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Marburg, Mittwoch, 27. Juni 1877.
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und gleichzeitig Elsbeth feurig in seine Arme schloß und mit großer Heftigkeit an seine Brust preßte.
„Allmächtiger Gott, ich sterbe 1" schrie die todeSbleich gewordene zitternde Elsbeth, indem fie mit Aufbietung aller ihrer Kräfte strebte, auS OSkarS Armen sich loszumachen.
„Engel! Göttin!* rief dieser mit höchster leidenschast« ltcher Gluth und war durchaus nicht geneigt, seine reizende Beute so schnell wieder fahren zu lasten; „waS stad alle Blumen der Refideaz gegen die Fülle Deiner strahlenden Schönheit und Pracht; bleiche duftlose Schattengestalten sind sie gegen Deine berauschenden entzückenden Reize I Habe Erbarmen, habe Mitleid mit mir und — erhöre mich 1"
„Herr Baron," keuchte Elsbeth, die einer Ohnmacht nahe war, mit Mühe und Anstrengung hervor, „ich bitte Sie um Ihrer Eltern willen, die meine Wohlthäter stad, treiben Sie mich nicht zum Aeußersten! Lasten Sie mich los, daß ich mich entsernen kann, oder — beim allmächtigen Gott, ich rufe durch mein Hülfegeschrei daö ganze Gut in Allarm!"
Diese Worte uud die energische Art und Weise, mit welcher sie gesprochen wurden, verfehlten ihren Gnbruck nicht und brachten den Lieutenant zur Besinnung. Wollte er nicht Alles mit einem Male verderben, so mußte er jetzt nothwrndigerweise nachgeben.
„Wohl, weine süße Elsbeth," sagte er mit der zärtlichsten Stimme, „ich war zu stürmisch, mein Ungestüm, der wilde, gewaltsame Hervorbruch meiner heißeutfiammten Gefühle hat Sie erschreckt. Ich laste Sie frei, um Ihnen Zeit zu gönnen, sich zu sammeln und zu bestnneu. Ihr Schweigen über unser heutige» Zusammentreffen wird mir Hoffnung sür die Zukunft sein!"
„Beurthetlen Sie mich nicht falsch, Herr Baron," sagte Elsbeth mit vor Entrüstung zitternder Stimme, „wenn ich den heutigen Austritt nicht weiter berühr«, so geschieht r»
Zugleich ergriff er ohne Weiteres ihre Hand und drückte, ehe SiSbeth eS noch verhindern konnte, einen Kuß darauf.
Elsbeth war in Verzweiflung. Sie wußte nicht, was sie beginnen sollte. Am liebsten hätte fie sofort die Flucht ergriffen, aber sie bedachte, wie sehr fie den jungen Baron dadurch beleidigen würde. Doch wollte sie wenigstens den Versuch machen, mit seiner Erlaubniß zu entkommen. Sie stand auf, nahm ihre Näharbeit zusammen und sagte mit Ernst und Würde:
„Erlauben Sie, Herr Lieutenant, daß ich mich entferne!"
Oskar aber mochte so ohne Weiteres die erste glückliche Gelegenheit seines Alleinseins mit Elsbeth nicht vorübergehen lasten, ohne fie wenigstens zu seinem Zwecke benutzt zu haben. Er hielt die Jungfrau aus uud sagte mit seiner süßesten Stimme:
„Sie fliehen mich, holde Elsbeth, in dem Augenblick, den mir nach heißem Sehnen das Glück vergönnte, mit Ihnen allein zu sein?"
„Legen Sie mir mein Gehen nicht übel aus, Herr Lieutenant." sagte Elsbeth noch ernster als vorher, „es will mir nur nicht schicklich erscheinen, noch hier zu weilen; darum bitte ich Sie nochmals, zu erlauben, daß ich mich entferne!"
„Uad würden Sie mir nicht vorher eine Gegenbitte gestatten, deren Gewährung Ihre Entfernung Ihnen vielleicht niwt mehr wünschenSwerth machen dürfte, theurr Elsbeth?" flötete Oskar.
„Welche?" fragte kurz Elsbeth.
„Wollen Sie nicht erst anhöreu, was ich Ihnen zu sagen habe?" bat der Lieutenant.
„Was könnten Sie mir zu sagen haben, Herr Liente- navt?" fragte Elsbeth mit ernst gemessenem Tone.
„Daß ich Sie liebe, unaussprechlich liebe!" rief OSkar, der seine Lcidrnschafllichkeft nicht mehr zu zügeln vermochte
den ersten Waffmerfolgen Rußlands an der Donau doch zur Action schreiten und wollte die österreichische Regierung alsdann in Serbien einrücken, so würde daraus ein Gon» slict mit Rußland und vielleicht auch mit Deutschland entstehen, den Oesterreich vermeiden will. Natürlich wird dieser Entschluß Oesterreichs aufs heftigste von den Parlamenten in Oesterreich wie in Ungarn angegriffen werden, indesten wird sich Graf Andraffy dadurch nicht beirren lasten und die vorübergehenden parlamentarischen Stürme einem langwierigen Kriege mit Rußland vorziehen. Daß diese Cooperation Oesterreichs mit Rußland auch sür die Haltung Englands entscheidend sein wird, ist selbstverständlich. England kann ohne einen BundeSgenosten auf dem Continente nichts gegen Rußland unternehmen, uud wird daher selbst von einer Besetzung Konstantinopel-, womit man stch seit Monaten englischerseits gebrüstet hat, ob- stehen. UebrigenS ist auch die deutsche Regierung längst von der Besetzung türkischer Gebietstheile durch Oesterreich verständigt worden; und wenn österreichische Blätter behaupten, Andrasty'S Stellung sel jetzt angesichts der bevor- stehmden Action Oesterreichs zu Gunsten Rußlands erschüttert, so könne« wir dem das bestimmteste Dementi entgegensetzen. Andraffy hat die Besetzung Bosnien und der Herzegowina seit langer Zeit als das sicherste Mittel für Oesterreich bezeichnet, die Gefahr der gegenwärtigen Orientkrisis zu überwinden.
Das römische Journal „Fanfulla" bringt folgenden Bericht, für befielt Richtigkeit es garantirt: „Eine Deputation französischer Legitimisten hat dem Papst dieser Tage Grüße von Seiten des Grasen Ehambord und einen 6e- trächtlichen PeterSpfennig überbracht. Sie bat den Papst dem Prätendenten ein Wort guten RatheS zukommen zu lasten, da er bereit fei, wenn die Stunde der That gekommen, sich an die Spitze der Bertheidiger des Throns und Altars zu stellen, und der guten Sache in Italien wie in Frankreich zum Siege zu verhelfen. Der Papst dankte der Deputation für den Ausdruck ihrer Gefühle der Treue und Ergebenheit, erklärte aber, daß er dem Grafen Chambord keine Rathschläge erthetlen könne, so lange in Frankreich eine regelmäßige und wohlgeordnete Regierung unter den Auspizien des Marschalls Mac Mahon bestehe."
Dir bonapariistische „Correspondance Mansard" will aus dm östlichm Departements die schlechtesten Nachrichten empfangen haben. Es fei nothweudig, daß sich die Action der Regierung in biefen Landesbezirken in der allerenergifchtm Art fühlbar mache; die öffentliche Meinung fei dort in der äußersten Weise überreizt. Die Republikaner hätten in
einiger thüringischen Staaten entschiedme Gegner und wurde nur in dem Sinne von der Mehrheit dem Anträge der Ausschüste zugestimmt, daß die Commission von Sachver- ständigen zuerst die Frage in Berathung ziehe, ob eö wün- schenSwerth und in welchem Maße es stch empfehle, eine derartige Steuer als Reichssteuer einzuführen und die eigenen Einnahmen des Reiches zu vermehren, Auch der Vorschlag der Ausschüsse, daß Preußen, Bayern, Sachsen, Württemberg, Baden, Hessen und Hamburg je ein Mitglied in die Commission entfenbten sollen, hat, wie wir hören, die Zustimmung deS Plenums gefunden. — Ferner wird uns gemeldet, daß in der heutigen Plenarsitzung auch das Gesetz betreffend die Seeunfälle zur Berathung gekommen und nach den Beschlüsten des Reichstages genehmigt ist. Die übrigen zur Berathung gelangten Gegenstände hatten nur «tu geringes Interesse.
Die öfters von „russischer Seite" offiziös inspirirte „Post" bringt einen Artikel über die Theilung der Türkei von bim sie selbst bemerkt, baß er von „russischer Seite" komme. Leider erfahren wir dadurch nicht, auS welchen Kreisen der TheilungSplan kommt, ob wir eS nur mit dem Hirngesplnnste eines Privatpolitikers oder mit einer osfi- ztösen Indiskretion zu thun habe«. Der TheilungSplan selbst ist äußerst einfach. ES wird einfach vorgeschlagen, die ganze europäische Türkei mit Ausscheidung der griechischen LandeStheile an Oesterreich auszuliefern und dafür Rußland das Schwarze Meer zu öffnen. In einer Ver- theilung der Bölkergruppen und der Bildung eines Föde- rativstaateS Oesterreich findet der Verfasser das Mittel, Oesterreich lebensfähig zu machen. Aber wegen mangelnder Einheit könnte Oesterreich nicht erobernd auftreten und wäre daher seinen Nachbarn nicht gesährlich. Ihm könnte Europa getrost Konstantinopel anvertrauen,!
In der gesammten politischen Welt haben die Nach» richten über die militärischen Maßregeln Oesterreich» große Sensation erregt. Oesterreich schickt stch an, auS seiner Neutralität herauSzutreten uud BoSuien und di« Herzegowina zu besetzen. Die Occupation, die ganz unzweifelhaft nach dem vollständigen Einmärsche der Ruffen in die Bul- garet erfolgen wird, ist jedoch im Einverständnisse mit der russischen Regierung beschlossen worden. Das Wiener Cabinet Hst "sich also entgegen den magyarischen Forderungen sür die slavenfreundliche Partei entschieden, um sich die Gunst der zahlreichen Südslaven im Südosten Oesterreichs zu erhalten. Auch ist dabei da» Motiv entscheidend gewesen, die Herstellung eines groß serbischen Reich», die von den Südslaven in Oesterrrich wie in der Türkei geplant wird, zu verhindern. Denn Serbien würde nach
.Ich bitte tausendmal um Entschuldigung, schöne El» s," sagte dieser jetzt näher tretend, „wenn ich Sie er- M habet"
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.Blattes, sowie d.Annonctn-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C- Schlotte in Bremen.
Tagesbericht»
)ie auS,Kisfingen eingetrofienen Mittheilungen ent« , in Betreff des Gesundheitszustandes deS Fürsten ,«ck recht erfreuliche Mittheilungen. Der Fürst soll «>ch hier und da, und dann auch nur in geringem t von seinen alten Leiden heimzesucht werden und Gesundheitszustand stch täglich der Besserung nähern. Fürst soll bereits während seines Aufenthaltes in igcn längere Fußtouren ohne jede Belästigung zurück t haben.
Der BundeSrath hat heute wiederum eine Sitzung ab ten und sich dann für die Sommerferien vertagt, bestimmter Termin bis wann die Vertagung dauern , ist nicht festgesetzt worden. Bon den Gegenständen, t zur Verhandlung gelangten, ist namentlich der Ander Ausschüsse für Zoll- und Steuerwesen, für Handel Verkehr und für Rechnungswesen, betreffend den ißischen Antrag wegen Einführung einer Stempel« und i Haftssteuer für da» Reich. Der von nnS mitgeth eilte sg der Ausschüsse, eine Commission von Sachverstän- i zu berufen, wurde, wie wir hören, nach längerer Ute genehmigt. Die oben erwähnte Commission soll vügltchst voraussichtlich schon im nächsten Monat zu- ventreten, und zwar in den Räumlichkeiten des Bun» mzleramteS ihre Sitzung halten. Bei der Debatte die Steuerfrage fand der Antrag, wie uns mitgetheilt i i, Seitens der Vertreter Bayerns, der Hanfestädte und
Anfang Juli beginnt im Feuilleton der rhMsche« Zeitung:
sr sieben Jahren.
such eines Treinndachtzigers ans dem deutsch- französischen Kriege 1870,71.
Um vollständige Exemplare zu erhalten, er- it wir die Bestellungen für das dritte Quartal die
iberhessische Zeitung
und deren Gratisbeilage ustkivteS Sonntagsblatt dem 28. Juni gefälligst machen zu wollen.
Die Exp. d. Oberh. Zeit.
tSalrck außer de» Werktage» nach Sonn» und Feiertage». Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage „AIuKrtrttt Lometaßsdlott" durch die Ettcditto» (Kochftche ^°Buchdr?-k7re1) bezofenLä «ar? durch die Postämter des Deutschen Reiches 3 «mrt 50 Pf,. le^B-stellgebühr).-Jnsertionsoebühr für die gespaltene ßetfe !• M».
Für in der Expedition zu ertheilendr Auskunft uud Annahme von Adreffeu werden 35 Pf,, berechnet.
«t tttnuiu t-iugtgiu. Lttirmd.Blattes, Znaoncen-Bureaux .Dietrich & Co. in Jjb Hannover; Th.
Dir Waise dau Soonenthal.
irische Novelle auS dem Kriege im Jahre 1866 von Rudolf Wellnau.
(Fortsetzung.)
4. Kapitel.
Baterfluch und Muttersegen.
3» dem Vorgarten des großen umsangreichen Parks HD stch eine dichte Weinlaube; in dieser hatte stch ElS- ihren Lieblingsplatz gewählt. Hier saß sie gewöhnlich »en heißen Mittagsstunden, trenn Alles auf dem Gute der Mittagsruhe hingeqeben. Der Baron und seine AJ aahlin schliefen regelmäßig nach dem MittagSmahle;
beth dagegen saß während dieser Zeit mit einer weit- nut « Arbeit und einem Buche beschäftigt in ihrer Wein- , X und war so eifrig und vertieft dabei, daß sie oft M 8 um sich her vergaß, ja, daß sie oftmals schon von zweiten Mamsell hatte gerufen werden müssen.
ES war am ersten Pfingstseiertage nach der Mittags- l, als Elsbeth In gewohnter Weise in ihrer lieben 1653s Blaube sah und stch mit (inet Näherei beschäftigte. wä Tag war ein sonniger, heiterer, draußen heiß und - M in der schattigen Laube frisch und kühl. ElSbtth j i so emsig mit ihrer Arbeit beschäftigt, daß fie nicht 14*.7j , «je sich leise leichte Tritte der Laude näherten. Sie he nicht-, bis ein Schatten im Eingang der Laube er -7'-- » und dort steh n blieb. Elsbeths Ueberraschung war roß, daß ihren Lippen ein leichter Schrei entfuhr dem jäher tödtlicher Schrecken folgte, al« fie sah. daß bet er. a litten niemanb onberem, als dem Lieutenant Oskar an-