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3Har6urg, Donnerstag, 28. Juni 1877.
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„WaS suchen Sie hier?"
Und sich an Elsbeth wendend, die mit sichtlichem Zagen 1 Bangen dem Vorgänge folgte, fragte er diese: „Mein Fräulein, bedürfen Se meines Schutzes, so eich, über mich befehlen zu wolle«; ich bin gern erbötig teu zu Diensten zu fein!"
__s.Jch nehme gern und freudig dankbar Ihr ehrenhaftes WdlicheS Erbieten a«, mein Herr," stammelte Elsbeth, • roth, bald blaß «erdend, „und bitte Sie, mich «ach
Mir wollen uns nicht streiten, mein Herr," entgegnete »ehr kalt und verächtlich Richard, wie Mutter Badet
enüber den wiederholten Versicherungen Rußlands herrscht, itt, selbe wolle keine Gebietserweiterungen machen. Aber selbst
Sonnmlh '.l in die Wohnung der Muiter Labet zurück-ühren zu wollen!"
„Sie Haden gehört, Herr Lieutenant; ich empfehle mich Ihnen!" sagte Richard zu dem Baron den die Wuth sprachlos gemacht zu haben schien, bot Elsbeth seinen Arm und wollte gehen.
Da aber vertrat ihm der Lieutenant den Weg und tief:
„Mit welchem Rechte, Herr, werfen Sie sich zum Schutze dieser Dame aus?"
„Machen Sie keine unnützen Redensarten mehr und ziehen Sie wenigstens künftig bei dererlei Abenteuern die Lieutenants-Uniform nicht an, Sie beschimpfen diese und entehren die Epauletteo!" entgegnete Richard mit beißendem Spalte über die Uniform, die der Baron, wahrscheinlich des CffeetS wegen, den die Lieutenants-Uniformen sonst bei Damen üben, wirklich trug.
Das war aber zu viel für das hitzige hochadlige Blut des BaronS, und vielleicht auch froh darüber, einen Gegenstand zu haben, an dem er feine ganze Wuth auslaflen konnte, riß er feinen Degen heraus und stürzte gleich einem Rasenden auf Richard ein, dem er die Spitze auf die Brust setzte. Im selben Augenblick aber hatte dieser des Lieute nantö Arm ergriffen und ihm den Degen entwunden, den er wie eine Radel zerbrach und die Stücke dem Lieutenant vor die Füße warf. Ruhig bot er hierauf Elsbeth vo r Neuem den Arm, um sie zurück nach Sonnenthal zu führen, während Lieutenant Oskar, wüthend vor Scham und Aerger, keines Wortes mächtig, zähneknirschend und fast ohnmächtig die Faust ballend, nach dem Gute zurückkehlte.
Muiter Bab>t war nicht wenig, erstaunt und erschrocken zugleich, als sie Elsbeth zu ückkehrm sah. Und obenein in Begleitung Richards, des Sohnes des Altbauern. Was mußte bü» zu bedeuten haben? Wa« konnte vorgefallen fein? , Sie sollte es bald erfahren und noch mehr erstaunen, daß
Ihlich fo erschreckt haben, daß sie jenen Hülferuf ausstieß!" „Und wenn dem so wäre, was geht das Sie an?"
dem russischen Armee-Kommando wohl Niemand sonst Kenutniß haben kann, ist aus dem Inneren Ruß'ands im Anzuge. Sollten es die Umstände erheischen, daß dieses Korps an die untere Donaustrecke dirigirt werde, so würde die russt'che Truppenstärke da'e'bst ans circa 100,000 Manu steigen, eine Macht, welcher die Türken in dieser Gegend schwerlich eine ebenbürtige entgegenstcllen könne», Die Türken haben in bet Dobrudscha nur circa 15,000 Mann, von benen ein großer Theii in bcn festen Plätzen unb Positionen an btr Donau verthcilt war unb ter 3t ft in bet Gegenb von Babadag in Reserve staub. Ihre Hauptkraft befindet sich in den Festungen Rusischuk, Si- listria, Schumla, Varna unb dem durch diese Festungen begrenzten Raume (dem sogenannten Festung- Vierecke.) Von den hier concentrirkn Truppen wird aber kaum etwas gegen die Dobrudscha in Verwendung kommen können, da mittlerweile die russische Hanp kraft an anberen Punkten den Donauübergang bewerkstelligt unb bas Gros der türkischen Armee auf sich gezogen haben dürfte, — falls es bie Türken überhaupt angezeigt finden, dem Feinde in offener Feldschlacht entgegenzutrcten.
Neueste KriegSnachrichtcn:
London, 26 Juni. „ReuterS's Bureau" meldet ans Erzerum vom 25. b.: Am 21. und 22. b. fwiben ernste Gefechte bei ben Engpässen von Delibaba statt. Die Ruffen mußten fich auf Scidckan zurückzichn. Der Kampf dauerte 33 Stunden. Der Verlust auf beiden Seiten war beträchtlich
Konstantinopel, 25 Juni. Die Russen bombar= biten Rusischuk. Zahlreiche Geschosse fallen in die Stadt. Die Tmkei erwidern das Feuer. — In Folge des Erfolges, welchen Mukhtar Pafla am Donnerstag errang, zogen sich die Ruffen gegen Molla Suleiman zurück. In Bajazid werden die türklfchen Behörden wieder eingesetzt. — Eine Depesche des Csmmandaaten von Saturn meldet: Am 23. Juni griffen mehrere russische Solennen die türkischen Positionen an, wurden jedoch zurückgeworfen. Die Ruffeu erneuerten ihren Angriff am 24. d., wurden jedoch abermals zurückgeworfen und gezwungen, die erste Opera, tionslinie aufzugeben. Die Raffen verloren an beiden Tagen 2100 Todte.
Wien, 26. Juni. Meldung des „Tagblatts": Bukarest, 25. Juni Der Fürst von Rumänien traf während des heftigsten Bombardements, welches die Türken von 7 bis 10 Uhr Abends unterhielten, in Giurgewo ein. Der Fürst besuchte das Hospital für verwundete Einwohner und gerieth mehrmals in Lebensgefahr.
Das „Bürean Hirsch" bringt folgende Depesche: Ragusa, 26. Juni. Nah zuverlässigen Berichten ward Suleiman Pascha am vergangenen Sonntag im Ceta-
Lage-bericht.
Der Besuch, welchen der bayerische Ministerpräsident m Pfretzschner dem Fürsten Bismarck gegenwärtig in ssingen abstattet, hat eine nicht zu unterschätzende politische Deutung. Der bayerische Minister wird mit dem Reichs- nzlet eine Besprechung über die jüngsten Ereignisse in «nkreich haben, unb wie wir vernehmen, soll Bayern nicht geneigt fein, einer längst geplanten Verstärkung der elsaß- htingischen Garnison durch Truppen der deutschen Mittel- aten zuzustimmen. Sachsen und Württemberg werden
für ben Fall, daß Rußland weder an eine dauernde Occu pition Bulgariens, noch an eine vorübergehende Besetzung Konstantinopels denkt, werben doch eine Menge Fragen aus dem Gebiete ber hohen Politik entstehen, welche nicht einseitig, fonbern nur auf internationalen Wegen geregelt werden können. Dahin gehört vor Allem aber die bulgarische Frage, die Frage von ber Freiheit bet Meerengen, also bie freie Durchfahrt des Bosporus unb ber Dardanellen. Rußland verlangt natürlich bie letztere, um mit feinen Kriegsschiffen jeder Z-it bie Position nehmen zu können, bie seinen Interessen am meisten entspricht, während England die bisherigen vertragsmäßigen Bestimmungen aufrecht erhalten wiffen will. Was sodann Bulgarien anbetrifft, so hat bekanntlich Kaiser Alexander sich persönlich dafür v-rbürgt, daß Rußland diese Provinz nicht zu erwerben trachte. Die Frage ist aber nicht minder wichtig, ob Bulgarien zu einem selbstständigen Fürstenthurn erhoben und von der Türkei abgetrennt werden soll. Im letzteren Falle wäre über das Schicksal bet europäischen Türkei entschieden, beim ein durch türkisch Altserbien v.rgrößerteS Serbien, ein selbstständiges Rumänien mit ber Dobrudscha vereinigt, ein durch Epirus, Thessalien, Albanien vergrößertes Griechenland laffen von der Türkei so wenig übrig, daß die Herrschaft des Sultans in Konstantinopel nur noch der DtScretion jener selbst- ständigen Staaten überlasten bliebe.
Die englische Regierung, welche von dem Zusammenstürze des osmanischen Reiches immer mehr sich zu überzeugen scheint unb wohl fühlt, daß selbst eine Besetzung Konstantinopels burch englische Truppen an bem Laufe beS Krieges nichts zu ändern vermag, ist baher auch eifrig bemüht, fchon j tzt eine Verständigung über die Frage, was aus Konstantinopel unb Umgebung werden soll, mit ben europäischen Mächten herbeizusühreo, natürlich in bem Sinne, baß Konstantinopel unter den Schutz ber europäischen Mächte gestellt unb zu einer freien Stadt erklärt wird. Daß die Mächte sich in diesem Sinne ’einigen, scheint sehr wahrscheinlich zu jein.
Aus kompetentester Quelle erhält die P. C zur „Mi litärischen Lage in ber Dobrudscha" die nachfolgenden Mitiheilungen: Durch bie Ueberschreitung der Donau zwischen Braila unb Galatz unb in ber Gegend von Hit- sova, sind die Rusten mit eimm Schlage Herren ber Dobrubscha geworben. Sie standen am 21. b. M. mit einer Armee-Division bei Ismail Kilia, mit einem kom pleten Armeekorps bei Galatz und Bratta, endlich mit einer Armee-Division gegenüber Hirfowa und verfügen demnach auf dieser Donaustrecke über 60—70,000 Mann. Ein weiteres Armeekorps, über besten Bestimmung außer
Elsbeths Ahnung sich so rasch erfüllt hatte. Als Elsbeth bie Erzählung ihres BegebnisteS mit Oskar beenbet, kam man überein, daß Mutter Badet am andern Morgen nach dem Gute gehen sollte, um dem Gutsherrn die Begeben- h°it der Nacht mitzutheilen und ihm zugleich anzukündigen, daß ElSbeth unter solchen Umständen nicht in ihre Stellung zurückkehren könne. “
Richard aber, der Retter der Ehre Elsbeths, wurde von Seiten dieser wie Mutter Babels mit lebhaftem Danke Überhäuft. Der junge Mann lehnte aber alles bescheiden ab und gestand ben beiden Frauen, wie er sich selbst höchst glücklich schätze unb bem gütigen Himmel nicht genug banken könne, baß er ihn gewürdigt habe, ElSbeth einen kleinen Dienst zu leisten, um sich ihr endlich näher» zu dürfen. Der gegenwärtige Augenblick sei zwar nicht fo ganz günstig zu seinen weireren Erklärungen, dennoch wollte er aber nicht damit zurückhalten, da ihm kaum eine glücklichere Gelegenheit künftig wieder kommen möchle.
Hierauf erklärte Richard, wie er feit bem ersten Male, d°v er ElSbeth gesehen, beten hochseligcS, liebliches Bild' L &cri geschloffen unb verehrt habe wie ein Hetligenbild. Et habe jeboch ruhig den ersten entzückenden Eindruck vorübergehen lasten, um zu prüfen, ob derselbe nicht nut ein vorübergehender flüchtiger Rausch gewesen in welchen ihn die zauberische Schönheit ElSbethS versetzt. Dem fei aber nicht so! Er fühle es täglich mehr, daß er ElSbeth liebe, wahr unb ausrichtig liebe, und daß sie ihn unaussprechlich glücklich machen würde, wenn sie Herz und Hand rhm zum ehelichen Bunde reichte. Er habe sich längst schon der lieben ElSbeth zu nähern gesucht, sei thr fast allabendlich auf den Kirchhof gefolgt, dennoch habe er bei sich niemals die günstige Stimmung gefunden, sich ihr zu entdecken, da er auch noch außerdem befürchtet habe, affchläglich beschieden zu werden, was th»i namenlos unglütf-
«eigen nimmt entgegen: »Expedition d.BlatteS, gne d-Annoncen-Bureaux a Th. Dietrich & Co. in «fiel und Hannover; Th. jetrich in Frankfurt a.M.; nafenftein & Vogler in »ankfurt a. M., Berlin, ipzig, Cöln re.; Rudolf ieffe in Berlin, Frankfurt a. M- rc.
nach eine Brigade und Bayern eine Division stellen. Da ! Franzose« auf patticulartstische Gelüste in Deutschland hne«, so würde eine solche die deutsche Waffenbrüdet- ^ben: flft von Neuem veranschaulichende Maßregel auf die anzosen einigen Eindruck machen und die Revanchegelüste etwas mäßigen. Auch auf die römische Curie, die noch ner auf eine Spaltung Bayern- unb Preußens rechnet, kbe eine solche nicht mißzuverstehende militärische Demonation nicht ohne Eindruck bleiben.
(Fortsetzung.)
4. Kapitel.
;ro5rt* Baterstuch und Muttersegen.
ne ÄJ Der Lieutenant ließ feine Beute fahren unb wandte sich Haus durchbohrenden Blicken unb mit vor Wuth zitternder k. bis tarne an den jungen Mann:
. äiu. „Jemanden, ber bet Hülse bedarf und darum tief,“ [1621 segnete ruhigen Auges unb mit festet Stimme ber Sohn ------ Altbauern. „Unb wenn ich nicht irre," fuhr er fort, febard em er fein Auge auf Elsbeth richtete, die zitternd und wirses legen dastand, „fo ist es jene junge Dame, bie Sie vet-
e bet Lieutenant barsch, bet ben Ausweg, den bet junge "ÜtV an fo human durch feine Worte angebeutet, entweder ne? l verstand ober in feiner maßlosen Verblendung nicht r^Dehen wollte.
Die Waise va« Sonnenthal.
heibtchwrifche Novelle ans dem Kriege im Jahre 1866 von . T? Rudolf Wellnau.
Anzeigen nimmt entgegen: die Spedition d.BlatteS, sowie d.Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
Erscheint tSglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wSchentlicken Beilaae 77
«-chbruck-rei) bezogen N «ark.durch bie Post-imter des Deutschs Reiche- S Mark 5^ We? Äon^M'bk » taSlf’414'
________________________________________Mr in der Expedit,on zu ertheil-nde Auskunft und Annahm- vonAdr-ffen werden 35 ffa Snet flettalttne «eile 19 Pf,.
Anfang Juli beginnt im Feuilleton der
Herhesfische« Zeitung:
ßor sieben Jahren.
agebuch eines Dreiundachtzigers aus dem -eutsch- frauzöfischeu Kriege 1870,71.
Um vollständige Exemplare zu erhalten, er- lchen wir die Bestellungen für das dritte Quartal if die
Bberhessische Zeitung
und deren Gratisbeilage
sllustrirtes Sonntagsblatt
w dem 28. Juni gefälligst machen zu wollen.
Mit den fortschreitenden Erfolge« ber russische!: Waffen rölk Kleinastest unb an der Donau unb angesichts ber grö- tehend ren Wahrscheinlichkeit, daß die Tü-.kei schließlich von den teil er, tffen zermalmt werden wird, hat sich ber europäischen : auf iplomatie wieder eine große Rührigkeit bemächtigt, zumal bet« st bloS im Londoner Gabtmt ein großes M ßtrauen