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Ir. LS«

Marburg, Sonnabend, 30. Juni 1877

xii. Jahrgang.

geigen nimmt entgegen: Expedition d.BlatteS, eie d.Annoncen-Bureaux i Th. Dietrich & Co. in ffel und Hannover; Th. ktrich in Frankfurt a.M.; »fenftein & Vogler in jntfurt a- M., Berlin, fcjig, Cöln Rudolf fff« n Berlin, Frank­furt a. M. re.

WtthkM jritmig.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.vkatteS, sowie d.Annoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; SB. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.

Erscheint tiglich außer den SBedtagen nach 6mm* und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen BeilageJluftrtrtr« tetmtegillatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen Watt, durch die Postämter deS Deutschen Reiches i Wert 50 Vfg. (exl. Bestellgebühr). JnfertionSaebühr für die gespaltene Znle lt Pfg. Für in der Expedition zu ertherlende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Wfß. berechnet.

DieN. Pr. Z." enthält auf eine frühere Verdächti­gung derPost", daß die kürzlich von derN. Pr. Ztg." ausgesprochene Zuversicht, daß die französischen Verhält* nisie schwere und unmittelbare Besorgnisie für uns nicht rechtfertigen, wohl von französischer Seite, etwa von Hrn. v. Gontaut-Biron herstamme, folgende Zurechtweisung. Sie sagt:Diese Vermulhung ist uns sehr ergötzlich gewesen. Wir können derPost" versichern, daß sie sich in Bezug auf unsere Quellen in großem Jrrthum befindet. Wir stehen in keinen Beziehungen zur französischen Botschaft oder zu Franzosen überhaupt. Wir haben nichts gemein mit ausländischen Parteibestrebungen und treiben nur deutsche Politik. Nüchterne und vorurtheilsfreie Beobachtung der in Frankreich sich entwickelnden Zustände führt uns zu der Ueberzeuguug, daß zwar Aufmerksamkeit und Vorsicht er­forderlich, aber zunächst eine Gefahr für Deuschlaud nicht zu besorgen ist. Wir wiederholen, daß wir es für unsere Verhältnisse nicht zweckmäßig halten, vorzeitig und alar- mirend solche Gebühren auSzumalen. Treten sie wirklich eia und wer kann wifien, was die Zukunft bringt? so wird das deutsche Volk gerüstet sein und in altbewährter Treue der Führung seines Kaisers folgen. Für jetzt liegt aber nach unserer Meinung kein hinreichender Grund zu Kriegsbesorgnifien vor. Diese Anschauung wird von vielen gethetlt, die gleich unS auch nur aus deutschen Quellen schöpfen."

Wie überall in Deutschland und Europa die konser­vativen Elemente im Erstarken begriffen sind, während alle Anzeichen aus einen Niedergang deS Liberalismus Hinweisen, so ist auch im Königreich Sachsen der Einfluß der national» liberalen Partei derart gesunken, daß sie kaum noch als ein Faktor im öffentlichen Leben zu betrachten ist, mit dem man zu rechnen hätte. Die Abneigung gegen die sächsischen Nationalliberalen ist so stark bei den Conservativrn und den Mitgliedern der Fortschrittspartei, daß diese, da wo die Frage eineS vorübergehenden PacteS mit den Social­demokraten oder Nationalliberalen auftaucht, sie lieber mit den ersteren als letzteren gehen, wie sich dies schon früher bei der Reichstagswahl in Leipzig gezeigt hat. Auch in der nächsten Zeit, wo ein Theil der sächsischen Kammer durch Wahlen erneuert werden soll, werden die Conservativeu und die Fortschrittspartei nirgends ein^dniß mit den Na­tionalliberalen eingehen, und es ist im hohen Grade wahr­scheinlich, daß wie in Württemberg, so auch in Sachsen bald die natioaalliberale Partei ganz tu den Hintergrund gedrängt wird. WaS Sachsen speziell anbetnfft, so hat diese Erscheinung nicht zum kleinsten Theile ihren Grund darin, daß die sächsischen Nationalliberalen ziemlich allge­mein für das Bnschwellen der Socialvemokraten verantwort»

Elbarmee ermöglicht, die sich bereits am Kampf« bei Mün- chengrätz belheiligt, nachdem sie schon zuvor am 27. Zunt bei Hühnerwasser ein siegreiches kleines Gefecht bestanden hatte. Am heftigsten wogte der Kampf um und in Git- fchin, wo die Oesterreicher gegen 7000 Gefangene verloren, und wodurch die Verbindung mit der Armee des Kron­prinzen hergestellt wurde. Im Ganzen verloren die Oester reicher an diesen drei Tagen gegen 14,000 Mann. Die Preußen dagegen hatten einen Gesammtverlust von noch nicht 3000 Mann.

So waren die Oesterreicher auf allen Punkten zurück- geschlagen worden und eS wurde allgemein eine Entschei­dungsschlacht erwartet. Darauf drängte denn nunmehr auch Bll:S hin und diese Entscheidungsschlacht sollte nicht lange ausbleiben.

Auf die Kunde von den siegreichen Ereignissen war König Wilhelm von Preußen selbst nach dem Kriegsschau­plätze aufgebrochen und schlug am 2. Zult sein Haupiquartier tu Gitschiu auf. Bis dahin hatten die Oesterreicher Alles mit Allem bereits 25,000 Mann, 24 Geschütze, 5 Fahnen und 2 Standarten verloren.

Benedek mußte nun, da «S ihm nicht gelungen war, die drei preußischen Heersäulen einzeln zu schlagen, sowie sie auS den Bergpäffen hervorkamen, eine Entscheidungs­schlacht wagen und mit seiner Gesammtmacht die preußi­schen Linien zu durchbrech« sund deren Bereinigung zu verhindern suchen.

NachtS vom 2. zum 3. Juli erhielt der König die Meldung, daß Benedek seine Truppen bei dem Dorfe Sa­dowa concentrin habe und angreisen wolle. Sofort beschloß er diesem zuvor zu kommen und befahl feinen sämmtlichen Truppen dahin aufzubrechen.

Nqchdem «ir nunmehr mit dm Kriegs-Ereigniffm «nserrr

lich gemacht werdm. Soll dir socialistische Agitation an Boden verlierm, so werden die conservativen Anschauungen in Bezug auf die gewerblichen Fragm, namentlich die Lehr­lingsfrage, im praktischen Leben zur Geltung gelangen müssen. Ein sehr großer Theil der sächsischen Bevölkerung neigt sich dieser Ansicht zu, und ist ebenfalls von der Ueberzeugung durchdrungen, daß die nationalltberale Gesetzgebung größten- theils zu den wirthschastlichen Mißständen Veraalaffung gegeben hat.

Zn der politischen Welt steht noch immer die Frage wegen der Haltung der österreichischen Regierung für die nächste Zukunft im Vordergründe der Discusston. Obschon die amtliche Erklärung vorliegt, daß zur Stunde noch nichts über eine Occupation Bosniens beschloffen sei, so ist eS doch Thatsache, daß Feldmarschall Molinaty zum Gouver­neur von Bosnien destgnirt und demselben in der Person eines Führers der ungarischen Altconservattven ein AdlatuS beigegeben ist. Bosnien und die Herzegowina sollen einst­weilen von dem gemeinsamen österreichisch-uugarischm Kriegs­ministerium als Reichsländer verwaltet werden, so daß also eine Veränderung der bisherigen Berfaffung für die österreichisch-ungarische Monarchie zunächst nicht Platz greisen wird. Nichts desto weniger ist aber eine solche längst ge­plant und ist der österreichisch-ungarische Ausgleich gerade deßhalb noch nicht erneuert worden, weil durch die Occu- patton der neuen türkischen GebietSchrile das Kräfteverhält- niß der beiden Reichshälften stch ganz anders gestalten wird und das Wiener Eabinet die neu geschaffene Lage der Dinge zum Ausgangspunkt für die Beseitigung des Dualismus zu machen entschlossen ist. Dem ungarischen Landtage, der später nur noch von den magyarischen Comttaten beschickt werden wird, soll nicht mehr Recht beigelegt werden, als dem böhmischen, flavonijch croatischen, galiztschen Landtage u. f. w. Nicht nur die Delegationm, sondern auch der ungarische Reichstag werdm ganz wegfallen und an Stelle derselben ein gemeinsamer österreichischer ReichSrath geschaffen werden, der auS den Landtagen in Ungarn wie in Oester­reich zusammmgesetzt wird.

Neueste KrtegSnachrichten:

Konstantinopel, 27. Juni. Ein Bericht Suleiman Pascha'S meldet: Die Türken verloren in den montenegri­nischen Kämpfen vom 17. biS 24. Juni 1500 Todte und Verwundete. Der Verlust der Montenegriner ist doppelt so groß. Die Türken unter Mehemed Ali schlugen die Montenegriner beiMoratscha und beschoffen letzteres. Ein Versuch der Ruffen, von einer Tuturkat gegenüberliegenden Insel auS auf 20 Barkm daö türkische Ufer zu erreichm, wurde zurückgewiesen. Man versichert, die Ruffm feien

Erzählung ein gut Stück vorauSgeeilt sind, holen wir die Begebenheiten derselben in ausführlicher Weise nach.

Richard hatte alle kleineren Gefechte, die bis jetzt die Armee des Prinzen Friedrich Karl zu bestehen gehabt, mit* gekämpft. In den größeren und blutigeren Kämpfen bei Turnau, Müncheugrätz und Gilschin hatte er sogar durch die größte Bravour stch rühmlichst ausgezeichnet und sich durch ganz besondere Umsicht und Tapferkeit würdig hervor- gethan. Nach dem Kampfe bei Müncheugrätz befand stch die Armee des Prinzen Friedrich Karl nur noch einige Tage* märsche von Prag. Die Avantgarde der Armee streifte aber bereits in die nächste Umgegend der Hauptstadt Böhmens. Richard Alt war aber bei der Avantgarde.

In einem größeren Dorfe ohnweit Prag bezogen sie Quartier. Richard erhielt Befehl, mit einem kleinen De­tachement sich auf dem Gute einzuquartieren.

Der Gutsherr weigerte sich beharrlich, Richard und feine Leute aufzunehmen. Richard Alt, nachdem freundliche Vorstellungen und gülliche Verhandlungen nichts frucht« wollten, drohte mit Gewalt. Der Gutsherr entgegnete, daß er der Gewalt auch Gewalt entgegensetzen werde. Unter diesen Umständm sah Richard stch genöchigt, seinen Worten durch die That Nachdruck zu geben, ließ das Thor ein» schlagen und stürmte aus den GutShof. Kaum aber war er mit seinen Leut« hier angelangt, als aus allen Thüren der viel« Gebäude des Guts österreichische Husaren her» vorbrachm und sofort auf die Preuße« eindrang«. Eia kurzer Kampf entspann sich auf dem geräumigen GutShofe, der mit der Gefangennahme der ganzen ziemlich starken Husarenpatrouille «bete,

Richard suchte nun zu erfahr«, ob in der Nähe irgendwo noch feindliches Militär stch verborg« hielte, da man ähnliche Verrätherei vermuthete wie in Trautman, wovon die Knude bereit» bei der ganz« prmßischm Armee

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für ir dem 28. Juni gefälligst machen zu wollen.

Die Exp. d. Oberh. Zeit.

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Die Waise von Sounmthal.

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,c'<,1 iftorifdie Novelle auS dem Kriege im Jahre 1866 von tyabtt iw Rudolf Wellnau.

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(Fortsetzung.)

5. Kapitel.

I« Feindes Land.

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ab brennende Gegenstände auf die stürmenden Preuß-n, daß diese sich genöchigt sahen, zurückzugehen. Am nächsten age nahm jedoch das GardecorpS den Kampf wieder auf ib errang in kurzer Zeit einen so überrauS glänzenden lieg, daß von dem feindlichen Corps unter Gablenz fünf* ufend Gefangene, drei Fahnen und zehn Geschütze in die ände der Prmßen fielen, sowie gegen fünftausend Todte

Tagesbericht.

Fürst BiSmark wird voranSstchtlich am Sonnabend äh in Berlin aus Kiffingen zurück erwartet. Die Rach- ht, daß der Reichskanzler seinen Weg von Ktsfingeu ich Berlin über EmS nehmen werde, wird in hiesigen U unterrichteten Kreise« widersprochen, und auch die An- chme, daß gleichzeitig mit dem Fürsten die Botschafter in England und Frankreich in EmS fein würden, um I der in Aussicht genommenen Conserenz des Kaisers ' K dem Fürsten erforderlichen Falls sofort bei der Hand fein, findet in diesen Kreisen keinm Glauben. Die eise des Marquis de Gontaut-Biron nach EmS hält IN hier für eine rein im Interesse Frankreichs liegende, ,1 b man meint, der MarquiS werde sehr balv EmS wieder

i->d verwundete Oesterreicher neben etwa tausend Preußen is Schlachtfeld bedeckten. DaS CorpS Gablenz war als "ante 'llständig aufgelöst und vernichtet zu betrachten.

Am 29. Juni traf der alte Löwe Steinmetz mit feinem nften Armeecorps schon wieder bei Jarornirz auf ein , Kl,Südliches CorpS unter FesteticS und trieb dieses in wilder 1692 lucht bis unter die Kanonen von Joftphstadt vor stch her.

Inzwischen hatte die Avantgarde des Prinzen Friedrich ati fast jeden Tag kleinere Gefechte und Scharmützel zu stehen, bis fie am 26. Juni bei Tumau, am 28. bei 13' 9. iünchengrätz und am 29 bei Gitschin in größere und 84-N-wstere Kampfe gerieth. Alle drei Gefechte waren sehr «hast und äußerst blutig, in allen aber besiegten die braven mrußea nach heftiger unb tapferer Gegenwehr ben Feind. --«mH das erste Gefecht wurde die Verbindung mit der

DaS erste CorpS der kronprtnzttchen Armee, daS über ebau warschirte, stieß ebenfalls am 27. Juni bei Trautman M. jtf ben Feind, den eS auch bis hinter die Stadt zurück­längte, doch zog dieser immer mehr Verstärkungen hervor w die Einwohner von Trautenau goffen kochendes Wasser

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-!4 V »aus-

Anfang Juli beginnt im Feuilleton der OerheWche« Zeitung:

Nt sieben Jahren, zaebnch eines Dreinndachtzigers ans dem dentsch- r französischen Kriege 1870,71.

Um NoAftändige Exemplare zu erhalten, er- chen wir die Bestellungen für das dritte Quartal ff die

Bberhessische Zeitung

und deren Gratisbeilage

Mustrirtes Sonntagsblatt

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ig in klaffen unb nach Berlin zurückkehren, um während der Sohn; rzen Anwesenheit des Reichskanzlers vor seiner Abreise iti«r, Barzin hier anwesend zu sein. Auch Lord Odo llffel, so meint man, werde seine Reise aus London bi* ch nach Berlin richten unb hier während des Aufenthaltes »Heu * Fürsten Bismarck anwesend fein, der wie ja auch ri35i m anderer Seite gemelbct wird diese Gelegenheit zu 1 lligen politischen Besprechungen mit ben hier accreditirten iotschaftern benutzen werbe. Die Dauer beS Aufenthaltes eichen bet Fürst in der bevorstehenden Woche in Berlin nehmen sid, dürfte eben von dem Verlauf dieser Conferenzen ab- flog«, dürfte sich jedoch, wie uns versichert wird, nicht in ben Freitag bet nächsten Woche hinaus ausdehnen.