wir in den geflissentlich verbreiteten AuSwcisungSgerüchten nur einen Versuch erblicken können, die wahren Reisczwecke deS Don Carlos zu maskiren.
Wie dem Londoner „Standard" aus Konstantinopel gemeldet wird, hat der deutsche Botschafter, Prinz Reuß, Savfct Pascha benachrichtigt, daß er und sein College in St. Petersburg von ihrer Regierung die Weisung erhalten haben, die Vermittelung Deutschlands anzubirten, im Falle einer der beiden Kriegführenden Frieden zu schließen wünschen sollte. Die jüngsten Erfolge in Montenegro, sowie der langsame Verlauf des FclvzugeS in Asten und an der Donau haben indeß dem Sultan, der vorige Woche sehr verzagt war, etwas mehr Muth eingeflößt.
Vom Kriegsschauplatz liegen auch heute noch immer Nachrichten vor, welche ein Vorgehen der Russen documen- tircn. D>-S Hauptinteresse wendet sich augenblicklich dem montenegrinischen Kampfplatz zu, wo unzweifelhaft die Türken einen Vortheil errungen haben und die wichtigsten über den Besitz der Herzegowina entscheidenden Positionen der DungapSsse den Montenegrinern entrissen sind. Durch den concentrtrten Vormarsch der hier operirenden drei türkischen Corps auf das montenegrinische Gebiet, durch dies taktische Zusammenwirken einer numerischen Uebermacht dürfte sehr bald der Widerstand der Montenegriner und Herzegowiner gebrochen, und dadurch ein nachtheiliger Einfluß ans die Bewegung der russischen Streitkräfte Hervorrufen werden. Die letzteren haben in den letzten Tagen ihre Operationen an der unteren Donau fortgesetzt und nachdem sie den Kanal von Matschin gesperrt und die Insel Ghtazit besetzt nun auch auf dem türkischen User festen Fuß gefaßt. An der Donau dürfte vor einigen Tagen nicht» besonderes zu erwarten sein, da der hohe Wasierstand deS FlusieS und die Schwierigkeiten des Transportes die Ausführung verschiedener Anordnungen in die Länge zogen. ES ist nicht zu leugnen, daß das Hinderniß, welches den Russen durch den hohen Wasierstand geboten wird von nicht zu unterschätzenden nachtheiligen Folgen für die russischen Operationen werden kann. Denn erfahrungSmäßig ist der Hochsommer nicht gerade eine geeignete Jahreszeit für die Operationen in dem Donau- gcbiet dksien SuwpsterrainS gerade um diese Zeit einen Heerd sür die gefährlichsten und vernichtensten Krankheiten bildet. Je länger Rußland mit dem Ueberschreiten der Donau zögert, um so gefährlicher wird für seine Heere der türkische Gegner, dem in den Sumpsfiebern der Dobrud- scha rin höchst gefährlicher BundeSgenvsie erwächst. Die Zögerung der Rufs n über die Donau zu gehen, führt sie Ihrem alten pestverwandten Gegner entgegen; und erwägt
Too ihre» Mannes habe sie recht lebhaft daran erinnert, daß auch sie sterblich sei und eines TageS eben so still ein« geschlafen sein könne, wie dieser. Diese Betrachtung habe sie aber auch ernstlich an ihre, ElSvetbS Zukunft denke« lasim. Das Häuschen mit dem Gärtchen verbleibe allerdings ihr Eigenthum, daS fei schon bei Lebzeiten ihres Mannes gemrcht, aber davon allein könne sie nicht leben. Nun habe sie, ElSbekh, ihr zwar oft genug schon mit der Bitte angelegen, sich doch vermieihen zu dürfen. DaS sei aber ernstlich nichts für sie, da sie viel zu schwach und zart gebaut sei, um einen solchen Diem, wie er auf den Gütern eben sei, verrichten zu können; dann aber könnte sie, Mutter Badet, sich auch unmöglich von ihr trennen. Da sei ihr denn der Gedanke gekommen, daß für Elsbeths Zukunst vollständig gesorgt wäre, wenn sie sich zu ihrer Nachfolgerin heranbilde; das wäre eine paffende Stellung für sie und obcnein ein Ehrenamt.
Elsbeth wußte selbst nicht, wie ihr bei diesem seltsamen Antrag von Mutter Babet geschah. Daß diese mit dem selben eS herzlich gut mit ihr meine, davon war sie vollständig überzeugt und um so v.rlegeaer war sie, um so schwerer wurde eS ihr, der guten Mutter Babet diese Freude verderben zu sollen. Dennoch konnte sie sich unmöglich entschließen, auf ihren Vorschlag einzugehen. Sie war sich selbst zw-r nicht so recht klar über die eigentlichen Gründe der Zurück reisung, aber eingehen konnte ste unmöglich darauf, dazu drängte und trieb ste ein ihr selbst unerklärliche« Gefühl.
Endlich aber faßte ste sich ein Herz und in der zartesten , schonentsten Weise gab st- Mutter Babet ihre WillenSmelnung zu erkennen. Sie habe einen eigenthum- iichen Widerwillen, eine unerklärliche Scheu vor der Ausübung der Pflichten, die ihr das höchst schwierige Amt der Mutter Babet auferlege und ste fühle nur zu wohl,
man, daß trotz der bekanntlich weniger günstigen strategischen Beschaffenheit der Donausestungen immer Wochen dazu gehören, um dieselben zu Fall zu bringen, so dürfen die Befürchtungen, welche hier da schon laut werden, daß der diesjährige Feldzug wohl keine erheblichen Erfolge haben werde, wohl nicht ohne Berechtigung sein. Ein Gerücht, welches heut hier Verbreitung fand, will wissen, daß dem Kaiser Alexander in diesem Sinne von hervorragender militärischer Seite bereits Vorstellungm gemacht worden seien, und daß der Monarch, die Richtigkeit der Ansicht einsehend, Beseh! gegeben habe, nunmehr ungesäumt in aggressiver Weise mit den Operationen gegen die Donau zu beginnen. Die nächsten Tage schon dürften sonach einen entscheidenden Schlag auf diesem Terrain des Kriegsschauplatzes bringen.
Neueste Kriegsnachrichten:
Petersburg, 20' Juni. Offizielles Telegramm aus Plojesti vorn 17. b.: Gestern landeten 200 Türken bei Turnu Magurelli, nahmen weidendes Vieh mit sich fort welches ihnen jedoch durch herbeigeeilte russische Truppen wieder abgencmrneu wurde. Die Türken zogen sich mit einem Verlust von acht Mann zurück. Auf russischer Seite wurde ein Ulane und ein Kosak verwundet. — Lieutenant Puschtschiu, welcher einen Toipedvkutter bei dem Angriff auf die türkischen Monitors bei Sulina commau- dirle, wurde von den Türken gefangen. — Nachrichten au- Montenegro zufolge drang Suleiman Pascha bei Nieste, welches er verproviantirte, vor. Bei Waffojewitschi und Spitz schlugen die Montenegriner die Türken zurück.
Petersburg, 20. Juni. Offizielles Telegramm aus dem Hauptquartier im Kaukasus. Mazra, 19. Juni. Am 17. Juni wurde das Bombardement gegen die Forts Karadagh und Arab Mukhlis von Kars eröffnet und wird noch jetzt und zwar von 8 Batterien mit 25 Geschützen und Mörsern fortgesetzt. Unser Verlust au diesen beiden Tagen besteht aus zwei Toden und 14 Verwundeten' Aus Kars erfahren wir, daß der türkische Verlust am 15. Juni 200 Todte und 250 Verwundete betragen unv daß der Kampf an diesem Tage auf die Garnison von Kars einen entmuthigenden Eindruck gemacht habe. General Tergukasioff ist von Seidekan in der Richtung auf Ke- prikux (Köprükoi?) vorgerückt. General Alchasoff hat die Dristricte von Oischemtschiri und Mokwa recognoocirt, aber keine türkischen Truppen gesunden. Unter den empörten Abchasiem sind Zerwürfnisse entstanden.
Wien, 20. Juni. Ein Telegramm der „N. fr. Pr." aus Ragusa meldet: Vor der Verproviantirung von Nicstc gelang eS Suleiman Pascha, die Montenegriner bei Presjeka zum Kampfe zu zwirigen und ste zu schlagen.
daß sie auch nicht im Geringsten weder Berus noch Neigung dazu besitze. Mutter Babel möge doch ihren längst ge- äußerten Wunsch gewähren und sie die Wirthschaft aus irgend einem nahe gelegenen Gute lernen lassen, dann hoffe ste auch nach Mutter BabetS Tode, den Gott jedoch noch recht, recht lange hinausschieben möge, sich mit Ehren ihr Fortkommen zu sichern und durch die Welt zu schlagen.
Mutter Babet that eS zwar weh, daß ihre Vorschläge bei der Tochter kein Gehör sanden; dennoch mußte sie sich gestehen, daß eS auch ihr einst viele U-berwindung gekostet, ehe ste sich hatte entscheiden können, die Stelle einer Hebamme zu übernehmen. Deshalb drang st- denn jetzt auch nicht weiter in E.Sb.th und bestand auch nicht weiter aus ihren Wunsch. Daß dagegen Elsbeths Wunsch, die Wirthschaft zu erlernen, viel sür sich habe und viel prakchcher sei, als der ihrige, daS hatte Mutter Babet schon früher recht wohl eingesehen, aber ste wollte und konnte sich j, eben nur nicht trennen von ElSbelh, und hierin lag der eigentliche Grund zu ihrer Weigerung früher und jetzt. Aber das sah ste auch ein, daß endlich ein ernster Entschluß in Bezug auf ElSbethS Zukunft gefaßt »erben mußte und so — entschloß st- sich denn mit schwerem Herzen, dem_Wansche bet Jungfrau zu willfahren unb bet« selben eine Stelle zur Erlernung der Wirthschaft auf bem uächstgelegeueu Gute auszuwirken.
Au einem bet folgenden Tage machten sich daher Mutter Babet unb ElSbeth auf bett Weg zum Gute. Es lag bie» nut etwa ein k iapp-s halbes Stündchen vom Dorfe ent- f-mt in einem überaus schönen Thalgrunde, von einem Birken- unb Tannen rälbchen umgeben. Von bet Straße aus führte eine prächtige Linden-Allee nach dem Gute unb hinter demselben breitete sich ein großer schöner Park ans, der sich zuletzt wieder in das Birken- uid Tanneuwäldchen verlor. Im Parke selbst war ein großer Karpfenteich unb
Marburg, Freitag, 22. Juni 1877
143
xii. Jahrgang.
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Einen kurzen Ueberblick über die Kriegsvorgänge
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des russischen Kaiser- bei der Armee in Rumänien
DaS „Bureau Hirsch" meldet bie Ankunft deS Pri
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betrauerte aufrichtig den biederen Alten, bet in der ; unb Wahrheit ein zweiter Vater geworden war, bet
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ig, Cöln Rudolf > in Berlin, Frank» rfurt a. M. re.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
leliebt hatte wie sein eigenes Kind. Auch Mutter n betrauerte aufrichtig den Heimgang des treuen Gat- j ttnb ste kam sich selbst nun wie verlassen und verwaist j Erben vor.
]j i, sich Übet die Volksmeinung erhebenben Regierung die <1 pwiesen werden? Dies ist so unwahrscheinlich, daß net.!1 1 ■ ■ —
; [ t offenbar dazu beigetragen, die Neigung Serbiens zur kN-! । ilnahme am Kriege niederzuhalten und dadurch weiteren Sicklungen vorzubeugen.
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-1604 llustrirtes Sonntagsblatt
dem 28. Juni gefälligst machen zu wollen. ! V Die Exp. d. Oberh. Zeit.
Um vollständige Exemplare zu erhalten, er- 1 be8 ten wir die Bestellungen für das dritte Quartal
tc-!! Ein kleines diplomatisches Gehelmniß bildet die Reise Don Carlos in das russische Hauptquartier nach Plo
machen wolle." Auffallend ist diese Reise immerhin, so mehr, als die Beweggründe feiner Abreise von Paris I genügend aufgeklärt sind. @in Mann, der von den talen Sympathien getragen ist, sollte von einer klni-
seines Dienstes wartete, so wurde eS zuletzt doch 1568lmmer mit ihm und er mußte einen ju gen Burschen dem Dorfe annehmen, der statt seiner die Heerde der
” bilden sollte. Der alte Vater Lorenz hatte schon längerer Zeit gekränkelt. Obwohl er dabei immer
A leinbe hütete. Nicht lange darauf war er ernstlich bett» tig geworden und eines Morgens erwachte er nicht 1 er, er war sanft und ruhig hinübergeschlummert, um tinem anderen Leben zu erwachen. Elsbeth beweinte
-1 | Tagesbericht.
]; Die „Prov.-Corresp." schreibt: Der Kaiser versam- < । k vor seiner Abreise nach EmS nochmals bie Mitglieder Ih Staatsministeriums um sich, um denselben in ernst
Itt6!i Wien unb fügt bei: „Seine Ankunft wird bamit mo nee j \ 1, baß er bie russische Subvention, bie er bisher erhalten deren Auszahlung in letzter Zeit gestockt habe, Bieber
acht., Pt bie „Prov.-Corr." mit bem Satze: Die Anwesen
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;; Die Waise bitt Sanuenthal.
'' wische Novelle aus dem Kriege im Jahre 1866 von
;[ Rudolf Wellnau.
F (Fortsetzung.)
So verging abermals eine getuuuie Zeit, als wiederum Ereiguiß eintrat, welche- einen Wendepunkt in Elsbeths
Erscheint täglich außer den Werttagrn «ach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jlnftrirtr» Lonntng-dlntt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen 3^ Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 3 Mark 50 Pf«, (exl. Bestellgebühr). — JnsertionSaebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf». Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffe» werden 35 Pfg. berechnet.
Wen nimmt entgegen: ' । Spedition d.Blattes, '1 ^Ännoncen-Bureaux tDietrich & Co. in 11 z und Hannover; Th. \ \ zch in Frankfurt a.M.; <, instein & Vogler in 1 ’ tfurt a. M., Berlin, ’ * ITüfn • Wuhnff
tfiter Weise feine Besorgnisse wegen der auflösenden m" < । kkbungen auf dem kirchlichen unb socialen Gebiete anS- )t o rechen unb bkfelben vertrauensvoll zu festem gemein» ®e« ] । tn Wirken bei ber sich daraus ergebenden Aufgabe auf- >ach <' sbern. Der Kaiser verabschiedete sich alsdann in Herz» in]; । unb huldvoller Weise von ben einzelnen Ministern.
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Bberhessische Zeitung
und derm Gratisbeilage
;; Anfang Juli beginnt im Feuilleton der w vrhesftschen Zeitung:
lor sieben Jahren.
«buch eines Dreiundachtzigers aus dem deutscher» französischen Kriege 1870 71.
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Zm äußeren ßeben ber beiben vereinsamten Frauen MM Me b {et Todesfall nnr insofern eine Veränderung mit als ber junge Bursche vollständig als Nachfolger deS
Lorenz von ber Gemeinde angenommen wurde unb !önig- (be nunmehr seine Wohnung wo anberS nahm. Zum n Male feit einer langen Reihe von Jahren sollte vaS iwhauS dies nnr noch bem Namen nach fein. ES war »thum ber Lorenz'schen Eheleute unb verblieb somit ber
63,91.
— - 6, ste, Mutter Babet, sei auch in den Jahren und der
17- L: lter Badet.
Düse machte nun Elsbeth ben Vorschlag, sie solle sich ihrer Nachfolgerin als Hebamme ber Gemeinde aus-