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Marburg, Mittwoch, ll. Juli 1877.

XII. Zahrzarg.

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igirigen nimmt entgegen: jt^rpebition d.Blattes, ,j,ied-Annoncen-Bureaux e, Th- Dietrich & Co. in lafftl und Hannover; Th. strich in Frankfurt a.M.;

.... «afenftein & Vogler in ÖIIO mnkfurt -- M., Berlin jjM Eöln ic.; Rudolf toffe in Berlin, Frank­furt a. M. ic.

(OlifrlirlW jfitiinii.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. Rt.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl- daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quattal mit der wSckentlicken B»ikaa, . . ., _ -

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W ta der ttypebitwa zu ettheüende Auskunft und Annahme von Adreffeu werden 35 Pf,, berechnet. 8 nt °e' 16 Es«.

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der gegenwärtige Besitzer huldigte, nämlich der, daß die GuiSherrschaft keine Beiheirathung einer Wirthschastsmam sell duldete, ohne daß dieselbe nicht zugleich auch ihre Stelle aufgab. Warum die« Letztere Mamsell Rosa nicht gethan, darüber scheint sie sich niemals bestimmt auSgelasien zu , haben. Eben so wenig scheint aber auch Wenzel uicht ge­rade mit aller Energie auf einer Becheirathung bestanden

i zu haben und so blieb e« bei dem intimen Berhältniß der Beiden, welches von der Herrschaft stillschweigend auch gui- geheißen wurde und dem nur der Priestersegen noch fehlte,

; um dem einer legitimen Ehe gleichzukommen.

Beide, Rosa und Wenzel, waren übrigens die eigent­lichen Gutsregenten, denen sich All-S beugen mußte und i war es nicht selten geschehen, daß ihrem vereinten Willen der der Gutsherrschaft unterlag. Daß Beide kein Geheim- niß vor einander hatten, konnte man füglich wohl annehmen, daß aber Wenzel auch d.e Geheimnisse des Grafen der Mamsell Rosa mitgetheilt, daran hatte die Gräfin um so weniger denken können, alö sie selbst nicht einmal wußte, daß ihr Gemahl so seltsame Geheimnisse habe.

Aber auch j tzt, nachdem ste vom Gegentheil überzeugt «ar, fiel eS ihr nicht ein, daß Rosa die Mysterien des GeisterthurmeS möglicherweise kenne und daß durch ein Gestänvniß ihrerseits mit Leichtigkeit der Schleier, der darüber schwebte, gelüstet werden konnte.

Gräfin Thekla befand fich mit ihrem Kammerfräulein alle>n in ihrem Boudoir. Bleich und angegriffen von den Ersä Liierungen der letzten Stunden lag sie im Divan. Still, aber in reichen Strömen flössen ihre Thränen, welche vergeblich das Kammerfräulein, das auf einem Stuhle vor ihr faß, durch Zuspruch und Tröstungm zu stillen suchte.

Da wurde thr gemeldet, daß Mamsell Rosa sie dringend zu sprechen wünsche. Die Gräfin, welche glaubte, eS handle sich um eine «irthschaftliche Angelegenheit, trocknete rasch

Kraft. DerReichsanzeiger* publicirt die deS Präsidenten d>S ObelkirchenralhS, Herr- wirklichen Geheimen Rath mit dem Prädicaf:

Lagesbericht.

DerReichsanzeiger" publicirt eine kaiserliche Verord-

[ Der Abdruck des Tagebuchs eines Drei' U »dachtzigers aus dem -entsch fravzSfi. i He« Kriege beginnt in nächster Woche. taumP Die Exp. d. Oberh. Zeit.

gang in tntnnung mm, zum xcellenz.

id zch mg vom 7. d., welche die Pferde-Ansfuhr an sämmtlichen lt Al renzen gegen das Ausland bis auf Weiteres verbietet. Reichskanzler - Amt ist ermächtigt, Ausnahmen vom

, erböte zu gestatten und etwaige Control-Maßregeln zu reffen. Die Verordnung tri t mit d»m Tage der Verkün

iS6U uw Vit uuj vcm jtiwgo-

I wur sind die Kundgebungen, welche in den letzten ll-uL 60n London und Wien ausgegangen find und die --ft > Zustandekommen einer englisch österreichischen Allianz

nicht mehr in weiter Ferne erscheinen lassen. Die den beiderseitigen Regierungen nahestehenden Blätter betonen sehr stark die Interessengemeinschaft zwischen England und Oesterreich Ungarn und lassen deutlich erkennen, daß in Wien Ivie in London ein außerordentliches Mißtrauen gegen die russische Regierung besteht, die ganz unzweifel­haft nach der Hegemonie auf der Balkanhalbinsel trachtet und Miene macht, in Bulgarien eine dauernde russische Verwaltung einzurichten. Auch hegen die Engländer nicht den mindesten Zweifel darüber, daß die Russen nach Kon­stantinopel zu morschsten beabsichtigen, und dcßhalb werden alle Vorbereitungen in England getrrffen, ein starkes Ar­meekorps nach der türkischen Hauptstadt zu dirigiren, wäh rend die Diplomatie äußerst thätig ist, um die österreichische Bundesgenossenschaft zu gewinnen.

Der Londoner ministerielleStandärd" erhält ein Te- legramm aus Konstantinopel, welches sowohl den unbehin­derten Donauübergang der Russen, wie die Reise des Se- raökierS Redif Pascha nach dem türkischen Hauptquartier an der Donau erklärt. Auf eine Anfrage deS Sultans, wie es komme, daß eine Armee von 300,000 Mann den Rusien gestatte, die Donau in so schmählicher Weise zu überschreiten, antwortete der Generalissimus Abdul Kerim Pascha in folgenden Worten:Ich beschwöre Ew. Majestät, sich nicht über den Uebergang der Russen bei Sistowa zu grämen; er ist von keiner Bedeutung. Ich habe einen auSgezelchneten Plan, der sicherlich in der gänzlichen Nieder­lage der Russen resultirm und alle diejenigen, die den Fluß überschritten, verhindern wird, jemals lebend nach ihrem eigenen Land zurückzukehren. Nur muß ich Sw. Moj stät beschwören mir zu erlauben, meinen Plan auSzu- führen und den Herren in Stambul zu verbieten, meinen Operationen störend in den Weg zu treten." Um fich in diesen Plan einweihen zu lassen und denselben -u prüfen, wurde der KriegSminister Redif Pascha nach dem Haupt quartier Abdul Kerim'S entsendet.

Die laufende Woche wird für die russischen Waffen in Asten eine entscheidende sein. Die Russen wie die Türken concentrtren ihre Truppen bei KarS, um dessen Besitz eine Schlacht geschlagen werden wird. Mnkhtar Pascha, der in Eilmärschen gegen KarS marschirt, soll nur noch wenige Meilen von der belagerten Festung entfernt fein, »ährend die Russen gleichfalls in concentrischer Weise gegen KarS vorrücken und alle Hebel in Bewegung setzen um KarS zur Uebergabe zu zwingen noch ehe die Türken mit ihrer ganzen Macht zum Entsätze der Festung heran- gerückc sind. Die nächsten Tage werden uns also Auf­klärung über den Stand der Dinge in Asten bringen.

w du jDie Waise Hon Souncnthal.

wische Novelle aus dem Kriege im Jahre 1866 vo» - Rudolf Wellnau.

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[24' selbst eilte mit einigen feiner Leute in daS Sterbe- Daer zurück, nm sich mit dem tot ten Grafen zu beschäftigen.

Als hier endlich Alles gethan war, was geschehen mußte, Richard mit allem Ernste an den Geisterthurm und Inwohnerin, da eS jedenfalls hohe Zeit war, diese | l^kftettn, wenn ste, nach den Worten des Grafen, nicht Hungertode aus ihrem Gefängniß erlöst werden sollte.

Während Richard alle Vorbereitungen traf, gewaltsam Geisterthurm einzudringen, was natürlich der festen ßchern Beschaffenheit desselben wegen mit nicht geringen 'erigkeiteu verknüpft war, hafte in dem Gemache der Thekla eine andere Scene stattgefunden, welche die Teilungen zur gewaltsamen Ocffaung des GeisterthurmeS machen sollte.

8a der Spitze deS weiblichen Dienstpersonals im Schloss - eine ältere Mamsell oder Ausgeberin, die als obere schofterin daS ganze WtrlhschaftSwesen auf dem Gute

8k- Sie hieß im Schlosse Mamsell Rosa und war, wie JW, in demselben geboten und erzogen. Ihre Elttrn titt.it en auf dem Schlosse gewohnt, wo Rosa's Vater bis L "vrm Tode die Stelle als Obergärtner bekleidete. Nach aD7i * Konfirmation hatte Rosa die Wirthschast auf dem ' llklernt und war dann bei dem Tode der bärigen

i MchaftSmamsell in deren Stelle eingetreten.

^it Wenzel, der ihr Jugenvgespiele gewesen, «ar ste Fadheit auf sehr vertraut und hatte stch später dies Einvernehmen in ein festes intimes Verhältmß zwischen gestaltet. Ihrer ehelichen Verbindung aber stand kalter Gebrauch auf dem Gute entgegen, dem auch

iritnfli füt das in. v««ri«l wer- den von allen Postanstalten ____ ioch angenommen.

In der zwischen dem Fürsten Bismarck und dem briti. 'f en Botschafter Lord Odo Rüssel stattgehabten Conferenz,

t einen äußerst lebhaften Charakter gehabt haben soll, 50 <* der englische Botschafter, wie uns mitgetheilt wird, die nz bestimmte Versicherung gegeben, daß England eine ksetzung Konstantinopels durch die Russen unter keiner »drgung dulden werde. Fürst Bismarck soll die Ansicht »gesprochen haben, daß eine Besetzung der türkischen wptstadt das geeignetste Mittel sei, dem Kriege ein sche« Ende zu machen und die Kriegszwecke viel schneller erreichen, als'dies auf dem Wege einer langwierigen dtgerung der türkischen Festungen io Bulgarien möglich sei.

114^ Me Abreise de« mglischen Botschafters Lord Odo Rüssel ---- ch Berlin ist ebenso unerwartet gekommen, als dem Bot- öfter selbst der Befehl, auf seinen Posten zurückzukehren [ tz J etjen ist. Lord Odo Russell hatte eben prachtvolle Möbel t die von ihm in London gemietete Wohnung bestellt. [ ßer rb Beaconsfield war eS, der die Abreise des Botschafters ^pe]. ngenb wünschte; derselbe wurde beauftragt mit dein E lf*«i Bismarck zu sprechen und die britische Regierung kr die Anschauungen deS Reichskanzlers hinsichtlich der

UebrigenS stehen in KarS noch mindestens 15,000 Türken, während Mukhtar Pascha mit mindestens 20,000 Mann zu Hülfe kommt. Das Corps des Generals Loris Meli- koff ist im Ganzen etwa 30,000 Mann stark. Nach Bajastv haben die Russen bedeutende Verstärkungen abge­schickt, ober auch die Türken haben Verstärkungen erhalten und stehen dort mit mehr als 20,000 Marm An der Donau rücken jdie Russen zwar langsam aber, sicher vor. Den neuesten Nachrichten zufolge ist nach hartnäckigem Kampfe die wichtige Stadt Tirnova von den Russen ge­nommen.

Neueste Kriegsnachrichten:

Petersburg, 7. Juli. Nach offiziöser Mittheiiung find die Rückwärtsbewegungen der drei russischen Truppen- abtheilungen in Asten nicht die Folge einer Ausdehnung deS im Wesentlichen niedergeworsenen Ausstandes tm kauka­sischen Gebirge, vielmehr der militärischen Erkenrüniß zuzu- schreiben, daß die betreffenden drei Colounen der Wider­standskraft des Feindes gegenüber, welche man niiterfchätzl batte, zu schwach waren, General Tergukasoff uno General Oklobjchjo cp.lirten mit 8 bis 10 Bataillonen, während General Loris - Melikoff über etwa 12 Bataillone verfügt. Der Justizminister Graf Pahleu wird demnächst von seiner Inspektionsreise zurückerwartet. Alle übrigen Mi. Nister, mit Ausnahme des Kriegsministers, des Ministers der auswärtigen Angelegenheiten und des Ministers für den öffentlichen Unterricht, sind in Petersburg für die Dauer des Sommers verblieben.

Petersburg, 9. Juli. Telegramm des Oberbefehls Habers der Donau Armee aus Tzarewitsche vom 8. d. M Gestern eroberte General Gurko mit Covallerie Tirnova. Die Nizams, 3000 Mann stark, eine türkische Batterie und Rediss, deren Zahl nicht bekannt ist, wurden zum Rückzüge tu der Richtung auf OSmanbazar gezwungen. Die Ein­wohner von Tirnova bezeugen unbeschreiblichen Enthusias­mus. Nach der Besetzung der Stadt wurde ein Gottes- dienst gefeiert. General Gurko nahm das türkische Laaer und die Munition der Türken. Unser Train, sowie In- fanierie und Cavallerie nähern sich Tirnova.

Konstantinopel, 9. Juli. Der Scheris Hussein Pascha, Mitglied des StaatsrathS, wurde zum Emir von Mekka ernannt. Ein Telegramm Redif Pascha'S stgna listrt Ausschreitungen der Russen bei Sistova. Hier ist die Nachricht verbreitet, daß die von Sistova auf Rustschuk vorrückenden Russen zurückgeworfen seien.

Bukarest, 9. Juli. Die Truppen, welche Tirnova besrtzf haben, gehören dem achten Arme.korpS unter Radrtzkt an. Dieselben haben auch die über Tirnova hinaus gele­genen O.tschaflen Novoselo, Sttkoi, Drenowa und Slata- ihre Thränen, machte sich stark und gefaßt, und li.ß Rosa etntreien. Ein Bltck aus deren verstörtes Ausj-Hen ließ st- jeooch schnell erkennen, daß eS siey wohl um etwas an­deres, als um eine wirthfchaftliche Besprechung handle.

Die Gräfi r zitterte bei dem Gedanken, daß ihr vielleicht aus Rosas Munde eine neue schreckliche Enthüllung bevor- ffche. Ihre eben noch mühsam errungen Fassung schwand schnell dahin und sie wagte kaum anfzubltcken oder auch nur eine Frage zu ihun.

So verstrichen mehrere peinliche Minuten und unheim­liches Schweigen, daS Schweigen de« Grabes, eine düstere beklemmende Sülle, die Stille M Todes, herrschte im Zimmer.

Rosa war zitternd und bebend an allen Gliedern an der Thür stehen geblieben, sie wagte keinen Schrrtt vor­wärts zu setzen, kein Laut kam über ihre f.st zusammen- gepreßten Lippen. Aber auch wie Gräfin Thekla wagte sie kern Auge aufzuschlagen, mit gesenktem Kopfe stw.d sie da und ihr trüber Brick hastete schmerzlich am Boden deS Zimmers.

Rosa etwas auf die unglücklichen Verhältnrfle im @$loffe Bezügliches auf den Lippen habe, daß sie vielleicht, wie eben auch die Gräfin ahnte, die Verkünderin eines neuen Unheils fei, das schien auch dem Kimmerfräulein aus dem ganzen Wesen und Benehmen Rosas hervorzu. &A(U.ntb.^alb t"a9t< "»ch sie nicht, die drückende SWsüle, welche auf Allen lag, durch irgend welche Unter­brechung zu enden.

Endlich ober hatte sich Gräfin Thekla doch ermannt, |tt erhob das schöne Haupt, blickte mit schmcrzumflorteu, aber jetzt thränenfre en Augen auf Rosa und sagte mit leiser tonloser Stimme:

Komm näher, Rosal Was willst Tu? Hast Du mir eine neue Hiobsbotschaft zu überbringen? R-oe offen und