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Marburg, Donnerstag, 26. Juli 1877.

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nicht daran denken, durch die Besetzung Konstantinopels,

einen englisch-russischen Krieg htrauszubeschwören hat sich heute bestätigt. ES handelt sich »ei den englischen militäri

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Beim Einseisen gewöhnlich begann der Bart-Friedel cn Sermon, jevoch nur leicht und glimpflich; hatte er

sammelten daher sich h großer Zahl bei der Station Mai. tinsburg in Äirginteu, rissen einen Theil der Schienen auf und gestatteten wohl den Personenzügen nicht aber den Güter­zügen den Durchgang. In dieser Weise wurden bald 70 Gülerzüge bei MartinSburg blokirt und mehr als 80 Loco- motiven auf dem dortigen Bahnhofe zusammen gefahren. Die Strikenden warfen auf mehreren Stellen der Bahn Schanzen und Brustwehren aus und organistrten einen regelrechten militärischen Wachtdienst. Da die Polizei sich zu schwach erwies, so verlangten sie vom Gouverneur von Wcstvirginien militärische Hülfe, diese wurde schleunigst ge währt, doch waren die Milizen nicht fähig, der Aufständi­schen Herr zu werden und so wußten denn Bundestruppen von Washington herbeigeschaffi werden, die nach einem hefti­gen Kampfe den Tumult unterdrückten. Inzwischen haben sich die Unruhen auf mehrere andere wichtige Bahnlinien erstreckt und eS wird noch einige Zeit vergehen, ehe die Ordnung wieder hergestcllt sein wird. Daß letzteres ge­schieht, daran darf nicht gezweifelt werden, immerhin aber sind diese Vorgänge höchst lehrreich, insofern sie den Beweis liefern, daß in allen Staaten heutzutage, ob monarchisch oder republikanisch, nur eine imponirende Milstärgewalt die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung verbürgen kann.

WaS wir gestern gleich behauptet, daß die Engländer

des Himmel» werde einem solchen Benehmen sicherlich auf dem Fuße folgen.

Potz Scheerbeutel und Seifenschaum!" schloß geuöhn- lich der Bartfriedel derlei Prrdigten,Altbauer, Ihr seid ein Kerl, der unter die Kannibalen gehört, aber nicht in ein ehrliches Christendort! Schämt Euch in Eure Seel hinein, so hartherzig und lieblos zu sein! Hab mein Leb­tag auch schon verstockte Sünder geschaut, aber EurcSgletchen ist mir noch nicht vorgekommen. WaS hat Euch die arme, schöne, junge Frau, was haben Euch die unschuldigen Kinder Eures Sohne«, was hat Euer guter herrlicher Sohn selbst Euch zu Leide gethan, daß Ihr sortfahrt, Gift und Galle gegen ihn und die Seinigeu zu speien? Schämt Euch in Eure hart gesottene Seel' hinein, Altbauer, verstockter Sünder! Gebt Acht, gebt Acht, das nimmt kein gutes Ende! Solche Nichtswürdigkeit und fluchwürdige Ungerechtigkeit hat noch immer die gebühreude Strafe des Himmels erhalten 1 Aber der gerechte Gott droben findet Euch, Altbauer, wenn seine Stunde gekommen ist.' Er wird Mittel unv Wege finden, auch Euren harten Kopf und starren Sinn zu erweichen, wöge »'S gnädig mit Euch machen, obwohl Jhe's nicht verdient! Aber die Hand Gottes wird sich ouf Euch legen hart und schwer, der Zorn Gottes wird auf Euch herab­fahren, wie ein verzehrend Feuer und wehe Euch, wenn'S Euch nicht gelingt, ihn bet Zeiten zu versöhnen! So wird'» geschehen, potz Scheerbeutel und Seifenschaum! so wahr ich der Bartfriedel bin und bleibe, so lange es Bärte gibt Im Dorfe Sonnenthal!"

Wenn daun aber Wuth und Ingrimm den Altbauer übermannten, wenn er kirschbraun im Gesicht, wlld mit den Füßen stampfte schwabb hatte ihn der Bart Friedel wieder fest bei der Nase oder am Kinn, je nachdem eben da« Scherrmrfier bk Gegend zu passtren chatte, und wenn

rücken mit bedeutenden Truppmkräften auf Philippopel zu und werden dafielbe jedenfalls eher erreichen, als die Türken von Sofia her in der Festung angelangt fein werden. Bei dieser trostlosen Lage der Dinge hoffen dieTürkenfreunde darauf, daß von der bei Schumla stehenden türkischen Feldarmee starke Abtheilungm über dir von ben Türken besetzt gehalte­nen Balkanpäffe nach Adrianopel dirigirt werden, doch liegen noch keine Anzeichen vor, daß der neue türkische Oberbefehls- Haber sich zu diesem Schritte entschlossen hat.

Neueste Kriegsnachrichten:

London, 24 Juli. DemReuter'schen Bureau" wird über Erzerum aus dem Hauptquartier Mukhtar Pascha'« gemeldet: Die Ruffen seien nach einer von 8 Regimentern Cavallerie und 8 Geschützen gegen die Armee Mukhtar's unternommenen Recognosctrung wieder zurückgegangen, und hätten ihr Lager-Geräth nach Djannischdasch und Alexan- dropol zurücktranSportirt.

Konstantinopel, 24.Juli. Der BotschafterLayard sandte das KriegsschiffRapid" zum Schutze der Christen nach Kavarna (Varna?) ab. Der österreichische Botschafter Gras Ztchy ordnete die Aufnahme flüchtender Christen auf die Lloyd-Dampfer an.

Wien, 24. Juli. DaSTagblatt" meldet aus Eet- tinje: Der Fürst von Montenegro hat mit 8 Bataillonen die Cernirung von Nikstk begonnen. Aus Athen: Der griechischen Regierung ist der Abschluß einer auswärtigen Anleihe von 30 Millionen Drachmen gelungen. Aus Belgrad: Die Häuser der Stadt waren aus Anlaß der Einnahme des Schipka-PaffeS illuminirt.

Wien, 24. Juli. DerNeuen fr. Prefle" wird au» Jaffh vom 23. d. gemeldet: Unter den für die ruffifche Armee bestimmten Vieh-TranSporten ist die Rinderpest tu verheerender Weise ausgebrochen.

Bukarest, 24. Juli. Das zweite rumänische Armee- kvipS bisher in Kalarasch und Turnmagurelli, erhielt Be­fehl, in Eilmärschen nach Carabta abzumarschiren. Die rumänische Armee wird als selbstständiges Ganze« die Donau nicht überschreiten; nur eine Division des zweiten Corps unter Befehl des Generals Manu wird dle Donau über­schreiten und einem größeren Corps unter dem Commando de« Großfürstm Wladimir etnverleibt werden. Der Deutschen Zeittmg" wird <nrt Bukarest vom 23. b. ge­meldet: Oberhalb der Lom-Mündung, rechts der Insel PyrgoS, entspann sich gestern Abend ein heftiger Kampf, zwischen der russischen Avantgarde und bat Türken.

Wien, 24. Juli. Die Pforte beschloß, falls die Ruffen Adiranopel etnaehm n, die Khalifen-Fahne zu ent­falten. Dagegen wollen die Grvßmächie proustiren, weil die Entseffelung deS Fanatismus im Orient die dort leben-

Lage-bericht.

Die jüngsten Ereigniffe in Amerika haben die Aufmerk- der politischen Welt in hervorragender Weise jenem theile zugeweudet und dürfte e« daher angezeigt sein, kurze Darstellung der Entwickelung der Vorgänge zu . Wie in Europa, so ist auch in Amerika der Gründer Schwindelzeit von 187172 der große Krach von 3 gefolgt. Die künstlich bi» zum Unglaublichsten ge- tt Kaufkraft des Publikum« erlahmte und Handel und chr stockten. Nicht zum Wenigsten litten unter diesen ltniffeu die Eisenbahnen, deren Frachten und Per- verkehr abnahm, wihrmd die durch wiederholte Stritt gelten Ausgaben in unveränderter Höhe blieben. Ak» endlich unter dem gesteigerten Angebot von Arbeit« äftat die Bohnverwaltungen daran dachten, durch Herab- der Löhne eine Uebereinstimmung zwischen Ausgaben

schen Maßregeln nur um eine Verstärkung der Besatzungen von Gibraltar und Malta. Die englische Landarmee ist zur Zeit zu schwach, auch würde das Parlament das Geld zu einem Kriege mit Rußland schwerlich bewilligen. Und wa» > die Hauptsache ist e« fehlt England ein kontinentaler Bun- desgenoffe. Denn Oesterreich ist weit mehr geneigt, sich »tt Rußland zu verständigen, al« mit England in Ver Handlungen zum Abschluß einer englisch - österreichischen Allianz zu treten. Wie wir soeben von unterrichteter Seite erfahren, hat sich auch Andraffy mit dem Fürsten Gort- schakoff, zwischen welchen beiden in den letzten Tagen ein äußerst lebhafter Depeschenwechsel stattgefundeu, über die Hauptprincipim, in denen seither zwischen beiden noch Mei- nungSdifferenzen bestanden, vollkommen geeinigt.

Die Versuche der Ruffen, die VertheidigungSlinie zwischen Sofia und Adrianopel zu durchbrechen und auf diese Weise bk Vereinigung bet türkischen Westarmee mit der Südarmee zu verhindern, scheinen gelingen zu wollen. Die Ruffen, welche nunm.hr den äußerst wichtigen Sch'pkapaß genommen, und sich die VerbindungSlini. mit ben an btt Donau und in Rumänien rückwärts stehenden Truppen gesichert haben

Die gegenwärtige Erzählung unseres Blattes nur noch wenige Nummern und beginnt als-

as Tagebuch eines Dreiundachtzigers

aus dem deutsch-französischen Kriege I870j71.

Die Exped. der Oberh. Zeitung.

Die Waise bin Soaaenthal.

rische Novelle ou« dem Kriege im Jahre 1866 von Rudolf Wellnau.

(Fortsetzung.)

E« war die« die Art nnb Weise de« Bartfriedels, seinen en beizukommen. Hatte er sie einmal unter« Mcffer, mußten sie wohl ober übel bk Redefluth deS Bart- rannen still und geduldig über sich ergehen laffen, sie tn ja, daß ihnen das Meffer an der Kehle saß. Ein inet Ritz konnte die bedenklichsten Folgen haben und in iffem Punkte waten Alle ganz verteufelt kitzlich.

ßM- Bestellungen für die Monate A«g«ft Geptember werden von allen Postanstalten die

Merhessische Zeitung

deren Gratisbeilage

lustrirtes Sonntagsblatt

enommen (auf dem Lande von den Landpost- en.

ruhe fein Scheerzeug zusammen und ließ den ganz Verblüfften mit halbrasstrtem Barte sitzen.

Der ärgerliche Bauer lief in voller Wuth wie er ging und stand, mit halb geschäumtem und halbrasstrtem Geficht zum Ortsschulzen und verklagte den Bartfriedel, wie der ihn zum Gespötte der Leute machen wolle. Der Bartstiedel, um seinen eigentlichen Zweck vollständig zu erreichen, hatte scheinbar im vollen Aerger die Geschichte bereit« allen Leuten erzählt Urb ein großer Theil harrte bereit« vor bem Althofe, inbem der Altbauer zu jener Zeit da« Schulzenamt noch inne hatte, be« Halbrasirten, um ihn gehörig auszulachen.

Inzwischen erschien der Badet vot dem Schulzen und erklärte, daß e« ihm geradezu unmöglich gewesen sei, den Kläger ordnungsmäßig zu rastreu, da dieser die dazu ge­hörige Ruhe nicht behauptet, sondern sich wie ein Beseffcner gebeitet habe. Da er es aber mit seinem Gewissem nicht verantworten könne, Jemandem mit kaltem Blute die Gurgel obzuschneiden, so habe er sich endlich gmöthigt gesehen, mit dem Rastren aufzuhören und bis Jener die nöthige Ruhe wieder erlangt habe zu seinen anderen Kunden zn gehen.

Der Schulze konnte weiter nichts thun, als dem ver­klagten Bartfriedel, Recht zu geben, da dieser es zu verant­worten habe, wenn ein Unglück geschehe, daS nur zu leicht durch Ungeberdigkeit deS zu Rasirenden herbeigeführt werden könne.

Jetzt, wo der brave Sohn sich im Kriege befinde, im ehrenvollen Kampfe für Recht und Vaterland, wo e« eine heilige Pflicht fei für alle Zurückbleibenden, für die Ange­hörigen der Krieget zu sorgen und sich ihret anzunehmen, weichet Pflicht gern und bereitwillig nachzukommen Alle im ganzen Lande sich zur Ehre rechneten. Er aber kümmere sich nicht einmal um feine eigenen Angehörigen, nm die Familie be« eigenen Sohnes DaS sei doppelt unrecht und ungerecht, da« sei lieblos, herzlos, unchristlich und die Strafe

Sch cn.

Erscheint tLglich außer ben Werttagen nach Sonn* nnb Feiertagen. Preis für da« Quartal mit bet wöchentlichen BeilageJlnstrtrteS eoneteiiilett" durch die Expedition («och'fche Luchbruckerei) bezogen 84 Mark, durch die Postömter deS Deutschen Reiche» 8 Mark 5« Pfg. (exl. Bestellgebühr). JusertiouSgebühr für die gespaltene geile ! Psg. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 85 Psi. berechnet.

Einnahmen zu erzielen, waren die meisten der davon ffenen damit einverstanden nnb begnügten sich mit -drigm Sätzen, bk immer noch höher waren, al» die vor de» wirthschaftlicheu Schwindels gezahlten. Nnr Wsder Baltimore-Ohiobahn, welche dntch den größten Theil irginiens führt und die Verbindung zwischen Baltimore den westlich vom Ohiofluß gelegenen Staaten herstell:, die Angelegenheit nicht so glatt. Als die Direktion bahn unlängst die Gehälter des Personal» um zehn ent herabsetzen wollten, erklärten sich dir Heizer und er der Güterzüge entschieden dagegen und stellten die kbdt ein, während alle übt gen Beamten und Arbeitet btt ßchn in ihren Stellungen verharrten. Die Strikenden

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.BiatteS, sowie b.Amroncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Kiankfurt a. M.; Jägerffche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; SB. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.

teI "JBer das Meffer angesetzt, so kamen die Derbheiten armS

1 t aus dem Munde deS Baders und ein ausgezeichnetes dmdwerk hatte der Ftiedel, das mußte ihm der Neid

Heu. Wurde e» aber dem davon Betroffenen doch ein tnig zu stark und haarsträubend wmsch hatte ihn der «title el von Steuern sest bei der Nase, h elt diese sestet eigentlich zum Rastren nöthig war und beschwor ben itenten, um des HimmelSwillcn stille zu fitzen und g zu fein, wenn er nicht wolle, daß es ein Unglück tA«"" Und dabei vagirte er so drohend und fast tollkühn _ft Ungeberdigen mit dem Meffer im Gesicht umher, daß ben» tsem in bet Regel himmelangst würbe und et mit ge- >errW iofitnem Munde still dasaß und die Redefluch deS vertracten . ander vischeeterS ruhig und geduldig übet sich ergehen ließ, st^ > Einem Widerspenstigen aber, bet es trotz der Warnung durchsetzen wollte, diesem kein Wort schuldig zu rafirte et kaltblütig ben halben Bart ab, packte,

* dieser immer noch nicht schwieg, mit bet größten Serlen-

i nimmt entgegen: Mebttiond.Btatte», Le z.Lnnoncen-Bureaui , xh. Dietrich & Co. ir jgd und Hannover; Th.

in Frankfutt a.M.: rtfenftein & Bögler ir

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