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Marburg, Dienstag, 19. Juni 1877
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Der „Reichs-Anzeiger" schreibt" Der Kronprinz beabsichtigt bet der Rückreise von Darmstadt die Kaiserin in Coblenz und den Kaiser in Ems zu besuchen. — Einer Mittheilung der russischen Botschaft an das auswärtige Amt zufolge, ist für die Dauer des jetzigen Krieges die Küsten-Schifffahrt (Cabotage) unter neutraler Flagge für alle Arten Ladungen, ausgenommen KriegS-Contrebande, zwischen allen Häsen des Schwarzen MeereS gestattet. — Die Pforte hat dem deulschen Botschafter angezeigt, daß ein auf das ganze türkische Reich sich erstreckendes Ausfuhr-Verbot von Pferden, Mauleseln und Rindvieh erlaffen worden sei.
Oesterreichische Blätter und zwar solche, die der Regierung nahe stehen, enthalten die Behauptung, daß die serbische Regierung auch in Zukunft neutral bleiben werde und daß eine hierauf bezügliche Erklärung von Seiten deS Fürsten Milan bei der Eröffnung der serbischen Landes- Vertretung erfolgen werde. Dem gegenüber können wir auf das Bestimmteste erklären, daß alle maßgebenden Persönlichkeiten in Serbien die Ansicht theilen, daß die Theil- nähme Serbiens an dem Kriege ganz unvermeidlich sei, und daß Fürst Milan, die Volksvertretung, der größte Theil des Volkes und fast die gesammte Prefle auf eine kriegerische Action gegen die Türket hinarbeiten. Auch die andere von den österreichischen Blättern colportirte Nachricht, daß die russische Regierung Serbien von einer Theil- nähme an dem Kriege abgerathen, ja sogar jede Gemeinschaft Serbiens mit Rußland weit von sich weg gewiesen habe, ist ganz unwahr und offenbar nur zu dem Zwecke in Umlauf gesetzt, um die aufgeregte Stimmung der Ungarn zu beruhigen, die ein Herauötreten Serbiens aus seiner Neutralität als die ungarischen Jntereffen im höchsten Grade bedrohend betrachtet und denen bisher auch stets von der österreichischen Regierung die Versicherung ertheilt worden ist, daß letztere für den Fall, daß Serbien an dem Kriege Theil nehmen und daß die Ruffen durch serbisches Gebiet marschiren, Serbien occupiren würde. Nun aber Rußland seine Truppen bis an die serbische Grenze vor
Jesu als eine Vision der Apostel bezeichnet und die gesammte Grundlage des ChristenthumS zertrümmert. In Folge dieser grundstürzenden Jnthümer sprechen die Gemeindeglieder an die hohe Kirchcnbehörde die Erwartung aus, daß die Wahl des Pred. Hoßbach, wie sie nach kirchlichem Rechte nichtig sei, thatsächlich auch für nichtig erklärt werde.
Weid an der Unglücklichen geübt, sowie auch dcS Entschlusses, das Kind der Verstorbenen zu sich nehmen zu wollen. Daß die Todte muthmaßlich eine Jüdin sei, was Lorenz dem Schulzen seiner Lieblosigkeit wegen nicht einmal gesagt, konnte bei dem würdigen Pfarrer an der Sache nicht« ändern; im Gegentheil, er erhob die gute That um so höher und stellte sie als reine und ächte Samartterthat dar, sür welche, wenn nicht schon hier auf der Erde, ihm und seinem guten Weibe einst der reichste Lohn im Himmel erblühen werde. Das war doch ein Wort der Anerkennung und der alte Lorenz hatte so recht seine Freude daran. Aber auch Mutter Babel freute stch höchlich über die schönen Worte des Herrn Pfarrers. —
Die Besichtigung der Leiche fand in amtlich üblicher Weise statt. Es wurde ein Protokoll darüber ausgenommen und dem nächsten GerichtSamt eingesendet. DaS hinter- laffene Kind der Verstorbenen anlangend, so war der Ge- meinderath gern damit einverstanden, daß daffelbe bei den Lorenz'jchen Eheleuten verbleibe, vorbehaltlich, daß sich entweder der Vater deS Kindes selbst, oder sonstige Anverwandte deffelben meldeten und seine Auslieferung verlangten.
ES wurden nun Bekanntmachungen der ganzen That- sache mit Beschreibungen der Person, Bekleidung, deS Ringes der Verstorbenen in allen öffentlichen Blättern erlaffen, um irgend welche Auskunft über die ganze räthfel- hafte Geschichte zu bekommen, aber vergebens, es vergingen Tage, Wochen, es vergingen Monate und Jahre, über den einfachen Grabhügel, der die Verstorbene auf dem kleinen stillen Friedhöfe zu Sonnenthal deckte, war längst Gras gewachsen — keine Seele fragte nach der Unglücklichen, keine, auch nicht die geringste Sunde war über ste zu erlangen.
Während dem war das Kind derselben herrlich gediehen, an Leib und Seele. Mutter Babet hatte daffelbe natürlich christlich taufen laffen und ihm mit Bezug auf die Buchstaben im Ringe der Mutter dm Namen Elsbeth gegeben. Die kleine Elsbeth, ober wie man fir auch häufig nennen hörte, .die Waise
Sure Last damit haben! Na, bist nun zufrieden, oder hast noch weitere Bedenklichkeiten?
Da horchte der Altbauer denn doch hoch auf und sah den armen Dorshirten Lorenz gewaltig groß an. Deffen Augen aber glänzten so hell und klar von innerer Zufriedenheit, daß vor diesem Strahle der Glückseligkeit über eine gute That der Altbauer beschämt seine Augen zu Boden schlagen mußte; es war ihm, als schrumpfte er, der reichste und größte Bauer im Dorfe Sonnenthal, zu einer Zwergkleinheit zusammm vor dem armen kleinen Dorshirten, der jetzt in einem Reichthum vor ihm stand, der den seinen wett überstrahlte, der zu einer Riesengröße emporgeschoffm, au der hinauszureichm er sich »ergebens bemühte.
„Meinechalben magS schon sein, wenn Du so viel «eg- zuwerfen hast," sagte endlich ziemlich verlegen und ohne den Kopf zu erheben der Altbauer. .Kriegst vielleicht einmal schlechten Lohn sür Deine Großmuth. Doch lasten wir das jetzt; willst Dir eine Ruthe ausbinden, magst sie haben! Jetzt aber wüsten wir thun, waS unseres Amtes ist und vor allen Dingen die Leiche amtlich besichtigen. Ich werde zu den Schöppen schicken und auch dm Herrn Pfarrer bitten, bei der Besichtigung zugegen zu sein."
„Noch eins, Altbauer," sagte Lormz, „hast heut oder morgen mit dem Fuhrwerk in der Stadt zu thun?"
„Just heut, antwortete der Albaner, „aber was willst damit?"
„Willst erlauben, daß ich einen Sarg für die Todte mUkommm laß?" bat Lorenz.
„Meinetwegen!" brummte der Altbauer.
„So ift's gut," sagte Lorenz und ging.* —
Vom Althof begab stch Lormz zunächst in die Pfarre und berichtete hier ebenfalls, was er dem Altbauer mitge- theilt. Hier hatte er freilich einen besseren Empfang, albet dem Schulzen. Der Pfarrer war ein ächt christlicher Geistlicher und freute stch herzlich und aufrichtig über die schöne That der Barmherzigkeit, welche Lorenz und sein
Frei, » für i. Dr. 1568 'S.
geschoben und diese von Turn-Severin aus nach Kladowa und durch das Marowa-Thal marschiren werden, um mit Umgehung des Festungsvierecks nach Sofia, Adrianopel u. s. w. zu operiren, beeilen sich die österreichischen Blätter den Ungarn beweisen zu «ollen, daß eine solche Operation den österreichischen Jnteresten keineswegs nachtheilig sei und daß Serbien selbst die Waffen nicht ergreifen werde, daher ein Großserbien auch nicht zu befürchten sei. Ob die Ungarn stch jedoch hiermit befriedigen werden ist eine andere Frage, unmöglich wäre es freilich nicht, daß die ungarischen Abgeordneten, wie bisher, so auch künftig durch Versprechungen von Seiten der ungarischen Regierung hin- gehalten würden, bis die Thatsachen stch vollzogen und Oestereich den Zeitpunkt für gekommen erachtet, wo eS zur Occupation Bosniens schreiten kann, welche die Militärpartei von Anfang an gefordert hat.
Der Einfluß, den England in Europa auSübt, beruht auf seiner Oberherrschaft zu See, — ohne diese würde England in die Reihe der Mächte zurückstrken, die Im Europäischen Conrert weder Sitz noch Stimme habm. Nun besitzt aber das Jnselreich so gewaltige Geldmittel, daß einige Millionen Pfund Sterling keine Rolle spielen, wenn es sich um eine Verstärkung der Flotte, um die Ver- werthung irgend einer neuen Eifiidung handelt. Mit Leichtigkett hat England stch auf dem Laufenden erhaltm, eS hat sich die stärksten Panzerschiffe und die wirksamsten Geschoffe angeschafft, um stch durch keine Seemacht der Welt überflügeln zu laffen. Allerdings war dies bisher nicht schwer. Da» deutsche Reich ist eine sehr junge Seemacht und hat alle Hände voll zu thun, um seine Flotte auf einen Fuß zu stellen, der ihm gestattet, seine dringendsten Jntereffen allerwärtS vertreten zu können. Frankreich, »on drei Setten von der See bespült und dadurch ein natürlicher Concurrent deS JnselreichS, ist damit beschäftigt, sein Ansehen als Continentalmacht wiederherzustellen, Rußland ist durch seine geographische Lage überhaupt verhindert, eine Rolle als europäische Seemacht zu spielen. Spanien und die Türkei sind kaum zu rechnen, weil sie kaum die Revolution im Jnlande bezwingen können. Somit existirte Niemand, der den Engländern ihre Oberherrschaft bestrit- tm hätte. Ein weit gefährlicherer Feind, als alle Flotten der Welt, hat sich heute der englischen Oberherrschaft gegenübergestellt, und das ist eine technische Erfindung: die Torpedo-Waffe. Ein Fischerkahn kann mittelst dieser Erfindung dem herrlichsten Panzerschiffe Concurrenz machen, und den VernichtungSkampf mit einem ganzen Geschwader
die
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Jlluftrirtes Sonntagsblatt t dem 28. Juni gefälligst machen zu wollen. Die Exp. d. Oberh. Zeit.
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Mr in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 35 Pf«, berechnet.
.Wär' mir schon Alles recht," antwortete kleinlaut der i Kauer, „wenn nur das Kind nicht wär'! Da sttzt'S! ini 6H ‘ habe ich meine Bedenklichkeiten!"
‘ .Das wär'-?" fragte Lorenz und sah den Altbauer i einem strafenden Blick an. „Schäm' Dich, Altbauer,
Deine Seel' hinein! Hält' bester von Dir gedacht, inet Treul Bist der reichste Kerl im Dorf, hast selbst t ein Kind, und hast Bedenklichkeiten einer atmen Waise 112*8 gen! Ich bin ein armer Kerl, aber ich und meine Babet
* 73,31. 6tti uns keinen Augenblick bedacht, was mit dem Kinde ttben soll! Habe keine Angst deS WürmleinS wegen, —- I bleibt mein und weder Du noch die Gemeinde sollt
L« nimmt entgegen: Wdttiond.Blattes, Nnnoncen-Bureaux rh. Dietrich & Co. in Tunb Hannover; Th.
in Frankfurt a.M.;
vJaatxx Noaler in
Wtf jba'ch in Berlin von Mitgliedern der St. Jacobiparochie Laad- dem Königl. Konststorio eingereicht ist, gtündet stch
1 folgende Punkte: 1) Hoßbach theile die Anschauung Itenbrti vekenntnißschriften nicht, und könne ihre Lehrsätze nicht chl i i-rschreiben, 2) er halte die Bibel nicht für untrügliche Stifte« «hrheit, 3) Jesum Christum nicht sür wahren Gott, ttrn sür wahren Menschen, 4) er leugne jedes wunder-
i beste, t Eingreifen Gottes in die Welt, 5) er stehe aus dem mdpunkt der modernen Weltanschauung, 6) er glaube Expft t an die Geburt Jesu von der Jungsrau Maria. 7) [1669 m diesen im geordneten Gottesdienste ausgesprochenen 1A । Hauungen habe er in einem am 23. Februar im Ber- 10 k Union« Verein gehaltenen Vortrag „Das Christen- ' « der Urgerneinde" (bei A. Haack, Dorotheenstraße 55)
------\ ezu sämmtliche Heilthatsachcn der evangelischen Ge- P hte bestritten und geleugnet, insbesondere die Auferstehung
, fine Allerhöchste Kabinetsordre, welche sich genau dem alte deS Erlasses an den Präsidenten Hegel anschließt, ■ । dem Kultusminister und dem Oberk-rchenrath die cheidung bezüglich de» Hegel',cheu EntlaffuugsgesucheS 1 mt. Die Kabinetsordre schließt mit dem AuSdrucke Erwartung, daß nicht nur der Königlichen Entscheidung le Folge gegeben, sondern auch, daß der Minister und 1 Oberkirchenrath dem Könige „in dieser sür unsere tttf» izelische Kirche so kritischen Zeit" auch ferner kräftigst ascheSe । Seite stehen werde.
- r$er Protest, welcher gegen die Wahl deS Pred. Lic.
Die Waise den Sonnenthal.
»rische Novelle aus dem Kriege im Jahre 1866 von Rudolf W-ttnau.
(Fortsetzung.)
3. Kapitel.
Die Waise von Sonnenthal.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. SUI.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in
Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in
Bremen.
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I ^»hessische« Zeitung:
Uor sieben Jahren.
I Schuch eines Dreiundachtzigers aus dem deutsch- ; französischen Kriege 1870)71.
Um vollständige Exemplare zu erhalten, er- m wir die Bestellungen für das dritte Quartal
„Heb’ nicht so übles von einer Unglücklichen, von einer bten, Altbauer," nahm Lorenz das Wort; „wie kannst . * 1 * 1 behaupten, daß ste eine schl'chte Person war. Sie ist -teritt t nnb lann sich mcht vertheidigen. Friede ihrer Asche! ,n ' i kann vielmehr eine Unglückliche sein, die vielleicht
K tjefe8 Mitleid bedarf und verdient! Doch da« [1572 ber botf oben, wir haben kein Recht, über ste zu 10 Pf. firn und den Stab über ste zu brechen! Und — was machen ist, meinst Du? Nun was soll da groß zu chen sein? Die Gemeinde wird doch wohl bet Armen i Mtzlein auf dem Kirchhofe gönnen, wo ste schlummern 6 und ruhen von den Leiden dieser Erde? Weiter darf eS nichts! Ich habe Dir ja schon gesagt, daß die de so viel Geld bei stch trägt, wie das Begribniß auS- cht, also macht ihre ehrliche Bestattung der Gemeinde , D« « Kosten. Na, waS hast Du weiter noch für Bedenk-
Lrt a. M., Berlin, Cöln ic; Rudolf Tin Berlin, Frank-