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Marburg, Freitag, 3. August 1877.

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Meine Einberufung« - Ordre, nach welcher ich mich am 22. Juli, Morgens 6 Uhr an der Jägerkaserne in Marburg zu stellen hatte, empfing ich am 20. Juli in H. im Kreise Z., wo ich mich damals aus einem Oeconomie- glltr als Verwalter befand.

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Die wenigen Tage, welche mir noch bis zum 22. blieben, benutzte ich zu einer Reise zu meinem Vater, um ihm, vielleicht für alle Erdentage, Lebewohl zu sagen und zu etwas entfernter, jedoch in nächster Nähr Marburg» wohnenden Verwandten, um auch bei diesen mich zu verab- schiedm.

Wie schwer damals der Abschied dem Herzen wurde, weiß Jeder, dem jene Tage noch im Gedächtnisse find, gut genug! Gott fei Dank, daß die damals, wenn auch nur sehr schwach gehegte Hoffnung ans gesundes Wieder­sehen wenigstens fit Bezug aus mich erfüllt wurde: genug! ich kam, von meinem Bruder begleitet, am Abend deS 21. Juli in Marburg an. Wir sanden in einem Gasthause ein leidliches Unterkommen und verlebten im Kreise mehrerer lieben Bekannten, die gleichfalls einberufen waren, einige, wenn auch nicht gerade vergnügte, so doch angenehme Abend­stunden. Nach mehrmals unterbrochener spärlicher Nacht­ruhe weckte uns, als kaum der Tag graute, der Gesang einziehender Krreger vom Lande, unter denen besonders die schönm und kräftigen Gestalten der Reserveleute von der Schwalm auffielen.

Die Sonne ging so wunderbar schön auf, wie selten'; m goldenem Morgenstrahle stuthete das Grün der Bäume im botanischen ©arten, an dem wir gerade, durch die dicht­gedrängte Menge uns durchwindend, bald hier, bald dort einem Bekannten die Hand zum Gruße oder Abschied reichend, vorbei gingen; Alles drängte dem Thore des Kasernenhofes, an welchem noch so manche Abschiedsscene sich abspielte, zu. Dort im Kasernenhofe sammelten sich die Reservisten von vier Jnfanterieregimrnttrn, die zunächst an die refp. Regö-

atkvführlichrr Weise die Entwickelung der Katastrophe dar- legt, kommt fle zu folgenden Folgerungen:Der Eindruck der ganzen Erscheinung auf die öffentliche Meinung Europa'» ist ein außerordentlicher gewesen und hat eine Anzahl wider, streitender Urtheile und Erklärungen hervorgerufen. Die verschiedenen Parteien haben gesucht, für ihre Ansichten über Staat und Gesellschaft au» dieser Erscheinung Beweise zu schöpfen. ES hat dabei sehr viel Irrige» und Einseitige« zu Tage kommen müssen. E» ist ebenso falsch und im offen­kundigen Widerspruch mit allen Thatsachen; wenn die Sorial- Demokraten diesen Strike als eia Symptom de» Fortschritts ihres Strebens und ihrer Gesinnung auffassen, als wenn wohlmeinende Anhänger der Ordnungsparteien Schlüffe auf P$t schon unausbleibliche Veränderungen der amerikanischen StaatSetnrichtongen ziehen. Die größte Verblendung aber zeigt sich in der Behauptung, daß, weil eine so große nah gefährliche Bewegung ohne Bürgerkrieg und Einschreiten von Heeresnnffen nach verhältnißmäßig kurzer Zeit der regelmäßigm Ordnung weicht, die eurrpäischen Staaten nicht« Besseres thun könnten, al« die amerikanische Freiheit bei sich einzuführen.....Wenn solche Blätter und Par«

teirichtunzm in Deutschland, welche in den amerikanischen Eineichiungen ihr politisches Ideal erblicken, aus dem Ver­lauf diese« Strike«, der trotz einiger Gewaltthätigkeiteu grund­sätzlich auf dem Boden der bestehenden Rechtsordnung ge­blieben ist, den Rath herleiten, jene Einrichtungen so bald als möglich bei uns einzuführen, so ist die« eine kaum zu bezeichnende Verblendung. Ausgestattet mit allen Waffen bet Erfindungen der neueren Zeit und Mit allem Blfltz der geistigen Kultur unserer Zett, befindet fich der amerikanische Staat auf einer Stufe, wie etwa da« deutsche Reich im 1315 Jahrhundert. Auch damals sehen wir Verbindungen mächtiger Stände und Gcsellschaftskiaffeu zur Selbsthülse gegen einander schreiten und bei allen Ausschreitungen kein Bedürsniß, die gegebene, mangelhaft geschützte RechlLordnung im Ganzen abzuändern. Wie heute die Bereinigten Staaten, hatte Deutschland damals nicht die gesammelte Kraft wett­eifernder Nachbarn an seinen Grenzen. Wie heute in den Bereinigten Staaten, standen der Kraft de« deutschen Volke« noch große KolonisationSgebiete in seiner unmittelbaren Nach­barschaft offen. In einem solchen Stadium der Entwicke- Jung bieten die Völker das Schauspiel de« gegenseitigeu Ringen« ihrer gesellschaftlichen Kräfte bet großer Macht- lofigkeit bet Centralgewalt. Als aber Deutschlands Nach­barn erstatten, während die inneren Gegensätze sich durch die Kirchentrennung gespannt und vermehrt hatten, büßte Deutschland diesen Zustand durch einen dreißigjährigen, vom Ausland genährten Bürgerkrieg, der es dem gänzlichen Untergang nahe brachte. In zweihundertjähriger Arbeit har fich seit dem Ende dieses Bürgerkriege- die Eitthett der Nation und eine starke nationale Centralgewalt herauSge- bilbet unter schweren Kämpfen und unter Gefahren, welche die nationale Existenz wiederholt dem Untergang nahe brachten. Heute zu jener Ohnmacht de« Staats zurückk hren zu Gunsten

türkischen Kriegsschauplatz theilt sie am Schluß mit, ein Gefecht bei Katabumat, welches beinahe in der von Burgas am schwarzen Meere liegt, für die uachtheilig geendigt habe. Run ist aber das Ka «ar, bei welchem da« Gefecht stattgefunden, nicht der diese« Namen«, der bei Burga« liegt, sondern ein Ort Namen«, welcher etwa 20 Meilen westlich belegen eine Eisenbahnstation bildet von deij nigen Zweig- mute, welche von der Haupteisenbahnstrecke «drianopel- tyropel - Sophia ab nach Norden von H rm ml über j-Eagra in der Richtung auf Jamboli führt. Insofern M jene« Treffen noch von viel größerer Wichtigkeit, dadurch die obenerwähnte Eisenbahnlinie in die Hände Aussen gelangt ist. Der betreffende Berichterstatter de« sen Blatte« sollte sich aber doch vor derartigen groben et« in Acht nehmen.

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le Nachrichten über ein« theilweise Mobilistrung der chisch-ungartschen Armee find, trotzdem sie in bestimm Form aufgetreten, verfrüht. Allerdings ist in einem ifterkovseil unter Andraffh'S Vorsitz der Beschluß gefaßt daß den gemeinsamen Ministern deS Kriegs, der zen und de« Auswärtigen e» überlasstn werden soll, Moment tote Frage zu entscheiden, ob eine theil- Mobttistrung der Armee geboten erschein«, aber zur hat man davon Abstand genommen, die in AuS- genommene Mobilmachung zweier Armeekorps wirklich eten zu taffen. Fragt man, weshalb beim jetzt mit Maie eine solche militärische Demonstration verge- mmen »erben soll, so heißt eS, »Oesterreich dürfe ange der Ereigniff« nicht unvorberettei bleiben und jeder fähig fein, seine besonderen Jntereffen gegenüber Ruß »ahrzunehmen. In Wahrheit und Wtrklickkett ist oben beregte Beschluß deS gemeinsamen Ministerraths

, um Rumänien rote Serbien zu warnen, in ihrem für Rußland nicht zu wett zu gehen. Daß die tu. e Armee über die Donau gegangen und Serbien o« danach trachtet, eine Aktion gegen Bosnien in zu setzen, während Montenegro beabstchtigt, die Her ina zu occupiren, hat da» Wiener Cabinet veranlaßt, r an« seiner Neutralität herauszutreten und den A und Rumänen wie dm Raffen ein Avis zu geben, inter Umständen Seiten« Oesterreichs geschehen könnte.

Die italienische Regierung, deren Aktionslust wir schon betonten, hat also wirklich bei den Signatarmächten Pariser Vertrage« von 1856 die Frage angeregt, ob wb berechtigt fei, eine Einzelaktion zu Gunsten der

Pforte in Scene zu setzen. Italien, heißt e«, verfolge eine eigene von der englischen verschiedene Seepolitik und Eng­land werde mit derselben zu rechnen haben. Wir glauben kaum, daß eine maritime Aktion Italien« ernsthaft in Be­rechnung zu ziehen ist, die ganze Affaire zeigt nur, in welchem Fahrwasser sich die italienische Orientpolitik bewegt und beutet auf eine ganz neue Gruppirung der europäischen Mächte in dem ferneren Verlauf de« Orientkriegs hin, auf der einen Seite Rußland, Deutschland, Italien, auf der anderen England, Oesterreich, Frankreich und die Türken.

Neueste Kriegsnachrichten:

London, 1. August. Rmter's Bureau meldet aus Konstantinopel: Der Minister deS Seußetn, Aarifi Pascha, hat seine Entlaffung gegeben, die vom Sultan auch ange­nommen wurde. Server Pascha wurde zum Minister be«; Amßern erra nt.

Wien, 31. Juli. Meldung deSWiener Tagblatt«*: Bukarest, 30 Juli. Die gestern hier verbreitet gewesene und von dem hiesigen JournalVestea" publicirte Nach­richt von einem großen russischen Siege am Lom bestätigt sich nicht. Bei Rustschuk herrscht vollkommene Ruhe. Der Bau der Brücke bei Petroschani schreitet vor.

i Bukarest, 30 Juli. Der britische Oberst Welle-leh richtete an die britische Regierung einen Bericht, worin er die den rutstschen Soldaten von türkischer Seite zugeschrie- benen Grausamkeiten kategorisch bementirt.

Konstantinopel, 31. Juli. Osman Pascha meldet vom 30. Juli au« Plenum: Heute Morgen griffen drei starke s indtiche Abtheilungen zwei Stundm hindurch, durch heftige« Artilleriefeuer unterstützt, unsere Stellungen an. Der Kampf dauerte bi« 10 Uhr Abend«. Schließlich zogea sich die Ruffen in ihr Lager zurück Nach den Aussagen Gefangener betragen die Streitkräfte de« Feinde« 60 000 Mann Infanterie, drei Regimenter Cavallerie und 50 Kano­nen. Voraussichtlich wird der Kampf morgen wieder auf

Lage-bericht.

DieProv. Corr." enthält in ihrer heutigen Nummer p Jrrlhum, welcher bei einem Blatte von so officiösem patter wie dieses doch nicht Vorkommen sollte. In K Mittheilung über den Verlauf der Ereigniffe auf dem

Wien, 1. Attgust. DerR. fr. Pr." wird au« Bu­karest vom 30. Juli telegraphirt: Der russische Generalstab leitet die Concentration sämmtltcher Corps an der Jantra ein. Großfürst NckolauS ist mit seinem Stabe in Bjela eingetroffen. General Gurko hat seine vorgeschobe eu Po sttionen aufgegeben und befefiigt sich in ben Balkanpäffen. Die vierte rumänische Division vollzieht gegenroSttig ehren Uebergang Aber die Donau nach Nitopvli unb wirb in Turn Magurelli unb Flamunba durch neue Truppen ersetzt. Bor- geflern sind hier 60 Waggon« mit russischen Verwundeten einget. offen.

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waren schwüle Tage, die Tage von Mitte Juk * unb welche Thränen und bitteres Herzeleid schon «sie Wetterleuchten im deutschen Lande weckte wie er und Manche fühlens bis auf diese Stunde noch und schwer!

tr Dreiunbachtziger haben die. Tage, die der bangen felgten und in denen das Wetter fich entlud glück- eise nicht, wie Mancher befürchtete, über unserem t deutschen Lande mitgemacht und sindtüchtig gewesen, unb wer glücklich wieder herausgekommen hat seine gesunden Glieder wieder mttgebracht, in trotz der zurückgelegten Kilometer und ttotz der ver- nen Bivouaks, in denen man sich auf den nassen, igen ober gefrorenen Boden legte und außer mit dem t regenfeuchten Mantel noch mit der bekannten Decke, in die goldene Sterne gestickt sind, zudeckte, Rheumatismus, Gicht ober sonstiges Siechthumren- , der bentt jener Tage mit Stolz und Freude unb nicht um Alles , was man ihm auch böte, die Er- daran und das Bewußtsein, jener Großthaten an unserem deutschen Belke unmittelbarer Zeuge zu sein, dahingeben.

un ist allerdings über jene Zeit schon so viel ge­rn, gedruckt und gelesen-worden, daß es am Enve ssig erscheinen möchte- jetzt noch- nachdeck sieben

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition bJBIem», sowie d Annoncen-Bnreaux von S. L. Daube L Co. in Frankfurt a. M.; Jüger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Divalldendank in Berlin; W. Thiene» in Elberfeld; 6. Schlotte iw Bremen.

«rscheint täglich außer den Werktagen nach Soun- und Feiertagen. Preis für da« Quartal mit der wSchentlichrn VellageJtustrirtl «»mttamzblatt" durch die «rveditio» (Rochstch, «uchdruckererf bezogen Mark, durch die Postämter de» Deutschen Reiche» t Mark & Pf,, lexl. Bestellgebühr). - JnserttonSgebübr für die gespaltene Zelle V

» Für in der -xveditwa ,u ertdeilende Auskunft und Annah«' von Adressen werden -5 Pf«, berechnet.

Men nimmt entgegen: Neditiond.Blatte«, d.Ännvncen-Bureaux

, Tb- Dietrich & Co. in ti und Hannover; Th. ftch in Frankfurt a.M.; -trrstein & Bögler in -jfurt a- M-, Berlin, Mn ic.; Rudolf E in Berlin, Frank­furt a. M- re.

Dentschr» «eich.

A 1. August. Die heutigrProv.-Corr.*

bringt einen Artikel über die Auflehnung der unteren Eisen - bahnbeamten in den Bereinigten Staaten. Nachdem fle in Jahre verflossen find, ein Tagebuch aus dem Feldzuge in Frankreich zu veröffentlichen.

Aber so ganz überflüssig wftds am Ende doch nicht sein! In einer Zett, wie die unsere, in der Erleben und Bergessen etwas gar Gewöhliches ist, thut die Auffrischung solcher Erinnerung wohl noth, unb es wird vielleicht man­chem Leser, der 1870 71 in den Reihen des 1. Bataillons Nr. 83 stand, durch die nachfolgende Schilderung der Theil- nahme seines Bataillons an dem Feldzuge in Frankreich ein kleiner Dienst erwiesm. Wie manchmal habe ich schon einen Kameraden klagen hören:hätte ich mir doch damals Alles, was wir speciell mitgemacht, die Städte und Gegen­den, wo wir gelegen, ausgeschrieben! oder hätte ich doch mein Tagebuch nicht verloren oder wäre es mir doch nicht im Laufe der Zett unleserlich geworden!*

Solchen Klagm und Wünschen möchte ich entgegen kommen, glaube mich aber der Hoffnung hingeben zu dürfen, daß es auch für andere Kreise nicht ohne Interesse sei, sich noch 'einmal das vor Augen führen zu lassen, was ein Thell der bekanntenKilometerdivision" und zwar derjenige Theü, aus welchem ja so Viele au» unserem lieben Hessen­lande dienten, geleistet und zum Erringen bet großartigen Erfolge in jener Zett beigetragen hat.

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