Einzelbild herunterladen
 

kr. 157.

Marburg, Sonntag, 8. Juli 1877.

XII. Zshrgakg.

(Olinljrffifdjr Jcitmiß

Politische Woche» > Uebnficht.

ichei

ift nach Koblenz und von hier über Darmstadt nach

ngby 3nfel Meinau begeben, von wo er Mitte diese» Monat»

. Bl.

17.

t er Me iben bett fiel, ber« Ser.

.At- att« tnb, rett, US"

al» Vorstand der vereinigten Lmken de» Folkelhings gleich nach dem Schluß der Kammersesston das wider die Regie­rung gerichtete Manifest unterzeichnet und veröffentlicht haben, wegen beleidigender Beschuldigungen die gerichtliche Klage erhoben.

Dem Donau-Uebergang der Russen bei Galatz und Braila ist in der Nacht vom 26. auf den 27. Juni die in ihren Folgen weit bedeutsamere Ueberschreiiung des FlusseS zwischen Stmnitza und Sistowa gefolgt. ES verlautet, daß das Unternehmen gleichzeitig bet Turnu Margurelli, wo der Kaiser sich aufhielt, und bei Simnitza, wo der Großfürst Nikolaus peisönlich zugegen war, ausgeführt werden sollte. Am ersteren Orte mißlang cS, bei Simnitza aber hatte der General Drago- miroff am Morgen des 27. mit ber 27. Infanterie-Division unter einem Verluste von annähernd 500 Mann den Ueber- gang bewerkstelligt und rückte noch am gleichen Tage in Sistowa ein. Augenblicklich sollen dort schon drei russische Armeekorps in der Stärke von annährend 6070,000 Mann auf türkischem Boden stehen unv am 28. vom Kaiser in Person besichtigt worden jein. Die am 27. begonnene Drücke, auf der die Russen so schnell größere Heercsmassen über den Strom hatten bringen können, wurde indessen in der Nacht vom 29. auf den 30., sei es durch einen Sturm, sei es durch einen türkischen Monitor, weggertffen und muß jetzt, wenigstens theilwetse, auj'S Neue hergcftellt werden.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.BtatteS, sowie d.Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

Cantone und Gesellschaften zu einer Conserenz nach Bern, berufen, damit sie zu den Ergebnissen der luzerner internativ' nalen Goithardconferenz Stellung nehmen.

Der Po pst leidet seit einiger Zeit sehr heftig an den Außen, so daß er die laufenden Geschäfte nur mit Mühe erledigen konnte. Den vorwiegendsten Gegenstand des JnteressiS nicht nur im Vatikan, sondern in ganz Italien bilden die Aussichten der clericalen Regierung in Frankreich. In gut unterrichteten Kreisen läßt man es sich nicht nehmen daß der Erzbischof von Paris, Msgr. Guibert, bei seiner Anwesenheit in Rom mit einer politischen Mission betraut gewesen sei.

Der Präsident der französischen Republik, Mar­schall Mac Mahon, Herzog von Magenta, hat am 1. Juli aus den Longchamps am Boulogner Hölzchen über die Gar­nison von Paris, Versailles und sonstiger Umgegend eine große Heerschau gehalten. Die Truppen, etwa« über 30 000 Mann in 81 Bataillonen, haben sich durch Haltung, Be­wegung und Diensteifer seine volle Zufriedenheit erworben und sind dafür durch einen Tagesbefehl belohnt worden, der sie geradezu auffordert, dem derzeitigen Staatsletter,' der bis 1880 fest auf seinem Platze verharren würde, in der Ausübung seines Berufes zur Seite zu stehen und bet der Wahrung der Autorität und der Gesetze behülflich zu sein. Der Minister de» Innern, Fourtou, hat an die Prä­fekten ein Rundschreiben ergehen lassen, in welchem er eS scharf betont, daß sie nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht hätten, vor den Depuiirtenwahlen, die wahr- scheiolich im September stattfinden weiden, die Bevölkerung darüber aufzuklären, wer ein Freund und wer ein Feind der Regierung sei. Namentlich sollen die Beamten über wacht und ihre Betheiligung an regierungsfeindlichen Wahl umtrieben unter keinen Umständen geduldet werden. Die Session der Generalräthe findet im August statt, alsdann scheidet die Hälfte der Mitglieder aus und im October sollen erst die Neuwahlen vorgenommen werben.

Die Erfolge der russischen Truppen an der Donau haben die Besorgniß einer baldigen Bedrohung Konstantinopels in England gesteigert, und die Regierung sand daher ziemlich allgemeinen Beifall, als sie ankündigte, daß sie das Mittelmeer Geschwader in die B.stka-Bai, seinen vorjährigen Standort, zurückgesandt habe. Was die innere Politik be­trifft, so wurde ber Kampf um Trevelyan'S alljährlich wieder- kehrenden Antrag auf Gleichstellung des Wahlrechts für Stadt und Land und auf Erzielung einer richtigeren Ver­tretung der Wählerschaft mit dem gewohnten Ergebnisse im Unterhaus« auSgefochten, d. h. die Resolutionen wurden abgelehnt

In Dänemark hoben die sechs Mitglieder des Mi­nisteriums, jedes besonders, gegen die neun Personen, welche

»ü- 'N der «xpebitw» zu -rtdeil-nd- Auskunft und Lnuabme von Adreffeu »erben 15 ffJXeSet galten« Zecke 10 Vf».

Lage-bericht.

Veranlaßt durch den Umstand, daß Prinz Alexander von H ssen und dessen Sohn der Prinz von Baltenberg über Wien nach dem russischen Hauptquartier reisen, giebt sich in Oesterreich eine gewisse Aufregung kund. In Folge dessen tritt auch das Gerücht, daß der Prinz von Batten- berg für den bulgarischen Fürsteuthron ause. sehen, sei mit verstärktem Gewichte auf. Wir können indetz auf Grund guter Information versichern, daß dieses Gerücht jeder Begründung entbehrt. Daß die Reise des Prinzen von Hessen mit dem Regierungsantritt zusammenhängt, wie be­reits vor einiger Zeit in offizieller Form bekannt gegeben worden ist, kann nicht dem allergeringsten Zweifel unter­worfen werden. Aus demselben Anlässe ist Prinz Wil­helm von Hessen nach Brüssel und London gereist.

Es stellt sich immer m-hr heraus, daß von den drei monarchischen Parteien in Frankreich, den Orleanisten, Legi­timisten und Bonapartrsten die letzteren den weit aus größten Anhang Haden und Mac Mahon allein im Dienst dieser letzteren thätig ist. Was in den gouvernementalea französischen Blättern behauptet wird, daß der Präsident der sranzösifchen Republik bis zum Jahre 1880 also bis

fftdlltttflPtt für das HL Quartal wer- ben von allen Postanstalten ch angenommen.

Der Abdruck des Tagebuchs eiues Drei' achtzigers aus deu^-deutsch-frauzöst« U Kriege beginnt in nächster Woche.

Die Exp. d. Oberh. Zeit.

ng i alle Hesse Siassa n hob

Zugleich mit unser« Kaiser weilt augenblicklich der »rtenLvizösifche Botschafter Gootaut Biron in Ems. Nächsten jedo< vnntag wird der Kaiser seine Cur beenden und dann

. klärung die Möglichkeit einerOceupation Bosniers" hl unbedingt ausschließe.

____ Der schweizerische BundeSrath wird im Laufe di.feS mate die bei dem Gotlhardbahn Unternehmen beiheiligten

y.. i der Kaiser Alexander seinen Uebergang über die Donau L*/' lrte und in welcher er eine Sicherstellung der bulgarischen " iatiovalität" undUnabhängigkeit" in Aussicht stellt, hat

b (jj wluhigend gewirkt. Im Abgeordnetenhause zu Pest rief am Utt« $.luAe d" Orientdebatte der Baron KaaS eine fernere rßcrung Tisza'S hervor, welche ergab, daß seine sühere

6, iedrrum die Reise nach Gastein antreten wird. Fürst nstai itmarck ist in der Nacht auf Sonntag aus Kssfingen In ---- erliv wieder eingetroffen, hat von hier aus am Montag , "' m Ausflug nach seinem alten Stammgute Schönhausen IDtB ««ht und ist darauf am Mittwoch für einen Tag auf beit8; i« lauenburgisches Waldgut abgerereist, von wo er nach Ab« Aufenthalt in Berlin sich für längere Zeit in die Rte i °he von Varzin zurückzuführen beabsichtigt. Diplomatische arob, »"strenzen mit den Botschaftern der Großmächte stehen . @e, »nach in Berlin zunächst wohl nicht in Aussicht. Die tttboi Bister und Ministerialdirektoren treten nach und nach b i alle ihre Urlaubsreifen an. Das Reich- - Patentamt,

I am Montag (2. Juli) seine Thätigkeit begonnen hat, Nnu b"eidS mit Gesuchen überflutet. Der bayerische Landtag am Montag zu München eröffiet worden und bei der 0 ckstdentenwahl hat man die Stärke der Parteien gezählt, «m die Opposition alS ersten Präsidenten den Frhrn. iitb tj Ow mit 78 Stimmm gegen 74, die auf den Fihrn. s17ß Stauffenberg fielen, wiedergewählt hat. Ob aber nicht . Z'J t Opposition demnächst in wichtigen Einzelsragen sich alten wird, bleibt obzuwarten.

!e Die Regierung Oesterreichs sitzt ihre Maßregeln zur wtlr .rbeisührung einer marschfähigen Kriegsbereitschaft an seinen üdgränzen fort. Die Proklamation an die Bulgaren, mit wel

ta»eig«i nimmt entgegen: ta Expedition d.Blatte», »wie d.Annoncen-Bureaux xn Tb- Dietrich & Co. in alle takel und Hannover; Th. - - " 'rid; in Frankfurt a.M.;

senstein & Vogler in kfurt a- M., Berlin, ipjig, Cöln rc.; Rudolf sie in Berlin, Frank­furt a. M. rc.

Die Waise da» Soanenthal.

(Fortsetzung.)

egen

uli.

, und von dem Gespenst um Mitternacht ließ sich

02,!

2,(

9,70b

1,76

7> 6.90

, ite> ist selbstverständlich. Doch hatte Richard einen 520»tmtn Posten bei dem Geisterthurm ausgestellt, der ihm ä'tiOb wt Meldung machen sollte, wenn sich irgend etwas 45,50 lirgewöhnlicheS im Lause der Nacht ereignen möchte.

Nun, am Geisterthurm und in dessen Nähe ereignete nichts. ES blieb seltsamer Weise Alles still und

390l® ... -- - -r

s'tiOfi s keine Spur vernehmen. Aber in dem Krankenzimmer Acti» ^rlchrm der tödlich verwundete Graf lag, ereignete sich 0,60 b «S, das für Richard fast eben so wichtig war, als die 4,90t Mgtnnahme des mitternächtigen Gespenst S gewesen

Daß unter den gegenwärtig eingetretenen Umständen Hfl« an die nächtliche Erscheinung gedacht werden

tt-it Die Waise bin Soaaeathal.

K-ische Novelle aus dem Kriege im Jahre 1866 von Rudolf Wellnau.

o'-25i Die Lampe im Kran keil zminer verbreitete nur ein J ^heS Dämmerlicht, dessen matt« nebelhaft« Schimmer 9,75 Gegenständen umher em düsteres, unheimliche- Ansehen 9,-i - Eine trübe melancholische Stimmung »hat sich im ni/sö to -3>lnm« kund und Übte ihre lähmende Wirkung 'oO ou| Richard, der in einem kostbaren Sammet-Fauteuil [ob ikop ende de« verwundern Grafen soß. Die düstere

------- -------,-------

2,90 Wiche Sti im schwülen Gemache wurde nur untn- V- ben von dem mpvoloneu Ticken der prachtvollen Ala- g'üö ^'ühr, die auf einem Tischchen stand, und durch das 8," lechzen und Stöhnen des Kranken.

unterbrach ein größeres lamneS Geräusch die e Stille. In langezogenen, dumpf und schwer Tönen verkündete die Uhr im Schloßthurme acht.

Die Klänge schallten dröhnend um jo lauter und ver­nehmlicher, je stiller und lautloser Alles rings umher war.

Schon während des Schlagens schien cS Richard, als würde der Kranke unruhiger und bewegte sich heftig im Bette hin und her, so daß Richard aufmerksam werden mußte. Als aber der letzte Glockenschlag verhallt war, hörte Richard deutlich, wie der Graf mit schwacher leiser Stimme, den NamenWenzel" rief. Der Kranke schien nach Richards Meinung einen Anfall von Fieber-Phantasie zu bekommen und er glaubte diese um so eher verscheuchen zu können, wenn er den Kranken beruhige und auf seine wirren Bilder eingehe, indem er sich selber für Wenzel ausgäbe. Als daher der Kranke von Neuem und dringen­der nach Wenzel rief, antwortete Richard:

Was befehlen gräfliche Gnaden?"

»Es ist Mittagszeit für Esther; komm, laßt uns zum Geisterthurm gehen, daß sie nicht v«hung«el" sagte leise, fast unheimlich flüsternd der Graf.

Ab«, Se sind ja krank, Herr Graf, Sie können nicht mltgehen," gab Richard, der fein Erstaunen und seine Ueb«raschnng kaum verbergen konnte, eben so leise und flüsternd zurück.

So?" fragte langgedehnt und im Tone der Bestem düng der Graf,ich bin krank, sagst Du? Da« habe ich selbst nicht einmal gewußt. Ab«, wenn Du es sagst, Wenzel, so muß eS schon wahr sein! So gehe Du allein, und sorge für meine arme Frau;-ab« sei vorsichtig und hüte Dich, daß meine Gemahlin nichts «fährt, die Frau Gräfin, verstehst Du?"

Sehr wohl, Herr Graf", anwortete staunend Richard und fragte fast hastig weit«:haben der Herr Graf stuft nichts auszurichten?"

Ja, höre Wenzel," begann der Graf wieder,sage d« atmen Esther, daß ich sie lange Zeit nicht besuchen

Ahme, ich müsse fort von hier in den Krieg zichen. Du würdest ste aber nicht verlassen. Du würdest für sie sorgen wie es bisher geschehen. Sollte ich im Kriege aber den Tod finden, so habest Du Befehl, ste fre.zulaffen, hörst Du, das sage ihr I Ich habe Dir doch gesagt, daß Du ste srerlassen sollst, wenn ich tobt bin, Wenzel?"

»Gewiß, Hrr Graf, das haben Sie!" betheuerie Richard mit ein« Stimme, der man es nicht abmerken konnte, daß hr Inhaber aus einem Staunen ins andere kam.

Siehst Du, Wenzel," begann nach einer kleinen Pause der Graf von selbst wieder,wenn ich tobt bin, ist es gleich, was man von mit denkl uno redet. Freilich so lange ich lebe ist es ein Wunder für die arme Efther, st einsam und verlassen in dem alten Thurme zu sitzen. Gleichwohl ist eS ab« immer noch besser, als wenn ste tobt wäre, als wenn ich ste gemordet hätte! Und das wolltest Du, Wenzel! Wie unbarmherzig und grausam Du sein kannst 1 Laß mich da« nicht wieder hören! Sprich mir nie mehr von Mord, hörst Du Wenzel? Versprich mir das, Wenzel!" _ »34 »«spreche es!" konnte Richard von geheimem Schänd« geschüttelt nur antworten.

Und nun gehe und bringe ihr das Mittagsmahl, sie hungrig semi" meinte der Graf.Krank sagtest Du, » t 10' $ glaube jetzt selbst, mir thut die Brust st weh, das mag wohl meine Krankheit sein! Geh, Wenzel, ich will ein wenig ruhen!

hierauf legte « sich zur Seite und schien einzuschlum« mern.

Richard befand sich in großer Erregung. Er rieb sich

Sfe 06 n °uch wirklich wache, ob das Gehörte auch Wirklichkeit und nicht etwa ein Traumgebilde seiner aufge- regten Phantasie sei. Welche Andeutungen eines Geheimnisses hatte « erfahren! Natürlich konnten es nur Andeutungen fein, d« eigentliche Zusammenhang fehlte allerdings noch.