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I Marburg, Sonntag, t. Juli 1877.
GchHscht ZeitiiW
XII. Jajtgaig
festem Boden unter den Füßen hat, als so manche andere, welche neuester Zeit von andern Regierungen auSgegangm sind. Aus seiner Niederlage bet der BegrLbnißvorlage hat daß Ministerium sich vorläufig durch die Erklärung heraus« gezogen, daß eS da- Gesetz für diese Session zu den Akten legen wolle.
In der Nacht vom 21. zum 22. sind die Ruffen bei Galatz und Hirsowa vermittelst Flößen, Boten und Dampfern über die Donau gegangen und haben dann in den nächstfolgenden Tagen den Vormarsch über eine längst vorbereitete Pontonbrücke bet Bratla fortgesetzt, nachdem der Kaiser kurz vorher selbst in Braila eine Besichtigung der dort stehenden Truppen vorgenommen hatte. Augenblicklich mögen von russischen Truppen etwa 30,000 Mann in der Dobrudscha stehen, die sich der Orte Matschin und Hirsowa nnd darauf auch Jsaktscha'S und Tultscha'S bemächtigt haben. Die Türken legen, wie e- scheint, wenig Werth auf dieses Eindringen der Ruffen in die Dobrudscha und halten ihre Streitkräfte im Donau-Viereck vereinigt, da sie nach wie vor bei Rust- schuk oder noch weiter stromaufwärts den Hauptübergang über die Donau gewärtigen zu müffen glauben. Fürst Milan von Serbien ist von Plvjesti in seine Heimath zurückgekehrt, aber ob Serbien sich demnächst am Kampfe betheiligen oder auch den Ruffen den Durchmarsch gestatten werde, ist noch immer so unklar wie zuvor. Man kann nur behaupten, daß die Wahrscheinlichkeit dieses Eingreifens durch die schwierige Lage Montenegro'S eher näher als ferner gerückt ist. In Asten stehen die Dinge noch so ziemlich beim Alten. Am 16. d. wurde bet Deltbaba und am 23. vor Batum gekämpft; wichtiger aber ist die Thatsache, daß die BelagerungSarbetten vor Kars der eigentlichen Festung immer näher rücken, obwohl noch keiner der mehrfach wiederholten Sturmangriffe zum Ziele geführt hat.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expeditton d.Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl- ♦ daselbst; Jnvalidendanl in
Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C- Schlotte in
Bremen.
Tagesbericht.
Mit welcher Geschicklichkeit man in den Kreisen deS ProtestantenvereinS und Genoffen ThatsächlicheS zu ent« stellen vermag, dafür liefert ein in der „Protestantischen Kirchenzeitung- abgedruckter Artikel „Zum Protest gegen Prediger Sie. Hoßbach*, einen neuen Beweis, dem wir folgende Stelle entnehmen: „Bon ganz sichern Gewährsmännern wiffen wir, daß die Ruhestörer des Gottesdienstes am 13. Mai gleich nach dem Schluß der Gastpredigt des Prediger Hoßbach laut und vernehmlich ihren Entschluß ausgesprochen, am Nachmltttag eine Deputation zum Hofprediger Kögel zu schicken, damit dieser den Kaiser um Schutz der Gemeinde gegen Prediger Hoßbach anflehe. Nach wenigen Tagen rühmten flch jene Ruhestörer des allerhöchsten Schutzes sicher zu sein, in Folge d-ffen denn
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Entschluß, dem schönen, ernsten jungen Manne, de« Anführer der feindlichen Soldaten, das Geheimniß zu offenbaren. ES that ihr in der Seele weh und der Gedanke war ihr zu schmerzlich, daß eben auch der junge Mann eines schändlichen meuchelmörderischen Todes sterben sollte. Zu ihm hatte ste volle» Vertrauen, ihm wollte sie Alles entdecken.
Richard hatte eine Stube für sich allein inne, welche sich «m zweiten Stock des großen geräumigen Herrenhauses befand. Leicht und leise schlich die Magd sich hinauf, klopfte eben so leise an die Thür und diese ward geöffnet. Richard stutzte, als er die Magd erblickte; diese aber winkte ihm schnell Stillschweigen zu und Richard ließ fie ein. Geräuschlos schloß er die Thür hinter sich uud fragte nun, was der Zweck ihres Kommens zu so ungewöhnlicher Zeit sei. Er war nicht wenig erstaunt, als er dm Mordanschlag des GutSherm vernahm uud dankte der Magd in seinem und seiner Leute Namen auf das herzlichste, indem er hin- zusügte, wenn er sonst etwas für ste thun könnte, so möge eS ste ihm frei uud aufrichtig sagm, wenn es irgend au- Stage, solle er gewiß geschehen. Die Magd hatte kein Verlangen weiter, al» daß fie bat, ste nicht zu verrathen, da e» sonst um ihr eigene» Leben geschehm sei. Die» versprach Richard und fügte hinzu, wie auch keiner von seinen Leuten erfahrm sollte, auf welche Weise er zur Keuntniß de» Vorhaben» der Bauer« gelangt sei. Richard wollte dem braven Mädchen ein Goldstück ekhändtgm, aber auch dir» schlug ste au». Was ste gethan sagte ste, habe ste aus gutem Herzm gethau und verlange keinm Lohn dafür.
Geräuschlos wie ste gekommen «ar, ging ste wieder und gelangte glücklich und unbemerkt in ihre Schlafkammer. Zur Ruhe begebm konnte ste stch nicht. Zwar war es ihr wohl und leicht um» Herz, aber ste war doch gespannt und
Die Waise Mm Souamthal.
Kisch- lovelle aus dem Kriege im Jahre 1866 von Rudolf Wellnau.
(Fortsetzung.)
Mit inner« stillem Grimme und verbiffener Wuth sah t österreichische Gutsherr die tödllich verhaßten Preußen einem Etgmthume schalten und walten nach Herzenslust d sann vergeblich auf ein Mittel, dieser Frechheit und Verschämtheit Einhalt zu thun oder sich wenigstens auf ttante Weise au ihnen für ihre Ungebühr zu rächen und en einen derben Denkzettel mit auf den Weg zu geben, blich hatte er einen Plan zur Reife gebracht, teffen Führung, wenn ste gelang, die Wünsche seines zorner- ten Herzen» befriedigen sollte.
(Er ging zu dm Bauern im Dorfe, deren größter jtU ihm blindlings ergeben war und von dmen er it«, wie Allen die Preußen waren, und stachelte ! noch besonders gegen fie aus. Wie ste ihm be> I anrgespielt halten, war bekannt im Dorfe und sagte er, werde e» jedem unter ihnen ergehen, so»
> die Preußen noch näher heraurücklm. Deßhalb sei das Geralhenste, stch gleich von vorn herein bei ihnen mg in Respekt zu setzen und damit gleich bei dm auf vu Gute in Quartier liegenden anzufaugeu. Es sei
-Kleine» für ste, diese Hand voll Feinde aufzurciben, schälen stch und dem Baterlande da» größte Verbimst Wt. Da» leuchtete dm fanatischen Bauern um so mehr R al» fie eben selbst zum großen Theile nur Wuth und W gegen die Preußen, die Ketzer, mit beten Todschlag W ja schon Gott und der heiligen Kirche ein wohlge- HM Opfer bringe, wie ihnen ihre Pfarrer in christli- F Liebe eingeredet hatten, in ihren Herzm trugen und I aus die Gelegenheit lauert«, ihrer feiudlichea Leiden-
Erscheint täglich außer den Werktage» »ach So»»- und Feiertage». Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilaae llettitfrt b«°«<» SS »art tat H. MU, te, »i*« s ***
Sür in der «rpcb.tro» zu erthelleude Auskunft u»d Annahme von Adressen werde» 85 H,. berechnet “ ” öetU "
Einführung einer umfassenderen Reichsstempelsteuer und eventuellen Aufstellung der betreffenden Gesetzentwürfe ange nommen. König Ludwig von Baiern hat durch seinen Minislerprästdenten v. Psr.tzschner den Fürsten BiSmarck in Ktsstngen begrüßen lasten. AlS Nachfolger de» Grafen PerglaS ist Herr v. Rudhardt, der Vertreter Baiern», in Berlin bereits vertraulich bezeichnet und angenehm befunden worden.
In Wim und Pest verlautete am vorigen Mittwoch plötzlich, im Mtnisterrathe fei die Mobilmachung zweier Armeekorps beschloffm; der Zweck wurde überwiegend auf eine Occupation Bosniens gedeutet, vielleicht gar zum Schutze Montenegro'S, mindestens nicht zur Unterstützung der Türket, sondern höchstens behufs einer Pfandnahme für dm Frieden im Sinne der Militärpartei. Der Eindruck war ein ungünstiger, sowohl in Wim wie besonders in Pest. Die Minister-Erklärungen im Abgeordnetenhause widersprechen dem jedoch vollständig.
Die französische Deputirtenkammer ist am 25. b. auf Befehl de« Präsidenten der Republik aufgelöst worden, nachdem der Senat am 22. d. mit 150 gegen 130 Stirn- men stch für diese gewaltsame Maßregel entschiedm hat. Nach der Berfastung müffen die Neuwahlen binnen drei Monaten borgenommen werden. Bis zum Zusammenkitt der neuen Deputirtmkammer hat der Senat seine Sitzungen vertagt. Seine Minderheit, welche gegen die Auflösung der Kammer gestimmt hat, fordert durch ein Manifest das Land ans, die 363 Deputirten, welche stch gegen dm 16. Mai und das jetzige Ministerium erkiätt haben, einfach wieder zu wählen.
Das englische Auswärtige Amt hat den Schriftwechsel, in welchem Derby und Gortschakoff stch über die in der orientalischen Frage verwickeltm Interessen ihrer Länder ausgesprochen habm, der Oeffentlichkeit übergeben. Der erste Theil von Gortschakoff'S Depesche, welcher sich auf den Suezkanal und Aegyptm bezieht, wird von der englischen Preffe für befriedigend gehalten, wogegen der zweite Theil, Konstantinopel und die Dardanellen betreffend, zweideutig oder höchst bedenklich erscheint. Auf benjelben Tag wie diese Veröffentlichung fiel ein Cabin-tSrath, in welchem Lord Beaconsfield der Königin einen Vortrag über die neueste Gestaltung der orientalischen Wirren hielt. Als ein Ergeb- niß bet Berathung wurde mit großer Sicherheit von ben Zeitungen mitgetheilt, daß die Regierung beschloffm habe, von dem Parlamente einen außerordentlichen Credit von zwei Millionen Pfund zu erbitten, welcher zur Bestreitung mililärischer Vorbereitungen bei etwa während der Parla- mentSferien eintretendem Nothfalle dimm sollte. Zwar erklärt der Standard diese Angabe hinterher für unbegründet, doch wird die Zukunft ausweism müffm, ob dieses Dementi schäft die Zügel schießen laffm. Sie versprachen daher Alle, stch pünktlich einzustellen, um das Werk in Ausführung zu bringen.
Richard Alt und seine Leute hatten keine Ahnung von dem schwarzen verderblichen Anschläge, den der österreichische Gutsherr gegen fie im Schilde sühne. Auf nächste Nacht war die Ausführung des Unternehmens festgesetzt.
Am Abend, der dieser Nacht vocanging, hatte der Gutsherr auch seinen Leuten auf dem Gute da« Vorhaben mit- getheilt und denselben befohlen, stch angekleidet zur Ruhe zu legen, um im entscheidenden Augenblick ebenfalls thältg sein zu können. Einer der Knechte unterhielt aber mit einer Magd ein Ltebesverhältniß, und da die weiblichen Dienstboten von der Theilnahme sin dem beabsichtigten Unternehmen ausgeschloffm warm und deshalb auch keine Kunde davon bekommen hatten, so theilte der Knecht seiner Liebsten den Plan mit, natürlich unter dem Siegel strengster Verschwiegenheit. Die Magd ober fühlte seit dem Augenblicke, da ste das Gehrimniß wußte, eine merkwürdige Unruhe, und die tödtlichste Angst überkam ste. Sie hatte ein bessere» Herz und Gewiffen ul» alle Uebrigen und verabscheute dm schändlichen Anschlag. Dennoch wußte fie nicht recht, was sie beginnen sollte, um die Thal zu verhindern und gleichwohl sagte ihr laut die Stimme ihres Gewissens, daß ste nicht geschehen dürfe.und fie stch der Theilnahme daran schuldig mache, wenn fie ste vollfilhren laffe. Auf der andern Seite wußte ste aber recht gut, daß ste verloren sei, daß ste Ihr eigenes Lebm daran wage, da der Guts» Herr sowohl wie die sanatistrten Bauern ste keinen Augenblick schonen würden, wenn es bekannt werde, daß fie durch Berralh die That verhindert habe.
So verrann Minute aus Minute in nutzlosem Brüten und Sinnen und die verhängnißvolle Stunde der That kam näher und näher. Endlich aber faßte fie doch dm
fettigen nimmt entgegen: ItgXpebition d.Blatte«, Mt d.Annoncen-Bureaux ee Th. Dietrich & Co. in yfel und Hannover; Th. strich in Frankfurt a.M.; aasenstein & Vogler in tantfurt a. M., Berlin, gpjig, Cöln rc.; Rudolf trift in Berlin, Frankfurt a. M. rc.
Politische Wßchm - Uebersicht.
Unser Kaiser erfreut stch in EmS guten Befinden« und Pflug dort wiederholt den Besuch der Kaiserin, und am iontag (25. d. M.) den Besuch deS neuen Großherzogs NwlgS IV. von Hessen. Am Sonntag (24. Juni) wurde i Anwesenheit deS Kronprinzen die Einweihung der gemäß »er am Tage der Kaiserproklamation in Versailles ergan- »m kaiserlichen Anordnung hergefielltm Cisterzimserkirche i Lehnln, welche durch die bekannte lehninische Weiffagung it der Herstellung des KaiserthumS in Bezug gebracht ist, irrlich vollzogen. In diesen Tagen besuchte der Reichs» nzleramtS-Prästdent Hofmann den Fürsten BiSmarck, um fyn Zustimmung zu den Instruktionen für die Unter- nbler zur Erneuerung des Zoll- und Handelsvertrages »tfchen Deutschland und Oesterreich-Ungarn einzuholen. • Oesterreich stemmt sich der Einfluß der Schutzzöllner n die Erneuerung deS Conventional-TarifS und besonders Freiheit deS VeredlungSverkehrS, und auch die deutschen yutzzöllner, die am 16. d. M. in Frankfurt am Main Men, verlangten, daß die Erneuerung des Vertrags bis -ch Abhaltung einer Jahre erfordernden handelspolitischen Lauste verschoben werde, haben aber nicht einen eben so It 'N Einfluß auf die Reichsregierung in Berlin, wie ihre it ceichischen Genoffen auf die Regierung in Wien. Der »sche BundeSrath hat am Montag (25. Juni) die letzte marsttzung vor Herbst gehalten und darin dem Anträge 1« Ausschüsse entsprechend den preußischen Antrag ans ebersetzung einer Commlffion zur Prüfung der Frage nach
Bberhessische Zeitung
uyd deren Gratisbeilage
MustrirteS Sonntagsblatt
er dem 28. Juni gefälligst machen zu wollen.
Die Exp. d. Oberh. Zeit.
Anfang Juli beginnt im Feuilleton der zderhesfische» Zeitung:
M* sieben Jahren.
agrbnch eines Dreiundachtzigers ans dem deutsch- frauzöstschen Kriege 1870/71.
Um vollständige Exemplare zu erhalten, er- chen wir die Bestellungen für das dritte Quartal