Marburg, Sonnabend, 9. Juni 1877.
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wo man diese schönen über die Geschicke des neue Ministerpräsident
sie ihr Land verurtheilen würden, sowie die Armeen Europas schrecken sie nicht sie meinen, daß der Segen des heiligen BaterS Alles gut mache, fle rechnen
W fort festgehaltenen Rücksichten auf daS Oberhaupt der Wolischen Kirche) — und srägt weiter: was wohl Fürst Mnarck zu dieser übermüthigen Herausforderung sagen Mde. Der Berfafier wirft einen Blick auf den Verlauf W kirchlichen Kampfes in Deutschland und auf die Aeuße- Ngtn des Fürsten Bismarck über die ihn dabei leitenden ?^tspunkte.
1, Er führt sodann auS, wie der Papst durch dm Verlust f*r weltlichen Macht Halsächltch nur unabhängiger und Wvgreisbarer geworden sei.
1 .Die Erwägungen weltlicher Politik hindern ihn nicht W im AuSsprccheu seiner Gedanken: er besitzt jetzt ab-
Lage-bericht.
Aus keinen der slavischen VolkSstLmrne hat der Ausbruch des russisch-türkischen Krieges eine so mächtige Rückwirkung als auf die czechtschen. Die slavische Bewegung in Böhmen, welche alle Schichten der czechtschen Bevölkerung erfaßt, hat unter mehr als einem Gesichtspunkte ein allgemeines internationales Interesse. Die Czccheu, die das österreichische Kronland Böhmen als dm äußersten Vorposten im slavischen Westm betrachten, habm ganz offen daS Banner Rußlands auf gepflanzt, jenes «heiligen Rußlands", dem die Slaveu die Mission vtndictren, sämmtliche slavische BolkSstämme zu einem großen, diesen Weltthetl beherrschenden Slaveuretche zu vereinigen. Da eine solche Kundgebung gegen die Integrität der österreichisch, ungarischen Monarchie gerichtet ist, so haben die österreichischen Behörden gegen die Urheber der rufienfreundlichen Demonstrationen die Anklage wegen Hochverrath erhoben. Wie man unS aus Prag rnittheilt, haben diese Maßregelungen jedoch die Bewegung nicht eingeengt, vielmehr Ocl in’» Feuer gegossen und die Bewegung ist nunmehr eine so nachhaltige geworden, daß alle politischen und konfessionellen Parteiunterschiede, die bisher das öffentliche Leben der Czechrn beherrschten, vor derselben verschwunden sind. Selbst ein großer Theil deS römischen Klerus in Böhmen, soweit er der czechtschen Nationalität angehört, betheiligt sich trotz deS von der römischen Kurie ausgegangenen Verbots an den Kundgebungen für die slavische Sache bezw. für Rußland. Daß die letzteren nicht ohne Einfluß bleiben werden auf die allgemeine Richtung der österreichischen Politik läßt sich um so mehr begreifen, als auch die Südslaven in Cisletthanien wie in den Ländern der ungarischen Krone im russischen Interesse thätig sind, jedoch wird auch sür die nächste Zukunft die österreichische Regierung nicht aus ihrer abwartenden Politik herauStreten, da der Moment noch lange nicht gekommen ist, wo die Jnterefien Oesterreich-Ungarns bedroht sind. Noch ist die Donau nicht überschritten, und selbst wenn e» den Rufien gelungen ist, 200,000 Manu auf daS rechte Donau-Ufer überzufetzen, so werden doch miadestmS zwei Monate vergehen, ehe die Donaulinie ernsthaft bedroht wäre. Bis dahin wird Oesterreich also keinerlei MobllistrungSordre ergehen lafieu. So lange das Waffenglück überhaupt den Rufien an der Donau nicht günstiger ist als in den Kriegen der zwanziger und fünfziger Jahre, darf die Hoffnung auf Lokalistrung des Kriegs eine berechtigte genannt werden.
ES ist nunmehr mtschiedm, daß der Kaiser von Oesterreich mit dem im russischen Hauptquartier angelaugten Kaiser Alexander keine Zusammenkunft haben wird, dagegen werden die Vertreter sämmtlicher europäischen Mächte bei der Pforte mit dem russischen Kaiser eine Conferenz haben. Aus jener Conferenz wird eS sich um die Feststellung der Bedingungm handeln, unter benen sür dm Fall eine» sieg, reichen Vordringens der Rufim der Friede mit der Türkei soll abgeschlofim werden. Thatsache ist, daß die russische Regierung sich damit einverstanden erklärt hat, daß der definitive Friede mit der Pforte nur unter Mitwirkung und Zustimmung der übrigen europäischen Mächte erfolgt.
Wie wir schon vor längerer Zeit unseren Lesern mit- Heilten, steht Italien vollständig auf der Seite Rußland»
solute Ungebundenheit deS Wortes und der Verurtheilung. Lammmais schrieb früher: „Der Statthalter Jesu Christi ist in der Ausübung seiner göttlichen Aufgaben abhängig von den Beziehungen und Jnterefien seiner weltlichen Macht. In Folge seiner geringen Macht im Bereiche der eigentlichen Macht findet er sich veranlaßt, auch die ärgsten Feinde der Kirche mit Schonung zu behandeln, wider Willen wird er zu immer neuen Zugeständnissen gmöthigt."---
Diese Zeit ist vorüber: nur auf seine geistliche Macht beschränkt, hat der Papst sich von allen diplomatischen Rücksichten lossagen können: er hat in dieser Beziehung nicht» m.hr zu verlieren, nichts zu schonen. St fitzt jetzt im Vatikan als unfehlbarer Richter und ruft alle Regierungen vor seinen Stuhl: vergeblich würde man seinen Lippen zu wehren versuchen, eö gehen flammende Worte aus denselben hervor, welche einen Weltdrand entzünden würden, wmn wir in einem Zeitalter deS Glaubens lebten.
Dieser unsehlbare Tribun ist um so freier, al» daS italienische Garantiegestz ihm daS Privilegium gewährt, auch nicht dem italienischen Staate anzugehören: er ist Niemandem unterthan und hat gegen Niemand eine Verantwortung. —
„Wie der Kampf zwischen dem deutschen Reiche und dem Vatikan enden wird — fährt daS französische Blatt dann fort — das weiß Niemand; aber man braucht nicht gerade Prophet zu sein, um die Gefahren vorher zu sehen, die Derjenige auf sein unbesonnenes Haupt herabziehen würde, der Lust hätte, sich in diesen Streit zu mischen — — Herr von Bismarck beklagt, daß er es mit einem Feinde zu thun hat, dem er nicht beikommen kann. Sobald aber der Vatikan sich mit einer der katholischen Mächte verbündet hätte, die demselben einen General und Soldaten stellte, von dem Augenblick wüßte Herr von Bismarck, an roen et sich zu halten hätte. Unglücklicher Weise begnügt sich die Kurie nicht, die Welt mtt ihren Protesten zu erfüllen: sie sucht vielmehr nach einem Gefährten, der sich ihres Unglücks annehmen und großmüthig feine Jnterefien und feine Sicherheit für sie zum Opi« bringen soll; sie sucht nach einem ergebenen und unterwürfigen Degen, dem sie ihren Segen ertheilen will, und der sich dagegen verpflichten soll, nicht wieder in die Scheide zurückzukehren, bis er den heiligen Kampf durchgefochten und den Papst wieder auf seinen weltlichen Thron gesetzt hat. Vielleicht schmeichelt man sich im Vatikan, daß dieser Degen der von Frankreich sein soll. Der Vatikan wiegt sich in Selbsttäuschungen: Frankreich hat große Fehler begehen mögen, aber es Hot noch nicht gezeigt, daß es Neigung zum Selbstmord habe.
Was jetzt in Frankreich vorgegangen ist, wird vielleicht die exaltirten Köpse in der römischen Kurie in ihren Selbsttäuschungen bestärken: fle vergefien das Frankreich von 1789, um nur noch an „die älteste Tochter der Kirche" zu denken, fle bilden sich ein, daß die Republik des Sep- tenats ihnen mit Leib und Seele verschrieben ist und daß sie darüber nur zu gebieten haben. Ein Wort von den Lippen des Papstes hat daS Schicksal des letzten KabinetS entschieden. Petrus brauchte nur ein Wort auszusprechen, da sank AnaniaS hin und gab den Geist auf: Jünglinge hoben ihn auf trugen ihn hinaus und begruben ihn. Papst PluS brauchte nur Angesichts einiger Pilger darüber zu klagen, daß der Minister Jules Simon ihm widersprochen habe, da sank der Minister dahin.--
Man darf jedoch die Bedeutung dieses Borfalls nicht gar zu hoch anschlagen und daraus nicht übertriebene und gewagte Folgerungen ziehen. Es gleit in Frankreich allerdings eine sonderbare Gesellschaft, die sich zu erstaunlichen Auffafiungen bekennt. Die Angehörigen dieser Gesellschaft ober dieser Koterie, welche vermöge deS Zusammenwirkens besonderer Umstände Sinfluß auf die Leitung der öffentlichen Angelegenheiten übt, waren außer sich vor Entrüstung darüber, daß der bisherige Ministerpräsident in der Kammer erklärte, der heilige Vater fei wohl nicht ganz so unglücklich und nicht so sehr „Gefangener", wie man zu sagen pflegt. Damit war ein großes Sakrileg begangen, welches gesühnt werden mußte. Das Ministerium ist entlaßen, die Kammer ist vertagt norden.
Die in Rede stehende mystische Koterie würde Frankreich zumuthen, sein beste» Blut zu vergießen, um die weltliche Macht de» Papstes wiederher zustellen. Diejenigen, welche, von solchen Dingyt träumen, verkennen freilich nicht, daß da» Volk, welche» sich zum Vertheidiger der klerikalen Politik hergeben würde, nicht blo» die Armeen Deutschland» und Italiens, sondern die gejammte GeisteS- richtung des Jahrhunderts und daS Urth'll Europa» gegen sich haben würde. Aber die Jfolirung, zu welcher
auf ein Wunder vorn Himmel, glücklichem Ziele zu führen.
Aber die Gefellfchafskreife, Pläne in» Auge faßt, werden Landes entscheiden. — — Der
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ebe in feinen Consequenzen die Regierung weiter führen, I sie selbst gewollt, und die letzte Entscheidung entziehe | aller Voraussicht. Der Regierungswechsel sei angeblich ■ Schutz der konservativen Jnterefien unternommen und ■ L die gesetzliche Bahn nicht verlafien, aber man stütze _■ 6 dabei einzig und allein auf diejenigen Parteien, welche 5 Ej offen den Umsturz der bestehenden republikanischen x drichtungen verlangen. Wenn es aber selbst gelänge, fe den N uwahlen eine Mehrheit der monarchischen Par- M, iini zu erringen, so würden dieselben nach dem Siege Ec «der in sich zerfallen, und daS Ende werde grade ei-re W R so mächtigere Erhebung deS Radikalismus fein f So der Gedankengang der „Revue" in Bezug auf die
Wdkulen.
Ü Die „Revue" führt etwa Folgendes aus:
!1 ,Jm Widerspruch mit allen Verkündigungen der Phllo- uMm und der Liberalen sehen wir ein Wiedererwachen f religiösen Leidenschaften vor unS und die Theologie "*tt eine große Rolle in den europäischen Angelegenheiten. I ■ ji Som wie in Madrid, in Genf und in Berlin stehen
ersten Male über die neue politische Wendung äußern z, xE pten. Sie ihut es in zwiefacher Richtung: in der Neber- Haute st der letzten vierzehn Tage lediglich vom Standpunkte katen- (inneren Politik, in einem zweiten Aussatz mit Bezug homas .j hie klerikale Polttik. selige” f- ------ -
Geistliche und weltliche Macht.
Die neueste Wendung der Dinge in Frankreich und e , auf Grund derselben bevorstehenden wetteren Entwickeln dürften neben den orientalischen Angelegenheiten Pachtung Europas in nächster Zeit erheblich in An-
kte VersafiungSsrage.
BI Sine andere wichtige Seite der Krisis ist in einem be- ■btren Aufsatze über „die kirchliche Polttik in Deutsch- ZK mtb Frankreich" behandelt, und diese Sette berührt it deutsche Politik zu nahe, als daß es nicht angernefieu ' » Heinen sollte, den Hauptinhalt dcS Artikels in Kürze
' tpolitischen Fragen im Vordergründe, und die europäische «tik droht einen geistlichen Charakter anzunehmen, wie 2. e- ihn seit dem 16 Jahrhundert nicht gehabt hatte. Der vütismuS geht als Gespenst umher; er hat sich im Jahr- —\ «beit geirrt, aber er behauptet kühn, daß ihm die Herr
l «it gebühre. Es wäre ein Jrrthum in der Politik, nicht i d Gespenster zu glauben und nicht mit ihnen zu rechnen." Der Aufsatz Heilt bann bie letzte beleibigenbe unb wett «nSfordernbe Aeußerung beS Papstes gegen bie Regie- t. vg des Deutschen Kaisers mit (welche an biefer Stelle ’38T $ erwähnt worden ist, weil ihre gebührende Würdigung vereinbar wäre mit den trotz alles Kampfes fort
Aus den politischen Betrachtungen bet Ueberficht (Chro- scha it[ne) ist hervorzuheben, daß das überaus gemäßigte unb loctoi. sfl der orleanistischen Politik nahe st hende Blatt die zwölf tojeugung ausspricht, daß bie Regierung, um der ver- Mich drohenden Gefahr deS Radikalismus zu entgehen, 21 Eta »t größere unmittelbare Gefahr geschaffen habe; durch siM k ergriffenen Maßregeln fei überall ein Gefühl deS ■ Mpses unb ber Bedrohung verbreitet, welches auS ber i »dieislichen Logik bet gewaltsamen Thatsacheu unwider-
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.BlatteS, sowie d.Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendanl in Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C- Schlotte in Bremen.
weiß, daß Frankreich den Frieden dringend braucht unb wünscht, unb daß eS bie Abenteuer unb Abenteurer verabscheuen gelernt hat; er weiß, daß eine Reg erung, welche dem Lande einen ReligionSkrieg zumuthen wollte, als die schlimmste Feindin des Landes angesehen »erben würde. Das neue Ministerium hat in ber That erklärt, baß e» an ber bisherigen auswärtigen Politik nichts ändern wolle; wer könnte sich darüber wundern, — e» ist keine andere Politik möglich. Und wie sollte man ihm nicht Glauben schenken? Der Ministerwechsel hat in Frankreich selbst eine KristS von beunruhigender Bedeutung hervorgerufen, — die Regierung ist genöthigt, alle Kräfte nach innen zu wenden, und hat sich der Möglichkeit begeben, irgend eine Aktion nach außen zu üben.«--(Pr. C.)
atiaen nimmt entgegen: fKrpedition d.BlatteS, i ft ' ^d.Annoncen-Bureaux nE Dietrich & Co. in jm und Hannover; Th. mit i, Trichin Frankfurt a.M.;
SenÜein & Vogler in jar.> Erfurt a. M., Berlin, teig, Cöln ic.; Rudolf in Berlin, Frank-
e chiich hervorgehe.
Durch bie Art ber Entstehung bet neuen Regierung, «h die Natur ihrer Berbinbungeu, durch bie Kraft ber ien Mgangenen Verpflichtungen werbe sie möglicher Weise n chwdert sein, bie Gefahren zu beschwören: ber Kampf 1- ___ff—t.«...*..» Kl. fAfir.n
e und
p>p «ch nehmen.
D*1 Zk größere Zurückhaltung in bet Deurtheilung ber luren Krisis Frankreichs vom internationalen Standpunkte Ovetständlich zu üben ist, um so mehr erscheint eS ge- Voigu um, die Stimmen gewichtiger Organe ber öffentlichen ung Frankreichs selbst, zumal solcher, welche nicht tu- . des Treibens bet eigentlichen Parteipolitik stehen, beachten.
piegeij Die „Revue beS deux MondeS", bie einflußreichste den größeren Zeitschriften Frankreichs, hat sich soeben