Marburg, Dienstag, 7. August 1877.
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xii. Jahrgang.
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nicht zur Entscheidung gebracht werden kann. Die te werben überflüssig Zeit erhalten, um sich zu über- waS sie thua wollen, ohne sich zu verspäten. Die e Regierung muß sogar eine sehr gründliche Ueber
davon haben, daß die nächsten Begebenheiten de« noch keinen Einfluß auf die Jnteresien England- Orient auSübea können, ober es muß sehr gute Bürg- stell haben, um in die Politik Rußland- Vertrauen zu
Der englische Schatzkanzler Northcote — neben den S Derby und Salisbury zur Zett wohl da- einfluß- ste Mitglied deS englischen Ministerium- — sagte in
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von Truppen nach Malta oder von Schiffen zur chärkung de» Mittelmeergeschwaders verknüpften Kosten beantragen. Die Kosten stad sehr gering, und eS ist t zweifelhaft, ob e- überhaupt nö.hig sein wird, vor dem laufe diese- Jahre- irgend eine weitere Summe zu verdat. Gegenwärtig würde eS durchaus Ächt nöthtg sein, I zu thun."
Wir haben immer gefunden, daß der Schatzkanzler bthcote in seinen Aeußerungea zuverlässig ist, und tön- i daher die lleberzeugung fasten, daß England für dieses |r nicht daran denkt, seine militärische Kraft in die Waag
schale zu werfen, um den Streit auf der Balkan Halbinsel zur Entscheidung zu bringen. Und in diesem Punkte wird die Haltung Englands — unbeschadet de- Dreikaiserbundes — stet- ein Vorbild für Oesterreich fein. In Summa: die beiden am meisten interesstrten Mächte wollen allem Anscheine nach ihre bisherige Neutralität bewahren. Dies können wir heute wohl als feststehend ansehen: ein erfreuliches Ergebniß für die abgelaufene Woche, welche mit so aufregenden Gerüchten eingeleitet wurde.
„ttfurt o. M., Berlin, Köln k.; Rudolf in Berlin, Frank» surt a. M. rc.
rkei zurückziehen, e- kann weder Bulgarien noch Rumä hrem Schicksale überlasten. ES wäre die- ein schwach Ecgebniß für Rußland, da- seinen Einfluß im Orient tarnet einbüßen würde und durch seine Unternehmung in fürchterliche Schulden gestürzt und doch nur dem
sie der Türket gedient hätte. Wir sagen also nur , daß Rußland um seiner Ehre wlllen den Kamps ausgeben kann, bevor eS alle seine Kräfte erschöpft Hieraus folgt, daß der Krieg in einer näheren Zeit
Zur diplomatische» Lage.
Die Rusten selbst — jedoch wohl sehr gegen ihren
dem Liedesworte, das uns zu Anfang des Krieges ein deutscher Dichter zurief, entsprechend „wohlauf ins Gebirg der VogesenI" — wenigstens dem Vogescngebirge entgegen. Um 3 Uhr Mittags — das Wetter hatte sich inzwischen aufgeheitert — rückten wir bei dem Dorfe Eschweiler ins Bivouak, wo wir uns im wahren Sinne des Wortes Hütten bauten, zu denen der nahe Wald das Material lieferte, während der Boden, auf dem wir uns anbauten, uns recht ansehnliche Kartoffeln in unsere Kochgeschirre stellen mußte, die mit dem an uns ausgetheilten Fleische ein nicht zu verachtendes Mittags- und gleichzeitig Abendbrod abgaben. Die Nacht verlief ruhig und war, etwas Regen abgerechnet, erträglich.
16. August. Um 8 Uhr aus dem Bivouak abmarschirt; bei dem Dorfe sammelte sich das Regiment und erhielt dort das 1. Bataillon den Befehl, als Arrieregarde bei der Bagage zu marschiren. — Nun gings in das herrliche .Wasgau-Gebirge hinein; steile, aber sonst gut zu passirende Wege führten uns durch prächtige Waldungen mit lieblichen klemm Wiesengründen bis in die Nähe der Festung Pfalzburg (IV, «stunden entfernt), wo die Truppen des XI. Armee-CorpS ihr Bivouak hatten. — Die nun folgende durchbivouakirte Nacht war eine der schrecklichftm des ganzm Feldzuges, und das Bivouak von Pfalzbu^ steht sicher allm meinen Kameraden lebendig im Gedächniß, Manchem schon aus dem Grunde, weil in ihm in jmer Nacht der erste solide Grund zu dem folgende« Rheumatismus gelegt wurde — „auch eine Leidenschaft, und wer sie hat, der weiß „wie sie thut!" sagte der Bauer, ats er sich „umgewandSes Schab ium" (unguentum contra scabiem) in der „Drauwel-
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.BlatteS» sowie d.Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Invalidendank in
Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C- Schlotte in Bremen.
‘Ute Matraze sehr zu statten. Das Essen konnte natür- ’tar dem Quartiere entsprechend sein — knapp genug * es!
3* August. Bereits um V,6 Uhr standen wir marsch», und marschirtrn bei mitunter recht tüchtigem Regen,
War sieben Jahre«.
»buch eines DretundachtzigerS aus dem deutsch - sran- zöfischen Kriege 1870/71.
(Fortsetzung.)
Lage-bericht.
Die Einnahmen deS deutschen Reichs an Zöllen und gemeinschaftlichen Verbrauchssteuern, sowie die Einnahmen der Post- und Telegraphm - Verwaltung und der Reich- Eisenbahn Verwaltung, sowie die Einnahmen au- der Wechsel - stempelsteuer haben, im ersten Vierteljahre des hufenben Etatjahre-, also in der Zeit vorn 1. April bi- zum 30. Juni, zusammen 87,790 634 Mark betragen. Sie find gegen die Einnahmen destelben Vierteljahre- im Vorjahre Um 3 395,435 Mark zurückgeblieben. Arn ungünstigsten gestalteten sich die Einnahmen au- den Zöllen und gemeinschaftlichen Verbrauchssteuern; denn sie weisen einen Minderbetrag von 3,869,696 Mark ans, und hierzu kommt die Minder - Einnahme der Reich-eisenbahn - Verwaltung mit 315150 Mark. Dieser GesarnmtauSsall von 4,184,846 Mark wird indeß um die Summe von 780,411 Mk. verringert, denn die letztere repräsentirt die Mehreinnahmen au- der Wechselftempelsteuer und die Mehreinnahmen der Post- und Telegraphen Verwaltung.
Der deutsche Botschafter in London, Graf Münster, ist am Sonntag in Berlin eingetroffen, von wo ab derselbe nach Varziu reisen wird. ES soll neuerdings die Hoffnung aus Fernhaltung Englands von einem activen Eingreifen in den Ocientkrieg wieder an Zuversicht gewonnen haben. Daß der deutsche Einfluß nach dieser Richtung hin stets thätig gewesen, haben wir schon früher gemeldet; jetzt wo Oesterreich von dem Gedanken einer ^Fiontstellung gegen Rußland mchr als je entfernt ist, wird sich England bescheiden müssen, wenn Deutschland ihm eine Brücke zum Rückzüge bezüglich seines bereits in Aussicht genommenen Krieges gegen Rußland baut.
In Wiener und Bester Blättern begegnen wir jctzt häufig sensationellen Nachrtchlen bezüglich der inneren Verhältnisse in Rumänien. In Bukarest soll eine wahre Paniqne herrschen und die Stellung deS Fürsten wird als eine sehr erschütternde bezeichnet; man scheint die Rumänen damit schrecken zu wollen, daß im Fall eines türkischen Siege» Rumänien seine unabhängige Stellung ganz und gar verlieren werde, tü kische Besatzungen erhalten und einen erhöhten Tribut werde bezahlen muffen. Diese guten Leute bedenken nicht, daß über die Frikdensbedingungen allein die
europäischen Mächte entscheiden werden, zu denen bekanntlich auch das deutsche Reich gehört. Letztere- wird weder eine Schmälerung Serbiens noch Rumänien- dulden, vielmehr deffen vollständige Unabhängigkeit gegenüber der Türkei sicher zu stellen wiflen.
Vom Kriegsschauplatz liegen noch keine näheren Nachrichten über die Schlacht bei Plewna vor. Die Ruffen haben den Kampf am 1. d. Mts. wieder aufgenommen und die Stadt Plewna genommen, wohingegen die Türken die die Stasi beherrschenden Höhen besetzt hallen. Der Mißerfolg der Rnffen, die bei Plewna gegen eine überlegene Streitmacht mit anße ordentlicher Bravour gekämpft haben, läßt sich nur durch den Mangel an Streitkräften erklären, an dem die Ruffen und Bulgaren leiden. Während man immer von 11 Armeekorps redet, die den Russen auf dem europäischen Kriegsschauplätze zur Verfügung stehen, befinden sich in Wahrheit und Wirklichkeit kaum acht Armeekorps in Bulgarien und Rumeltcn. In der Dobrudscha steht da- 14 Armeeko-ps und in Rumelten das 8. mit den fliegenden Truppentheilen, die aus Bulgaren, Kosaken und den Schützen- abtheilungen gebildet sind. Die übrigen sechs Corps befinden sich in Bulgarien, von denen zwei Corps zur Cer- niiung und Belagerung der Festungen bestimmt find und vier Armeekorps die Centralarmee bilden, welche den Zweck verfolgt, mittelst eines concentrifchen Vorgehens gegen den Feind deffen Feldarmee zu schlagen und dadurch die Voraussetzung für einen erfolgreichen direkt gegen die türkische Hauptstadt gerichteten Felvzug zu schaffen. Von den letzteren vier Corp» stand eins noch aus dem linken Donau Ufer, bevor die Schlacht bei Plewna geschlagen und ist dasselbe erst jetzt auf den Kriegsschauplatz gerückt; auch die gefammte rumänische Armee wird sich binnen Kurzem aus dem rechten Donau-Ufer befinden und eS wird sich nun bald zeigen, wer der Stärkere in Bulgarien ist.
Neueste Krieg-Nachrichten:
Konstantinopel, 4. August. Shakir Pascha ist zum Division- General ernannt worden, und übernimmt das Corn- mando über da- bisher von Reuf Pascha befehligte Armeecorps. Letzterer geht nach Konstantinopel. — Die im Dorfe Atiy bei Tjchirpan angesammelten aufständischen Bulgaren wurden geschlagen und zerstreut. Viele Bulgaren wurden getödtet, 55 gefangen. — Der Gouverneur von Phtlippopel stgnali- flrt die Ausbreitung des Aufstands an mehreren Punkten besonder» in Carlowa und Aktschkilina. Die entsendeten Truppen befreiten zunächst die muselmännische Bevölkerung und belagerten sodann die beiden Orte, worauf die Insurgenten sich dann unterwarfen und die Waffen auölieferten. — Ein Telegramm Suleiman Pascha'- schätzt den Verlust der Muffen und Bulgaren bei E-kiiagra aus 2000 Tovte. Zahlreiche Bulgaren wurden gefangen. Der Verlust der Stätten betrug 171 Todte und 566 Verwundete. Eski- fagra wurde in Folge der Beschießung durch eine Feuer »-
apotheke" holte. — Der Regen goß in Strömen vom Himmel; der geringe Schutz, den wir uns gegen ihn aus einigen Weiden und Erlenbüschen aufzubauen verfuchtm, »ar bald von dem heftigen Sturme fortgerissen —, kurz, am anderen Morgen hatte Keiner von uns einen trockenen Faden mehr am Leibe.
II. August. Donnerstag. Um V»8 Uhr marschirten wir au- dem schrecklichen Bivouaksplatze, der mir immer im Gedächtniß bleiben wird, anfangs über schmutzige Felder und grundlose Wege, bald aber doch auf einer guten Straße dem Städtchen Saarburg zu, wo wir Nachmittags um 4 Uhr ankamen. Ich erhielt Quartier bei einem Färber; die Leute waren recht freundlich und gaben uns reichlich zu essen. (Am anderen Tage schon waren, wie mir mein Bruder erzählte, die Lebensmittel in Saarburg sehr rarer war bei seinem Kollegen, dem evangelischen Pfarrer von Saarburg einquartirt, dieser aber hatte nicht mehr so viel im Hause, um seinem Gaste eine Taffe Kaffee und ein Stück Brod vorzusetzen und mußte mein Bruder mit den von ihm nutgebvachten Vorrächen aushelfen.) Unsere Ruhe in Saarburg wurde an jenem Tage dadurch einmal gestört, daß totr allarmirt wurden; um für die folgende Nacht allarmbereit zu fein, durften wir die noch von gestern naffen Kinder nicht ausziehen, welcher Umstand uns die wenig er« bauliche und doch erfüllte Aussicht verschaffte am anderen Tage in nassen Kleidern marschiren zu müssen.
12. August. Wir marschirten nm 8 Uhr in Saarburg ab, zunächst auf der großen Pariser Sttaße, bogen dann rechts ab und kamen über schlechte Feldwege nach etwa vier Stunden bis Hemming, wo wir Vorpostenstellung,
i Iden — kommen den Bestrebungen der Mächte entgegen, ' He den Krieg lokalistren wollen. Die Russen haben ch aus dem europäischen Kriegsschauplätze nicht allein ten Fortschritt, sondern stellenweise beträchtliche Rück- . litte gemacht. Am 31. Juli und 1. August erlitten die (U Men Truppen, welche heldenmüthig gekämpft haben, * l Plewna eine schwere Niederlage, Dank der Unfähigkeit ta Führer. Man fleht eben mit einem gewissen Staunen, ch die Widerstandskraft der Türken nicht bloS den Serben B Montenegrinern, sondern auch dem Riesen Rußland «üchstn ist. Wenigstens ist die- der Eindruck, den die llize Welt aus der Kriegsgeschichte des letzten Vierteljahres klingt. Wenn diese Sachlage stch nicht ändert, wenn । Hiand nicht von größerem Geschicke und Glücke be- i« estigi wird, bann besteht eben wenig Hoffnung, daß der lieg in diesem Jahre sein Ende erreichen wird. Rußland M seine Armee nicht mit Schimpf und Schande auS der
i vuak verlegt zu werden. Unserem Wunsche wurde um xr Ihr insofern Genüge geleistet, als der soforüge Abmarsch
& dem Anfügen befohlen wurde, wir würden heute ein- ♦N ktirt werden.
Unser Marsch ging über Fröschweiler, das ganze hlachtfeld entlang, durch Wald und auf schechtem Wege e, i I Pfaffenhofen, wo wir um 5 Uhr durchnäßt und sehr de ankamen. Obgleich Pfaffenhofen ein ziemlich aus- 1 Hüter Ort ist, war es doch unmöglich, bei der Menge s hier concentrirten Truppen denselben einigermaßen Egendes Quartier zu verschaffen; wenn 40 Mann auf itü» Haus kommen, geht es enge her und so kam es denn, —** I verschiedene Mitsieger von Wörth, darunter auch 371 Re Wenigkeit, in Ställen campiren mußten; doch kam und einem Kameraden eine von meinem Quartierwirth
Erscheint täglich außer den Werttagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „SluftrirteS Cmnttafttlntt" durch die Expedition (Koch'fche »uchdruckerei) bergen «art, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 «Mck 5» Pf,, (exl. Bestellgebühr). - JufertionSgebühr ftr die gespaltene 8ttU !• »ta. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werde» »5 Pf,- berechnet.
! I schieiaen nimmt entgegen: Spedition b.Blatte», ost») ,ied.Ann°ncm»Bureaux i « Th- Dietrich & Co. in 1- und Hannover; Th.
8. August. Nach dem Regen der bergangenen Nacht ) w* r der Geruch auf dem Schlachtfelde ein wahrhaft pesti- htib gälischer geworden, und stand unsere ganze Sehnsucht in, baldmöglichst in ein von dem Schlachtfelde entsemtes
.Akt Sitzung des Unterhauses vorn 30. Zull:
Vllj ,86 wird nicht nothwendig fein, irgend einen beson Credit zur Bestreitung der mit der jüngsten Absen-