>> Mr. 165.
Marburg, Mittwoch, 18. Juli 1877.
XII. Jiilrgaag,
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ifter.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition ».Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; JLger'sche Buchhandlung daselbst;
Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Invalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C- Schlotte in Bremen.
Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertage». Preis für daS Quartal mit der wSLentliL« »______. . .. _ ,
«-chdrucker-i) bezogen «ark durch die Post-mle? de- Deutschen Reiche«“itertM
_______'_______________________________S»r i» der Expedition zu -rth-ilende Auskunft und Annahme oonAdr.ffn, m«b« 85 adelte» Zelle 1« Pf,.
-.»»-.eigen nimmt entgegen: lA**. ieSrpedttion d.Blattes, “*• Ee o.Annoncm-Bureaux 1183z e0 Th. Dietrich & Co. in —-—- nflel und Hannover; Th.
strich in Frankfurt a.HL;
“ ggsenstein & Bögler in ynlfurt a. M., Berlin, n«.ig, Cöln ic.; Rudolf j toste in Berlin, Frank- 31*1 furt a. M. rc.
Lage-bericht.
Gegenüber der umlaufenden Meldung, daß daS deutsche slitelmeer-Geschwadcr sich mit dem französischen und dem zlischen Geschwader in der Besika - Bai vereinigen werde, e | zu constatiren, 'daß da« deutsche Geschwader überharpt inen Befehl hat, nach der Besika Bai zu segeln. Daflelbe --- ^findet sich gegenwärtig bei Haifa (Syrien) und wird »»stiMch einigem Aufenthalte an der syrischen Küste Geschwader- DUIIKiuagen im ägeischen Meere vornehmen.
Aw 22. d. Mt«. findet in Berlin ein Congreß der iocialdemokraten für die Ortschaften der Previnz Brau »bürg statt, auf welchem die Städte der Peovinz durch telegirte vertreten sein werden. Man sicht, die Social mckraten sind unermüdlich ihätig; möchten doch die an- neu Parteien sich au ihnen ein Beispiel nehmen.
Bekanntlich hat da« Unternehmen dec Tüikenfreunde, M polnische Legion zu Stande zu bringen, k.äsiiche« aseo gemacht. Während npn die Ursache dieser Erschei isg in der absoluten Gleichgültigkeit der unter n Schich- i des polnischen Volke« gegen die hochpolitischen Pläne polnischen Aristokratie zu suchen ist, so wird Fürst B « mck für da« Scheitern dieser Pläne, an welche die Reich«- jjfl btte große Heffnungen knüpften, verantwortlich gemacht. ' ir deutsche Gesandte in Konstantinopel soll dem türkischen
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ng tragen, der ihnen allgemein bc gelegt wird. Sehr
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DQm Mauere und mehr detaillirte Auseinandersetzungen, al« “ Jjf der Schatzkanzler im Parlam nte gegeb n hat Rn-* von
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Wschen Frage eine Trübung seiner guten Beziehungen «tschlaud befürchtete und Dann, weil die Polen in sogenannten Congreßpolen sich entschieden gegen eine igung de« Polenthum« an dem russisch - türkischen kge ausgesprochen hatten.
Da« türkenfreundl'che „Ms.wrtal diplomatigne« kann eu, daß die Beziehungen zwischen den Kabincten von JameS und St. Petersburg nicht den Charakter der
Dir Waise t»« Suuueuthal.
ische Novelle au« dem Kriege im Jahre 1866 von Rudolf Wellnau.
(Fortsetzung.)
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riegSminister nicht undeutlich zu verstehen gegeben haben, HOUS $ die Ansammlung polnischer Soldaten im türkischen ;ayet iyr möglicherweise ein Hinderniß bilden könnte für die tot Innehaltung der Neutralität von Seiten Deutsch M, woraufhin die türkische Regierung alle« gethau habe, i daS Zustandekommen der polnischen Legion zu vorhin
Hm. Wie an« versichert wird, sind diese Angaben vollst unwahr. Man hat deutscherseits ein Eingreifen polnischen Elemente tu die Orientfrage von vornherein befürchtet, einmal, weil Oesterreich demselben feind gkgMberstand, indem e« von einem W edcrauftauchen
Fußg-- sse um offene
Vierzehn Tage nach jener Unterredung meines Vater« dem Grafen, da nunmehr von Seiten de« erstem Alle« einem gewiflen Ernst und Eifer betrieben wurde, erfolgte -h —Stille meine Taufe und Confirmation, woran sich .SjjL Wiig eine großartige Verlobungssii.r, natürlich nur , 3jt Ercise von Verwandten nnjeierfelt«, ansckloß und vier- rt. [896 ' Tage nach dieser folgte in einem abgelegenen Grenz ---- Wien Galizer« in einem schlichten einfachen Kirchlein k Nachtzeit meine Trauung mit dem Grafen.
» deines BatcrS Wunsch und Ziel war erreicht, ich ie8 W Esther I Von meinem jüdischen Tausnomen hatte chwar^ W wohl wie mein Vater sich nicht trennen können, ich ladt »i « ihn beibehalten. Es war, wie mein Vater sagte, der lohn-' ^uahme meinet Mutter, meinet unglücklichen Mutter, [18J St der Vater nannte, die ich nickt gekannt habe, von ** aber auch mein Vater nur wenig und ungern sprach, über auch nicht gradezu alS einer Tobten erwähnte. nn das Gespräch auf sie kam und ich ober Sarah ihn ' darüber befta sten, dann schüttelte er immer wehmüihig toutig den Kopf, seine Augen füllten sich mit Thränen zitternder Stimme sagte er:
-»Mt die Erinnerung ruhen! Ihr thut mit in bet lt weh wenn Ihr die alten Wunden tarnet und immer aufreist? Ich kann Euch ja nichts t arüber mitlhcilen, £i6 ja selbst nichts!«
Da« klang natürlich so dunkel,, so geheirnnißvoll und hast und war natürlich nur geeignet, unsere Neugier °>hr zu erwecken. Da ».t ober aber doch nicht«
dem auswärtigen Amt an den russischen Reichskanzler ge sendet worden Fürst Gortschakoff ist, im Gegensätze zu den russischen Militär Eh.fS, einer provisorischen Besetzung Konstantinopels entgegen und der Czar seinerseits will der europäischen Vermittelung kein Hinderniß bereiten. Nach dem genannten Blatte wird in den offiziellen Kreisen Englands versichert, daß weder der Czar noch der Sultan opponiren würden, wenn Fürst BtSmarck nach gelungener Ueberschreitnng des Balkans durch die Rufi.n mit Einstimmung der Großmächte einen Waffenstillstand von sechs Wocken in Vorschlag bringen würde. Die Eventualität eine« solchen Waffenstillstandes bilde den Gegenstand von Besprechungen, die thatsächlich in Berlin stattfinden, sowie den Zweck der Zusammer.kunft zwischen den Kaisern von Deutschland und Oesterreich.
Wie daS „Mönorial diplomatlque" erklärt, besteht zwischen England und Oesterreich k-ine geschriebene „Con- oentlon,« ober e« fei eine »stillschweigend« abgemachte Sache, baß England — sobald die russischen Trupp.n in Serbien einormgen, einer Okkupation von Bosnien und der Herze- gowina durch Oesterreich nicht opponiren würde. MufuruS Pascha, der türkische Botschafter in London, habe seinerseits eik ärt, daß die Pforte dieser Occupation keinen Widerstand entgegen stellen würde.
Bei dem gegenwärtigen Streite über Pläne Rußland'- hinsichtlich der Bulgare! mag cS von Interesse fern, au« bim russischen Reformproj.kt au« der Zeit der Konferenz den Abschnitt über die Justiz in Bulgarien herauSzugreifen. ®off Ibe lautet: »Die RechtSpstege wird vorläufig vom Mudir und feinem Rathe gehanchabt, wobei die Tribunale erster Instanz als Appellhöfe dienen. Innere Streittgkeiten du verschiedenen Kulte bleiben dm geistlichen GericktShöfen überhficn; alle anderen gehören in die GemeinvegerichtShöfe, deren Richter — Christen und Muharnedaner —- nach dcrn Code ottoman zu verfahren haben. Bürgerliche uns strafrechtliche Gerichtshöfe erster Instanz sind in allen Hauptorten zu errichten. Die Hälfte der Richter wird vom Generalgoverneur ans den von den Kantonen vorgefchlage- nen Bewerbern gewählt, die andere Hälfie aber von der Versammlung (Kautonalrath) aus den vom General,ivuver- ncur aufgestellten Kandidaten. Die AmtSdauer der Richter vorläufig auf ein Jahr festgesetzt, kann ober auf drei Jahre verlängert werben. Dee Präsident und die Mitglieder der Appellhöfe find von der Pforte unter Zustimmung der ÜJ ächte zu ernennen.«
Dom astatischen Kriegsschauplätze sind Mehrere nicht unbedeutende Nachrichten zu verzetchnm. Einmal ist e« erfahren konnten, so schwiegen wir und mein Vater schwieg auch!
Meine Ehe mit dem Grasen war eine glück! che! Lothar bewies mir olle mögliche Liebe und ich hatte keinen Grund, an der Ausrichtigkeit derselben zu zweifeln. So verging ein halbes Jahr fast im Fluge, das glücklichste meines Leben«! Dcs nach Ablauf desselben all' mein Glück ein Ende haben sollte, davon hatte ich natürlich keine Ahnung. Dennoch war e« so!
Schon seit einiger Zeit hatte Lothar angefangen davon zu reden, baß er nothwendigeiweise eine Reise zu seinen Verwandten unternehmen muffe, um einige dringende Familien Angelegenheiten zu ordnen, die sich nicht mehr auf schieben ließen. Er könnte aber dieser seiner Verwandten wegen mich nicht mitnehmen, weg ich sehr natürlich sand.
Man sagt, die Augen d-r Liebe sehen scharf. Bei mir hatte da« Gegentheil stattgefunden. Meine Augen waren von der Liebe zu Lothar geblendet und sahen nichts! Mein Herz vertraute ihm so vollkommen und unbeschränkt, daß kein Argwohn darin Raum haben konnte. — Erst hier in meiner Einsamkeit im Geister thurm wu.de die Erinnerung an jene Zeit um so lebendiger wach gerufen, al« mir ja eben nut die Erinnerung noch geblieben war. Und da fand ich d nn, daß da« Wesen und Benehmen Lothars fett btt Zeit, daß er mit seinem Reiseplan umging, mir wohl hätte auffallen müssen, wenn ich in dem Glücke meiner L ebe Nicht zu sorglo« gewesen wäre.
LolharS Heilei keit war geschwunden. War et heiter, so war die« eine gegn ungene, erkünstelte Stimmung. Richt selten überraschte ich ihn mit dem kummervollsten Gestchte, mit den d.ohei dsten Faltm auf der umaölktm Stirn. Bon feinet Reise sprach er nur in kurzen abgerissenen Sätzen, wobei er nicht selten sogar förmlich verstört ansfah.
Endlich reiste et ob. Nach spätestens vier Wochen
unwahr, baß Bajazid von den Ruffen entsetzt worden und daß die Ruffen nach einer d n Türken beigebrachten Niederlage sich zurückgezogen hätten. Die Raffen sind v el- mehr bei dem Versuche, die genannte Festung zu entsetzen, von ten Türken mit großem Verluste zurückgeschlagen. Die 500 Raffen befinden sich noch in der C'tabelle, werden aber wohl wegen Mangel an L benSmitteln sich in den nächsten Tagen ergeben müssen. Sodann ist berGufstand der kaukasischen Bergvölker von Neuem entbrannt, die ganze «üste von Anapa bis Poti, wie die Eisenbahnlinie von Poti nach TlstiS ist durch ble Ausstände am schwarzen und am kaspischm Meere gefährdet. Die Lesghier, sowie die Bewohnet von Daghestan haben sich erhoben und ebenso hat die mohamedanlfche Bevölkerung irn Tereckgeblete zu den Waffen gegriffen. Wann die vielbesagten Verstärkungen der Ruflen in Kleinasien ankommen weiden, läßt sich noch eben so wenig berechnen, als die Frage, ob dieselben zur Bewältigung der Ausstände und Wiederaufnahme der Ope- rativnen in Armenien hinreichen werden.
Neueste KriegSnachrichtcn:
Petersburg, 15. Zull. Die „8g<rce Muffe« ist ermächtigt, die Behaupiung, die Ruflen führten tn Bnl garien eine Willkürherrschaft ein, für unbegiünbet zu erklären. Die von Fürst TscherkaSkl prästvirte Commission wende ohne jede Aenderung die von een Türken erlassenen, aber tobtet Buchstabe gebliebenen Anordnungen an. Die Ruflen ernannten bloß die Mitglieder der Oberbehöiden, die Mitglieder bet Umerbetzö den würden gewählt. In den Bezirken mit zahlreicher türkischer Bevölkerung wähtten die Ehristen solche Türken, die bei den Grausamkeiten nicht compromiltirt find.
Konstantinopel, 15. Juli. Eine Ab,Heilung Kosaken ist in bet Bahnstation Nenlsaghra ein getroffen. Anden Umgebungen von Rustschut und RaSgrad werben neuer Uch« russische ©rouiemteiten stgnalisirt. Die Ruffen rnaffa- crirten viele aus ben occupiiten Distrikten fliehende Moha- mesaner. Die Beschießung von Marelia« dauert fort — Rach Bulgarien wurden neuerdings türkische Truppen ab« gesendet. — Suleiman Pascha wird gegen Ende bet Woche 1 in Bulgarien eintnffen. Ismail Pascha melbet aus Ipek öom 13 bS: Eine vor Bajazid eingetroffene große Anzahl Ruflen griff die Türken an, welche sich. Der Ueber« macht weichend, zurückziehen muß en. Nach btm Eintr.ffen von Verstärkungen wurde der Kamps Seitens bet Türken wieder aufgenommen. Die Ruflen mußten sich fobann wieder mit einem Verlust von 600 Tobten nach Krrabailak, btei ®Ui iben von Bajazid, zurückziehen.
Wien, 16. Juli. Die „Deutsche Zeitung« welket au- Simnitzr vom 15. Ja i: Das Havp qrartier bi« Kaisers wollte er zurück fein. Ich erhielt Briefe übet Briese vcllet Liebe unb Zärtlichkeit, ober ouch von dem Scheuern voll, bafj jene Familien - Angelegenheiten sich in die Länge zu ziehen drohten, so baß bie Abwickelung derselben möglicher- weise längere Zeit in Ansp.uch nehmen könnten, al« die von ihm ursprünglich dazu bestimmten vier Wochen.
Ich glaubte natürlich Alles! Wie hätte ich auch nur iw Eitserntesten ahnen können, daß mein in aller Form Rechtens mir angetrauter Gatte sich Dort eine zweite Gemahlin antrauen ließ, wie hätte ich ahnen können, baß er dort eine zweite Hock zelt feierte 1« —
Endlich nach langem Hoffen unb Hatten, nach drei Monaten kehrte er zurück, «der wie hotte er sich äußerlich unb innerlich verändert! Er hatte seinen Abschied ge« nemmen, er war nicht mehr im Dienste. Und welche Nach- richten brachte et mit. Seine Verwandten, sagte er, hätten seine Berheirothung trotz aller Vorsicht doch erfahren und feien wüthend darüber. Er habe, um sich nicht luinircn zu müssen, feinen Verwart ten das Versprechen gegeben, sich von mir zu trennen. Um ste zu -änschen, habe er feinen Abschied vom Militär genommen unb wolle nun mit mir •uf seinen Gütern in Böhmen leben. Dort aber sei iS nothweudig, baß ich einige Zeit ganz allein unb ohne selbst von Den übrigen GntSbewohnern gesehen zu werben, wohne »nb et jeben öffentlichen Verkehr mit mir vermeide, um feine Verwandten nur erst wieder ruhig und sicher zu machen.
Mein Vttet protestitte mit aller Energie gegen dies »"sinnen di- Grafen und verlangte lieber gleich völlige Trennung unb Scheidung. Davon aber wollten ich und Lothar nichts höcm und er natürlich um so weniger, als ja bann sein Gut verloren unb in meine Hände überging, er ober wieder bereit« so viel Schulden darauf hatte, daß eS ihm keine Möglichkeit gewesen wäre, fich mit mit zu vergleichen.