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Marburg, Freitag, 6. Juli 1877.

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Ein Tagesbefehl deS Marschall- Mac Mahon an di« er Truppen nach der am Sonntag (1.) statigefun

Parade schließ! mit folgenden Worten:Verstehet Eure Pflichten! Ich rechne aus Euch zur Berthei-

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Die Waise Wix Sonnenthal.

Novell« au- dem Kriege im Jahre 1866 von Rudolf Wellnau.

(Fortsetzung.)

Noch spät am Nachmittage machte Wenzel einen Gang in die Stabt, von dem er erst spät zurückkam.

So rückte die Nacht näher und näher. Richard harrte mit großer Spannung, ob da- Nachtgespenst sich wieder zeigen werde. Stunde auf Stunde verging und die Mit­ternacht rückte herbei. Richards Leute warm ebenfalls neugierig, waS sich ereignen würde und warm deshalb munter und bereit, sofort einzugreifm, sobald eS die Noth- wmdtgkeit erheischte.

AlS vom Schloßthurm die zwölfte Stunde verhallt war, zeigte sich in der Thal am Fuße M Geisterthurms die gespenstige Gestalt, ließ dieselben Töne wie sonst laut werden und geberdcte sich vollkommen wie in jeder vorher­gehenden Nacht ihres Besuchs. Richard konnte von seinem Fenster aus dies Alles beobachten, aber er bemerkte sonst durchaus nichts verdächtiges an der Erscheinung selber, wie an deren gespenstischem Treiben.

Nachdem das Nachtgespenst seine schleichmde Promenade noch eine Zeitlang fortgesetzt, ohne daß irgend etwas Aus» fälliges geschah, wollten jetzt die aufgestellten Wachen sich deS Gesp-vsteS wenigstens bemächtigen, al« im selben Augen­blicke von der Seite, woher die Erscheinung gekommen war, noch sechs ebmso vermummte Gestalten hervorschlichen. Kaum aber wurde die erste Gestalt die Erscheinung der letzterm gewahr, alS fie, statt mit diesen gemeinschaftliche Sache zu machen, nur einen Augenblick stutzte, dann aber schnell zur Seite mtwtch und mit hastigen behenden Schritten das Weite sachte.

Ruhig li.ßen dies die nmangrkowmmm gescheh«, schlichen geräuschlos auf das Hauptportal zu und jetzt hörten Richards Leute einen Schlüssel iw Schlosse drehen.

Jetzt hielten die Soldaten e« an der Zeit, sich der Eindringlinge zu verstchem. Rasch eilten sie aus ihren Basteckm hervor und aus Mc Diebe oder Räuber zu.

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M Wenzel sich entfernt hatte, sagte er der Gräfin, > er allerdings alle Maßregeln zur Sicherheit für die M treffen werde und der Verlauf der Dinge werde ihm schon weiter zeigm was zu thun sei.

Gräfin Thekla stimmte dem vollkommen bei, gab aber Md gleichzeitig zu versteh«, daß fie Wenzel durchaus I traue; sein ganzes Wes« und Benehmen tu dieser ^egenheit mache einen höchst verdächtigen Eindruck und sie mit Widerwillen. Richard versprach auf der | zu sein und WmzelS Thun und Treiben gmau und ß Möglichkeit zu beobachten. So trronte man sich. Wichard begab fich zu sein« L«ten und ettheilte P seine Instructionen. Ohne daß eS Wenzel groß Fen konnte, ließ er geheimer Weise dm Eingang zum MNhurm bewach«. Für die Nacht sollten alle übrig« ^seinen Leut« bekleidet bleib«, um Bereit zu sein, * fich etwa« Außergewöhnliche« begebe.

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htcgen nimmt entgegen: Spedition d.Blatte«, »jkS.Annoncen-Bureaux

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und vor den Gesetzen aufrecht zu erhalten bei Ausführung der Mission, die mir anvertraut wurde, und die ich erfüllen werde bis ans Ende." DieProv.-Eorresp." bemerkt hierzu: Auch diese Worte laffen dm ganz« Ernst der jetzigen Lage der Dinge in Frankreich erkenn«.

Im Vordergründe der politischm DiScusfion steht hmte die Haltung der englischen Regierung gegenüber Rußland. ES kann kaum noch einem Zweifel unterworfen sein, daß England nicht in seiner bisherigen Nmtralität verharre, dieselbe vielmehr aufgeben wird, und zu einer Aktion schreiten wird, sobald die Russen am Balkan angekommen find. Worin diese Aktion bestehen wird, darüber herrscht schon heute Gewißheit, insofern die Engländer alle Vorbereitung« treffen, ein starkes TeuppmcorpS nach Konstantinopel zu schicken. Auch von Indien her werden Truppen nach Kon­stantinopel briördert werden, so daß man immerhin auf 6070,000 Engländer rechnen kann, welche im September in der türkischen Hauptstadt zum Schutze derselben concm- tritt sein werden. Einstweilen wird dem Parlamente eine Vorlage gemacht werden, betreffs eines außerordentlichen Credit« zu militärischen Rüstungen. Daß dieselbe ange­nommen wird, ist unzweifelhaft.

Der englrsche Lord Salisbury, welcher auf dem von der Schneidergilde in London gegebmen Banket eS für Wahnsinn erklärte, daß England sich für eine Idee schlage und im Uebrigm die englische Orientpolitik persiflirte, wird aus dem englisch« Staatsdienste entlassen werden. Die Entrüstung über das Treiben dieses das englische National- gefühl verhöhnenden Staatsmannes ist in den konservativen Kreisen Englands eine so allgemeine, daß man sich erstaunt zeigt, wie eS möglich gewesen, daß Lord Salisbury nach jener bekannten auf dem Schneiderbanket gehaltenen Rede noch 24 Stunden im Amte bleib« konnte. Auf dem Fest- lande wäre da« eine moralische Unmöglichkeit gewesen. -

Ueber die in der persischen Stadt Rescht herrschende Pestepidemie sind dem RichSgesundheitSamte beunruhigende Nahrichten zugegangen. Zwei Drittel der Bevölkerung haben die Stadt verlassen, um der Seuche zu entgehen, welche indessen auch bereits die nordwestlich angrenzenden Distrikte ergriffen hat. Die Bedeutung ReschtS als einer Haupthandelsstation Persiens mit Rußland und mit Tür- lisch Armenien (dem gegmwärtigen Kriegsschauplätze) verleiht dem dortigen AuSbruch der Seuche eine erhöhte Wichtigkeit.

R.u.ste Kriegsnachrichten:

Wien, 4. Juli. Meldung« desW Tazbl.": Turn- severtn, 3. Juli. Der Fürst von Rumänien wird heute nach Kalasat reifen, um die Stellung der rumänisch«

7. Kapitel.

An geheimuitzvolles Schloß.

Die Gefangenen wurden in ein festes sicheres Gewahr- sam gebracht, nachdem man jedem derselben ein Doppel- Pifivl und ein große» Messer abgenommen hatte. Für die Nacht wollte man die Sache ruhen lassen.

Richard eilte zur Gräfin Thekla, um dieser, welche na­türlich wach geblieben war, Bericht über das Begebniß abzustattm. Al« er fie, die sich in großer Aufregung be­fand, beruhigt hatte, fragte fie, ob und wie sich Wenzel bei dem Ereigoiß beteiligt habe. Richard wußte aber von Wenzel keine Silbe, er hatte ihn nicht gesehm. Er hatte geglaubt, daß er sich bei feiner Herrin befinde Diese

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iämler deS Deutschen Reiches 3 Mark 5S Psg. (e$L Bestellgebühr). JusertionSaebühr für die gespaltene Zelle IS Pf-.

'pedltion zu erthellende Auskunft und Annahme von Adresse« werde« 15 Pf,, berechnet.

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^4ard wußte in der That nicht recht, was er von >60° 5 ^eb£ de« alten Diener« halten sollte. Seine Worte '' ) Yen so wahrheitsgetreu und überzeugungsvoll und das tz« hatte soviel Wahrscheinlichkeit für sich, daß er Zweifel-

Armee von dort bis Guija zu inspicirm. Die Guijabrücke ist beinahe vollendet und steht der Havptübergang allstünd­lich bevor. Die Türken bombardiren die Positionen von Kalasat auch Rächt« bei elektrischem Licht, indem sie da­selbst den Uebergang gewättigen. Widdin ist stark geschä­digt und find die Civilbewohner geflohen.

Wien, 4. Juli. Telegramme derN. Fr. Pr.": Konstantinopel, 3. Juli. ES geht das Gerücht, daß bei Alaschgert eine große Schlacht stattgefunden habe. Die Verluste der Russen soll« angeblich sehr bedeutend sein. Die türkische Garde geht zur Donauarmee ab. Varna, 2. Juli: Bi« gestern Vormittag wurde aus Sistowa und Umgeg«d nichts von Bedeutung gemeldet. Die russische Cavallerie schwärmte auf der Straße bis Bjela und Akair Türkische Reitcrpatrouillm melden, daß stärkere russische Abcheilungen die Jantra an ihrem unteren Laufe übersetzt haben. Wahrscheinlich rückt daS russische Hauptquartier bind gegen Tirnowa vor und wird auf dieser Route ein größerer Kamps erwartet, sobald die Russen mit einer ge- nügenden Macht die Donau pasfitt haben. Man vermuthet, daß noch ein Uebergang zwischen Rustschuk und Silistria stattfinden werde. Rustschuk wird täglich stundenlang bombardirt.

Wien, 4 Juli. Meldungen desTagblattS": Nach, richten au« Russisch-Polen zufolge haben di« in den west­lichen Gouvernements angehäufteo Trupp« ihr« Vormarsch nach dem Süden begonnen und werden 150,000 Mann nach der Donau vorgeschoben.

Schumla, 3. Juli. Gestern sanden kleine Gefechte um Bielovo am Janttaflufle statt, wobei die Türk« im Bortheil blieben.

Konstantinopel, 3. Juli. Osficiell. Bei Sistowa fand zwischen 18 russischen und 12 türkischen Bataillonen ein Kampf statt, wobei die Türk« Sieger blieb«. Im Kampfe bei Alaschgert- hatten die Ruff« große Verluste. Die Russen waren genöthigt, die Belagerung von Kars auszuheben. E« wird versichert, daß Mahmud Damat Pascha den Kriegsminister während seine Abwesenheit ver- treten werde. Auf Befehl des Sultans haben die Mi­nister ihre Wohnungen am Bosporus zu verlassen und nach Stambul zu übersiedeln, um ohne Zeitverlust dm außer­ordentlichen Mtnisterräthen beiwohnen zu können.

Konstantinopel, 4. Juli. DieAgence HavaS" meldet: Die Russen «urdm bei Bjela zurückgedrängt. Dieselb« sollen den Vormarsch gegen RaSgrad auf­gegeben haben und gegen Timowa vorrücken. Ein Ver­such der Russen, bei Turtnkai Über die Donau zu setzen, wurde zurückgeschlagen. Zchlreiche Trupp« sind nach dem Kriegsschauplatz abgegangen. DemnäLst findet eine Recruten «uSloosung in Konstantinopel statt. Der Diese wollten im ersten Schrecken die Flucht ergreifen, aber die Gewehrläufe der Soldat« starrten ihnen so bedrohlich entgegen, daß sie stehen blieb«.

Auf den Anruf der Soldat« gaben sie keine Antwort und al« diese sie aufforderten, fich zu ergeben, fmerten die Banditen drei Pistolenschüsse auf fie ab, ohne daß auch nur einer von Richard« Leuten verwundet wurde. Nun­mehr rückten die Soldaten den Räubern auf den Leib, als sich gleichzeitig da- Schloßthor öffnete und Richard mit den Uebrigen heraustrat. Die Banditen feuerten von Neuem ohne besseren Erfolg al« vorher. Die Soldaten gaben nun ebenfalls Feuer und streckten zwei von den Angreifern nieder. Der Widerstand der übrigen vier war gebrochen. Sie machten noch ein« letzten Versuch zur Flucht, und als dieser mißlang, blieb ihnen nichts weiter Übrig, als fich zu ergeb«. Man brachte sie alle, auch die beiden Tobten, ins Schloß.

Da» war der Ausgang mit dem Gespenst um Mitter­nacht, bei welchem allerdings immer noch die Hauptperson, das Gespenst selbst, fehlte.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.Blattes, sowie d.Annoncen-Bnreaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

wurde, ob in der That nicht wirklich Alles so sein v. Er sah die Gräfin fragend an und diese konnte ' V anders, sie mußte Wenzel beistimmen, daß er allerdings Schilderung des verbrecherischen Treib«S in Böhmen Wahrheit gesagt hatte. Unter diesen Umständen entschloß f Richard, noch eine Nacht zu wart«, ohne etwas Ent-

Mng der theuerstm Interessen deS Landes. Ich bin sicher, 7. i werdet mir beistehen, die Achtung vor der Autorität

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i - X6. Dietrich & Co. in T1 M und Hannover; Th.

Aich in Frankfurt a.M.; nrtlfltftein & Vogler in Ditfurt a. M., Berlin, Ma, Cöln ic.; Rudolf Jje in Berlin, Frank-

' Tagesbericht.

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Unser Kaiser hat in der verflossenen Woche außer den den RegierungSarbeiten den Vortrag deS KriegSmi- entgegen genommen, schreibt dieProv. Corr.", und vor der Abreise von EmS auch den Minister des Innern

«gen. Am nächsten Sonntag (8) Nachmittags ge Se. Majestät nach beendigter Kur nach Coblenz zur in und von da, nach einem Besuche bei d m Groß' z von Hessen in Darmstadt, am Mittwoch (11.) nach Insel Mainau zu gehen, um mehrere Tage im Kreise droßherzoglichen Familie von Baden zuzubringen. Mitte erfolgt die Reise über München und Salzburg nach zu dreiwöchentlicher Kur und in der zweiten Woche Monats August voranSstchtlich die Rückkehr nach Berlin.

Unsere gestrige Mittheilung über den Rücktritt deS Geh.

- RegierungSrathS Zitelmann vom Staatsministerium wir heute dahin vervollständigen, daß derselbe bis ast definitiv sein Amt als Kurator des deutschen Reichs erS niedergelegt hat, sein Entlassungsgesuch aus seinem als vortragender Rath deS Staatsministeriums aber jetzt noch keine Ensscheidung gefunden hat. Einstweilen Geh. Rath Zitelmann einen längeren Urlaub ange- Die interimistische Leitung deS Curatoriumö des SanzeigerS ist vom stellvertretenden Vorsitzenden de» «Ministeriums Finanzminister Camphausm, dem Assessor KurowSki, bekanntlich seither Ches der Privatkanzlei Fürsten Bismarck, überttagen worden, welcher diese ktion bereits heute übernommen hat. Eiugeweihete wollen wissen, laß der Rücktritt des Geh. Rath nn von der Verwaltung des Reichsanzeigers mit der Schleinitz in Verbindung steht und zwar mit der entlichung jener Notiz in dem nichtamtlichen Theile eichSanzeigerS, in welcher fih die Erklärung vorfand, die Frau Minister v. Schleinitz nicht tote der Landrath st in feinem Prozeß behauptet hatte, diejenige Dame fei, welche dem Kaiser die Reichsglocke in die Hand spielen pflegte. Man wird sich entsinnen, daß bald der ReichSanzeiger den Wortlaut eines Schreibens jfmtlichen mußte, au« welchem hervorging, daß jene von dem Minister v. Schleinitz selbst veranlaßt

war.

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