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Marburg, Sonnabend, 14. Juli 1877.

xii. Jahrgang.

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jDie Waise da» Soaueuthal.

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1104,- Abermals zog Rosa einen Schlüssel hervor und öffnete > 95,OA^THür. Durch diese trat man in ein Vorzimmer, das

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V glauben Sie mir, gnidigste Gräfin, einen Augen- Mutreten?" fragte Rosa aus die Thür deutend;ich

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fragte die Gräfin zurück.

*>le weiß von Allem noch keine Silbe 1* entgegnete

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big mit wohnlicher Einrichtung versehen war. Die waren schön und geschmackvoll tapezirt, kostbare »aony Möbel flamen wohlgeordnet umher und Pracht- Oelgemälde in reichen Baroque - Rahmen zierten die Der Fußboden war mit prächtigen Teppichen be d alle» athmete die größte Sauberkeit und Reinlich, Unter den beiten, freilich auch mit starken Eisengit- dersehenen Bogenfenstern, die das Gemach erhellten, rin Blumentisch mit blühenden und herrlich duften« wichsen.

Rosa zog dreimal die Klingel, deren Zug an der Thür stch befand; die Thür öffnete sich auf eine eigenthümliche Art, ohne daß es Jemand bemerkte, wer das O ffnen be­wirkt hatte. Rosa verschwand in derselben.

_ Eine peinliche Pause d.S Harrens für die draußen Gebliebenen trat ein; gleichwohl scheute sich Jeder, dieselbe durch ein Wort zu unterbrechen. Gräfin Thck.a senkte einigemal tief und hörbar auf, was auf ihre gewaltige Er« regung schließen ließ. Daß übrigens in dem Gemache vor ihnen gesprochen wurde, davon hörten sie nichts, kein Laut ließ stch vernehmen.

Jetzt öffnete Rosa die Thür und schlug zugleich einen schwer seidenen Vorhang hinter derselben auseinander, worauf Gräfin Thekla und ihre Begleitung eintraten

Einen Augenblick blieben Alle höchst betroffen stehen, theilS über das mit allem möglichen Luxus höchst splendid auSgestattete Gemach, bas wohl ein mit allem Comfort versorgtes fürstliches Boudoir, aber kein Kerker fein konnte, theilS über die Bewohnerin selbst.

Die Letztere schien vorzugsweise auf Richard den leb­haftesten Eindruck zu machen. Ein scharfer Beobachter hätte sehen müflen, wie er nur mit Mühe seine gewaltige Bewegung bezwang, ohne indeß auch nur einen Augenblick sei» Auge von der fremden Erscheinung zu wenden.

Diese war noch eine sehr junge Dame, höchstens am Anfänge der zwanziger Jahre stehend, eine hohe impoui. rende Erscheinung von unvergleichlicher Schönheit. Ein glänzend rabenschwarze« Haar umfloß in kunstlosen natür­liche" Locken den blendend weißen Hals und Nacken, und umrahmte ein schönes, aber bleiches Gesicht mit feinen Zuge» und amnuthigem Ausdruck. Unter der hochgewölbten alabasterweißen Stirn strahlten ein paar dunkle Augen deren Zauberglanz gewiß Niemand nahen durste, ohne stch an den glommen das Herz zu verwunden. Ein einfaches

nl$ zu zweifeln fein, so würde ste eine gründ- liche Niederlage der englischen Kriegspartei bedeuten.

Die Niederlagen der Ruffen in Kleinasien haben nicht ""fehlen können, auf die Haltung der österreichisch-unga­rischen Regierung gegenüber Rußland einen bedeutenden Eindruck zu wachen Man war in Wien schon längst verstimmt, nachdem es stch herauSgestellt, daß die russische Regierung trotz aller officiellen Dementis ein serbisch - rus­sisch^ Bündniß plant, deffen Spitze sich zunächst allerdings nur gegen die Türkei richtet, das in seinen Eonseauenzen aber für die österreichisch-ungarische Monarchie äußerst ge- fährlich werden müßte, wollte Oesterreich gestatten, daß daffelbe zur vollen Entwickelung gelangt. Jetzt, wo die militärische Schwäche Rußlands so grell hervortritt, nimmt Oesterreich die Gelegenheit wahr, die ganze Schaale seines Zorr S über Rußland auszugießen, indem es sich entschlossen zeigt, Serbien für den Fall, daß daffelbe nicht hinreichende Garantien für seine Nichttheilnahme an dem gegenwärtigen Kriege gibt, zu besetzen und ebenso kein Geheimniß daraus macht, daß eventuell Rumänien daffelbe Schicksal von Sei­ten Oesterreichs zugedacht ist. Wahrscheinlich wird Ru­mänien in Folge deffen zögern, an den Offensivoperationen gegen die Türkei Th''" zu nehmen und die Serben werden ihre militärischen Vorbereitungen einstellen müflen, wollen sie stch die Dcmülhigung einer österreichischen Oecupation ersparen. Die nächsten Tage schon werden uns darüber Aufklärung bringen.

Da« Ereigniß des Tages ist: Der Rückzug der rus­sischen Truppen aus Kleinasten. Die Türken haben Kar« entsetzt und Moukhtar Pascha, der seine Truppen mit denen von KarS vereinigt hat und nunmehr aus Ardahan rnar- schire, wo die Ruflen stch in einem befestigten Lager befin­de», das dieselben gleichfalls werden verlaflen müssen Da noch Bcjazid von den Türken besetzt ist, so wird e« nur «och kurze Zeit währen, bis die gesammte KaukasuSarmee den türkischen Boden verlaflen hat, zunächst hat sich der russische Ober-General Sorte Mclikoff mit seinen Truppen na($ der russischen Festung Alexandropol zurückgezogen. Der russische Feldzug in Kleinasien, der anscheinend mit so großem Erfolge begonnen, ist somit vollständig verloren, ist verlocen, weil die Ruflen die Widerstandskraft der Türkei zu sehr unterschätzt und daher ihre Truppentheile an den Orten, wo sie operirten, viel zu schwach waren Man hat dies russtscherseits zu spät erkannt und wenn jetzt nun auch wirklich bedeutende HeereStheile aus dem Innern Rußlands nach Transkaukasien geschickt werden, um in der nächsten Zeit die Operationen wieder aufzunehmen, so fragt es stch doch sehr, ob dieselben von größerem Erfolg begleitet

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Besuchenden sahen stch erstaunt an und ihre be Mienen drückten fast gleichzeitig die angenehme schung und Enttäuschung aus, die ihnen hier ge-

,eigen nimmt entgegen: Expedition d.Blattes, it b.Annoncen-Bureaux Th. Dietrich & Co. in el und Hannover; Th. irtrich in Jrantfurt a.SDt.;

fenftein & Bögler in a. M., Berlin,

»ische Novelle au« dem Kriege im Jahre 1866 von Rudolf Mellnau.

- (Fortsetzung.)

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fein werden, al» bisher. Einmal sind die sieben Divisionen, welche immer im Kaukasus gestanden und in dem gegen^ wärttgen Kriege zu den Operationen in Armenien gegen bie Türken verwendet worden sind, bedeutend geschwächt ®n.M den Verlust der Russen, den dieselben in den zahlreichen Gefechten bei Saturn, Ardahan, Kars, Bajazid Erzerum und in den Kämpfen mit den Aufständischen, so-

de» -»strengenden Märschen erlitten, auf mindestens l£000 Mann berechnen, Eine Verstärkung von vier Di- vistonen, welche russtscherseits beabsichtigt wird, wird schwer­lich genügen, um den nächsten Feldzug zu einem siegreichen AuSirage zu bringen, zumal die Türken stch inzwischen be- deutend verstärkt und die türkische Bevölkerung zu der äußersten Hingebung für die Sache der Türkei entschlofleu ist.

Di« Besetzung von Timowa dürste für einige Zeit al« Abschnitt, als scheinbarer Ruhepunkt der russischen Opera« tionen in Bulgarien erscheinen. Die Ruflen haben die Jantra Linie mit leichter Mühe überschritten und jetzt rückt ihre Hauptmacht langsam auf der Straße nach Rustschuk vor, da« langsame Borschreiten der russischen Operationen ist auf mehrere Ursachen zurückzuführen. Die Armee muß, ®'e di« »Presse' schreibt, nachdem ste «in schmales Defilee bei Sistowa Passtrend, das rechte Donauufer erreicht hat, gleichsam einen neuen Aufmarsch wenigstens in so breiter gront durchführen, daß sie einer eventuellen Offensive Abdul Kerim Paschas von Westen her begegnen kann. Wenn also auch Rustschuk nur 7 Meilen von Sistowa entfernt , so dürsten noch ebensoviel Tage vergehen, bis die Russen an ihre nächste Ausgabe, zur Cernirung von Rustschuk, schreitm können. Bon dem Verhalten Abdul Kerim Paschas der mittlerweile eine ansehnliche Streitmacht zwischen Schumla und Rustschuk versammelt haben kann, werden vor Allem die weiteren russischen Operationen abhängen. Als Hauptursache der langsamen Vorrückung der rus­sischen Armee ist wohl die Unzulänglichkeit der VerpflegungS- dnrityungen zu betrachten. Während alle Welt von einer Brücke bei Sistowa spricht, haben die Ruflen dort vier Brücken errichtet und suchen sogar Straßen-Lokomotiven auf den bulgarischen Wegen in Aktion zu bringen. Auch bei den Armeen der Verbündeten zur Zeit des Krimkrieges wurden Straßen-Lokomotiven, freilich ohne großen Erfolg, beim «nneetrain verwendet. An Mitteln zur Fortbewegung der Truppm und des Kriegsmaterials fehlt es der russischen El""«, also nicht, aber die Armee-Intendanz scheint nicht verläßlich genug und daS Lieferungssystem ein problema- t scheS oder doch unerprobtes zu sein.

Neueste Kriegsnachrichten:

Wien, 12. Juli DiePresst" meldet au« Bukarest:

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! DasWolff'sche Hteau" bringt eine Depesche 6 London, in welcher unter Berufung auf dieDaily i behauptet wird,Lord Beaconsfield fei feiner fort schwachen Gesundheit wegen gewillt, feinen Posten Premier niederzulegen, sobald eS der Stano der Staat« klegenheilen gestatte." Wir können in diesem Falle tt Bedenken gegen die Autoriiät derDai y News" M unterdrücken. Ta« liberale OpposttiouSblatt dürfte ^W über die Absichten des Premierministers in zuverlässt- . weise informtrt sein. Sollte indeß an der Richtigkeit

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Anzeigen nimmt entgegen: bie Expedition d.Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermaun'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W. ..Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in

Bremen.

f4»er seidenes Kle.d und eine lange Haisk tie mit Me- boiflon vollendeten das Erhabene einer wahrhaft königlichen Mschemung.

standen Alle im Anschauen und Bewunderung versunken, al« die junge Dame näher trat, sich anmutbia verbeugte und mit lieblicher silberheller Stimme fragte:

j^Rit wem habe ich die Ehre, wenn ich bitten darf?" Gräfin Thekla, die ebenfalls einige Schlitte vorgetreten «ar und an die zunächst die junge Dam" ihre Frage g?. r**^t hatte, erwiderte deren Verbeugung und antwortete nicht ohne ein leises Zittern in Ton und Stimme: .., "34 bin die Gräfin Thekla, die Gemahlin des Herrn dieses Schlöffe« und Gutes!" v

Ein convulflfischeS Zucken machte fich bei der jungen Dame bemerkbar; dennoch bezwang ste stch und blieb wenig- stens äußerlich ruhig. Sie blickte der Gräfin fester unv schärfer ins Auge und sagte dann:

"Sie entschnlbigen Frau Gräfin, ich verstehe Sie wohl nicht recht; die Gemahlin des Grafen " fie nannte seinen

®® ich allerdings!" entgegnete Gräfin Thekla. , ."U»d seit wann, wenn Sie mir diese Frage noch er­lauben?" forschte die Dame weiter. V

fSS Jahren!" war Gräfin Thekla'« Antwort, ml. ft * ftembe Dame noch bleicher werden können Ü»nrh.n8 cS°\®1TL Re ®5te i» diesem Augenblicke gworden. Eine furchtbare Bewegung ergriff sie und machte sich durch das fieberhafte Zittern ihres zarten Körper« be- G-i^'r«,?E»»och mußte ste eine große Energie be« «etpe« besitzen, eine ungeheure Gewalt über sich selbst haben; sie kämpfte die Bewegung nieder und nur da« Zucken des feinen Gesichts, das flammende Leuchten der Augen vernethen dieselbe.

^wenigstens der Bewohnerin melden, daß ste außer- blichen Besuch bekommt. Sie könnte vor Schreck den 96,2a°on habe«, wenn wir Alle so ohne Weiteres bei 99,8» Mräten."

98'"' hast sie noch nicht unterrichtet von dem, wa« Du

IG* »

i_36^ po geh und melde un», doch ohne zu sagen, oct ait l«8te Gräfin Thekla.

mn_ Zfui, in ver

für ni. enartai wer« pipllUUUylll ben uon asten Postanstalten ui«. angenommm.

t<m zi Der Abdruck des Tagehmhs eines Drei» "abtt »ßachtzigers aus dem d-utsch-franzöfi« p 1 che» Kriege beginnt in n ächster Woche.

Die Exp. d. Oberh. Zeit.

p* Tagesbericht»

DerReichsanzeiger" schreibt: Die Zeitungsmeldung

H Oeynhausen, wonach sich in der Gegend von Vlotho achhaii «Coloradokäfer gezeigt haben sollte, hat stch nach den V-; izestellten amtlichen Ermittelungen als unrichtig heraus-

Seitens be« Reichskanzleramtes sind bie Bundesbehörden bi« Schädlichkeit be« Stoffes aufmerksam gemacht wor- i "Acher in neuerer Zeit zu Ballkleidern verwendet und auf welchem sich ein glänzender meist silber- ober farbiger Metall, ober Glasstaub (sogenannter Kry stall ) befindet. Rach dem Ergebnisse oer von dem Kaiser- Gesundheitsamt bewirklen Untersuchung besteht dieser allftanb aus einer auf mechanischem Wege zu sehr feinen t rttförmigen Theilchen verarbeiteten Legirung von Kupfer b Zin» mit äußerst feinen scharfen Kanten und Spitzen, tg, 1 f dem unterliegenden, weitmaschigen Zeugstoffe hastet schäft. fr Staub nur locker, so daß er stch schon bei geringer i »egnng ablöst; mit der menschlichen Ham in Berührung n. acht, bohrt er stch dagegen fast in dieselbe ein und ist i schwer zu entfernen. Losgelöst und durch die Luft . fMrbelt ist er daher für bie Haut namentlich (fir die -dchkwhäute, der feiner Wirkung ausgesetzten Personen * chlhtilig und für deren AlhmungSorgane im hohen j ®b* gefährlich. Die Bundesregierungen und Behörden ! i ersucht worden, vor der Verwendung des Stoffe« zu ti ton.

ipjig, Cöln ic.; Rudolf ich 8 m Berlin, Frank- d; 12§] futt a. 3)1. re.