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Marburg, Sonnabend, 16. Juni 1877.
XII. Jahrgang.
AnWHe jfitmig
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Die Waise lix Sonneathal.
isch« Novelle au- dem Kriege im Jahre 1866 von Rudolf Wellnau.
(Fortsetzung.)
Der Alte wüthete wie eia Tyrann, er bot Himmel Hölle auf gegen seine« Sohn, er mißhandelte sein b, da» tw flehend zu Füßen gelegen, seinem Sohn väterlichen Segen zu geben, er gab ihm seinen Fluch stieß ihn enterbt zum Hause hinaus.
Das ganze To.f beschuldigte ihn der Ungerechtigkeit seiner Familie, er legte sein Schulzeramt nieder und chat, was er wollte.
Was war es aber mit dem Mädchen, das der Sohn Altbauern zur Frau genommen, das dem Altbauern verhaßt und zur Schwiegertochter nicht ebenbürtig war, Im selben Dorfe wohnte und dennoch weder Namen, Eltern, noch Verwandte, weder Hetmath noch Vater
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Der Kaiser hat dringender Regicrungs Geschäfte wegen le ti* ! Abreise nach EmS auf Freitag Abend verschoben. — R Hof hat heute eine vterzehntägige Trauer für den Drbenen Großherzog von Hessen angelegt.
Wiewohl zur Stunde das Wahlresultat im 6. Berliner chlkceis noch nicht vorliegt, so kann doch schon jetzt so j konstatirt werden, daß die Wahlbewegung von Seiten x auti-sccialistischen Parteien, mit Ausnahme der Fort« ' Rittet eine sehr geringe gewesen, Freiconservative und Aservalive gar nicht gewählt haben, weil diese Bedenken Lagen, Löwe ihre Stimme zu geben, so daß an dem Ec Hasenclever- kaum gezweifelt werden darf.
Dir Pariser „Correspondenee Universelle" toifie Journale haben über die Abreise des Mini großen Lärm gemacht. Jndeß begiebt jimifchc Boischafter nicht, wie man hat muihmaßen OUkttt Een, nach Turin, sondern in das Bad Royat, wohin ftine Mutter begleitet." Dagegen meldet nun die in m erscheinende „Corresp. Stefant" vom 12. d. Mts.: Mini ist gestern nach Turin gekommen und heute tbtt nach Paris zurückgekehrt." Die republikanischen itter waren also in der Thatsache nicht unrecht berichtet.
Wenn man den angeblich aus bester Quelle schöpfenden "Hrichten vielgrlesener Blätter, wie Z. B. der „Frankfurter j Mug" glauben sollte, so würde sich in naher Zeit auf if i । Gebiete der hohen Politik ein Frontwechsel vollziehen, Z km die Beziehungen der deutschen Regie« ung zu Ruß id erkaltet, und die Bemühungen Englands, Rußland tbem Dreikaiserbündniß zu ersetzen nickt ohne Erfolg 1 würden. Zur Unterstützung die Combination wird in noch angeführt, daß die französische Regierung mit * Mitteln danach strebe, die französisch russstche Allianz Stande zu bringen, in welche dann Italien, da- sich dem Besitze von Trient und Triest sehnt, hineinge- n werden solle. Nichtsdestoweniger sind die mit so Zuversicht austretenden Behauptungen völlig irrig, Einvernehmen Rußlands mit Deutschland war niemals icher als gegenwärtig, und wenn die englische Regie- sich in jüngster Zell mehr als je zu nähern sucht, so die letztere diese Gelegenheit benutzt, um die Besorg- EnglandS wegen einer die englischen Jntereflen Verden von Rußland beabsichtigten Machterweiterung zu higen. Daß diese Versuche von Erfolg gekrönt wor- find, gehl auS der Haltung der englischen Journale or. Auch wird England sich schwerlich beeilen, zur
hatte?
Sin Geheimniß lag hier j denfallS zu Grunde, aber n bestand eS? — Soviel wir fitzt schon wissen, wollen den Lesern gern verrathen.
8m äußersten Ende deS Dörfchens Sonnerthal lag kleines bescheidenes Hüttchen. ES war von einem chen eingefriedigt, das sich hinter dem Haufe bis zum fbach hinunterzog. DaS Häuschen hieß das HirtenhauS, feit langer Zeit immer der Hirt deS Dorfes es be t. In diesem Häuschen wohnte denn auch in der von der wir erzählen, der ehemalige Geweindehirt •ftnj mit seiner Frau Babet. Beide waren nicht mehr Bfl; der Mann besorgte, zur Zell deS Beginns unserer ljihluug, sein Amt alS Dorf- oder Gemeindehirt in noch ßiger Weise; dir Frau oder „Mutter Babel", wir sie
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Sicherung deS Suezkanals besondere maritime und militärische Maßregeln zu ergreifen, da Rußland ganz andere Dinge zu thun hat, als an die Blockirung des Suezkanals zu denken. DaS überhaupt das Schicksal der türkischen Festungslinie in Armenien sich ebenso rasch vollenden wird, als die Operationen der Russen an der Donau langsam von Statten gehen und ein entscheidender Erfolg der russischen Waffen auf dem europäischen Kriegsschauplätze mindestens noch einige Monate auf sich warten lassen wird, so ist gar kein Grund abzusehen, weshalb Oesterreich und England für die nächste Zukunft aus ihrer Passivität herauS- tretcn sollten. Woraus in diesem Augenblick die russische Regierung den größten Werth zu legen scheint, ist ein von Erfolg geklönter Versuch, nach den in nächster Zeit zu erwartenden entscheidenden Stegen in Asien einen Frieden mit der Pforte zu Stande zu bringen, der Rußland in Asien den Besitz von Hocharmenien sichert und in Europa der russischen Regierung gestattet, ihre Heere von der Donau zurückzuziehen, nachdem die Pforte die Eonferenz- vorschläge der Mächte in Konstantinopel angenommen. Wir haben Grund zu der Annahme, daß Oesterreich und Deutschland die in dieser Richtung laufenden Bestrebungen der russischen Politik nicht durchkreuzen und Europa vielleicht der Segnungen des Friedens sich eher erfreuen wird, als heute noch vielfach angenommen wird.
Wie das „Bureau Hirsch" mittheilt, hat der serbische Ministerrath beschlossen, ein Memorandum an den Fürsten Gortschakoff zu richten, in welchem betont wird, Serbien müsse ous seiner Passivität heraustreten, wenn es von Rußland nicht ein bestimmtes Versprechen erhalte, daß eS bei dem einstigen FriedenSschluß eine Entschädigung für die von ihm gebrachien Kriegsopfer finden werde. Serbien beanspruche eine Vergrößerung durch die Kreise Nvvibazar, Risch, Klrinzwornik und die Aufhebung des VasalleuthumS. PertirS ist gleichzeitig mit der Ausarbeitung eines Exposes über die Wehrkrafi Serbien» beschäftigt, welches dem Großfürsten Nikolaus übergeben werden soll.
Die russischen Truppen an der Donau haben in den lltzten Tagen eine allgemeine Verschiebung vorgenommen. Die Haupt-Concentrirung wird, wie die „N. Fr. Pr." meldet, augenscheinlich gegenüber Nikopoli und Sistowo bei Oltenitza und zwischen Braila-Galatz stattfinden. Es verlautet, daß Mitte nächster Woche ein Uebergang versucht werden soll, doch scheint absichtlich eine falsche Nachricht diesfalls ausgesprengt zu werden. DaS rumänische Ufer ist noch immer meilenweit unter Wasser. Die Hitze ist, wie auS Bukarest gemeldet wird, unerträglich, trotz einigen Regens, der niederfiel. Bisher ist keine Epidemie constatirt worden.
allgemein im Dorfe hieß, war Hebamme der Gemeinde. Beide lebten still und harn loS ihre Tage dahin, ihr sorglose« Leben sich durch Zufriedenheit würzend. Kinder halten sie nicht hatten auch keine gehabt; sie halten sich an daS kinderlose Leben gewöhnt und wünschten eS nun nicht, mehr anders. Dennoch sollte ihnen da«, was ihnen die Ehe nicht gegeben, auf andere Weise zugeführt werden:
ES war im Frühjahre dcS Jahres 1844, als in einer Nacht die Schäserhunde deS Hirtenhauses in Sonnenthal einen fürchterlichen Lärm begannen und auch nicht wieder ruhig wurden. Ehe noch der Wächter deS Dorfes an Ort und Stelle kam, waren der alte Lorenz, fammt seiner Frau Babct, schon erwacht und der erstere, in seinen Schafpelz gehüllt, begab sich zur HauSthür, um zu sehen, waS die Hunde beunruhigte. Ehe er aber die Thür öffnete, hörte er schon ein Wimmern und Stöhnen vor dersetben. Die Nacht war stürmisch, regnerisch und finster und vor« läufig konnte Lorenz nur bemerken, daß eine menschliche Gestalt auf der Thürsch welle zujammengekauert hockte, von der das Wimmern und Stöhnen auSgiug.
„Wer ist da?" sagte Lorenz, b-kam aber nur durch verstärkte- Wimmern Antwort. Aus der Stimme jedoch entnahm er jtz«, daß eS eine weibliche Person sei, die er vor sich habe und die entweder krank oder sonst hülfsbe- dürsiig sei. Er besann sich deßhalb auch nicht lange, eilte in die Wohnstube zurück, zündete Licht an und veranlaßte seine Frau, sich schleunigst anzukleiden, um nöthigenfallS cimr Kranken helfend beispringen zu können. Dann eilte er selbst mit der Laterne wieder hinaus und hörte hier eben von schwacher, herzzerreißender Stimme die Worte:
„Erbarmen I Erbarmen! Ich sterbe!"
Lorenz machte sich nun mit der Frau oder dem Mäd chen zu schaffen, um sie aufzurichten und in die Stube zu bringen. Aber die Unglückliche oder Leidende «ar so schwach
Das Gefecht zwischen türkischen Panzerschiffen und russischen Torpedoboten an der Sulinamündung scheint ziemlich resultatlos verlaufen zu sein; nach der in den De- pejchen mitgetheilten amtlichen rnsstichen Darstellung wird ein Kutter vermißt. Der Daily Telegraph erhält über die Affaire folgenden augenscheinlich sehr gefärbten Bericht: „ES stellt sich jetzt heraus, daß die Russen ihren Angriff mit sechs durch Dampf getriebenen Torpedo - Lancirbvoten unternahmen, und zwar wie gewöhnlich bei Nacht. Die Türken hatten ihre Schiffe, gemäß den Vorsichtsrathfchlägen Hobart Pascha'S, mit einem Kreise von Booten, die mit Ketten verbunden waren, umgeben. DaS erste russische Lancirboot rannte an die Kette an und entsandte einen Torpedo, welcher das vorderste Panzerschiff traf, ohne viel Schaden anzurichten. Nachdem die Türken durch den Zusammenstoß der feindlichen Lanctrboote mit der Boriette geweckt worden waren, hatten sie genügend Zeit, ihre Geschützrohre zu senken und auf die Angreifer ein vernichtendes Feuer zu eröffnen, da die Schußweite leicht durch die Entfernung, in welcher die Boote verankert worden waren, bestimmt werden konnte. Bei dem so warmen und uner- wartetm Empfange suchten die Russen ihr Heil im Rückzüge, der sie in arge Verwirrung mit dem Verluste von drei (?) Laucirschiffen bewirkten; die Mannschaft jener Schiffe ist wahrscheinlich ertrunken 6 8 aus sechs Gefangene, darunter ein Amerikaner, welche den Türken in die Hände fielen."
Vom armenischen Kriegsschauplätze meldet der Berichterstatter der „Daily News" in Konstantinopel: „In Folge deS Verlustes von Ardahan sind mehrere türkische Offiziere erschossen worden. Ein plötzlicher Zusammenfall droht augenscheinlich. Erzerum ist unversorgt, Peniak geräumt mit einem Verluste von 6000 Mann, Ölti erobert. Zwischen Erzerum und Trebizonde find die Straßen von Deserteuren bedroht. MukhtarS Heer ist äußerst mangelhaft an DiS- ciplin. Ueberall sind die Russen siegreich, organistren daS Land, zahlen für Alles und werden gut aufgenommen. In der türkischen Hauptstadt ist große Gedrücktheit. Botschafts- Nachrichten melden, in MukhtarS Heer sei vollständige Demoralisation, in dem russischen gute Disciplin."
Neueste Kriegsnachrichten:
Wien, 14. Juni. Telegramm deS „Tagblatt" aus Turnfeverin: Die Russen scheinen den Donau Uebergang auch in hiesiger Gegend zu beabsichtigen. Die Türken sind hierauf vorbereitet und concentriren Truppen an der Mündung des Timok. Der General Intendant des 9. russischen Armeekorps wird in Kladowa erwartet.
Ragusa, 14. Juni. Während daS Gros deS türkischen CorpS unter Suleiman Pascha marschirte, machte die
und hinfällig, baß sie fast kein Zeichen deS Lebens von sich gab und mit geschlossenen Augen, bleich wie der Tod, lag sie da.
Mittlerweile eilte auch Frau Babet herbei und beiden gelang eS nun, die Fremde in die Stube zu tragen. Diese lag in tiefet Ohnmacht und Mutter Labet war geschäftig, sie erst aus dieser wieder zu erwecken. Während dem machte Lorenz Feuer, um einen Thee kochen zu können. Nach vielen Bemühungen schlug endlich die Kranke die Augen auf und erholte sich nach und nach wieder. Jetzt aber bemerkte Mutter Babet, daß dieselbe sich in gesegneten Umständen befinde und die Krankheit und Schwäche derselben dadurch herbeigeführt feien. Mutter Babet ergriff nunmehr nach dieser Entdeckung chre Maßregeln. Die Fremde war vollständig unfähig, sich über irgend Etwas auszulassen.
Sie trug eine ärmliche, aber reinliche Kleidung, war vielleicht kaum dreißig Jahre alt und trotz ihres leidenden Zustandes bemerken Mutter Babet und ihr Mann, daß sie von:großer Schönheit war. Dem ganzen GestchtSauS- drucke nach zu urtheileu, in Verbindung mit dem reichen, glänzend rabenschwarzen Haare mußte die Fremde eine Jüdin sein. Diese Entdickung jedoch konnten Lorenz und sein braveS Weib keinen Augenblick anders denken lassen, als daß sie eine Unglückliche vor sich hatten, die ihrer Hülfe bedurfte und die sie derselben wie jedem anderen Mitmenschen zu Theil «erden lassen wollten. (Forts, folgt)
Dir Marbach bei Marburg. *)
Ein Blatt aus dem Reise-Skizzenbuche von Emil Ohly.
Der lang und heiß ersehnte Sommer ist endlich da und mit ihm ist kenn auch die Zeit deS Reisens wieder
*) Mit Genehmigung deS Herrn BerfafferS aus der „Darmst.
Ztg."