xii. Iahrgaig.
ZNarKurg, Sonntag, 24. Juni 1877.
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tflert beantwortet und sich darauf wieder vertagt.
In ber habsburgischen Monarchie dauert der Kampf den Ausgleich zwischen beiden Reichshälften unqeschwächt , Im ungarischen Unterhaus- antwortete Tsza auf nyl's Interpellation über die europäische Lage, daß „die mben Mächte nie größeres Vertrauen, Freundschaft und zlichkrit gegen Oesterreich - Ungarn an de i Tag gel gt jctzt". Dir Gerüchte über «ndrasiy'S bedrohte Siel«
Labet einen Besuch abzustatlen. Willfährig und aufmerksam lieh die gute Alte der lieben Tochter danu daS Ohr, um deren Erlebnisse den Tag über zu vernehmen. Wie viel hatte ElSbeth dann zu plaudern und zu berichten, wie viel um Rath zu fragen, oder ob sie dieses oder jenes recht oder unrecht gemacht habe; die halbe Nacht hätte sie sitzen mögen und erzählen, ohne müde zu werden. Oder aber sie hing sich an Mutter BabetS Arm und trat mit dieser eine Wanderung an nach dem kleinen Friedhof, der nun schon zwei Gräber geliebter Todten barg.
Da gab es immer die grünen Hügel mit einem paar frischen Kränzen oder Blumensträußen zu schmücken, oder auch eine neue schöne Blume etnzuscheu, die Gräber frisch zu begießen und dergleichen kleine Ausmerksamkeiteu mehr für die dahingeschiedenen Lieben. Die beiden Grabstätten waren ein Heilig hum für ElSbeth und fie hielt mit der größten Strenge und Gewissenhaftigkeit darauf, daß sie immer im frischesten und schönsten Blumenschmuck« prangten.
DaS waren in der That Elsbeths Erholungsstunden und wer sie an solchen Abenden sah, der konnte gewiß nicht sagen, daß ste sich unglücklich fühle. Sie war heiter uud voller Frohsinn, wenn ste bei Mutter Babet war; nur wenn ste wieder von ihr ging, schwanden ihr Frohstnu und Heiterkeit wieder dahin uud still sinnend uud in stch gekehrt schritt ste über Wiesen und Felder oder am gtcknen bunt- beblümten Bachufer entlang, hörte mit stillem Entzücken die sanften Wellenlieder des traulich murmelnden Bächleins uud schaute, wie der stlberne Mond und die blinkendm goldenen Sterne stch spiegelten in der klaren frischen Flu'.h. Oft wandelte fie so um Mitternacht dahin und vertiefte stch mit sinnigem Gemüth in die wundersamen Stimmen, die zart und leise wie Geisterreigen durch die Luft schwebten und als Gesänge der Nacht mit seltsamen wunderbaren Klängen das Ohr berührten.
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werde. Ueber den Schluß der ParlamentSsesston verlautet noch nichts Bestimmtes.
DaS allgemeine Jnterefle wandte stch in der v.rflvffenen Woche in weit höherem Grade den französischen Regierungswirren, denn dec orientalischen Frage zu, die zudem kein Ereigntß von einiger Bedeutung zu Tage förderte. Fürst Milan von Serbien setzte seinen Verkehr mit dem Kaiser Alexander und dem Fürsten Karl fort, während die russischen Truppen eine westliche Schwenkung nach der kleinen Walachei hin ausführten. Zu den Gründen, welche dem russischen Hauptquartier ein baldiges ^Vorgehen wün- schenöwerth erscheinen lasten, ist noch ein neuer, nämlich die drohende Niederlage deS russischen LiebltngSvasallen Montenegro, hinzugekommen. Nachdem Suleiman Pascha am 15. d. den Durchzug durch den Dugapaß erzwungen und Nikiic wieder verprovlantirt hatte, .sind die Türken von Niksitsch, Spuz und Kolaschin auS in drei Collonneu auf montenegrinischem Gebiet vorgedrungen. Am 15. d. kämpfte man an der Jablowitza bei Kolaschin und am 16 d. bei Glawttza in der Nähe von Spuz. In Asten haben die Türken, dem neuesten Telegramm zufolge, eine empfind» liche Schlappe erlitten.
Len nimmt entgegen: Aditiond.Blattes, Mnnoncen-Bureaux ’n;. Dietrich & Co. in Furth Hannover; Th. M in Frankfurt a.M.; Lrftein & Vogler in jtart a. M., Berlin, ET Cöln rc.; Rudolf Fin Berlin, Frank- hurt a. M- rc.
Die Waise da« Soaueuthal.
Ville aus dem Kriege im Ja!
Rudolf Mellnau.
(Fortsetzung.)
4. Kapitel.
Baterfluch und Muttersege«.
Tagesbericht.
Im Kaiserlichen Reichs-Justizamt ist man, wie uns ge» meldet wird, augenblicklich mit der AuSarbeiluog eines Gesetzentwurfes beschässizt, der stch mit der gesetzlichen Regelung deS Transportrechtes der Privat Eisenbahnen beschäftigt. Der Entwurf wird, wie wir hören nach seiner Vollendung zunächst dem ReichSeisenbahnamt .unb daraus den einzelnen Bundesregierungen zur Begutachtung vorgelegt werden. Man hofft noch diese Frage in der nächsten ReichStagösessiou zur Erledigung bringen zu können.
Die „Protestantische Kirchenzeitung" bringt eine Erklärung über die kirchliche KristS, die wohl als der Ausdruck der in den leitenden Kreisen des ProtestantenvereinS herrschenden Anschauung gelten darf, obgleich vaS Blatt es vermeidet, stch das Organ jenes Vereins zu nennen. Wir entnehmen dieser Erklärung folgende bemerkenSwerthe Stelle: „Wir nehmen die Allerhöchste Entscheidung in Eifurcht hin, am wenigsten gestatten wir uns eine Beurtheilung, wo in persönlichster Weise ein Bekenntniß deS Glaubens abgelegt wird. Aber formell und sachlich find wir zu zwei Bemerkungen genöthigt. Der Allerhöchste Erlaß an den Minister der geistlichen Angelegenheiten entbehrt der Gegenzeichnung eines Ministers, ungeachtet alle RegierungSakte des Königs zu ihrer Gültigkeit der Gegenzeichnung eines Ministers bedürfen. Diese Vorschrift' uns
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lustrirteS Sonntagsblatt dem 28. Juni gefälligst machen zu wollen. Die Exp. d. Oberh. Zeit.
llnser Kaiser entschied noch vor seiner am Freitag Abend er Woche erfolgten Abreise nach EmS ablehnend über EntlaffungSgesuch deS brandenburgischen Corisistorial- L560kbtnt«n Hegel, welcher sich mit den ihm zu liberal er- enden Verwaltungsgrundsätzen deS Oberkirchenraths vertragen konnte. Ferner ermächtigte der Kaiser noch seiner Abreise den Reichskanzler zur Aufnahme einer Reichstage bewilligten Anleihe von über 77 Millionen [l für Zwecke der Marine- und Telegraphcnverwaltung. den in Berlin dieser Tage stattgehabten Nachwahlen Reichstage hat am 14. Juni im sechsten Wahlkreise «um der socialdemokratische Kandidat gegen den fort ttlichen, am 18. Juni im fünften umgekehrt der fort tiliche gegen den Socialdcmokraten gesiegt. In Darm hat am 15. Juni die feierliche Beisetzung des verstör
n Großherzogs Ludwig IIL unter Theilnahme u. A. des Deutschen Kronprinzen stattgefundev, uns haben beiden Kammern der hessischen Stände das AntrittS- nt des neuen GroßherzogS Ludwig IV. mit Beileids-
Anzeigen nimmt entgegen: die EMdition d.BlatteS, sowie d.Annoucen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C- Schlotte in Bremen.
Anfang Juli beginnt im Aevilleto» der krheffische« Zeitung: or sieben Jahren. !-uch eines Dreiundachtzigers aus dem deutsch- frauzöfischeu Kriege 1870 71.
lang sind unverwüstlich, finden aber bei Unterrichteten eben darum nicht mehr Glauben, als fie verdienen.
In Luzern ist die internationale Goühardkonferenz am 13. Juni geschloffen worden, nachdem der Beschluß gefaßt war, die Monte-Cenere-Linie unb bk Linie nach Luzern vorerst nicht auszuführen. Bon den noch erforderlichen 46 Mill onen Francs wird Italien unb Deutschland je 10 Millionen unb die Schweiz 8 Millionen zahlen; bet Rest soll durch Prioritäten gedeckt werden.
Während die italienische Abgeordnetenkammer stch mit den neu abzuschließenden Handelsverträgen beschäftigt, verfolgt man im Vatikan mit besonderem Interesse den Verlauf der Regierungswirren in Frankreich.
Am Sonnabend, 16. Juni, wurden nach der vieri wöchentlichen Vertagung durch die Minister vorn 17. Ma die französischen Krmmern in Versailles wieder er öffnet. Der Prästdent der R publik richtete an den Senat eine Botschaft, in welcher ec einen Antrag aus Zustimmung deS Senats zur Auflösung der D.putirtenkammer durch einen Anklageakt gegen die Mehrheit unb gegen deren Re- publikanismus zu begründen sich, obwohl nicht zu geschickt und staatsmännisch, bemühte. Der Senat beschloß sofort, h den Bnreavx den Antrag zu b«athen, und die Ausschußwahlen derselben ergaben sechs Conservative gegen drei Liberale, so daß die Annahme so gut wie gewiß ist. Die Sache wurde für Mittwoch °uf die Tagesordnung gesetzt und eS wird von bet Mehrheit des Ausschusses die Auflösung epipsohlen und von der Mehrheit die Dringlichkeit besäfloffen. Der größere Theil deS Senats ist mit dem Handstreiche vom 16. Mai einverstanden, wie er eS ja war, der die Mäiuer belohnte, die für den 26. Mai 1873 gewirkt und Mac Mohvn, „den großen Krieger", zur „Schildwache der moralischen Ordnung" bestellt hatten. Die Wahlen sollen, wie eS heißt, erst in der zweiten Hälste des Stptember stattfinden. Gleich nach Schluß der Kammer will Mac Mahon ein Manifest an das Volk richten.
Dem englischen Oberhause fehlt eS gewiß nicht an conservativem Sinne; dennoch hat es am Montag die con- fervative Regierung im Stiche gelaffen, sodaß dieselbe eine empfindliche Niederlage erlitt. Lord Harrowby'S Antrag, welcher das Ceremonienmonopol der Staatskirche auf dem Kirchhofe brechen und den Satz von der Gleichheit aller Menschen nach dem Tode auch dadurch bewahrheitet sehen will, daß männlich stch nach seiner Fatzin begraben lasten könne, wurde trotz deS Widerspruchs deS Ministeriums mit 127 gegen 111 Stimmen angenommen, und der Herzog von Richmond mußie die Unterbrechung der Debatte verlang.-n, damit die Regierung über ihre Stellung zu der so wesentlich geänderten Begräbnißvoelage schlüssig wie es schien, ste auch nicht rokbet verlassen wollte. Und das eben that den Leuten in der Seele weh. Sie begriffen nicht, wie man sich Etwas, wie cs ElSbeth drückte unb bas doch nur in ihrer bunklen Herkunft brftinb, an welcher sie boch ohne alles Verschulden war, so sehr uns tief zu Herzen nehmen konnte, baß man sich alle Lebenslust unb Lebensfreude, alle Heiterkeit und allen Frohsinn dadurch verdarb, wie es ihres BedünkeuS und ihrer Meinung nach die liebe Mamsell eben that.
Aber die arme Elsbeth konnte nun einmal ihrer trüben und düsteren Stimmung nicht Herr werden; daß ste aber dabei stch geradezu unglücklich fühlte, wie die Leute von ihr meinten, das mochte ste selbst wohl an wenigsten zugestehen. Sie hätte ja undankbar sein müssen, wenn ste nicht freudig und frohen Herzens ihre glückliche Lage hätte anerkennen wollen, und undankbar das war Elsbeth wahrhaftig nicht.
ES war wieder Frühling geworden, Frühling tu der Natur und Frühling in den Herzen der Menschen! Ringsum begann die Erde stch bräutlich zu schmücken, Bäume und Sträuche kleideten sich mit jungem Grün, zarte Blumen sproßten in Garten und Feld, Wiesen und Auen bedeckte ein Blumentipp ch, der täglich bunter und mannigfaltiger wu de. Den herrlichen blauen Frühlingshimmel bedeckten keine Wolken mehr, die muntere Lerche stieg empor in die laue balsamische Lenzeslust und trillerte fröhlich ihre schönsten Frühlingslieber!
Alt und jung wurde die Brust wieder weit, Allen ging das Herz wieder auf, Alles freute sich de» wieder erwachten neuen FrühlingSlcbenS und auch Elsbeth wat nicht die Letzte, die den wiedcrkchrenden Lenz, mit jubelndem Hetzen begrüßte!
ES war seit ihrem Anttitt auf dem Gute ihre größte Freude und Erholung, wenn fie nach vollendetem Tagewerk am Ab«nd nach Sonnmthal eilen konnte, um der guten
ifteint tiialick außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis fitr daS Quartal mit der wSchentlichen Beilage „31* tritt H L»U»t»«»bl*tt" durch die «rvedittvn (K-ch'fche ** Buchdruckerei) bezogen 3i Mark, durch die Postämter d«S Deutschen Reiches 3 Mark 50 Pf», (exl. Bestellgebühr). — JnfertionSgebühr fit die gespaltene Zeile 10 Pf».
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adresse« werden 35 Pf», berechnet.
Zwei Jahre waren dahingegangen, leit ElSbeth fiPs rllung auf dem Gute Hartenfcld inne hatte. Wie , ib schon In bei Schule, so hatte fie stch auch in len Berhältniß nicht verleugnet. Sie begriff Alles Untei ihr eigenen Leichtigkeit unb hatte stch in kürzester Frist setzet ausgebildet, daß ste nach kaum einem Jahre, als die ; eint t W rthfchaftsmamfcll sich v.rheirathete, deren Stelle Bin# reten konnte und diese so vollständig auSfüllte, als sei bereits Jahre lang damit betraut gewesen. Der Baron ; bur d seine Gemahlin waren außerordentlich erfreut darüber, I jed in Beide hatten ElSbeth sehr gern. Sie war talentvoll oetbt ) geschickt in allen Dingen, äußerst taktvoll in ihrem Be- [124 wen gegen Jedermann und human, leutselig und gegen daS ----। rige Gesinde. Dabei blieb ste demühttg unb bescheiden
1 ! immer, während ihr ganzes sonstiges Wesen rein und s sarn war, biS ins Kleinste hinein. Außer der GutS-
9 D rschaft selbst hatten ste ElSbeth alle gern und J-der
chte ihres aumuthigen freundlichen Umgangs wegen nur
gern mit ihr verkehren, dennoch hielt ste im Ganzen
t ' still für stch und der einzige Vorwurf, den man ihr *• chen konnte, war, daß die Leute sagten, sie sei ein wenig »sonderlich" und halte stch immer so „appatt."
Daß dieS aber nicht etwa Stolz unb Hochmuth von Ibcth wat, wußten bk Leute trotzdem s hr wohl. ES dieS vielmehr in dem schwermüthigen Zuge, der wie gespenstiger Schatten trotz allen äußerlichen Wohler- «uS stch nun einmal üb« ElöbeihS Lebm gebreitet unb
Um vavftäudige Exemplare zu erhalten, er-
-l wir die Bestellungen für das dritte Quartal
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