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Marburg, Dienstag, 3. Juli 1877.
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Anfang Juli beginnt im AeuiRetO« der
-ßerhesfische« Zeitung:
J Bberhessische Zeitung
74«! und deren Gratisbeilage
2 MustrirteS Sonntagsblatt
sr dem 28. Juni gefälligst Machen zu wollen. : Die Exp. d. Oberh. Zeit.
1 Erbuch eines Dreiundachtzigers ans dem dentsch- VL französischen Kriege 1870,71.
Um volstäudige Exemplare zu erhalten, er- achen wir die Bestellungen für das dritte Quartal
War sieben Jahren
Rußland und England.
Trctz aller Abneigung, die der Engländer gegen Rußmd hegt, hat eS Fürst Gortschakoff doch so wett gebracht, ch John Bull nach seiner Pfeise tanzt. Urplötzlich sind t Stussenfrefser zahm geworden, Blätter, die noch vor arzem Heer und Flotte nach der Balkanhalbinsel zum Schutze der unschuldig verfolgten Türkei entsenden wollten, • sie sprechen heute von der „Narrheit unwürdiger Alar- Pm." Allerdings sind eS solche Blätter namentlich, die sn Mantel nach d^m Winde richten, der aas den Ministerial- meau's kommt, und man muß demnach annehmen, daß Y die offizielle Wetterfahne in London ganz bedeutend Mcht. Doch dafür können wir noch beffeie Beweise bei- ringen. Vom Miniftertische des Unterhauses herab ist von tr englischen Regierung erklärt worden, daß sie Rußland »trauen schenken wolle. Warum hat England dies nicht f»a längst gethan? Sie wollten Rußland nicht vertrauen, eit sie eifersüchtig waren, weil man die Kaiserin von Indien icht als die vierte im Bunde der drei Kaiser ausnehmen e-eei eilte. WaS hat Rußland gethan, um heute ein beffereS — «trauen zu verdienen, als vor einem Jahre? Damals - | tt hätte, wenn England nicht jo eifersüchtig gewesen wäre, “• it Annahme des Berliner Memorandums die geliebte Türken- rischast gerettet werden können, England hätte seinen Ein Ker ,ß bewahren und sich um die Civilisario.i verdient wachen ipel- «en. Wir persönlich wollen nicht sagen, daß uns Eng ver ab mit seinen schweren llnterlasiuugssünden einen Schmerz Alle, «itet hat. Die gründliche Kur, welcher gerade jetzt die I von bti --3= I
Türkci unterworfen wird, ist uns lieber als alles diplomatische Psuschwerk, da- doch keinen dauernden Frieden bewirkt hätte. Wie gesagt, die Wetterfahne hat sich gedreht. Die englischen Diplomaten haben oft gegen Rußland und andere Mächte eine kübne Sprach« geführt, Lord BeaconS- fi:ld, heute noch dem Namen nach Chef des englischen Ca- btnetS, aber lange nicht mehr der leitende Geist defielben, hat oft ganz erschrecklich mit b<m Säbel geklirrt, so daß alle Börsen vou Europa zitterten. Aber bei der kühnen Sprache und dem Säbelgeklirr ist eS geblieben. Nun hat Rußland es einmal auf dieselbe Art versucht. ES sagte: „Ich will Euren Jntercflen nicht zu nahe treten, wenn Ihr neutral bleibt; wenn nicht, so stehe ich für gar Nichts.". Diesen Wink hat sich John Bull nvtirt. Er bleibt neutral und freut stch rti stg, daß seine Jntercsien nicht gefährdet find!
Tagesbericht.
Während die österreichische Regierung in Wien und Pest laut hat verkünden lasten, daß sie keine Staaten« bildung an ihren Grenzen dulden werde, welche mit den Interessen der österreichisch-ungarischen Monarchie collidtren, läßt die Proklamation, welche der Kaiser von Rußland bet dem Einmärsche der russischen Armee in Bulgarien an die Bewohner dieser türkische» Provinz gerichtet, keinen Zweifel darüber, daß Rußland nicht entfernt daran denkt, mit der Pforte Frieden zu schließen, auf Grundlage der bekannten Constantinopeler Resormvorschläge, daß eS vielmehr den Krieg zur Befreiung der Christen vom türkischen Joche, d. h. zur Vernichtung der türkischen Herrschaft, welche letztere als „Willkür" bezeichnet wird, folgeweise also zur Zerstörung des osmanischen Reichs in Europa sührt. Damit hat der Czar sich genau auf dm Boden des überall in Rußland laut verkündeten Volkswillens gestellt, welcher letztere daS diplomatische Vertuschen mißbilligt und verlangt, daß der Krieg mit Aufgebot der gesammte» russischen Wehrkaft geführt und jede FricdenSverwittelung entschieden zurückzewiesen wird, die aus einen faulen Frieden, aus die Los- reißung der einen oder anderen türkischen Provinz, nicht aber auf die vollständige Befreiung der Christen von der Türkei abzielt. Rußland wird denn auch seine militärischen Anstrengungen noch bedeutend erhöhen, um da« Ziel, daS eS seiner Orienipolittk gestellt hat, erreichen zu können. Zunächst werden drei weitere ArmeecorpS mobil gemacht werden, von denen zwei der russtchen Südarmee und eins der KaukasuSarmee zugetheilt werdm sollen.
Brkrnntlich hatten die Turkophilen und Ulttamontanen große Hoffnung auf die Polen gesetzt, welche den türkisch, russischen Krieg zum Ausgangspunkt sür eine Erhebung
gegen die russische Herrschaft machen sollten. Auch sprach man von der Bildung einer polnischen Legion in Cvnstan- tinopel, die auf 20- bis 30,000 Manu anwachsen werde u. s. w. All« diese Hoffnungen dürfen nnn jetzt als vollständig gescheitert betrachtet werden; an das Zustandekommen einer polnischen Legion denkt heute Niemand mehr, aber auch die Schwierigkeiten im Innern Rußland«, die auS den Conspirationen der Polen in Covstamtnopel her- vorgehen sollten, und die man sich so hübsch auSgemalt hatte, sind lediglich Phantasten gtwesen. Rußland kann getrost den größten Theil seiner Garnisonen aus Polen herausziehcn und ou? dem Kriegsschauplatz verwenden; eS wird Niemand eine Hand aufheben gegen die russische Herrschaft. Polen bleibt also ruhig und hierin liegt die Bürgschaft, daß, wenn der Krieg zu einem siegreichen AuS- trage gebracht wird, di« Polen, wenigstens ihrer weitaus größten Mehrzahl nach, sich in die Lage der Dinge schicken und Rußland nicht mehr feindlich gegenüber treten werden. Mit der Vernichtung der türkischen Herrschast und der Lösung der orientalischen Frage wirb auch die politische Frage von der Tagesordnung verschwinden. Daß l tzttreS auch ein Gewinn für Preußen und das deutsche Reich ist, braucht nicht erst auöeinandergesetzt zu werden.
In der dritten Juni-Woche prägten, wie man uns mit- theilt, die Münzen von Berlin, Hannover und Hamburg aus Privatrechnung Dcppelkronen im Werthe von 6,570,585 M. aus; im Ganzen lieferten die drei Münzen Doppelkronen im Werthe von 6,600,585 M. Die in Hannover, Frankfurt, München, Dresven und Hamburg ausgeprägten Kronen repräsentiren einen Werth von 1533,400 M. Halbe Kronen lieferten Berlin, Hannover, Dresden, CarlS- ruhe und Darmstadt im Werthe von 267,350 M. Im Ganzen sind bis zum 23 Juni d. I. für 1,461,899,320 M. Goldmünzen ausgeprägt, und von dieser Summe sind auf Privatrechnung Goldmünzen im Werthe von rund 187 Millionen Mark'geprägt worden. An Silbermünzen wurden wieder ausschließlich Zweimarkstücke und zwar in Berlin, Frankfurt, Dresden, Stuttgart, CarlSruhe und Darmstadt hergeftcllt; die sechs Münzen prägten Stücke im Werthe vou 427,336 M. aus. Die vorhandenen Silbermünzen belaufen sich in ihrem Werthe auf 404,842,982 M. 80 Pf. Der Bedarf an Nickelmünzen scheint vollständig, der an Kupfermünzen annähernd gedeckt zu sein; Nickel und Kupfer kamen nicht zur Verarbeitung. Das Reich hat Nickelmünzen im Werth von 35,160,344 M. 45 Pf. und Kupfermünzen im Werth von 9,595,930 M.
Neber die Lage der Eisenindustrie bietet eine von dem Vereine deutscher Eise», und Stahl-Industrieller veranlaßte
oder
Die Waise len Soaurnthal.
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wur ißorische Novelle aus dem Kriege im Jahre 1866 von
-un( Rudolf Wellnau.
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(Fortsetzung.)
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rsonal des Guts sich mit den Verwundeten beschäftigten, Me sich Richard und schrieb einen ausführlichen Bericht
. dl« Vorgänge der Nacht, worin «r am Schluffe um h i« eitere Instruktionen bat. Sofort schickte er einen reitenden [24 «ten mit dem Bericht an den Kowrnandirenden der Avani-
rurtz Während seine Leute und zwar im Verein mit dem
1 »chgkwordenen und herbcigekommenen weiblichen Dienst-
6. Kapitel.
Ehe ec jedoch Antwort erhielt, kam ihm eine andere >re zu, die sich mit seinem Schreiben gekreuzt haben sie und die ihn und seine Leute aus dem unleidlichen »rtiere abrief und erlöste.
Sri u stehe. Kell st < u v
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Das Gespenst um Mitternacht.
Dem kommandirenven General der Avantgarde war
^fizter in der österreichischen Armee sei, habe beim Aus- „J des Krieges eintreten müffen, ebenso die Dienerschaft 6 * ft das sämmtliche Arbeiterpersonal des Gutes, außer alten Manne, dem Tastellan de« Schlöffe«. Sie —« Habe sich mit dem weiblichen Domestckm und Mägden
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L-N höchst seltsame Botschaft zugekommen. Ein Mädchen
m01( ® einem nicht wett von dem Dorfe, wo Richard irn ime Kartiere lag, gelegenen Gute, war mit einem Briese ein« 2,. hoffen, worin die Herrschaft, welche nur au« einer Dame chand, den General dringend bat, doch die Menschen- tundlichkeit haben zu wollen, ihr einige Leute zum Schutze 1 ihrer vereinsamten Lage zu überlasten. Ihre Besitzung und entfernt von Dörfern; ihr Gatte, der
ganz all in auf dem großen Gute und habe seit einigen Nächten bestimmten Grund, für ihre Sicherheit in Sorge zu sein. Seit drei Näatten umschleiche eine räthselhast gespenstige Erscheinung das Schloß und zwar regelmäßig um die Stunde der Mitternacht. Diese fei bereits von allen Bewohnern des SchloffcS bemerkt worden und man habe auch vernommen, wie dieselbe schauerliche Worte auS- gestoßen, obwohl man den Sinn derselben nicht faffen könne. ES liege somit die Vermuthung nahe, daß man irgend etwas gegen die Bewohner des Gutes beabsichtige, weßhalb sie, die Besitzerin, um Schutz und Hülfe bitte.
Der General war nun zwar der Meinung, daß jedenfalls nur weibliche Angst der Grund dieser Bitte sei und die ganze Geschichte mit der nächtlichen Erscheinung höchsten« nur in der Einbildung der Dame ihre Existenz habe. Dennoch aber besaß er Gefühl und Menschlichkeit genug, um die Aengstlichkeit eines schwachen Frauenherzens zu würdigen und nahm daher keinen Anstand, ihrer Litte zu willfahren. Es hätte nun zwar die Rücksicht auf den hohen Rang und Stand der jungen Dame erfordert, ihr einen O fizicr an der Spitze eines flcintn Detachements zu schicken. Das ging nun aber nicht wohl an, da der General feinen entbehren konnte. Da fiel ihm Richard Alt ein. Dieser halte sich beieilS gleich dem besten Offizier ausgezeichnet, außerdem war er ein Mann vou Bildung und besaß Anstand und Benehmen genug, um nölhigensallS die Stelle eines Gesellschafters bei einer vornehmen Dame ausfüllen zu können.
Richard Alt war also durch jene Ordre mit feinen Leuten nach dem gräflichen Gute lommanbirt, um dort gleichsam die Stelle einer Schutz rache zu versehen. Dieser Dienst war ihm außerdem auf unbestimmte Zeit übertragen. Um aber doch auch Etwas zu Gunsten der preußisch« Armee mit diesem Arrangement zu verbinden und einen
Nützlichkeitszweck dabei im Auge zu haben, war tu der Ordre gesagt, eS könne der mögliche Fall eintreten, daß daS Gut als preußisches Lazareth in Anspruch genommen würde und fei eS dieferhalb von nicht unbedeutendem Vortheile, wenn e« sitzt so zu sagen schon preuß sche Besatzung erhalte.
Die Gutsherrschaft gehörte dem Grafenstande an und war vom ältestm böhmischen Adel. Richard Alt wurde von der jungen liebenswürdigen und reizenden Gräfin Thekla auf das Beste und Zuvorkommendste empfangen. Ob dieser Empfang in der That wirkliche Leutseligkeit der Gräfin zum Grunde hatte oder nur durch die Furcht gebotene Eingebung war, mochte Richard nicht entscheiden. Er erhielt eine Wohnung, die einen Offizier hätte zufrieden stellen müffen, und zwar in der Nähe bet Wohngemächer der Gräfin. Seine Leute bekamen ebenfalls sehr gutes Quartier.
Nachdem Richard sich ein wenig restaurirt, hatte er Zett, die Umgebung des SchloffeS, sowie dieses selbst einer Musterung zu unterziehen.
DaS Gut hatte eine äußerst angenehme und reizende Lage und grenzte mit seinen großartigen Gärten und Parkanlagen an dem Saum der böhmischen Wälder. Das Schloß selbst war ein uraltes, dem Mittelalter entstammendes und machte mit den vielen Gebäuden des Gutes bttnahe den Eindruck einer kleinen Festung. UebrigenS waren feine Gebäude noch sehr gut erhalten, feine Thüren unb Erker noch im besten Zustande, wie das Ganze überhaupt von einer äußerst festen und massiven baulichen Beschaffenheit war.
Als Richard seine oberflächliche Ueberstcht des Ganzen beendet hatte, begab er sich zur Gutsherrin, um mit ihr Rücksprache und ihre Beseh!« entgegen zu nehmen.
Die junge Gräfin war von großer Schönheit, welche