XII. MkMI
ZNarKurg, Sonntag, 17. Juni 1877.
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Politische Woche«. Urberficht.
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dksem Distelacker de- ungarischen CabinetS, nehmen Znterpeüatiooea im pester Abgeordnetenhause kein
e aus Donnerstag Übend anberaumte Abreise unseres zur Kur nach Ems wurde roch zu erledigender er Geschäfte wegen auf Freitag Abend verlegt. Bismarck ist, wie man vernimmt, mit seinem Befii- Ikisst ligen ganz zufrieden, soll aber dort sehr an- otbeiten und sowohl mit den deutschea Botschaftern it dem auswärtigen Amte in Berlin viel correspon- Neben den sortgehenben diplomatische Berständi- crsuchm in russisch türkischen Angelegenheiten sollen zier fortwährend die Anstrengungen der internatio- Polit k des Vatikans und der Ultramontanen in eich, Belgien, Oesterreich n. f. w. beschäftigen. Ja n hat inzwischen der städtische Magistrat die Er« zu einem (seit 1870 eingeführten) öffentlichen ge für den Papst, der am 17. d. M. Statt finden versagt und zwar mit Bezugnahme daraus, daß der beim Empfange deutscher Pilger am 17. v. MtS. en mit „Attila" verglichen hat und seine setndselige g gegen Deutschland nur steigert. Am Mittwoch rde auf $er Gerichtshof für kirchliche Angelegenheiten die Ad- gegai Bß des Bischofs von Limburg ausgesprochen und am Zuni hat der Regierungöralh Bötticher die Verwaltung rikaii«, vermögens des durch Urtheil vom 30 Mai v. I. er Sen bischöflichen Stuhles zu Trier übernommen. Am litte, tz, starb auf feinem Landsitze in Seeheim der regte« [1561 ( Großherzog Ludwig III. von H.'ffen, 71 Jahre Sein Nachfolger ist der Sohn feines ihm im Tode »orangegangenen Bruder« Karl, Prinz Ludwig, ver- t mit Prinzessin Alice von Großbritannien.
^Oesterreich stehen die Verhandlungen der beiden ZabrHmt Deputationen im Vordergründe der inneren Politik, sllll ungarische Deputation erließ ein von Fa>k ausgear« ------ irt, sehr breitspuriges Nuncium, ans ta« die Ant« ren M । zst«reichischerseitS zu Ende dieser Woche erwartet rnstea , gn Pxsth hofft man von Fa't's Schrift mehr, als andern gjtn zugestanden werden dürfte. TiSza ihat fein lenS dt MeS, um die vielen Klippen, die dem Ausgleiche en, zu umschiffen; aber die Arbeit wird ihm von
OCh - « pesther ehemaligen Freunden, wie von seinen alten
V____j v neuen principiellen Feinden in Wien so sauer wie
d M. gemacht. Auch in der orientalischen Politik,
*■’ > Der schweizerische Bundcsralh hat eine Erklärung :_____ ßeutttcht, daß durch Annahme des Vorschlages der
ne, statt de« Kreuzes den rolhen Halbmond als Unter- jfjjt rungSzeichen sür bte türkischen Truppen auzueikennen, 877.
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Die Wnise do« S-nnenthal.
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Nähere« über ste von der Fremden mit jeder Minute
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Der schwere entscheidende Augenblick rückte rasch näher, unsäglichen Schmerzen und Qualen trotz de« auf sten Beistände« von Seiten der Mutter Babel genaß Fremde eine« Töchterlein«. Der schwere Augenblick vorüber und mit ihm die Leiden nnd Schmrzen der cklichen. Still und regungslos lag ste da, — sie war Leiche. Die Thurmuhr de« Dor e« schlug Mttter«
(Fortsetzung.)
Allerdings hätten sie geren etwas W, aber e» war rein unmöglich,
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K 69,3» Slutter Babel sah doch ihren Mann ernst und bedenk- - an, als ste das neugeborene Kindlein mit dem ersten hdürstigsten versehen, neben diesen an das Bett trat, : lvckhem die Todt« lag. Tie begannen dann die Klri-
msche Novelle aus dem Kriege im Jahre 1866 von Rudolf Wellnau.
n zu erfahren, da ihre Schmerzen verstärkten, sie an« einer Ohrmacht in die andere w l ließen, um ste in den Zwischenräumen vom heftig« Fieber ,chütteln zu lasten, und ste somit unfähig ., zu denken oder zu reden. JedenfalS aber wußte t gewandert sein, was bei ihrem Zustande u.ib der ., regnerischen F ühjahrS-Witterung ste dem Tode gebracht hatte. Diese Ansicht schien sich nach den ehmungen der Mutter Babel mehr und mehr ver- ern zu wollen, und wie wohl die beiden Hirtenleute ziemlichen Schrecken bei dem Gedanken an den ettvai- üd der Fremden hatten, so waren ste doch fest ent«
, ihr barmherziges Samariterwerk zu Ende zu
diese Amderung bezüglich der Genfer Convention sür die beiden kriegführenden Staa en aus die Dauer dieses Krieges Geltung hat.
Das Ereigniß der Woche ist in Frankreich der Pakt, den die Legitimisten mit den Männern des 16. Mai ge schloffen haben, um gemeinschaftlich mit allen übrigen Mo narchisten unt.r Führung der Ultramontanen die Herstellung der Monarchie sür 1880 jetzt kräftig vorzubereilen. Mac Mahvn empfing wiederholt Vertraute de« Grafen Chrmbord im E yfe:, während Fourtou mtt den Bonaparlisten als echter donapartistisch geschulter KampfeSmeister vorgeht und Broglie die Orleanisten und „eigentlichen" Constitutionellen für die S che der moralischen Ordnung zu „conservireo" sich bemüht. DaS Cabivet rechnet für den Fall der Auslösung der Deputirtenkammer im Senate auf eine Mehrheit von einer bis drei Stimmen; eö wird ober zuvor von den Deputirten den sofortigen Eintritt in die Budgetberathung verlangen und Gambetta will als Vorsitzender des Budget- auSfchusteS diese Forderung „im Princlp" gut heißen, aber zugleich beantragen, daß über die Vertrauenswürdigkeit deö Ministeriums vom 17. Mai abgestimmt werde.
Der Rücktritt des spanischen Finanzministers Bar- zanallana ist eine beschlossene Sache; als Nachfolger nennt man zwei Namen: Lope Gisbert und Orovio. Die Unruhen in BiScaya, wegen deren eine Anzahl Verhaftungen vorgenommen wurden, haben keinen ernstlichen Charakter angenommen.
Von größerer Bedeutung als die vielfachen Fragen und antworten im Parlament, welche die auswärtige Politik betrafen, war die am 8 d. erfolgte Rückkehr deS russischen Botschafters Grasen Schuwalow nach London. Er führt dem Vernehmen nach eine JnstrukttonSsepesche mit sich, auf Grund deren er der englischen Regierung versichern kann, daß der Suezkaual und Aegypten keinerlei Angriff oder Schädigung von russischer Sette zu befahren haben würden; daß auch Konstantinopel und die Dardanellen in dem Schriftstück zum Gegenstände linoenbet Zusagen gemacht worden seien, wird bezweifelt. Allerdings würden solche russische Versprechungen in London keineswegs auf unbedingten Glauben stoßen. Im Uebrigen ist von Seiten der englischen Regierung ein beruhigendes Stichwort aus- gegebcn worven.
Der Kaiser von Rußland traf am 8. d. in Bukarest ein und begab sich ton dort nach dem Hauptquartier in Plojesti, wo er augenblicklich noch weilt. Dort firden wettere Verhandlungen mit Rumänien Statt; auch erwartet man dort den Fürsten Milan von Serbien der am 14. d. von B.lgrad abgereist ist. Manche Anzeichen laffen auf den von Rußland augenscheinlich gewünschten Eintritt von ' Serbien und Griechenland in den Kampf schließen. DaS
der derselben zu untersuchen, ob sie vielleicht etwas darüber finden möchten, wer und woher die Fremde sei, wohin sie gewollt une dergleichen, um einen Anhalt ober wenigstenS etnen Fingerzeig zu haben, was sie mit dem Äinbe beginnen sollten. Aber wie ste auch suchten, außer einem fieber« biutelchen, mit einigem Rttsegelde jedenfalls, fand sich nicht die mindeste Spur, welche irgend welchen Anfschluß geben oder auch nur hätte dahin führen können, wer die Verblichene fei — Nur an der rechten Hand sand sich ein goldener Rinz der ein einfacher Trauring zu fein schien. Diesen zog Mutter Badet ab, um nur ein Zeichen zu haben, da« dem Kinde ein Andenken an die verstorbene Mutter sein konnte. Im Innern Raume deS Ringe« standen die Buchstaben: „A. K. und E. K. 15. September 1841" eingravirt, welche jedenfalls die Namen der Ettern und Tag und Jahreszahl der Trauung bedeuten sollten.
„Was meinst Du, Lorenz?" fragte Mutter Babel ihren Mann, als Beide mit der erfolglosen Untersuchung der Kleiber ber Tobten zu Ende waren.
„DaS ist jedenfalls eine verhiagnißvolle Nacht," entgegnete dieser.
„Und ich meine," sagte Mutter Badet, „eS ist ein Fingerzeig vom Himmel, Lorenz, der, weil et un« selbst b:n Kindersegen versagte, uns den armen Wurm einer Unglücklichen zugeschickt hat, damit wir an diesem Elternstelle versehen sollen."
„ES kann wohl so sein," meinte der Mann, „und nenn Du meinst, — nun, so behalten wir bat Kind und erziehen e«, so gut wir eS eben können."
„Was sollte auch weiter werben, wo soll da« arme Ding hin," sagte Mutter Labet, „wir thun ein Werk ber Barmherzigkeit an ihm — und damit hat die Geschichte ein Endel"
„Amen l" sagte feierlich Lorenz.
erstere rüstet mit überstürzender Eile, und Griechenland, welches sich durch sein CoalitionSministerium zur Aktion vorbereitet hat, unterstützt ziemlich offen die aufrührischen Bewegungen in Thessalien, EpiruS und auf Kreta, liebet den Zeitpunkt deS Donau-UebergangeS wird rufsifcherseiiS daS tiefste Stillschweigen gewahrt, doch kann derselbe schwerlich lange auf sich warten laffen. Die durch Torp-dvS im Donauarm von Matschin eingeschloffene Panzerflottille ist durch Aarifi Pascha au« ihrer bedrängten Lage befreit worben; auch mißglückte ein in der Nacht vom 9. auf den 10. unternommener Torpebcangriff ber Ruffen auf die in der Sulinamünbnng ankernde Seeflotte. Gegen die Montenegriner, welche seit dem FriedenSschluß vom vorigen Jahre den südlichen Theil der Herzegowina besetzt gelten, haben die Türken von Sienitza, Spusch und Piva her drei Angriffe unternommen, von denen aber nur der letzte ernstlich gemeint war; dort gelang es ihnen denn auch tn einer Reihenfolge blutiger Kämpfe, die am 4. d. begannen, ihre Gegner au« Krstoc und d m nördlichen Theile de« DugapaffeS hinauSzuwerfen, so baß die V-rproviantirung von Niksttsch kaum mehr gehindert werden kann. Man hat sogar in ber Voraussicht baß hier Truppen verfügbar werben, den gegen Serbien am Timok ausgestellten Selami Pascha mit seiner Armee nach Asten entsandt. Dort soll Mukthar, der noch immer im Lager von Servin steht, durch den eben so unfähigen Derwisch Pascha ersetzt werden. Da« Centrum der russischen Arpatschaiarmee hält Kars cernirt, der rechte Flügel hat Pennek und Olli und ber linke Karakiliffa besetzt. Auf eine längere Dauer beS Krieges läßt eS wohl schließen, baß Rußland sich mit einer Anleihe von 307Vz Millionen Reichsmark an den europäischen Geldmarkt gewandt hat, während die Türkei, der diese« Mittel nicht mehr offen steht, sich mit einer inneren Anleihe begnügen muß.
Lage-bericht.
Der Kaiser hat, wie wir hören, nun auch zum zweiten Male feine Stellung und feine Ansicht über die neueren Ereignisse auf kirchlichem Gebiet, wie sie in Berlin zu Tage getreten, klar bargelegt, und zwar ist die« noch viel deutlicher geschehen, als in dem Telegramm an die Elberfelder Kreissynode. Die Angelegenheit de« Consistorial-Prästdenteu Dr. H.-gel hat nämlich, wie wir von sicherer Seite hören, ih:e Erledigung gefunden; und zwar nicht zu Gunsten der liberalen Strömung. Der Kaiser hat nämlich da« Ent« laffungSgesuch deS Präsidenten H gel nicht angenommen, sondern zurückgewiesen und dem Präsidenten Hegel auf seine Bitte, ihn von seinem Amte zu entbinden, unter Hinweisung auf die Vorgänge ber neueren Zeit innerhalb der
3. Kapitel.
Die Waise von Sonnenthal.
Am Morgen nach jener verhängnißvollen Nacht war eS das Erste, daß Lorenz seine Schritte in den Althof lenkte, um dem Altbauern, dem Schulzen der Gemeinde Sonnenthal, Anzeige von dem in der Nacht in seine« Hause Geschehenen zu machen.
Im ganzen Dorse hatte natürlich bis jetzt keine Seele eine Ahnung von dem Ereigniß während der Nacht im Hirtenhause. ES ging dieS auch sehr begreiflich zu, da, wie wir bereits wiffen, das HirtenhauS am äußersten Ende de« Dorfes lag, ein laute» Hundegebell während ber Nacht aber in einem Dorfe nichts Ungewöhnliche« ist und zudem sich die Hirtenhunde sofort wieder beruhigt hatten, al« sie gehört, daß ihr Herr munter geworden und bereits im Hause beschäftigt war.
DaS Stillschweigen der Hande hatte aber nun wieder den Nachtwächter veranlaßt, feinen Gang nach dem Hirtenhause, den et bereit« angetreten, wieder aufzugeben und so hatte denn auch dieser von Allem nichts erfahren.
Der Altbauer machte große Augen, al« er die Kunde von dem Geschehenen vernahm und runzelte düster und bedenklich die Stirn, als er hörte, daß die Verstorbene auch nicht das Mindeste an sich trüge, was auf eine Spur führen könnte, wem sie angehöre oder woher sie gekommen und wohin sie wollte.
„Das ist eine verteufelt kitzliche Geschichte, Lorenz," sagte er, als dieser geendet und schob sein schwarze« Sammt- kippchen unmuthig von einem Ohre zum anderen.
„Wer wird die Person sein, eine Landstreicherin, eine Vagabondin, wenn nicht noch schlimmeres! Was ist da zu machen?"
(Wwtfetmua W.)