Marburg, Donnerstag, 7. Juni 1877.
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Erzählt von Schaeffer.
(Fortsetzung.)
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Durch diese Frage war die Bahn gebrochen und das ^gvnuene Verhör erlaubte sich nun der Baron seinerseits
die deutsche Regierung ihren Einfluß darauf verwendet, der Pforte nach den Schlägen, die sie in Asten erhalten, und bei der Aussichtslosigkeit einen langen Krieg mit Aussicht auf Erfolge zu führen, zu einem baldigen Frieden zu rathen. Auch in London ist die deutsche Regierung nach dieser Richtung hm thätig und hat man bereits einigen Grund zu der Annahme, daß die Cabinete der europäischen Mähte sich darüber einigen, der Pforte für den Fall entscheidender Niederlagen in Asten dringend zum Frieden zu rathen auf der Grundlage der Annahme der Londoner Confercnzvorschläge. Daß Rußland hierauf eingehen werde, kann gar keinem Zweifel unterliegen; auch soll die russische Regierung sich in diesem Sinne bereits in London, Wien und Berlin geäußert haben. Auf eine KriegSkostencntschä- digung würde Rußland alsdann verzichten, dagegen würde eS eine Gebietserweiterung in Asien fordern, oder doch die Besetzung eines TheilS von Armmien zur Sicherung feiner Grenzen gegen die Wiederholung einer Jnsurrection von Seiten der Türkei.
Die P. C. meldet telegraphisch aus Konstantinopel, 3. Juni: Die astatischen Nachrichten lauten fortwährend ent« muthigcnd. Der Fall von KarS und Erzerum wird als unvermeidlich angesehen. Die Partei des exilirten Mahmud Nchdim Pascha rührt sich. Die hiesigen Zustände sind höchst unbehaglich. 17 hier zurückgebliebene russische Familien verließen, trotz energischen Schutzes der deutschen Botschaft, auS Furcht vor einer hiesigen Katastrophe Konstantinopel. Odian Iffendi ist angeblich nach Karlsbad abgereist.
Man meldet der Pol. Corr, telegraphisch auS Ostrog (Montenegro) 3. Juni, Nachmittags: Heute mit Tages» anbruch führte Fürst Nikolaus feine Truppen aus Bielo- pavlice nach der Herzegowina, um fich mit jenem montenegrinischen CorpS zu vereinigen, welches unter dem Woj- woden Vukotitö die Dugapäsie besetzt hält und dann weitere Operationen gegen die türkische Truppenmacht unter Sulciwann Pascha zu unternehmen. Die türkischen Truppen, welche bei Velje Brdo stehen, versuchten eine Vorwärtsbewegung gegen die Rastnjer Anhöhen Visocica, um die Vereinigung deS Fürsten Nicolaus mit VukotitS zu vereiteln. Dies gelang ihnen aber nicht, indem ein Theil der türkischen Truppen, welcher sich mehr vorgewagt hat, von den Montenegrinern von den Rastnjer Anhöhen gegen Velje-Brde zurückgeworfen wurde. Am 31. hat ein montenegrinisches Detachement eine Streifung gegen VraneS im Distrikte gegen Kolaschin vorgenommen, zerstörte dort einige türkische Ortschaften und kehrte mit großer Beute beladen zurück. In Albanien sind die Türken im Vorrücken gegen Spuz.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.Blatte», sowie d.Annoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendanl in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
Neber die Operationen in Klein-Asien bringt die „Politische Correspondenz" folgende Darstellung aus Tiflis, 26 Mai: Nach der am 18. Mai erfolgten Einnahme von Ardahan trat General-Adjutant Loris Melikoff, nach Zu- rücklasiung einer starken Garnison in Ardahan, dm Marsch gegen KarS und Erzerum an. Arn 20. setzte sich der General an der Spitze einer Colonne von 8 Bataillonen Infanterie, 8 Sotnien Kosaken und 14 Geschützen in Bewegung und schlug die Richtung gegen Kartscha ein. Eben dahin rückte General Dewell mit 7 Bataillonen, 4 Eskadronen und einigen Geschützen. Der Vormarsch der beiden Co- lonnen vollzieht sich in Folge deö anhaltenden Unwetters nur langsam. Während die Ereigniffe nach der erwähnten Affaire auf dieser Seite des Kriegsschauplatzes vorläufig zum Stillstände gebracht zu sein scheinen, treffen von einer anderen Seite gar bedeutungsvolle Nachrichten ein. General-Lieutenant Tergukafivff meldete, daß seine Bewegung aufgehalten werde. Es wurde ihm von verschiedmen Seiten gleichzeitig gemeldet, daß auf der Linie Wan Hamur-Kara- KiliS ein starkes feindliches Corps im Anzuge fei. Diese kaum zu bezweifelnde Thatsache ließ sowohl die OperationS« link TergukafsoffS wie auch die Stadt Bajaztd als gefährdet erscheinen. Am 18 Mai stellte sich heraus, daß von Wan 12,000 Mann irregulärer türkischer Infanterie, 5 Bataillone NizamS und 3500 Mann Kurdischer Reiterei uebit 7 Feldgeschützen über die Ebene an der nördlichen Seite deS SeeS von Wan abmarschirt sind. In Kara- Kilis ermatteten 7 Bataillone mit 9 Geschützen diese« CorpS, zu defien Aufnahme ein befestigtes Lager errichtet wurde. General-Lieutenant Tergukafloff beeilte sich am 19. Mai eine starke Colonne unter dem Generalmajor Amilechwaroff von Surb Ohanes aus nach Bajazid zu di- rigiren, wo die Truppen noch am selben Tage eintrafen, waS mit Rücksicht auf die 60 Werst betragende Entfernung BajazidS von Surb-Ohanes eine kolossale Marschleistung ist. Tergukafloff schob gleichzeitig seine Avantgarde bis zum Dorfe Ziro vor. Am 19. besetzten bereits die Türkm das Dorf Bagri am Flufle Souksu. Man erwartete be» reit« für die nächsten Tage einen Zusammenstoß zwischen den beiden gegen einander vorrückenden feindlichen Abthei- lungen. Plötzlich traf aber die bis jetzt gänzlich unaufgeklärte Nachricht vom Rückzüge des beträchtlichen türkischen Eo> PS auf Wan ein. Dadurch schien Lajaziv wieder be» gagirt und die Colonne TergukafloffS war wieder in der Lage, ihre Operationen aufnehmen zu können.
Neueste KriegSnachrichten:
Konstantinopel, 5. Juni. DepeschenauS Rustschuk melden, daß gestern vom Fort Salikane auS der Hafen von Giurgewo beschoflm wurde. Versuche kleinerer Ab
„O, trnin Herr Baron, niemals ist eine Fran glücklicher verhcirathet gewesen als ich. Ich liebte Herrn von Eulenburg seit meiner Kindheit und mein Glück wurde nur durch feinen Tod gestört und . . . .*
„Nun, Sie stocken ja, gnädige grau 1*
„Nun wohl, ich will eS Ihnen gestehen, nächst seinem Tode betrübte mich die Begebenheit, durch welche ich zu feiner Gattin wurde."
Herr von Kauzheim versuchte alles Mögliche, am die Erzählerin zu einer deutlichem Erklärung zu bewegen. Er ließ zwar dm Gegenstand deS eben begonnenen Gespräches fallen, kam aber immer wieder darauf zurück. Er schmeichelte ihr; er liebkoste sie nach Möglichkeit; dann fing er an, die Verbimste des Verstorbenen, obgleich er diesen nicht gekannt hatte, lobend herauszustreichen. Er hatte früher mit einem gewissen Eulenburg in Frankfurt in Verbindung gestanden und wollte nun wiflen, ob die« der so tief betrauerte Gatte gewesen. Er hatte weiter von dem Präsidenten deS königlichen Gerichtshofes in Koblenz viel Rühmliches über einen andern Eulenburg gehört und erwähnte dies, in der Hoffnung, daß feine Nachbarin sich darüber erklärm werde, ob dieser ihr Gemahl gewesm. Aber alle die feinm Wendungen warm ohne den mindesten Erfolg; er konnte sich mit ben angewanbten Kunstgriffe nicht tiefer in bas Vertrauen feiner Hausgenossen hineinreden. — Nun schlug ber Baron einen andern Weg ein, um auf diesem vielleicht za dem ersehnten Ziele zu gelangm. Er hoffte, durch ein eigenes offenes Geständniß über feine eigenen früheren Verhältnisse das Verträum der Dame zu gewinnm.
„Sie werdm, gnädige Frau," sprach er jetzt zu ihr „eine sehr nachtheilige Meinung von meiner DmkungSart bekommen. Ich fühle tief, wie sehr ich fehlte; aber ich mag um Mnen Preis da« Unrecht vergrößern, deffm ich mich gegen Sie schwlsig machte, indem ich Ihnen gegmüber
„Sind Sie niemals verheirathet gewesen, mein Herr Aaron?" fragte sie eines Tages ihren HauSgenoflm.
Tage-bericht.
Der Kaiser ist mit dem Kronprinzen und dem Prinzm Wrecht Dienstag Nachmittag 2 Uhr zur Jubelfeier des KaigS - Grenadier - Regiments nach Liegnitz abgereist. — £le Reife nach EmS ist nunmehr definitiv auf dm 14. d. jt, AbendS 93/* Uhr, festgefetzt.
Die auS Riffingen eintreffenden Nachrichten über das
Mtiacn nimmt entgegen: Sg^peMtlon d.Blatter, d.Annoncen-Bureaux
■Z Th. Dietrich & Co. in Lffel und Hannover; Th. Mrich in Frankfurt a.M.; ttflfenftein & Vogler in -ninkfurt a. M., Berlin, Ewig, Cöln rc.; Rudolf gcffe in Berlin, Frank- furt a. M. rc.
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Erfcheint täglich außer den Werttagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchenllichen Beilage „SlnfhrtrtH e»ttttt«elllett“ durch die Erpedttion (Äoch'fche Buchdruckerei) bezogen S', Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches S Mark 50 Pf,, (exl. Bestellgebühr). — JnserttonSgebühr für die gespaltene Zeue 10 Pf,. Für in der Expedition zu ertheUende Auskunft und Annahme von Adreffen »erde» 35 Pf,, berechnet.
Die Maßregelnngm der ftanzöfifchen Preflc haben in » kn letztm Tagen in einem solchen Grade stattgefunden, I Pß darauf die Aufmerksamkeit der übrigm Welt gelenkt I K. Ein großer Theil der republikanisch gesinnten Blätter Jff einfach unterdrückt, so daß die französische Republik schon Wurch allein zu einer Farce gemacht wird. Dabei scheint M Klerikalen ein solches Verfahren noch viel zu milde zu D, ihre Blätter fordern die Regierung offen auf, keine Schonung gegen die Liberalen walten zu laflm. Frank- wch hat alfo auch seinen Culturkampf, nur daß derselbe Nrt in einer den Snsorbemngen der Culiur und Civtlisa
die Wahrheit verhehlte; und so vernehmen Sie denn: ich bin kein Junggeselle, ich war wirklich verheirathet."
„In der That?"
„Allerdings, gnädige Frau."
„Sie sind also Wittwer, Herr Baron?"
„Ich weiß eS nicht, gnädige Frau."
„Wie wäre dies möglich? Sie sollten es nicht wiflen?" „Erlauben sie, gnädige grau, eine Bemerkung. Sie betrachten den Ehestand als das glücklichste Verhältniß auf der Welt. Von ihrem Standpunkte aus haben sie auch Recht, und der, welcher so glücklich war ihr Gatte zu sein, würde Ihnen gern beipflichten. Aber nicht jede Ehe ist so glücklich wie die Ihrige, und die Meinige war ebenso kurz wie traurig, so daß ich in der Thal meinen Ehestand vergessen hatte; und diese Erläuterung wird mich, wie ich hoffe, in ihrm Augm einigermaßen entschuldigen."
„Ich verstehe sie nicht, Herr Baron."
„So will ich mich dm noch deutlicher erklärm. Ich bin der jüngere Sohn einer Nebenlinie meiner Familie, und ich sah deshalb mit wenigen pecuniären Mitteln ausgerüstet, mich darauf angewiesen, durch sorgfältige und ge- wiflenhafte Studien mich für den Militärdienst, dem ich mich widmete vorzubereitm. In diesen Bemühungen ließ ich eS, offen gestandm, durch mannigfache Erheiterungen und Zerstreuungen verleitet in den früheren Jahren einigermaßen fehlen. DaS hier Versäumte wurde erst später nachgeholt. Genug, ich war fünfundzwanzig Jahre alt und, meiner mangelhaften Vorbildung gemäß, ohne alle AuS- stchten für die Zukunft. Eines Tage», als ich eben einm Versuch machm wollte, ob ich da- gute Verhältniß unserer Familie zu einem der bedeutendsten Staatsbeamten nutzenbringend für mich auSbeuten könnte, trat mein Vater in mein Zimmer. Mein Sohn, sprach er zu mir, laß Dich eiligst frisirm, ziehe Deine beste Kleidung au, putze Dich
„Ist es lange her gnädige Frau, daß Sie Ihrm —■* Herrn Gemahl verloren?"
E „Fünfzehn Jahre, Herr Baron."
_ „Meiner Treu", dachte der Baron bei fich und strich «ch dabei das Kinn, „hätte ich sie vor fünfzehn Jahrm Srtannt, ich hätte ihr damals meine Hand anbieten können, Hue eine Lächerlichkeit zu begehen 1"
„Und," fügte er leise hinzu, „war diese Verbindung Mcklich?'
Sksiodm de» Fürsten Bismarck lauten sehr günstig. Die gut hat einen sehr guten Verlauf und der Fürst soll sich tzch der nicht geringen politischen Thätigkett, welche er wt entfaltet, sehr wohl befinden. Geh. LegationSraih Dt. Lothar Bucher, wird sich, wie eS heißt, morgen zum Arsten begeben, und bann längere Zeit bei demselben ver- tttiben. Geh. Reg.-Rath Tiedemann vorn StaatSrniniste, M Mm ist jetzt wieder aus Kisstngen in Berlin eingetroffen
Md wird sich auf mehrere Wochen demnächst in Urlaub
ien Hohn sprechenden Weise geführt wird und die Deul- stm jedenfalls Über diefm Culturkampf leinen Schmerz p empfinden brauchen, der Frankreich aller seiner blelge- Hatten AttractionSkrast auf die Nachbarstaaten beraubt Mb sicherlich nicht zu feiner Kräftigung im Innern führt. Verden die Reprefstvrnaßregeln in der bisherigen Weife Mgefctzt, so kommt am Ende noch der alte Thiers heran, \ kt mit wüthmdem Haß von den Clerikalm und Bona- wird und deflen Candidatur zur Präst-
deutsche Gesandte bei ber Pforte längst fc Konstantinopel angekommen, ist ber türkische Botschafter- . Wen in Berlin noch immer unbesetzt. Wie wir vernehmen, *61 eilt jedoch in ber nächsten Woche ber neu ernannte töt« Ae Gesaubte in Berlin seine Funktionen übernehmen tzttselbe wirb bann hinreichend Gelegenheit finden, fich von ♦Of kt Friedensliebe der deutschen Politik zu überzeugen, da
Wenn zwei bejahrte Leute nebeneinander leben, so ist rf fast unmöglich, daß fie in ihren Unterhaltungen nicht 0U8* auf die Vergangenheit zurückkomwen feilten; feit Nestor'S iyet, Zeiten lieben sie ja das Erzählen. Dergleichen Greise vnden auS diesem oder jmem Grunde mitunter gar wohl Hn wahre Meinung verheimlichen, aber fie können dem dedürsnifle nicht füglich widerstehen, sich dadurch gewifler- üaßeu zu verjüngen, daß fie über ihre schon feit Jahren ttlvschene Leidenschaften sprechen und sich die Ereigniffe «mer längst üerllungenen Zeit mittheilen. Hier war eS 8rau v. Eulenburg, welche zuerst diese zarte Saite