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xii. MlMg.

Marburg, Freitag, 15. Juni 1877.

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GchkUche jfitimo

Äür in der Ervedition zu ertherleude Auskunft und Annahme von Adressen werden 35 Wfl« berechnet.

’iq, Köln rc.; Rudolf L^in Berlin, Frank« -'fttrt o. M- rc.

ielsach gerecht Werten rbirr ) UNd

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.Blatte«, sowie d.Annoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl- ♦ daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C- Schlotte in

Bremen.

•fett» .„g nimmt entgegen: chStztk Edition d.BlatteS, *^Annoncen-Bureaux R$b, Dietrich & Co. in Lunb Hannover; Th. in Frankfurt a.M.;

1 Sein & Bögler tn Shirt a. M., Berlin,

Lage-bericht»

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Die neueste Nummer des Reichsgesetzblatts publ cirt a Gesetz betreffend die Verwendung eines TheileS btf chaewinneS aus dem von dem großen Generalstabe rrdi- «i Werke „Der deutsck-sranzSflsche Krieg 1870/71*, J 31. Mai 1877; die Verordnung betr. die gebühren [ * Beförderung von Telegrammen, vom 2. Juni 1877; . * die Bekanntmachung betr. den Ausruf und die Ein- jym der Einhundert.Marknoten der bayerischen Hypo- ika,. und Wechselbank, vom 7. Juni 1877.

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Der Gerichtshof für kirchliche Angelegenheiten hat am jenttftofl auf AmtSentfetzung des Bischofs von Limburg, ta, erkannt.

Ja Frankreich haben stch fämmtltche antilepublikanifche eien unter der Führung der Klerikalen geeinigt und kann heute schon keinem Zweifel unterliegen, daß der fcsat für die Auflösung der Nationalversammlung stimmen . Ob dann die Wahlen so günstig für die Republi ausfallen werden, wie dies Gambetta auf dem ihm । AmienS gegebenen Festbankette behauptet hat, scheint sehr . „■ Mich zu sein, angesichts der ungeheueren Einwirkungen lestelltk bte Wahlkörperschaften von Seiten der VerwaltungS- W -i tarnten aller Klaffen. Da noch die große Mehrzahl der , - «zöstschen Richter stch in den Dienst der herrschenden

Carl «ei gestellt hat, so sind die Chancen für den Staatö- aich erheblich gewachsen. Daß dieser Staatsstreich beab ----Miat ist, ist selbstverständlich, trotzdem der Marschall- Mdent denselben feierlich in Abrede gestellt hat, denn

rtenenl Die Einführung der ReiLSstempelsteuer, bezüglich meine scher dem BundeSrathe eine Vorlage gemacht worden - * 1 > hat in den Hansestädten eine große Beunruhigung

i »orgerufen. Da in Hamburg und Bremen mehr als ;en » . vierte Thril der Einnahmen auS der Stempelsteuer

i Mrrn, so würden diese Städte hart betroffen werden, i M diese Steuer sür Rechnung des ReicbS künftig er- • j m würde. In den übrigen Kleinstaaten dagegm ist . , Bevölkerung der Einführung der Stempelsteuer sehr

---zeigt, da die Matrikularumlagen, die nach der Bevölke- I erhoben werden, weit drückender empfunden

I ni (rten. Uebrigens haben die freien Hansestädte, ganz ab-

tten von der dort herrschenden ungleich größereu Wohl- Leoheit, am wmigsten Ursache über eine indirekte Er

„g der Reichssteuern zu klagen, da gerade die Hanse« tt von den RetchStnstitutivnen, wie von der Flotte und für die Verbefferung des Seewesens geschaffenen seinrichtungen den größten Vortheil ziehen.

Die Waise voa Sonnenthal.

is- L-rische Novelle aus dem Kriege im Jahre 1866 von :♦ Rudolf Wellnau.

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(Fortsetzung.)

[15:

10

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n Post' Der Altbauer, besten Ehefrau Katharine ebenfalls noch frr, a» ik unb „hn Jahre jünger war als er, hatte mit dieser, [151 ch er sonst in den glücklichsten Eheverhältniffen lebte

i sie im Gegensätze zu seinem harten einen um so weicheren >*e 6hm, ein um so sanfteres Gemüth hatte, ein einziges Kind, ,1 linen Sohn, Richard mit Vornamen. Dieser Sohn war 1 n zu seiner Confirmation der Stolz und die Freude seines

1 -tcrs gewesen, bet der Mutter war er eS immer und war j » noch. Er hatte vom Vater zwar die Entschiedenheit 1,108 « Willens und Charakters geerbt, doch waren diese Elgen- ruatt-k haften nicht bis zu jener Härte ausgeprägt wie bet diesem, u sie zugleich von dem weichen, biegsamen Wesen der ..er gesänstigt und gemildert wurden.

Der Vater hatte den Sohn nach der Stadt in Pension beo, damit er die Stadtschule besuchen und etwas Tüch- lernen konnte. Bei den trefflichen Anlagen und H°^ihtgkeiteu des geistig begabten Knaben hatte dieser den sch des Vaters nicht nur vollständig erfüllt, fondncn vu3 «elwehr weit übertroffen.- Das hätte der Altbauer sich Mi*- »v schon gern gefallen lasten und er schmunzelte nitt --- fcenig, wenn der Herr Pastor und Herr Kantor ihm Glück T1. »huschten zu einem so kenntnißreichea und hoffnungsvollen

Sohne; aber wenn dann die Herren weiter gingen und H 20'1 »ehrten, eö sei jammerschade um solches Wissen und er [577,11 Aäsie den Sohn nothweodigerwetse studiren lasten, damit i ürlch eia Schatz von Kenntnisten, solch ein Talent für die »b tri Ässenschaft nicht verloren gehe, — dann wurde er aus > Reg» Stelle fuchswild, rückte sein schwarzes Sammetkippchru

es hat leinen Sinn, alle Vorbereitungen für die Herstellung der Monarchie zu treffen, ohne die letztere selbst zu wollen. Ungewiß ist freilich noch immer, ob da« Bündniß der Or- leanisten, Legitimisten und Bono Parti sten auch auf die Dauer Vorhalten wird, und ob, wenn die Bonaparttsten die Frucht des BündnisteS für sich allein pflücken wollen, die Orleanisten und Legitimisten stch nicht der Wiederher­stellung des Kaiserreichs widersetzen werden. Die Aussicht auf die letztere hat übrigens schon jetzt die Heinen Rache- getster in Bewegung gesetzt, denn die dänische Regierung frohlockt in ihren Preßorganen über die neueste Aera in Frankreich, auf welche ste ihre Hoffnungen bezüglich der Wiedereroberung von Schleswig setzt. Den Dänen wollen wir dieses Vergnügen einstweilm gönnen, zu lange wird wohl dir Freude nicht anhalten.

Die englischen Minister, die seit Jahren in den grvß ten Prahlereien über ihre entscheidende Antheilnahme au den Orientwirren ergangen, haben nun neulich auf dem Festbankett, das die Londoner Schneidergilde gegeben, die Welt über ihre letzten Zwecke beruhigt, indem sie die Er­haltung des Friedens, d. h. die Nichttheilnahme Englands an die Weltangelegenheit als das höchste Jntereste des englischen Volks und der englischen Regierung proklamirt haben. Die Pforte scheint diesen AuSgang der englischen Renomisterei schon längst erkannt zu haben, denn die tür» kische Preste überschüttet bereit« mit Hohn und Spott die englische Action in der Orientfrage. Die deutsche Presse hat gleich beim Wiederauftauchen der orientalischen Frage mit ihrem Spott über di« englische Großprahlerei nicht zurückgehalten.

Die „Prov.-Corresp.* schreibt:

Vom russisch türkischen Kriegsschauplatz sind Nachrichten von größerer Bedeutung während der letzten Woche nicht etngegangen. An der Donau werden jetzt, nachdem ein be­deutendes Sinken des Master« eingetreten ist, Versuche der Ruffen, den Uebergang zu erzwingen, tn naher Zeit er­wartet; inzwischen haben die Türken die Zeit benutzt, alle zum Uebergang geeignete Stellen mit möglichst starken Vertheidigungswerken zu versehen, auch ist eö ihnen ge­lungen, ihre bisher im Kanal von Matschin festgehaltenen drei Monitors nach Entfernung der ste hindernden Tor­pedos zu befreien und wieder für die Vertheidigung der Donau nutzbar zu machen. In Asien scheinen die Ruffeu stetig und sicher vorzugehen. Die Einschließung von KarS ist beendigt, und die Haupt-Armee rückt von zwei Setten immer näher an die Hauptfestung Erzerum heran, mit deren Geschick der Feldzug in Armenien zur Entscheidung gelangen dürfte. Inzwischen ist die friedliche Lage unter auf dem von den schönsten silberweißen Haaren gezierten „halten Kopse* unruhig hin und brr, bis ein solches Un­wetter über die beiden geistlichen Herren und Lobredner seines Sohnes losbrach, daß diese so schnell wie möglich stch aus dem Staube machten, da eine Besänftigung de« Altbauern durch Worte in solchen Augenblicken geradezu in das Reich der Unmöglichkeit gehörte.

Als aber nach der Confirmation der Sohn selbst vor den Vater hintrat und ihn bat, die Schule noch weiter besuchen zu dürfen, um studiren zu können, da war es, als habe er einen Funken in eine Pulvertonne geworfen, die fürchterlichste Explosion ging vor sich und es fehlte wenig, daß der Altbauer rafend geworden wäre. Vergeblich war es, daß die Mutter ihre Sitten mit denen deS SohneS vereinigte, vergeblich, daß der Sohn feine wärmsten und beredtsten Fürsprecher, den Pastor und Kantor dem Vater auf den Hals schickte, der Altbauer drohte mit Enterbung, mit Verstoßung des Sohnes, wenn er sich seinem unbeug­samen Willen- nicht füge und ein Bauer werde wie er. Ein tüchtiger Landwirth solle er werden, darum habe er ihn in der Stadt auf die Schule geschickt, kein Stubenhocker und Bücherwurm, der mit seinem ungewaschenen KrimS- kramS den Leuten nur die Köpfe verdrehe!

So wetterte und tobte der Alte und blieb taub gegen alle Bitten und Gegenreden, taub gegen die Thränen der Gattin und deS Sohnes.

Der Sohn sah endlich ein, daß der Vater unerschütter­lich fest in feinem Entschluffe war und blieb — und gab endlich mit edler Resignation, aber abgebrochenem Herzen nach. Dennoch erhob er sich nach und nach so weit, daß er sich der Landwirthschaft mit allem Fleiß und Eifer hiu- gab und der Vater sah mit wachsender Freude, wie sein Wunsch stch erfüllte — der Sohn wurde ein tüchtiger Landwirth.

den europäischen Mächten noch bestärkt worden durch die beruhigenden Versicherungen, welche Rußland neuerdings der englischen Regierung gegeben hat und durch welche die Besorgnisse wegen Beeinträchtigung englischer Jntereffen Seitens Rußlands noch entschiedener alö bisher beseitigt worden sind. Die russische Regierung hat von den betref- senden Eiklärungm auch den übrigen Mächten Mittheilung gemacht.

Neueste Kriegsnachrichten:

Petersburg, 13. Juni. Die „Agence Rüste* be­spricht die Aeußerungen auswärtiger Journale, welche in der Anwesenheit des Kaisers in Rumänien das Signal zu einer Revoltiruug Bulgariens sehen wollen, und meint, Nichts könnte mehr die türkenfreundltcheu Dispositionen dieser Journale verrathen, da diese Aeußerungen darauf abzielten, etwaige neue MaffacreS in Bulgarien unter dem Vorwande dieser Insurrektion zu rechtfertigen. Die „Agence Ruffe* hebt hervor, Rußland fei geneigt, den Weg Eng­lands nach Indien, den Suezcanal und Aegypten zu respek- tiren. Alles Uebrige hänge von den militärischen Eventu­alitäten ab. In einer Betheiligung Griechenlands am Kriege steht die „Agence Ruffe* nur eine nicht wünschens- werthe Vermehrung der vorhandenen Complikationen.

Konstantinopel, 12. Juni. Mehemed Ali meldet von einem Gefecht im Distrikt Kolafschio, wobei dir Mon­tenegriner gänzlich deroutirt worden seien. — Moukthar Pascha soll in Kuepruekoi sein.

Wpeu, 13. Juni. DaS „Tagblatt* enthält nachste­hende Meldungen: Scmlln. Bei Belgrad find 10,000, bei Kia.ujewatz 5000 Mann der aktiven Armee concentrtrt. Fremde Osfiziere sind in die serbische Armee ausgenommen. Der permanente Ausschuß der Skupschtina hat vorgeschlagen, die Beamiengehaltr um 30 Procent zu reduciren, um die dadurch ersparten Geldmittel für Kriegszwecke zu verwenden. — Triest. Ein ganz offen wirksames Comtte in Athen sendet täglich Waffen nach Kandia und Thcffalien; am 10. Juni sind 4800 Gewehre und 12 Kisten mit Munition nach Kandia abgesendet worden.

Das „Büreau Hirsch* bringt folgende Depeschen:

Budapest, 12 Juni. Der „Pefter Lloyd* schreibt hochvffiziöS: „Für Oesterreich Ungarn dürfte der Augenblick nicht fern fein, wo eS Veranlassung findet, für Wahrung feiner Jntereffen Vorsorge zu treffen und für Bethäthigung dieser Fürsorge ein ausgewähltes Terrain schärfer in's Auge zu saffen.'

Budapest, 12. Juni. Gutem Vernehmen zufolge wird Ministerpräsident Tisza In feiner Beantwortung auf die Orient - Interpellation erklären: „Die Regierung hat mit Rußland keinen Vertrag abgeschlossen. Oesterreich -

Die Versöhnung zwischen Vaier und Sohn war wieder hergestellt und mit dieser natürlich der Friede in der Fa­milie. Eine andere folgenschwerere Feindschaft sollte jedoch bald auSbrechen, welche nicht so letq-t den Frieden In der Familie auf dem Althof wieder einziehen lasten sollte. Diese zweite Feindseligkeit zwischen Vater und Sohn war eine Mesalliance des Letzteren.

Lächelt nicht, freundliche Leser und Leserinnen, auch Bauern können Mißheiralhen eingehen und die Erbitterung der Eltern und Verwandten über eine solche ist wahrlich keine geringere, als die in den höheren Ständen bet einem solchen Falle. Es ist eine eigenthümliche Erscheinung bei den Landleuten, daß ste ebenfalls auf den lächerlichen Unter­schied der Ebenbürtigkeit unter stch sehen und hatten, freilich in ihrer Weise.

Mau hat Dörfer, wo man den Rang- und StandeS- unterfchied genau nach dem Besitz von so oder so viel Pferden abmißt. ES verkehren nur diejenigen mit einander und hatten stch für einander ebenbürtig, welche eine gleiche An­zahl Pferde besitzen und dieser Verkehr hat nicht nur auf Helrathen und Gevatterschaften Geltung und Einfluß, son­dern erstreck: stch sogar auf das Zusammensitzen und Karten­spielen in der Schenke. Den größten Einfluß übt nament­lich bei Verheiratungen das Geld und will man hier vor allen Dingen die Ebenbürtigkeit der Familien wahren, das heißt, matt w ll die Kinder nur heirathen lasten, wenn sie gleiches Vermögen zubringen. Allenfalls gestattet man, daß die Braut fünf» bis zehntausend Thaler Vermögen mehr besitzt als der Bräutigam; ist es umgekehrt, so betrachtet man dies schon al« eine Mißheirath und selten nur geben Eltern und Verwandte ihre Einwilligung zu einer solchen. Heirathet jedoch ein reicher BauerSsohn ein blutarmes Mäd­chen ohne alles Vermögen, so ist dies etwas ganz Unerhörtes unb gewöhnlich ist eine ewige Feindschaft zwischen Ettern,