Marburg, Sonntag, 22. Juli 1877. '
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UyLfidf ungarijchcn Ausgleiche sind keineswegs gestiegen, ,n «(.«t« verlautet bereits, daß Graf Andrasfy entschlossen m Herbste, wenn die Deputationen mit den Delega- ai zugleich in Wien tagen werden, wegen des Ausgleichs LsbinetSfiage zu fteüm. In Betreff ver orientalischen k hat Oesterreich auf eine rumänische Anfrage hin ge-
Gestaltung Frai kreichS in Italien eine große, so sind doch die Italiener zu kluge, zu weitaus schauende Diplomaten, um stch durch derartige Besorgniffe von der Verfolgung anderweitiger Ziele gänzlich fern halten zu lasten.
Frankreich kann das Fieber, dem es feit dem 16. Mai verfallen, noch lange nicht los werden. Die Regierung weiß selber noch nicht, auf wann ste die neuen De putirtenwahlcn anberaumen soll; Fourtou will sie bis zum 14. October hinaus geschoben wisten; aber ohne den Herzog von Decazes, der verreist ist unv vor Ende dieser Woche nicht zurückkehren wird, kann nichts entschieden werden. Die bopp.lle Seele im Cabtnet lähmt alle Kraft der Entschließung. Als Losung wird zwar cie Eintracht aller Conser- vativen ausgegeben und ganz besonders den Präfekten zur Richtschnur empfohlen; da diese aber jetzt nach dem allgemeinen Stellenwechsel überwiegend bonapartistisch sind, so ist ton ihnen zur Versöhnung der Parteien nichts zu erwarten.
Der Eindruck, welchen die raschen Fortschritte der rufst, scheu Armee auf das für seine Juteresten besorgte England machen, spiegelt stch wieder in der Thatsache, daß die Mi- - nister eifrig mit einander zu Rache gehen, und in der besorgten und mahnenden Sprache, welche auS den meisten Organen der öffentlichen Meinung hervoriönt. Zahlreiche Blätter drängen darauf, daß die englische Regierung stch zum Handeln entschließe; selbst die liberaleEdinburgh Review geht wenigstens so weit, aufzustellen, daß b*e thracische Land- junge in neutraler Hand sein müsse, dann könnte Konstantinopel allenfalls preisgegeben werden.
Die g r i e ch i s ch e Deputirtenkammer hat daS Ministerium ermächtigt über dir vorhandenen Geldmittel zur Vollendung der militärischen Rüstungen nach seinem Ermessen zu ver- sügen. UebrtgenS wird ste nicht aus einander gehen, sondern der politischen Verhältnisse wegen noch bis Ende September zusammen bleiben. Sämmtliche Reservisten, Urlauber und sreiwillige Nationalgarden sind einberufen woroeu.
Dir wichtigste Nachricht, welche die verflossene Woche rom Kriegsschauplätze brachte, war die, daß eine russische Avantgarven.Abiheilung nahezu ohne Widerstand zu finden den Balkan überschritten hat. Am 12. d. brach General Gurko mit 15,000 Reitern und Fußgängern von Tirnowa aus nach Eiena auf, ging am 13. d. über ben Paß von Feredschitsch Derbend und besetzte schon am 14. die Esten- bahnstation Jenizagra, welche an der von Konstantinopel nach Jamboly führenden Linie gelegen ist. Ein türkisches Bataillon, welches sich den Angreifern entgegen stellte, wurde über den Haufen geworfen, und auch der Marineminister Reuf, der vom Fuße des Schipka-PasseS herbei eilte, ver mochte die Russen nicht mehr über ben Balkan zurück zu werfen. Sobald es dem General Gurko gelungen ist, einen
Die Frage die gegenwärtig im Vordergründe der poli- lifchen DiSeusston steht ist: wird England Constantinopel besetzen? In einem Theil der englischen Presse wird eine solche Besetzung gebieterisch gefordert und gerüchtSwetse verlautet, England werde demnächst ein ArmeecorpS nach Eonstanttnopel senden. Nichts destoweniger verwögen wir nicht daran zu glauben, daß England, von dessen Aktion bezüglich der Orientfrage zwei Jahre lang in dsw Paria- ment und der Presse die Rede gewesen, sich m “ jetzt entschließen sollte an Sl-lle der hochlMW
oder mehrere der größeren Balkat Pässe frei zu machen, sollen 80,000 Mann russischer Truppen von Gabrowa aus nachfolgen. Die Russen sind seither in einer lang gestreckten Linie von Bukarest über Eimnitza, Sistowa, Bjela, Tirnowa und Elena bis Jenizagra vorgegangen, demnächst aber wird es ihre Sorge sein müssen, diese Linie durch eine weitere Ausdehnung nach beiden Seiten hin wirksamer als seither zu schützen. Durch die am 15. und 16. d. erfolgte Erstürmung von Nikopoli, bei welcher 6000 Türken als Gefangene in die Hände der Russen fielen, ist bereits ein wichtiger Schritt in dieser Richtung geschehen, doch hat ein wüthender Sturm am 9. und 10. d. die Donaubrücke bei Simnitza abermals in Stücke gerissen und damit die ganze Nachfuhr von Menschen und Lebensmitteln ins Stocken gebracht. Es soll nun mit dem Bau einer zweiten Brücke an berfelben Stelle vorgegangen werden. In der Dobrud- scha haben die Russen an zwei Stellen bei Medschidte und Küstendsche den Trajanswall erreicht. Von den stattgehabten Gefechten ist nur eins bemerkenswerth, in welchem der von Widdin herangerückte Osman Pascha die Ruffen über Plewna hinaus zmückgeworfen haben soll. Die türkische Armee in Europa ist jetzt in drei Corps, ein rumelischeS, ein ost- und ein westbulgarisches, gespalten. Der GmeralijstmuS Abdul Kerim steht mit der Hauptmacht bei Schumla und hält das FestungSviereck, welche« von zwei ©eiten, nämlich von Wisten und von der Dobrudscha her, bedroht wird. In der westlichen Bulgarei stehen OSman'S Truppen theilS in Widdin, theilS in Rahowa, andere Truppen befinden sich in Sofia, und Mehemed Älr'S ehedem gegen Montenegro aufgestellten Truppen sind von Kolaschin ans im Anmarsch gegen Risch begriffen. Rach der Südseite deS Balkan hat man zur Deckung von Adrianopel und Konstantinopel eiligst alle verfügbaren Gardetruppen entsandt, die aber durchaus nicht ausreichend find, so daß man sehnlichst der Ankunft deS Muschirs Suleiman mit seinen vordem gegen Montenegro aufgestellten Kerntrnppen entgegen steht. In Asten haben wichtige Ereignisse nicht stattgefunden.
t toi istssreund, dem die Zeit im Comtoir zu lang geworden u. trat herein mich zurückzurufen. Beim Anblick der ■ ‘orteten Scene stand et einen Augenblick wie vom
>s, gerührt, dann schien er Alles schnell zu begreifen, eosch auf mich zu, schüttelte mich und tief mir in'S
Zn den Tagen, wo unfir Kaiser auf der Insel Mainau M, hat sein ältester Enkel, Prinz Friedrich Wilhelm
«raham, Du hast ein Unglück angerichtet, mache daß verkommst, wenn Du Dich retten willst, sonst bist Du
dort unter anderem Namen geborgen, riet erhielt, der Statthalter sei nicht toi auf, denn ich meinte nun um so sicht' ju können, daß man meinem armen We werde. Später vernahm ich, daß btf da« Schweigen meiner Frau über btt* r uoch feiner Genefung eben den PrdWst geschlagen habe. Um aber doch dMM wenigstens in Etwas Genüge ju'Mchi,!
»Ich gehe nach Polen zu — folge mir! Lebe wohl auf baldiges Wieder sehen !'
Damit riß ich mich los und eilte bei Nacht und Rebel von bannen.
„ Preußen, welcher seit Ansang Februar bei bem 1. Garde yiment zu Fuß eingestellt worden war, seine Prüfung in i -riegSwiflenschaften im Beisein RS Kronprinzen a6ge. t unb dieselbe in vorzüglicher Weise bestanden. Die Mprinzliche Familie ist einige Tage später nach Ostende gereift und daselbst am 18. wohlbehalten eingetroffen. ti politische Leben sieht stch, nachdem am 14. Juli die
Constscalion Meines Vermögens unb.
Ausweisung meines Weibes aus
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Die Waise ßsn Sonneathal.
äsche Novelle aus bem Kriege im Jahre 1866 von Rudolf Mellnau.
(Fortsetzung.)
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krkichtsgesetz, beschäftigt. Die Verhandlungen mit der nreichischen Regierung Über den Handlzvertrag sind einiger ijjen inS Stocken gerathen Sehr v el Aufsehen, nament sm der Presse, hat die Angelegenheil des Privatdocenten der Universität Berlin, Dr. Dühring, gemacht. Der- k halte in mehreren seiner Schriften die herbste Kritik an l jetzt bestehenden Universttätsordnung geübt unb an die
laut chnen Mhaben "'gegen -'»H^elkgenheit ch nieder- Unwillen te eben bk
■ortet, daß es die Art der Kriegfilh.ung, ob defensive l offensive, den Rumänen überlassen müsse, dagegen m>e Eroberungen auf dem rechten Donau - Ufer nicht m werde.
Vie Italiener haben eS von je her verstanden, zu M, zu schweigen und ihre politischen Absichten geschickt «hüllen. In letzterer Zeit verlautete mehrmals, Italien e sich zu Gunsten Montenegro's bei der Pforte ver- «, nd dann wieder, es beabsichtige, Antivari zu be- v Oesterreich schaute mit Mißtrauen auf diese mbelli Wünsche, die vielleicht doch wohl der Abschein ernft- : Absichten waren. Ist auch die Furcht vor der künftigen
t.tS^ erwachte a«S meinem Starrsinn.
b-87“ «ette mein Weib!" rief ich voll Verzweiflung und 1 hinaus, um an Geld und GeldeSwerth zusammen- I®, was ich fortbringen konnte. Ich händigte meiner
—■‘4 ein, was sie tragen konnte, küßte und umarmte sie
*unal unb flüsterte ihr in'S Ohr:
«rische Kammer durch eine königliche Botschaft vom Mt- 1 ö. Pseuffer vertagt worden, in Deutschland nahezu che» * Erlöschen nahe; innerhalb der Ministerien ist man mit [ 1838 • Vorarbeiten für die in der nächsten Session einznbrin- —- ibm Gesetzentwürfe, insbesondere mit dem umfassenden
egungSloS, bleich wie eine Leiche, die Augen geschloffen, MS von rothblauen Striemen unterlaufen, lag er da. * Augen erloschen, meine Glieder zitterten wie die ^Verbrechers nur der schreckliche Gedanke: „Er ist trat finster und drohend vor meine Seele. Ich hinzu, rüttelte und schüttelte ihn, tief seinen Namen sonst er blieb regungslos, starr und steif!
' ®ott' Du hast ihn geiövtet!* schrie jetzt
rt(J| äßeib auf.
»Das glaube ich selbst!" sagte ich mit eisiger Kälte unb mit verglasten Augen aus den regungslosen Körper Halters, v.
Währenddem war meine Fran von Ncnem einer Ohnmacht verfallen und eS gelang somit ben Bemühungen deS FreunbeS nicht, ste von bannen zu bringen. Gleich barauf füllten stch die Zimmer mit ben Dienstleuten des Hauses. Das Geschehene verbreitete stch wie ein Lauffeuer und durch die Stadt eilte die Schreckenskunde:
»Der Statthalter von Mähren sei im Hause des 0anguter Abraham Kerely e>mordet gefunden!*
Die Angehörigen de« Statthalters eilten herbei und bie gerufenen Aerzte erklärten, der Statthalter sei nicht tobt, es fei sogar Hoffnung, ihn am Leben zu erhalten. Dies war wirklich so. Nach der Genesung deS Statthal- terS wollte man ben Prozeß gegen mich einleiten. Der Statthalter erklärte jeboch, ich sei nicht schulbig deS Mordl' Versuchs und möge es bei der ConfiScirnng meines Se^P mögens und EigenthumS sein Bewenden haben. Meine Frau war aus der Stadt verwiesen; wo ste ein Evtz^ nommen, was auö ihr geworden, ob ste noch 1x5?^^ - tobt ist, ich weiß es nicht, meine Augen heute nicht wiedergesehen! . ‘
3» Russisch Polen fand ich ein sicheres"
toigen nimmt entgegen: Spedition b.Blattes, «u d.Ännoncen-Bureaux 5 xh, Dietrich & Co. in n ’.iei und Hannover; Th. 8 »etrid) in Frankfurt a.M.; & «nfenftein & Vogler in 5 Ekfurl a. M., Berlin,
5 .yjiig, Eöln 2C.; Rudolf Z igfe in Berlin, Frank- ™ flirt a. M. rc.
Zch hoffte nun täglich und meines lieben Weibes in Poltzn"^? n •ö ging, ste tarn nicht. Ich schM; Orten ans — vergebens I AfLe x Mähren, aber keiner konnte erfahre^ «... ... ,.w
Sage, ©0^, WJcnate, Jahre vergingen endlich — mein Weib, meine Esther kehrte nicht wieder — sie war und blieb verfHHLen!
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.Blattes, sowie d Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Herrnann'sche Buchhandl- daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C- Schlotte in Bremen.
"on bem fürchterlichen Schmerz , der mich Jahre Mfrg Wflte und niedergedrückt hielt, ich mußte ?2^FWW^US-«oßte leben meines KinveS, meiner W glücklich nach Polen mit gerettet Polen meine geschäftliche Thätig- Aff Men Gluck gekrönt wurde und ich wieder zu u^Ws^gte, f° gefiel eS mir dort nicht mehr, da d« fchlAffchen Unruhen begannen und Polen im Begriffe Jfonfe den letzten Verzweiflungskampf für seine Freiheit Unabhängigkeit gegen Rußland zu beginnen. In dieser gelangte die Kunde von dem plötzlichen Tode des Slatt- tzotters von Mähren zu mir.
3efct mußte ich es wagen, mich wieder nach Oesterreich zu begeben, doch zog ich meinem früheren Wohnorte Ga- lizien vor. Es gelang! Niemand fragte oder belästigte "ich ln irgend einer Weise und bald war es, als ob ich feit immer dort ortsangehörig und heimathSberechtigt sei.
Was dort geschehen, wiffen Sie bereits aus dem Munde meiner Tochter. Du aber, mein Kind, meine Esther kennst nun aud) das Schicksal Deiner armen Mutter, meiner unglücklichen Esther! Ich bin zu Ende!*
Der Greis verhüllte von Neuern sein Gesicht mit beiden Händen, stch ganz und vollständig dem gewaltigen Schmerze
LOHS 1 zahlreiche persönliche, oft in sehr maßloser Form ge- Itoe Angriffe gegen seine näheren College» g knüpft. Da Here Versuche, diese Streitigkeiten beizulegen, scheit rten, sich die Facultäl genöthigt, endlich beim CultuSminister Entfernung Dühring'S von der Universität zu beantragen. W« ist alsdann verfügt worden und hat insbesondere Mästung zu zahlreichen socia demokratischen und leider i | studentischen Demonstrationen gegeben.
irre Die Aussichten für vaS Zustandekommen deS ö st e r r e i -
5 Erscheint ttglich außer den Werktagen «ach Soun- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit bet wöchentlichen Beilaoe ... _ z_ ....
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in bet ifpehtwn zu ertbcilenbc Anökunfl unb Annahme von Abresten werben 15 yfg. berechnet. *