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Marburg, Freitag, 20. Juli 1877.

XII. Iahrgarg.

urigen nimmt entgegen: e«xp«dttion-.Blattes, Le d.Ännoncen-Bureaux 1 t Th- Dietrich & Co. in A issel und Hannover; Th. I I Trichin Frankfurt a.M.; ' " «fenftein & Vogler in fltfurt a- M., Berlin, Cöln zc.; Rudolf

,8t in Berlin, Frank­furt a. M- rc.

(Olierljrffifdir Jritiing.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.BratteS, sowie d.Ännoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a.M.;Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Invalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C- Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da- Quartal mit der wöchenlliLen Beilaae 'tlatririx k.,.A u.

Für in der Expedition zu ertherlende Auskunft und Annahme von Adressen werden 35 Pf», berechnet. 8 V 0 1 "**

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Die Waise ßaa Sonnenthal.

Nische Novelle aus dem Kriege im Jahre 1866 von Rudolf Mellnau.

k Fortsetzung.)

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über bett Balkan ist bewerkstelligt ohne von den besonders belästigt zu sein. Trotzdem können wir die Frage noch offen lassen, ob der türkische Moltke wenn man will, Benedek, (Abdul Kerim Pascha) wirk killen Plan hat, der zur Vernichtung der russischen acht führen könnte. Hier kann der Grund der en Erregung und die angeblicheGespanntheit* nicht liegen. ES ist nun allerdings nicht zu verkennen, die Ankunft der englischen Flotte in der Bcsika-Bai nd gewirkt hat. Wenn auch die englische Regierung Bewegung ihrer Seemacht mit der Nothwendigkeit centralen Stellung motivirt hat, so hat doch diese ng des erwünschten Eindrucks gänzlich verfehlt. Die iche Meinung erblickt in der Maßnahme der englb Regierung eine offene Parteinahme für die Türket; in Constantinopel ist dir Angelegenheit so aufgefaßt . Dazu kommt noch die Ueberzeugung, daß Oester- aus dem Sprunge steht, in Bosnien und der Herze- a einzurücken, obgleich es sicher ist, daß die öfter - I, MW Regierung bis zum letzten Augenblick zögern wird, mt, 1 dieser Weise vorzugehen. Der Druck auf die allgemeine ng wird endlich verstärkt, durch gewifle Gerüchte die Politik und die Haltung Italiens. Bon Wien wird die Nachricht verbreitet, daß Italien einen ge-

® ertrag mit Rußland abgeschlossen hat, in welchem t sein soll, daß Italien aus der türkischen Erb Albanien erhalten soll. Eine Nachricht, die zwar dementirt wird. Man will aber Europa glauben , daß Rußland und Italien über Kurz oder Lang gland und Oesterreich brechen würden. Ein wahres ist es, daß die verwerfliche Sensationssucht keine abe weiß, um auch das deutsche Reich in die Auge» t zu verwickeln, sonst würde der allgemeine Brand

Lage-bericht.

Nur Sturmfluth beunruhigender Nachrichten über- mt wieder einmal Europa. Die Nachrichtm aus c.i, Wien und Constantinopel stimmen darin überein, die politische Lage in letzter Zeit recht gespannt ge- .. ist. Allerdings bleiben wir unbefriedigt, wenn uns nach einem greifbaren Grund dieserGe­eit* mnsehen. Die russischen Truppen in Asten vollständig geschlagen, und die Türken denken bereit« , einen Generalguverneur für den Kaukasus zu er- eu. Auf dem europäischen Kriegsschauplatz stehen aller die Actien für Rußland besser, Bulgarien wimmelt Norden von Kosaken, die nach den türkischen Berichten

die enssetzlichsten Gräuelthaten verüben. Der Ueber-

itigu«! J sein. Ein Glück ist öS ferner, zu roiffen, daß der h"8m ^ige Einfluß des deutschen Reichs nach rote vor bestrebt tfcttdie---- iii

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Grabe stand nur eine Person, die Leid trug um ingeschiedenen. Diese eine war Rosa, die lang- und vielleicht einzige Freundin Wenzels.

Zehntes Kapitel.

Die reiche Erbschaft.

Schloß schien in der That und Wahrheit den deSgeheimnißvollen*, den wir demselben gleich

sang unserer Bekanntschaft mit ihm beigelegt haben, »llen Seiten hin verdienen zu wollen.

der Hauptmann Baron OSkar von Hartenfeld tan dem geheimnißvollen Einfluß, den dasselbe aus

»lss st Ale nicht Betheiligten verließen die Kapelle, erregt von __- vchlußscene, deren eigentlicher Zusammenhang ihnen

schlt ivhl ein Räthsel blieb. Esther aber, und mit ihr Aueß und Richard, führte im Triumph den überglücklichen errn 1 nach ihren Zimmern.

[18 5e war denn endlich auch daS Gehetmniß der nächt- ' 1 Erscheinung deS Gespenstes um Mitternacht mthüllt Person von Esthers Vater, des Juden von Prag. ' hrend droben ia den hell erleuchteten Zimmern des es im Genüsse des Wiedersehen« zwischen Vater Achter Freude und Jubel herrschten in rascher uu- idjer Folge deS eben geschlossenen Trauer-Akts, fand in einem entlegenen Theile de« SchloßparkeS ein Begräbniß statt. Ganz in der Stille senkten hier s Leute den Sarg mit der Hülle de« Kastellans in da« Grab.

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ist, für die Localistrung des Kriegs zu wirken, und daß Fürst Bismarck, dessen Wort bann doch im enro päifchen Rache noch etwas gilt, nicht jedem dritten die Einmischung gestatten, vorausgesetzt, daß so etwas überhaupt beabsichtigt wird. Wir wissen, daß Italien sich genau an den Rockschößen Bismarcks festhält und daß im englischen Ministerium zur Zeit noch die Friedens­partei die Oberhand hat. Besäße Europa nur ein bischen souveräner Verachtung für die Machwerke der Wiener Sensations-Fabriken, so würde man kaum von einer@e- . spanntheit* der Lage, von einernervösen Erregtheit der

öffentlichen Meinung* sprechen können!

Hebet den Balkanübergang der Russen bringt die Wiener ! »Presse* die folgenden Bemerkungen. Am 7. Juli besetzten dir Russen Tirnowo, zwei Tage später Gabrowa. Dieje­nigen Abiheilungen, welche am 13. Abends den Balkan ungehindert passtrten, dürften jedoch den Weg nicht über den Schipkapaß eingeschlagen haben, wie dasBureau Reuter* meldet. Es ist viel wahrscheinlicher, daß sie bei Saltwa die Straße Tirnowo Gabrowa verlassen, sich über Travna und den 1245 Meter hohen Paß Tipurtska Poljana in das Thal des Tundscho Flusses nach Rumelten begeben haben. Wären die Russen durch dm 1318 Meter hohen Schipkapaß marschirt, so hätten sie nicht die Besetzung von Hanktöt, sondern zuerst jene von Schipka und Kasanltk gemeldet. Auch ist anzunehmen, daß die Türken den Schip- -kapaß besetzt haben, während die Russen melden, daß sie den Balkan, ohne einen Schuß zu thun, passtrt haben. 'Nachdem sich die NizamS von Hoik öi in östlicher Richtung inach Konaro zurückgezogen, blteb der Brigade Gurko der Weg durch daS Tundschathal offen und so konnten sie am 15. Juli in Jem-Sara, ohne auf Widerstand zu stoßen, eintreffen. Wenn e« sich bestätigen sollte, daß bereits 20,000 Mann in Rumelten stehen, so dürfte diese Trup> Penmacht nicht allein dort bleiben, sondern einen Nachschub des größten TheileS jener Truppen erhalten, welche in der oberwähnten Stärke von 50,000 Mann durch Central- Bulgarien vorgerückt warm. Es ist nicht zu übersehen, baß Jeni-Sagra saft aus bem halben Wege von bet Donau »ach Konstantinopel liegt unb demnach ist weder die künf­tige Gestaltung der militärischen, noch weniger aber der politischen Situation im östlichen Theile der Balkan Haib- insel heute schon auch nur im Entferntesten vorhetzubeftim mm. Man bedenke, daß sich bet größte Theil bet türkischen Armee in Bulgarien befindet unb daß bie Pforte, selbst in bet nächsten Zeit, kaum 30,000 Mann im Bilajet von Adrianopel zusammenraffen kann. Die Besetzung deS TnnschathaleS von Kasanlik bis Jamboli schneidet der tür­kischen Feldarmee die wichtige Zufuhrslinie von Sliwno

Alle übte, die mit ihm in Berührung kamen, nicht ver­schont bleiben.

Nachdem er, halb genesen von seinen im Kampfe er­haltenen Wunden, eben den ersten AuSgang gewagt, um einem dahingeschtedenm, wenn auch feindlichen Kameraden daö Ehrengeleit auf seinem letzten Gange zu geben, sollte dieser erste Ausgang ihm au,'s Neue gefährliq werden Und seinem Herzen tiefere Wunden betbdngen als die, welche seine Brust auf dem Felde der Ehre davougettagen.

Während in der Kapelle die Erkennungsscene zwischen dem Judm von Prag und Gräfin Esther, seiner Tochter, vor sich ging, zog Baron Oskar Richard auf die Sette und flüstene ihm zu:

Wollen Sie mich nicht einen Augenblick auf mein Zimmer begleiten ?*

Richard, der bisher den Baron absichtlich gemieden hatte, folgte natürlich dieser speciellen Einladung und ging, al« Alle« sich entfernt hatte, mit in dessen Wohnung. Hier »öthigte der Hauptmann Richard, neben ihm auf dem Sopha Platz zu nehmm, und als dies geschehen war, begann der Baron:

Lieber Freund, da« KriegSgefchick hat uns seltsamer­weise hier wieder zusammmgesührt und jedenfalls nicht zu dem Zweck, uns ferner feindlich gegenüber zu stehen. Sie fliehen mich und meiden adstchttich. meine Nähe. Obwohl ich zu meiner großen Beschämung darin abermals das Edle Ihres Charakter« anerkennen muß, so schmerzt eS mich andererseits, daß unser hiesiges Zusammentreffen un« nicht gleich von vornherein freundlich gegenflbetfteUte. Da dte« nun aber nicht geschehen ist, so möchte ich heute den Ver­such machen, Sie mit mit zu versöhne» und zwar gestehe ich Ihnen heute gern ein, daß ich einst vollständig im Un* rocht war und mich einer höchst unbesonnenen Handlungs­weise gegen Sie schuldig machte. Sind Sie mtt diesem

üb.r Kötel nach Schnmla ab, ungerechnet den moralischen Eindruck, den die Ausstellung eines starken russischen Ar­meekorps im Rücken der türkischen Armee auf diese seibst noch mehr ober auf die christliche und mahomedauische Be­völkerung ausüben muß. Sollte es dem russischen Gros gelingen, Abdul Äerim Pascha im Festnngsviereck festzu­halten , dann könnte da« 8. Arrneekotpö vor Adrianopel stehen, bevor noch die Entscheidungsschlacht bei Schumla geschlagen ist.

Neueste Kriegsnachrichten:

Wien, 18. Juli. DaSTageblatt* meldet aus Cettinje vom 17. Juli: Der Fürst von Montenegro ist heute in Ostrog eingetroffen, um morgen nach zwei Richtungen hin die Offensive zu ergreifen. Aus Serajewo: Die Auf. ständischen sind von Ismet Pascha bei Sreditz geschlagen; eine große Anzahl derselben wurde sodann bei Kobath in den Saitfluß getrieben; die übrigen entflohen in den Ma- roititzer Wald. In einem Tagesbefehl des Gouverneurs von Bosnien wird die Schonung der Gefangenen und Ver­wundeten anewpfohlen und ferner eingeschärft, daß die Kirchen heilig gehalten und nicht beschoffen werden sollen.

Konstantinopel, 17. Juli, lieber den Vormarsch der Russen in Bulgarien liegen keinerlei osfizttlle Nach­richten vor; auch fehlen Details über die von Reuf Pascha über daS den Balkan überschrittene russische CorpS errun­genen Vortheile. Ein Theil des Corps Suleiman Pascha'« ist in Thrakien eingetroffen. Die Türken sollen dem Vor- marsch der Russen in der Dobrudscha Widerstand leisten.

Rom, 17. Juli. DieItalic* bezeichnet die Nach­richt, Italien werde Antivari besetzen, im Falle England Galipolt occupiren werde, als vollkommen falsch,

London, 18 Juli.Daiy Telegraph* meint, das Zatereflt Englands und anderer Mächte erheische, dem wei­teren Vordringen der Russen gegen den Bosporus entschie­den entgegen zu treten. Auch nur eine zeitweilige Besetzung Konstantinopels durch die Russen würde ein tödtlicher Schlau für England sein. /

DrUschel Reich.

©erlitt, 18. Juli Auch in den jüngsten Tagen hört man wieder allerlei Mittheilungen über einen bevor­stehenden Friedensabschluß von Seiten Rußlands mit der Türkei, sowie über die Vorschläge, die für diesen Zweck Rußland von den übrigen Großmächten gemacht worden sein sollen. Alle solche Mittheilungen sind aber vollständig erfunden. E« kann als durchaus feststehend betrachtet werden daß von dem Augenblick an, wo der Krieg erklärt war' weder Kaiser Alexander noch Jemand in seiner Umgebung ®eftänbntB zufrieden und ist dasselbe genügend, mir Ihre Versöhnung zu erwirken?"

Richard war nicht wenig erstaunt, dm ehemaligen stolzen, hochfahrenden und heißblütigen Lieutenant heute und als Hauptmann so reden zu hören. Haß und Feindschaft hatte er ja überdies nicht gegen den Baron im Herzen getragen, unb warum sollte er zögern, in bie Hand der Versöhnung einzuschlagen, die ihm dieser jetzt so aufrichtig entgegenstreckte.

»Herr Hauptmann,* sagte er,Ihr edle« Entgegen- kommen beschämt mich! Aber weder konnten Sie erwarten daß ich bei unserm unvermuiheten Zusammentreffen hier jene petultche Angelegenheit irgend wie erwähnen mochte noch daß ich Ihnen in coibtulcr Weise entgegenkommen loUte. Unsere gegenseitige Stellung gestattete weder da« Eine noch das Andere. Da aber nunmehr von Ihnen das Ent­gegenkommen ausgeht, schlage ich mit aufrichtiger Freude in die dargebotene Hand der Versöhnung, wenngleich ich Ihnen dabei versichern muß, daß ich niemals gegen Sie im «fcrnft feindlich gesinnt war. Zudem ober hat Ihr edler Herr Voter, wenn ja ein feindlicher Gedanke in mir auf» getaucht wäre, diesen und den leisesten Hauch davon durch sein höchst humanes Benehmm längst verweht und verwischt."

Ich weiß, ich weiß * sagte der Hauptmann,er hat ^bEcht, was der Sohn im jugendlichen Leichtsinn böse machte : Nun wohl, mein lieber Ali, ich mache Ihnen das Compliment, daß Sie sich in Allem al« ein Mann von ejre benommen haben und ich würdige Sie deßhalb gern meiner Freundschaft, vorausgesetzt, daß Sie dieselbe annehmen und mir durch die Ihrige erwiebern wollen!"

Von ganzem Herzen, Herr Baron, ich will wünschen, daß niemals wieder eine Mißhelligkeit irgend welcher Art z«ischen un» treten möge!* tief Richard und schlug auf­richtig in die bargebotene Hand des Hauptmanns ein.

Abgemacht,* meinte der Baron,darüber wären wir