum Zerspringen voll war - bie Thränen aus meinen Augen zu rinnen begannen,

dm berühmten Engpaß von Samowoda auf der Straße gegen Biela, Himer ihr Kosakm und eine lange Kette von Privat Equchagen und sonstigen Wagm. Gegen Abend war Tirnowa wie auSgestorben. Sämmtliche Fremde und viele Einheimische verließen es, die Truppen im Lager hielten sich ruhig, nur der Jammer in der Stadt war erschütternd anzusehen und anzuhören. Abends fuhr auch ich weg und überholte das Hauptquartier, welches sich bei Borusch ge­lagert hatte. Ich übernachtete, da der Weg in der Dmckel- heit unsicher war, in Kucina unter freiem Himmel. Coumere fuhren die ganze Nacht hin und Her, aber stumm und schweigsam Alle! Früh 9 Uhr kam ich In Biela an.sdqr Großfürst Nikolaus und der fliegende Stab waren schon da. Man bestätigte mir, daß die Ruffen am linken Flügel geschlagen worden wären und stch zurückgezogen hätten. Da« Hauptquartier sei nach Biela verlegt, Mittags werde^ein großer KriegSrath unter dem Vorsitze des Kaiser« zusammen treten, bei welchem auch der Thronfolger und Großtürst Wladimir erwartet seien. Nach demselben fahre bann Groß­fürst Nikolaus gegen Plewna ab, et verlangte zwei treue Armeekorps als Verstärkung.

i Allgemein wurde behauptet, General Krüdener habe Türken mit feiner ganzen Macht angegriffen, es werde ! Hauptschlacht geschlagen und e« gehe in derselben hart Hätl 3m Stabe bementirte man diese Nachrichten, als ver- * st, aber sie erhielten stch und die Spannung wuchs. im g i war sich der mißlichen Situation des Hauptquartier«, he« durch ein Niederlage direkt bedroht werden konnte, ä -bt, abe die Hoffnung auf den Sieg war doch noch _ licht. Dienstag früh verbreitete stch folgende Nachricht: i ß SchachowSkoi habe mit einer Division, das heißt 1 Biet Regimenter Infanterie, einem Regimente Ulanen

scheint täglich außer den Werktag« nach Sonn» und Feiertagen. PrerS für da» Quartal mit der wöchentlichen BeilageAünßtrtrle» «auntaiSSlatt" durch die «rveditiou (Roch'sche Buchdruckerei) bezogen 2b Mark, durch die Postämter des Deutsch« Reiches 2 Mark 50 Pf,, (exl. Bestellgebühr). JnsertionSgebühr für die gespaltene Kerle 10 Pf, Für in der Expedition zu ertheüende Auskunft und Aimabme von Adreff« werden 25 Pf,, berechnet.

und bet entsprechenden Artillerie Plewna angegriffen. Vor Plewna hatten die Türken zwei parallele Tranchsm mit Batterien befestigt. Die russische Artillerie bementirte nach heftigem Geschützkampfe die Erdbatterien der Hinteren Tranchs und die Infanterie drang durch die Mitte der vorderen Tranchs vor und bemontirte auch die hier postir- ten Batterien, woraus beide Tranchsm nach Hartern Kampfe und Verluste genommen worden. Ein allerdings schwer erkauftes Siegesgefühl durchflog schon die russischen Reihen, da wurden seitwärts auf den im Osten ansteigenden Höhen die Spitzen neuer türkischer Kolonnen sichtbar. Die Kolonnen entwickelten fin und dehnten stch. Man hatte ein frisches Korps von 40,000 Mann vor stch, wel­ches keine andere Absicht auszuführen haben konnte, als die Ruffen zu umgehen und ihnen die RückzugSlinie von Timowa auf Sistowo abzusperren. Gleichzeitig fiel ein wahrer Hagel von Projektilen auf die Eroberer der Tran cem. Fürst SchachowSkoi räumte dieselben eiligst und warf sich mit den nachgerückten Truppen unter Krüdener den Türken entgegen, nachdem auch seine Reserve ver­gebens die Tranasm zu behaupten versucht hatte. Daraus erst entwickelte sich die furchtbare Schlacht. 80,000 Türken standen gegen 50- bi« 60,000 Ruffen. Gegen Abend waren die Ruffen geschlagen! Sie hatten 10,000 Mann verloren und traten in nordöstlicher Richtung den Rückzug an, um die Straße von Tirnowa nach Sistowo offen zu erhalten. Diese Schreckensnachrichten bementirte der Generalstab in Tirnowa noch am Dienstag Mittag aber um halb 3 Uhr verließ Großfürst Rikolaus mit den Prinzen und Adjutanten Ttrnowa und fuhr gegen Biela. Man jagte dem dort auf den Ausgang der Schlacht harren­den Kaiser entgegen. Eine halbe Stunde darauf schon, um 3 Uhr, fuhren aus dem Lager alle Equipagen de« Groß­fürsten und der Convoi des Hauptquartiers in derselben Richtung davon und ihnen folgten der Generalstab und der ganze Stab mit der gefammten Bagage unter stacker Be­deckung von Kosaken. Es war offenbar, daß das y>aupt quartier Tirnowa verließ. Gleichzeitig lies auch schon das Gerücht, die Türken seien im Anzüge und das Hautzlquar» Her fliehe, um ihnen nicht in die Hände zu geraden. Auch hätten sie schon RikopoliS und Sistowo genommen. Eine entsetzliche Panik war die Folge davon. Während die Wagenkolonne des HauplquartierS durch die Straßen ras (eite, entstand in der Staat ein unbeschreibliches Gewimmel und Gedränge. Alles suchte Pferde und Wagen, Alles wollte schnell davon, eS war ein allgemeines Rennen und Jagen, die Restaurateure im Sager, die Marketender, Händler und Lieferanten packten eiligst ein, Wagen und Reitpferde füllten die engen Gaffen mit Lärm und Toben. Der bulgarischen Bevölkerung bemächtigte stch eine ungeheure Bestürzung, Weiber rangen die Hände und Alles wehkragte: Die Ruffen verlaffen uns wieder und liefern uns den Türken auSl Die Co- lonne des Hauptquartiers bewegte stch inzwischen durch

nahte mir der, der nächst meinem Gott in dieser Stunde mich am besten trösten konnte. Mein Bruder, der, Gott weiß durch wen? in Wörth die Nachricht erhalten hatte, ich sei sicher gefallen, und dem es unmöglich gewesen, nähere Jnformattonen einzuziehen, stand, von unserm Ba- tallionscommandeur begleitet, plötzlich vor mir. Das freu­dige Wiedersehen, wo ein Bruder den Todtgeglaubten und schon Beweinten, und der Todtgesagte den Bruder findet, der ihn in der Stunde bittersten Heimwehs am Besten trösten kann kann nur das Herz nachfühlen, die Feder aber nicht schildern. Genug! mein Heimweh war wie weg­geblasen und wenn auch mein Bruder eine Jeremiade über sein settherigesWohlergehen" anhub, die jämmerlich war mir verdarb sie nicht die Freude und nie hat mir mein Esten im Felde so gut geschmeckt als dieses, das ich mit meinem Bruder theilte; später hat er allerdings sein Essen auch gar manchmal mit mir getheilt. Nach ungefähr zwei Stunden mußte er wieder nach Luneville zurückkehren, ich aber streckte mich getrost auf ein paar Hafergarben zum Schlafe nieder, der mich auch bald sanft umfing und voll­kommen stärkte.

15. August. Montag. Der Abmarsch war auf Vi6 Uhr befohlen. Wir 'rückten zunächst südwestlich von Luneville auf die große Straße nach Bayon, welches schöngelegene, von Weinbergen umgebene Städtchen wir nach fünfstündi­gem Marsche erreichten. Bor Bayon wurde uns indeffen l/i Stunde Aufenthalt bereitet, well unsere Pioniere erst die von den Franzosen gesprengte Moselbrücke wieder pasfir- bar machen mußten. Was hätten sich doch die Franzosen ein schönes Stück Geld sparen können, wenn sie ihre,

« Der LondonerStandard" gibt unS in einem hochbe- i . ^amtn Artikel einige Anhaltspunkte zur Lösung des 'bin tbfelS der englischen Orientpolitik. DaS ministerielle 8 erörtert vielleicht etwas verfrüht die Folgen eines «itivm Sieges der Türkei über Rußland. So sehr der tanbarb* russischen Eroberungen entgegen ist, für so eidlich hält er die Möglichkeit, daß ein Frieden auf der gnblage desStatus quo ante bellum geschloffen wer- könnte. So sehr daS ministerielle Blatt seither mit ehrt! Ulket sympathisiere, so lange sie in der Gefahr schwebte, Rußland vergewaltigt zu werden, so bereitwillig gibt Me zu, daß eS Niemandem erwünscht fein könne, dem Manischen RegierungSlystem mit feinen Skandalen und Mäßigkeiten eine Lebensdauer von weiteren 50 Jahren

U. August. Bon Blamoni bis Luneville marschirt, wir nach sechsstündigem Marsche erreichim. Unsere

k jubelten schon in der schönen Hoffnung, hier Quar- I nehmen zu dürfen und wahrlich, eine Nacht inner»

Neueste KnegSnachnchten:

Wien, 6. Aug. Meldung deSTagblatts": Schumla. Suleiman Pascha hat gestern Kafanlik, welches von den Ruffen geräumt wurde, besetzt. Der Bahnverkehr zwischen Schumla und Rustschuk wurde auf der ganzen Strecke wieder hergestellt Jdaeget Pascha schlug eine russische Colonue bei Medschivje, welches die Ruffen verließen. OSman Pascha erhielt das Großkreuz des OSmanie Ordens, Adil Pascha einen Ehreusäbel.

Wien, 7. Aug. Meldung deSTagblatts" : Belgrad. Der Befehl zur Mobilistrnng der Miliz Clane ist erfolgt Die Aerzte müssen innerhalb 48 Stunden einrücken.

Konstantinopel, 5 Ang. O fizieller Verlautbarung zufolge wurde Ncmchk Pascha zum Präsidenten deS Kriegs- Gerichts ernannt, welche« mit der Abunheilung RedffS, Aboul KerirnS, Echref Paschas und anderer Oificiere betraut ist. Reuf Pascha wurde heute vorn Sultan empfangen und wird morgen wieder abreifen. Das JournalStamboul" wurde fuspendirt;Levant Herald" erhielt Erlaubniß, wie» der zu erscheinen. Arn Frcstag fand ein Bombardement zwischen Widdin und Äalafat statt. Suleiman Pascha hat nach dem gemeldeten Siege bei Jenisagra diese Stadt wiederbesetzt. -

Konstantinopel, 6. August. Ein Edikt des Sul­tans setzt die Gehalte aller Beamten bis zur, Beendigung des Krieges auf die Hälfte herab. Der russische Dampfer Constantin" erschien am Freitag Nacht vor Chilio« am Bosporus feuerte einige Schüsse ab entfernte stch jedoch alsbald wieder.

Bukarest, 6. August. Brackenburg, Correspondent derTimes", Dick de Loulay, Special Korrespondent des Monde illustrs" und desMoniteur un Derlei", Kamotte, Brücken nur ruhig und unangetastet gelassen hätten; viel half das in die Luftsprengen doch nicht. Jenseits der Brücke wurde dann auf einer Wiese ein kleines Rendezvous gemacht und hier der uns einigermaßen verstimmende Befehl mitgetheilt, daß wir wieder für die kommende Nacht zur Vorpostenstellung, natürlich also Bivouak, bestimmt seien. Einige Kerls fluchten laut über diese Aussicht.

Und doch war das nun folgende Bivouak wohl das angenehmste des ganzm Feldzugs. Wir kamen auf eine Anhöhe vor einem Walde zu liegen; Stroh zum Lager lieferte das vor uns liegende Städtchen Harous, Schlacht­vieh, Wein, Brod und Tabak war genügend requirirt und an die Compagnien vertheift worden und von oben herunter begünstigte uns auch das schönste Sommerwetter.

Da wir seit einiger Zeit die Fühlung mit dem Feinde verloren hatten, so konnten wir mit ziemlicher Sicherheit annehmen, in dieser Nacht nicht gestört zu werden, welche Hoffnung sich auch erfüllte.

16. August. Für heute war Ruhetag befohlen. Wir glaubten Morgens aus dem Bivouak abgelöst und in Quartiere verlegt zu werden. Die Nichterfüllung dieser Hoffnunghstörte jedoch unseren guten Humor nicht, da wir, und Viele von uns durch eigene Anschauung, nunmehr ein­gesehen hatten, wie ungleich angenehmer unsere Lager im Bivouak gegenüber den überfüllten engen Quartieren in Bayon und Harous waren.

17. August. Morgens um 6 Uhr von dem Sammel­platz bei Harouö abmarschirt, über schöne Felder an präch- tigen Weinbergen vorbei, über Tantonville, Vezelise nach Bitrey, wo unser 1. Bataillon einquartirt wurde und wir

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Heber die Schrecken von Plewna enthält badNeue ft, er Tageblatt" einen sehr interessanten telegraphischen tt6t seine« Special Korrespondenten im russischen Haupt >iöb au« Biela, 2. August: Am Montag herrschte im bejtelquartier zu Tirnowa den ganzen Tag über fiebernde [1 eanung. Aus allen Gesichtern schaute ängstliche Be- - piiß heraus, und vergebens bemühten sich officielle

>« im Generalstabe, den Ernst der Situation zu rnas-