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XII. )ahrga»g.

Marburg, Mittwoch, 13. Juni 1877.

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Die russisch türkischen Kriege.

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fahren. Der achte russisch türkische Krieg, der in den Jahren 1828 und 1829 von den Generalen Diebitsch und PaSkiwttsch geführt wurde, brachte Rußland die Unter­werfung eines großen TheilS im Kaukasus und die Hege­monie auf der Baikanhalbtnfel ein. In Europa erwarb Rußland durch den Frieden von Adrianopel den Besitz der Inseln des Donau-Deltas, freie Schifffahrt durch die Dardanellen und den Bosporus, sowie das Protectorat über die Donaufürstenthümer und Serbien. In Asien erwarb Rußland alle zwischen Anapa und Pott liegenden Kästenplätze am schwarzen Meere, sowie alle« Land nörd­lich von einer durch die PasHalikö Achalzich und KarS gezogenen Demarkationslinie, vier Jahr später wurde zu Hunkiar-JSkelefli ein türkisch-russischer Devenstv Allianz- Vertrag abgeschlossen, welcher der Pforte die Verpflichtung auferlegte, auf russisches Verlangen die Dardanellen gegen fremde Kriegsschiffe zu verschließen. Zwanzig Jahre später wurde der neunte russisch tückische Krieg durch bett Ein­marsch russischer Truppen in die Moldau und Walachei eröffnet und mit dem Pariser Vertrag beendigt (30. März 1856), deren 10 Artikel die Schließung der Dardanellen gegen fremde Kriegsschiffe aussprach, während Artikel 11 daS Schwarze Meer ncutralistrte, Artikel 20 gewisse beß arabische G.bietStheile an die Pforte abtrat und Artikel 21 daS seit 82 Jahren bestehende im Frieden von Adrianopel noch erheblich erweiterte russische Protektorat über die Donau- sürstenlhümer beseitigte. Im Laufe dieser Kriege hat Ruß­land, deffen Bevölkerung inzwischen auf nahezu 90 Mill, angewachjeu, eine solche Macht erlangt, daß eS die osma­nische Herrschaft in Europa, wenn auch mit schweren Opfern und nach langem hartnäckigem Widerstande schließlich doch vernichten wird, zumal eS keinen einzigen Staat in Europa gtebt, in welchem die öffentliche Meinung sich für die Er» Haltung der Integrität der Türkei ausgesprochen und die Türket selbst immer wehr der Auflösung entgegen geht.

auf dem Arme, hatte sie in Empfang genommen und war gleich daraus mit einem leichten Aufschrei in einen Stuhl niedergesunken. Im selben Augenblick sprang ein blühender Knabe herein und klammerte sich weinend an die junge Frau, die seine Mutter war. Diesem auf dem Fuße folgte eine ehrwürdige Matrone, die der jungen ängstlich b.isprang und ihr daS kleine Mädchen, daß ebenfalls zu weinen be­gonnen, aus dem Arm nahm, um es zu beschwichtigen. Nachdem der Gefreite, der noch Anwesend war, der alten Frau kurz erklärt, waS die junge Frau so erschreckt habe, ging er nicht ohne Rührung, obwohl et an ähnliche ©eenen, wo sein Kommen einen Familienvater betroffen, schon ge­wöhnt war.

Jndeß hatte die junge Frau von ihrem ersten Schrecke« sich erholt, aber freilich nur um zu jammern und zu weh klagen.

„SD mein Gott, mein Gott!" rief sie schmerzlich, „mein armer, armer RichaiL!"

„Still, still, mein Kind," tröstete die alte Frau, „eS geht DK ja nicht allein so; daS halbe Dorf hat mit Dir denselben Kummer daffeibe Herzeleid zu tragen! Laß unS Gott vertrauen, er wird eS wohl machen!

Und die junge schöne Frau sah auf ihre lieblichen Kinder und gebot ihrem Schmerze, um der Kinder Weinen zu stille«. Diese beruhigten sich nach Kinderweise auch sehr bald wieder und sie und die Mutter, denn da» schien die ältere Frau der jungen zu sein, besprachen nun ruhig und ergeben in den Willen de» Himmels das Ereigniß der nahen Trennung von dem Vater der Familie.

Dieser selbst war Inspektor auf einem benachbarten großen Gute, wohin er des Morgens ging und Abend« wieder zmückkehrte. Auf dem Gute waren ebenfalls mehrere MarfchordreS eingetroffen und da der Inspektor wußte, daß auch er eine solche zu erwarten habe, befragte et de«

dauer seiner Hochachtung und seine« Wohlwollen« zu versichern.

Fürst Gortschakoff wird, wie man un« mitlheilt, noch in dieser Woche in Kisfingen ankommen, um mit dem Fürsten Bismarck in Betreff der Haltung des Wiener und Londoner Cabinet« gegenüber der Orientfrage zu unterhandelu.

Der Pariser Correspondent der „Time«" bringt die Analyse eines Schreibens de« Fürsten Gortschakoff an Lord Derby, deffen Ueberbriuger Graf Schuwaloff angeb­lich sein soll. Die Analyse enthält keinen Pofsu«, der au« inneren Gründen beanstandet werden könnte, sie ent­hält Angaben über die Politik Rußland« die und in hun­dert Depeschen begegnet und durch offiziöse Auslassungen vollständig geläufig geworden find. Eben deshalb müssen wir mit aller Entschiedenheit bezweifeln, daß der „Times"- Correspondent eine sichere Kenntniß von der Ext,lenz und dem Inhalte de« Briefes hat. Um eint« solchen Resul­tates willen war c« nothwendig, drei Botschafter nach St. Petersburg zu bescheiden. Wir sind überzeugt, daß, wenn Graf Schuwaloff wirklich der Ueberbringer eine« Briefe« an Lord Derby ist, der Inhalt des Schreiben« von der „Analyse" de« „Time«" Korrespondenten vollständig ver­schieden ist.

Die Neutralisation de« Suezcanals wird bei den Dimen­sionen, welche der russisch • türkische Krieg annehmen wird, bald der Gegenstand lebhafter Verhandlungen zwischen den europäischen Cabineten bilden. Mit Ausnahme Englands sind alle Mächte darin einig, daß jene Waffetstraße, welche dem Welthandel dient, nicht zur Verfolgung einseitiger Handels-Jntereffen oder Machtansprüche benutzt «erden, und daß sie vor Allem nicht zum Stützpunkt kriegerischer Unternehmungen gemacht werden darf. Indessen England, da« die Freiheit der Meereösttaßen im Prinzip anerkennt, will doch in diesem Falle nicht in die Consequenzen deffelben in die Neutralisation de« Suezcanal« einwtlligen, beabsich­tigt vielmehr fortificatorische Anlagen an den Ufern de« Canals zu errichten, um seine Verbipdungen nach Indien sicher zu stellen und sein Uebergewicht zur See zu befestigen.

Wir haben schon unlängst mitgetheilt, daß Rußland den Plan verfolge, Bulgarien mit Rumänien zu vereinigen und daß Fürst Bismarck gleichfalls der Verwirklichung diese« Projekts günstig gestimmt sei. In der That sollen Bet handlungen über diesen Gegenstand zwischen der musischen und deutschen Regierung eingeleitet fein, von denen auch der Fürst Carl von Rumänien in Kenntniß gesetzt ist. Ru nänien durch Bulgarien vergrößert, würde der fitbb

Tagesbericht.

Die Mailänder „Perseveranza* veröffentlicht einen Brief de« deutschen Kaiser« an den Bürgermeister von Mailand, worin er sich sür die Zusendung einer photo­graphischen Reproduktion de« Pergaments bedankt, daß er während seines Aufenthalt« in Mailand im Jahre 1875 beim Besuch de« Stadthauses unterzeichnet hat. Der An­blick der Photographie, schreibt Kaiser Wilhelm dem Bür­germeister erinnerte ihn auf das Angenehmste an seinen Äuenthalt, in der schönen Hauptstadt der Lombardei und on die herzliche Aufnahme, die ihm von Seiten ihrer Einwohner zu Theil geworden sei; et ergreife daher diese Gelegenheit mit Freuden, um den Mailändern die Fort-

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Wrt Wort:

L „Na, hab' ich « Euch nicht vorher gesagt, ich, der Mtfriedel, potz Scheerberttel und Seifenschaum!"

I Und dabei schleuderte er den rechten Arm so gewaltig, Mch die Lust al« habe er bereit« die ganze feindliche tonte unter« Messer gehabt und habe mindesten« vier Dechm an dem Abschaum davon wegzuwerfen.

f In ben Häusern aber, wo bie Einberufungöordre ein Hoffen war Jammer unb Wehklagen, unb ein große« Rgtmeine« Herzeleib ging durch das ganze Dorse. Hier kßte bet Gatte die Gattin unb Kinder, dort Sohn bie Ihn, bet Btudet die Schwester, unb noch wo anders Bräutigam bie Braut, bet Liebste bie Geliebte ver

-M. Rothgeweinte Augen unb bleiche kummervolle Dichter waten balb allgemein die Folgen bet vethängniß- «kn Matsch-Orbte«, gegen welche sich doch gleichwohl *hts machen ließ, al« „Otdre patirm!" —

, In einem einsam am äußersten Ende de« Dorfes ge »neu Häuschens, dem sogenannten „Hirtenhause", hatte k uniformirte Hiobsbote in der Person de« KreiSgesreitev Anfall« eine Marsch-Ordre überbracht. Eine junge schöne RM mit einem reizenden Kinde, einem kleinen Mädchen

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Gefreiten darüber. Dieser sah in seine Liste unb sagte ihm, wie er schon im Laufe beS Vormittag« in Sonnenthal gewesen sei unb freilich auch in seiner Wohnung eine ElnberufungSorbre für ihn abgegeben habe. Der Jnfpektor konnte sich denken, wie bestürzt feine Frau beim Empfange derselben mochte gewesen fein. Er ging zum Gutsherrn, machte diesem bie Mittheilung auch von seiner Einberufung unb biefet eriheilte ihm sofort Urlaub, um seine Familien «ngelegenheiten für bie bevorstehende Trennung unb Ab­wesenheit orbnen zu können.

So kam der Jnsp ctor schon vor Abend« zu Hause an, wo ihn seine schöne junge Frau mit neuen ThrSneu em­pfing. Beide umarmten sich lange unb innig unb man sah ihnen die herzliche unb aufrichtige Liebe an, bie Selbe mit einanber verband. ES waren die beiden Leutchen in der That ein schönes unb für ein Dorf ein seltenes Paar. Die liebliche junge Frau, die wohl kaum auf der Schwelle der zwanziger Jahre sich befinben konnte, mit bem zarten durch­sichtigen Teint, den feinen, schönen Zügen, bem reichen raben­schwarzen Haare, bie ganze Gestalt ätherisch leicht, wohl­gebaut bi« in« Kleinste hinein, ihr ganze« Wesen überaus zart organistrt, mit einer Stimme himmlischen Wohllaut«. Dazu bet Mann, kräftig, gesund, unb von imposanter Figur, aber vollkommen proportionirt, nicht jene plumpe, gedrun­gene Gestalt, wie man sie meist auf dem Lande antrifft; seine männlich schönen Gesichtszüge verriethen Intelligenz unb Bilbnng unb fein ganzes Wesen unb Benehmen kün­deten mehr ben Städter als ben Landmann an.

„Tiein armer Richard 1" klagte bie junge Frau, „o mein Gott, auch da« noch!"

„Beruhige Dich, mein liebes Eischen," tröstete der junge Mann, bet vielleicht um fünf Iahte älter sein konnte, als bie Frau, „was Gott thut, bas ist «ohlgethan unb er wird'« auch wohl machen!"

Uriteint täglich außer den Werttagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da« Quartal mit der wöchentlichen Beilage „AluftrtrteS TonutagStlatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerri) berogen 25 Wert, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Wert 5» Pf,, (exl. »estellgedühr). - JnferttonSgedühr für die gespaltene Znle !• Pf,.

Für in der Expedition zu srtheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pf,, berechnet.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expeditton d.Blatte», sowie d.Amwnceu-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; SB. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in

Bremen.

‘j-at nimmt entgegen: teptMtion d.Blattes, ^dÄnnoncen-Bureaux

Dietrich & Co. in L Unb Hannover; Th. Ach in Frankfurt a.M.; Mein & Vogler in Urt a. M., Berlin, 5g, Cöln ic.; Rudolf Lm Berlin, Frank- ' " furt a. M. ic.

Die Waise 6»x Ssuueuthal.

ische Novelle aus dem Kriege im Jahre 1866 von Rudolf Wellnau.

(Fortsetzung.)

1. Zs Det Bartfriedel selbst aber stolzirte auch nicht schlecht [1494 i Dorse hemm, trug den Kops wenigstens um eine Elle 37. Her, warf sich gewaltig in die Brust und lächelte so —4 heimnißvoll, al» wisse er bereits den ganzen Verlauf und i Ügang des beginnenden Kriege« im Voraus. Und wenn - An dieser oder jener auf ihn einsprach, so «ar sein

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zweihundert Jahre sind verfloffen, seitdem Rußland per Türkei Kriege führt. Der erste Krieg, der im bz 1677 begann wurde an der nördlichen Küste de« zsarzen Meere« geführt und wurde mit bem zu Rabzin stocken 5»hre 1681 geschloffenen Frieden beenbigt, welcher ben Aken da« Recht zur freien Schifffahrt auf bem Schwär- I U6t »Mttre erwarb. Der zweite im Jahre 1686 begonnene irtmttieg, ben Rußland an bet Seite Polens unb Oester» W...4 Hs gegen ben Erbfeind der Christenheit führte, dauerte )biem i Zähre und wurde 1702 im Frieden zu Catlowitz been» , * in welchem Rußland Asow und das Recht zur freien ittagi. Wahrt auf bem Schwarzen Meere erhielt. Jeboch ge; <£ fjpt Asow in bem britten Kriege, bet hn Jahre 1811 ‘6 mit , Pruth von Rußland unglücklich geführt wurde, wieder ggnSgcgeben werden, außerdem erhielten die Kosaken de« ,, , Märzen Meeres ihre Unabhängigkeit unter türkischem chgtz wieder. Der vierte Krieg dauerte von 1732—1740 i 117k ü endigte damit, daß Rußland auf das Recht verzichten Me, auf dem Schwatzen und Asowschen Meere Krieg«- L . M zu halten, wogegen e« daS Recht zur Haltung eines Mr« -sandten bei der Pforte erhielt. Der fünfte Krieg, der : ttt Katharina IL im Jahre 1769 begann, brachte ben ißen große Siege unb außerordentliche Bottheile: imjJahte die feierliche Besitznahme der Moldau und Walachai, r Erlaß eine« Manifestes, das den Griechen die Wieder- ung deS byzantinischen Reiches verhieß, die Vetnich- ber türkischen Flotte bei TscheSni, 1771 bie Grebe, sg bet Krim, endlich 1774 ben Abschluß beS Friedens e Kutschuk Kainardschi, der Rußland« bominirenbe Stelle (Orient begrftnbete. Katharina erwarb am Schwarzen bie Festungen Kautsch unb Jenikale, freie Schifffahrt bem Pontu« unb bet Donau, enblich ba« Recht, sich Zett zu Gunsten bet griechischen Kirche, sowie bet ftenthümer Moldau und Wallachei durch seine Gesandten bet Pforte verwenden zu dürfen. Acht Jahre danach Iahte 1782 begann bet sechste Krieg. 1783 würbe 1784 Georgien bem russischen Reiche einverleibt. ----j töt Eroberungen wurden im Frieden von Jabach 1792 ® - niätigt, in welchem außerdem im Kaukasus alles Land H i 8 jum Kuban der Kaiserin abgetreten unb bie östliche 11 i rtnje des russischen Reiches am Dniester abgeftetft wurde. ^1 «zehn Iahte später brach der siebente russische Krieg au«, der 1 «zum Jahre 1812 dauerte, in welchem der russische Kaiser den -^3 töt mit Plänen zu einem Marsch nach Konstantinopel bcschäs- km Admiral Tschitschatzvff abberief und jber Friede von "■ v'‘ * est abgeschloffen wurde, durch welchen Rußland den en Theil der Moldau (das heutige Beffarabien) und Recht erwarb, bie Donau mit Handelsschiffen zu be