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Marburg, Donnerstag, 21. Juni 1877.

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xii. Jahrgang.

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Anfang Juli beginnt im Aeuilleto« der

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hielt. Zugleich traf er angtblich geheime Abmachungen mit dem russischen Generalconsul Obermüller tu Erzerum, welcher die Kurden im Dersimgebirge durch geheime Agenten bear­beiten ließ. Nach dem Falle von Ardahan erklärte Hussein sich unabhängig und bedroht mit 10,000 Mann die Tüiken im Rücken. Ein anderer KurdenhSuptltng, G.ko, bcsetzte mit 1000 Mann den Engpaß Gibidschi BoghaS zwischen Eczerum und Erzinghian. Die Rückberu ung Mukhtar Pascha'S ist wahrscheinlich. Die Geiialt Mahmuds und RedtfS ist im Wachsen begriffen; man spricht vom baldigen Sturze SaidS und ReufS.

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bienS die Ungarn die Besetzung dieses Landes fordern dürften, so bestrebte sich Graf Andrasfy, besorgt, wie immer, eine bewaffnete Intervention hinauszuschieben die Reise deS Fürsten Milan zu hintertreiben."

Die Pforte ist nach den neuesten Meldungen den Kretensern rntgegengikommen, indem fie dem Vorschlag machte, eine Deputation von fünf Christen und fünf Musel­männern zu empfangen und mit denselben über die Wünsche der Bevö kerung zu verhandeln. Gleichzeitig hat der Groß Vezier den englischen Botschafter Sir Layard hiervon ver­ständigt, und ihm den Wunsch ausgedrückt, England möge seinen Einfluß auf die Kretenser dahin ausüben, daß die­selben die Schwierigkeiten mit denen die Regierung zu kämpfen hat, nicht vermehre« möchten. Sir Layard hat diesen Wunsch des Großvezier» entgegmkommend aufge- nommtn.

Fürst Milan'S Besuch in Plojesti ist, wie von Wiener Offiziösen versichert wird, nur al» ein Zeichen der Dank­barkeit gegen den Czaren für die Rettung Serbiens nach der Niederlage von DjuniS aufzufaffen. Nach anderen Blättern ist in Plojesti die serbisch russische Convention wegen des Donau - UebergangeS bei Kladowa unterzeichnet, welche von der Skupschtina nachträglich genehmigt werden soll.

Wie man derN. Fr. Pc." mittheilt, hat sich Don Carlos am Sonntag in Begleitung zweier carlistischer Offiziere nach Bukarest begeben, wo er mit Erlaubniß des CzarS den Operationen der russischen Armee folgen wird.

In Kleinasien scheint die Armee Mukhtar Pascha'S durch ansehnliche Verstärkungen wieder Boden bekommen zu haben. Ein Cocrespondent derR. Fr. Pr." aus Erzerum tele- grophirt unterm 14. Juni:Bei Kars haben bedeutende Gefechte stattgefunden. Mukhtar Pascha bereitet seine Offen­sive vor. DaS Centrum wurde durch 9 Bataillone, welche aus Choraffan, Köpriköi, Haffan-Kale und Deve-Bojnu herangezogen wurden, verstärkt. Auf dem rechten Flügel wurden einige Bataillone von Delibaba nach Toprak Kale vorgeschoben. Der aus 14 Bataillonen bestehende linke Flügel st ht bei Olli und Pcnnekgerd. Der Bormarsch gegen Kars wird sogleich angetreten, sobald die in Ausst ht gestellten, aus 3 Bataillonen Nizarn« des 5. Corps, aus 350 Mann der polnischen Legion und aus 3 regulären Cavallerie-Regimentern bestehenden Verstärkungen ringe- troffen fein werden." Dagegm wird derft. Z " aus Pera, 14. Juni, gemeldet: Die schlimme Lage der türki schen Truppen bei Erzerum wird dem V.wrath der Kurden unter Huffein Bey zugeschricben. Huffein stellte dem Statt- Halter von Erzerum, Samith Pascha, vor drei Monate» 1000 Kurden zur Verfügung, wofür er 50000 Pfun, er

Uäen nimmt entgegen: Eptbftion d.Blattes, ^Annoncen-Bureaux r$, Dietrich & Co. in L und Hannover; Th. mch in Frankfurt a.M.; Mein & Vogler in Etat a. M., Berlin, Eg, Cöln rc.; Rudolf F in Berlin, Frank­furt a. M. rc.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach 6mm- und Feiertagen. PreiS ftlr daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage ,,3I*fhrtrte« «unNtuggölutt" durch die «rpeditton («och'fche Buchdruckerei) bezogen «ark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 8tert 50 Pf,, (rxl. Bestellgebühr). JnfertionSgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pf,. Für in der Expeditiou zu erthellende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pf,, berechnet.

V ] DieCorr. Stefani" schreibt aus Rom:Die Ver n t bet Großmächte scheinen Jialien diesen Sommer 1; verlaffen zu wollen. Herr von Keudell ist zwar nach W ! 1 8erCift' wird aber bald zurückerwartet. Sir AugustuS |lfl 11 »l befindet sich in Siena, aber das Siegel mit ihm.

! «Marquis von NoailleS gedenkt sich nach Caftellomare ; begeben. Die Barone Uxküll und Haymerle werden ! bleiben.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.BlatteS» sowie d.Annoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst;

Hermaun'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in

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Um vollständige Exemplare zu erhalten, er- |tn wir die Bestellungen für das dritte Quartal die

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ustrirtes Sonntagsblatt

dem 28. Juni gefälligst machen zu wollen.

Die Exp. d. Oberh. Zeit.

»buch eines Dreiuudachtzigers aus dem deutsch- um F französischen Kriege 1870 71.

Neueste Kriegsnachrichten:

Ruftschuk, 18 Juni. In letzter Nacht wurde auf dem jenseitigen Ufer eine größere Bewegung starker russischer Truppenkörper wahrgenommen, welche von Giurgewo gegen Slabbosta, das erste Dorf stromaufwärts, vorrückten. Die Bewegung begann Abends 7 Uhr und dauerte bis Mitternacht.

DasBureau Hirsch" bringt folgende Depeschen:

Athen, 18. Juni. Di« Studenten der hiesigen Uni­versität bildeten einen Krieger - Verein unter dem Namen Phalanx der Universität." Minister Trikupls gab einer studentischen Deputation, welche ein sofortiges kriegerisches Kammervotum verlangte, eine ausweichende Antwort. Die türkische Regierung hat die Nationalgarde Theffaliens wegen der dort herrschenden Gährung mobiiifirt.

Bukarest, 18. Juni. Heute wurde Turtukai von Oitenitza auS heftig kanonirt. Gerüchtweise verlautet hier, daß heute die Ruffen bei Braila den Donauübergana be­werkstelligt hätten.

Ragusa, 18. Juni. Die zurückweichenden Montene- griner werden von Suleiman Pascha energisch verfolgt. Im Süden waren die Montenegriner gegen Ali Saib Pascha glücklicher. Dieselben fordern dringend ein serbisches Hülfö- korps, da die Miriditen, trotz zugesagter Allianz, sich der Pforte unterworfen haben.

Tiflis, 18. Juni. Die Festung Ardahau wird mit sämmtlichen Forts geschleift ES bleibt nur die offene Stadt übrig. General Tfchernaj.ff ist hier eingetroffen. Derselbe ist dem Stabe des Großfülsten Michael Nikolajewitsch ohne fernere Bestimmung attachirt worden.

Lemberg, 18. Juni. Wie dieGazeta narodowa* mittheilt, empfing dieselbe durch einen aus der Flotte Hobart Pascha'S befindlichen M rriueosfizier polnischer Nationalität die Nachricht, daßDie tückische" Flotte sich augenblicklich bei Gibraltar befinre, um den russischen Panzerschiffen, welche am 4. Juni Brest verließen, aufzulauern.

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Tagesbericht.

n zuständiger Seite wird mitgeiheilt, daß bereits uf Grund des Patentgesetzes zahlreiche Anmeldungen ifindungen mit dem Gesuch um Patentirung oder rmerkung der Priorität einlaufen. Diese Gesuche

dcffeu wirkungslos, da das Patentamt erst am 1. i in Thätigkeit tritt. Gesuche, welche vor dem 1. ! eingehen, müssen entweder zurückgesendet roetben oder n ch unberücksichtigt bleiben, da die Priorität de» Ein. ;; | vor -dem 1. Juli kaum festgestellt werden kann und, i festgestellt, nicht einmal maßgebend ist.

156011 Ver Berliner Korrespondent derTimes" meldet fei# ' i Blatte Folgendes:Das Wiener Kabinet scheint zu ___j yen, daß die Reise des Fürsten Milan nach Plojescht, ♦r. bet Absicht geplant wurde, einen türkischen Angriff zu vziren und in dieser Weise Serbien mit einem Bor# Me zu versehen, Rußland unterstützen zu können ohne trreid) Ursache zu geben, sich beleidigt zu fühlen. Da inet Wiederaufnahme der Feindseligkeiten seitens Ser-

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Seite nieder gekniet, ihre Sippen im stummen Gebete bem Elsbeths für die Tobte vereinigend.

Es war ein stilles, schönes Bild, die beiden Frauen so Trabe knieeu zu sehen. Ringsum tiefe», abendliches »eigen auf bem kleinen Friedhöfe. Nur hier und da

Die Waise b«n Sonnenthal.

rische Novelle aus dem Kriege im Jahre 1866 von Rudolf Wellnau.

(Fortsetzung.)

8n einem der nächsten Abende hing sich Elsbeth an ter BabetS Arm und beide wanderten zu den Ruhestätten Entschlafenen. Der Todtengräber, der einst daS Grob Mutter Elsbeths gegraben, lebte noch. Er war alt grau geworden und sah so verwitert an», wie die hun- ihrigen Denkmale und Kreuze aus den ältesten Gräbern Heinen Dorf - Friedhofs; aber da» Grab, in welchem eths Mutter die ewige Ruhe gefunden, wußte er noch genau und bald standen Mutter Babel und Elsbeth w kleinen grünen Hügel, der daS Theuerste barg, was eth seit einigen Tagen für sich aus Erden kennen ge

hatte ihre Mutter I

hrere Minuten stand Elsbeth in stiller wehmüthiger tung an dem kleinen Hügel, bann übermannte sie merz und laut schluchzend sank fie am Rande im FrühliugSgrün aus ihre ftniee nieder. Nach und

aber legte sich der überwältigende Schmerz und machte sanften Trauer Platz.

beihS glühende Stirne, die fie in den Rasen des gedrückt, hatte sich gekühlt, sie erhob den ftepf, andächtig die Hände und hielt unter leiser rinnenden der theuren Verstorbenen im stillen Gebete ein es Todtenamt.

Mutter Babet war unter leisem Weinen an Eis-

leises Flüst rn des lauen AbeMwindeS in den Zweigen der Sträuche und Bäume auf den Schlummerstätten der Ab­geschiedenen, das wie klingendes Geisterlisp In mit schwachem Hauche durch die Lüste schlich. Die letzten Strahlen der scheidenden Sonne zuckten noch einmal über die Gräber und uwfloffen mit röthlich goldenem Schimmer die Gestalten der Betenden. Ein leichter weißer Schlummerduft zog in kräuselnden Wellen über die Stätte des Friedens heraus und hüllte endlich Gräber, Kreuze und Steine in einen durchsichtigen Nebelschleier. Eine Nachtigall begann in einem dichten Fliedergebüsch im Dunkel des herrlichen Abends in langgezogenen Tönen ihr klagendes Lied.

Langsam erhoben sich die beidm Be erinnen, Friede und Ruhe war auch in Elsbeths Inneres eingekehrt Ihre Seele hatte sich gestärkt und erhoben im Gebet am Grabe der Mutter; fie fühlte sich gekräftigt, nm mit Muth und Vertrauen bem ferneren Schicksal ihrer ungewiffen Zukunft entgegen zu gehen und den etwaigen Stürmen ihres Lebens kühn die Stirne zu bieten. Wie von überirdischem Glanze verklärt, strahlte ihr bleiches schönes Gesicht. ES war der Triumph eines vertrauenden Herzens, der Sieg einer in die Fügungen deS Himmels ergebenen Seele, die über da» verklärte Antlitz der schönen Elsbeth auSgegoffen waren.

Die letzte Thräue war gleich einer nächtlichen Thauperle in das Gras von ihres Mütterchens Grabe gefallen, jetzt war ihr Auge klar und sauft bewegt schaute es auf Mutter Babet. Bon stummer Rührung ergriffen warf sie sich in deren Arme und ließ sich Herzen und küffen von der tief- bewegten Frau, wie das Kind von der zärtlich liebenden Mutter. Kein Wort kam über Beider 8 ppen, die Herzen warm zu voll, ober sie verstanden sich, sie sprachen eine stumme, gleichwohl desto lautere und beredtere Sprache.

EiSbeth nahm Mutter Babet» Arm und schweigend verließ« fie dann den Friedhof.

Einige Wochen später prangte auf dem Grabe von EisbethS Mutter ein schlichtes, einfaches Holzkrcuz, welches die Buchstaben des Ringes, den Mutter Babet Elsbeth alS einziges Bermächtniß ihrer Mutter eingehändigt, als Inschrift erhalten, sowie daS Datum deS Todestages.

EiSbtth war fett jener wichtigen Entdeckung deS Ge- heimniffeS ihres Lebens an Reife deS Geistes unv Herzens ihren Jahren um ein Bedeutendes vorauSgeeill. Und es schien saft, als solle sich diese Reife auch auf ihren Körper übertragen, dessen Netze und höchst vollendete Formenfülle sich eben so rasch entwickelten, so daß sie bald nicht nur alS schönste Jungfrau des Dorfe«, sondern der Um­gegend galt. Bei allen ländlichen Festen strahlte fie al» Königin derselben, ihr wurde gehuldigt von Allen und sie trug stets den Preis deS Sieges davon. Dennoch war fett jener Entdeckung noch eine andere Veränderung in ihr vorgegangen, die ihrer Schönheit überdies den Anflug de» Interessanten gab. War vorher schon ihr Wesen dem Schwermüthigen zugeneigt, als ob es bereits eine trübe Ahnung einer dunklen Existenz beherrsche, so trug jetzt ihr Antlitz ben vollen Ausdruck einer stillen Melancholie. Ihre herrlichen dunklen Augen waren trotz der himmlischen Gluth, die in ihnen loderte nnd sich ost genug durch zündende Bsitze kund gab, von einer tiefen Wehmuth und Trauer verschleiert, die fich oft Tage lang durch nichts heben und verscheuchen ließ.Aber in solchen Tagen «ar auch der Zauber ihrer Schönheit reizender, mächtiger und hinreißender. Wehe dem Armen, der in solchen Augenblicken der buntten Gewalt dieser Göttin nahte, er war unrettbar ihrer geheimen Macht verfallen und sein Herz, seine Sinne, fein Leber, waren unwieder­bringlich verloren.

(Fortsetzung folgt.)