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Marburg, Mittwoch, 6. Juni 1877.

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und für welch« 153 Bauer bereit stehen. Es finden fich aber im großen Vogelhaus des Berliner Adreßbuches noch 11 Nachtigall, 6 Lerche, 20 Schwalbe, 17 Schwan, 31 Specht, 2 Spatz, 32 Sperling, 7 Pfau, 3 Storch mit 1 Storchnest u. f. w. Das schwimmende Geschlecht der Fische zeigt.fich uns in allen Abartm, unter denen durch ihre HeereSstärke 59 Hechte unter allen Anderen hervorragen. Reich ist der botanische Garten der Berliner Einwohner­schaft. Baum und Baumgarten jeder Art machen fich durch ihre Menge und gute Zucht bemerkbar und Blumen und Blüthen stad in allen Größen und Farbm vorhanden, die Rose allein ist 78 Mal da und wird unS von 47 Dornen verleidet.

Der Mensch herrscht indeffen in diesem Berliner Pan­optikum vor, obschon eS nur 3 gibt, die fich mit einem vollen Recht Mensch nennen können, von denen 1 Mensch dem weiblichen Geschlechte angehört und eine Rentiere ist. Wohl aber findet sich der Herr der Schöpfung in allen Theilen vor: 73 Haupt, 11 Fuß, 76 Herz und Hertz, 4 Brust, 2 Brüstlein, 1 Magen (Mehl- und Vorkosthändler), 11 Arm, 1 Hand (die einem Maler angehört), 14 Finger und 1 Fingerhut, 2 Zehen, 7 Daum, 4 Maul, 7 Lippe, 1 Zunge, 36 Zahn, 17 Bauch, 6 Leib und 1 Nabel. Be­fremden muß eS höchlichst, daß fich in Berlin nur 20 Ber­liner befinden und eben so viele Wiener, Hamburger sind 25 da, 6 Pariser und 1 FranzoS.

Nicht zum Besten ist eS mit der Verproviantirung Berlins bestellt. Äein Wunder, daß so viele Cousumanstalteu bestehen und entstehen. Vsir haben nur 2 Suppe, die Suppö geschrieben werden, wovon der Grund Jedermann einleuchten wird, wmn er erfährt, daß 486 Koch zum Verderben der Suppe da sind; 7 Mehl, 1 Fletsch, 5 Pfeffer, 4 Salz, 1 Butter, 3 Salz, 2 Wein, 1 Essig (eine Wittwe), 2 Gurke. Zu diesem geringen Dorrath sind aber auch

In der Hauptstadt des türkischen Reichs hat die Be­wegung, die auf Beseitigung des gegenwärtigen Ministeriums und Zurückberufung Midhat Pascha's gerichtet ist, kotz der andauernden Verhaftungen und sonstigen Maßregelungen derart zugenommen, daß der Sultan in Kurzem wird nach­geben müssen, wenn er nicht riskiren will, seinen Thron zu verlieren. Die Fehler, welche bei der türkischen Krieg­führung in Asten hervorgetreten und so große Gefahreu über das türkische Reich heroufbeschworm, haben der ohne­hin vorhandenen Mißstimmung gegen den Sultan einen mächtigen Impuls gegeben. Man fürchtet sogar in Kon­stantinopel, daß der Sultan auf den Rath seine- auswär­tigen Ministers Safvet Pascha Frieden schließen werde mit Rußland auf der Grundlage einer Gebietsabtretung in Kleinasien. Daß ein solcher FriedenSschluß vom Parla­mente und dem türkischen Volke nicht wird genehmigt wer­den, liegt auf der Hand, schon der Gedanke an eine solche Eventualität hat eine solche Entrüstung hervorgerufen, daß seine AuSfühmng absolut unmöglich erscheint. Bis zur Stunde herrscht denn auch in der Hauptstadt, wie in dem ganzen übrigen osmanischen Reiche eine fieberhafte Thätig leit zur Sicherung des Reiches gegen alle Gefahren von Außen. Nach Asten werden fortwährend Verstärkungen abgeschickt und man hofft wenigstens Erzerum zu retten, während in Bezug auf Kars man sich bereits an den Ge­danken gewöhnt zu haben scheint, daß diese Festung in der nächsten Zeit in die Hände der Ruffen fallen werde. Auf

dem europäischen Kriegsschauplatz« steht eS dagegen nicht ganz so schlimm aus für die Türkei. Zwar ist die Donau bedeutend gefallen und die Ruffen haben bereits für die nächste Woche den Uebergang über dieselbe in Aussicht ge­nommen. Indeffen stehen noch heute nicht mehr al« vier Armeekorps an der Donau, die drei zuletzt mobilisirten Armeekorps find erst eben in Rumänien eingetroffen und zwei Armeekorps find von Odefla bis an die serbische Grenze zerstreut. Dieser Monat wird also immerhin noch darauf hingehen, bi« die gesammte Südarmee fich auf dem rechten Ufer befindet. Daß dann in dem nächsten Viertel­jahr die Operationen der Ruflen nicht viel beffer von Statten gehen »erben, als in dem gegenwärtigen, ist bei den ab­normen Verhältnissen, die nach jedweder Richtung hin in Bulgarien herrschen, nur zu wahrscheinlich und eS fehlt deßhalb schon jetzt nicht an Strategen und Politikern, welche mit dem gegenwärtigen Feldzuge den Krieg nicht für be­endigt halten, vielmehr einen zweiten Fildzug für das nächste Jahr in Aussicht stellen.

zens wird man sich mit der Auflösung nicht gerade über­hin, da, je länger die Einflüsse der gegenwärtigen Re­gung vorherrschen, die Aussichten für die Monarchischen j®. Bonapartistischm steigen. Für die FriedenSauSstchten i das nicht gerade tröstlich und das Mißtrauen der hoben Regierungen zumal der deutschen in die Absichten | französischen Regierung ist denn auch eher im Zu- faen als im Abnehmen begriffen.

nur 2 Topf (und 1 Töpfer) 8 Schüssel, 13 Messer, 3 Gabel und 0 Löffel vorhanden, was um so mehr zu ver­wundern, da es 57 Löffler giebt

Die noch sonst in Berlin etwas heißen, heißen zumeist Müller und Schultze (ober auch Schulze ohne t oder Schulz' und Schultz', apostrophirt, um es Versemachern bequem zu machen); aber mit dieser Domäne des „Kladde­radatsch" wollen wir uns in einem eigenen Artikel befaffen. Könnte man ja mit den Berliner Müller'S und Miller'« allein eine ober zwei mittelgroße Provinztalstädte bevölkern, was wir dem uniformirenden Geiste unserer hochlöblichen Regierungsorgane Hiermil dringendst empfohlen haben möchten.

Die Anrede, bi« der päpstliche Nuntius in Brüssel an eine Deputation von Offizieren der früheren päpstlichen Zuaven gehalten hat und übet welche eine Interpellation in der belgischen Deputirtenkammer bevorsteht, hat nach dem klerikalen „Courier de Bruxelles“ folgenden Wortlaut: „Die Anstrengungen, welche die Regierungen gemacht haben, um die römische Frage in den Hintergrund zu drängen, um gewissermaßen zu ersticken in dem allgemeinen Preis­geben deS Stattshalters Christi, haben nut den Erfolg gehabt, dies« Frage noch mehr zu einem Gegenstand sorg­licher Beschäftigung der Massen zu machen. Die Herr- schäft der Gewalt, welche sich an Stelle des in seiner höchsten Verkörperung verletzten Rechtes setzt, hat Europa in den Zustand barbarischer Störung gebracht, in dem wir eS heute sehen; und der Instinkt der Selbsterhaltung treibt Europa, es mag wollen oder nicht, ein Heilmittel zu suchen, welches sich nur in dem Triumph des PapstthumS findet. Ihr könnt daher mit gutem Recht (legitimement) hoffen, daß die Zeit nah« ist, wo dieser Triumph von Neuem, die Hülfe Eurer Arme in Anspruch nehmen wird, und wo Ihr den Kampf werdet wieder auf- nehmen können, den Ihr abzubrechen gezwungen »erben seid."

Sitte Partie Piquet.

Erzählt von Schaeffer.

In einer Straße beS Städtchens Blumenau erblickt man ein zwar kleines, aber sehr elegant eingerichtetes und höchst sorgfältig unterhaltenes Haus. In diesem Hause wohnte noch ganz kürzlich eine bejahrte Dame von bedeu­tendem Vermögen, eine Witwe, welche einige ihrer Zimmer zu vermiethen pflegte, nicht sowohl um dadurch einen Ge­winn zu erzielen, als um auf diesem Wege fich Gelegenheit zu einer täglichen Gesellschaft zu verschaffen. Frau von Eulenburg, noch ziemlich wohl erhalten, ober stark beleibt, ging selten aus, und eS drängte sich ihr daher das Be- dürfniß nach einem Miether auf, der geneigt fein möchte, je zuweilm bei ihr zu Mittag zu effm oder Abend« eine Partie mit ihr zu spielen. Sie wünschte, dieser Miether möchte ein guter Gesellschafter, ihr an Alter ungefähr gleich und von sanfter Gemüthsart sein, um ihre mitunter her­vorbrechende, durch die Jahre keineswegs gemilderte Heftig­keit ertragen zu können. Dergleichen Wünsche ließen sich

Beilin» Namen.

(Schluß).

Was den naturgeschichilichen Charakter bet Berliner teilterung betrifft, so ist keine andere Stadt so sehr "idestinirt, einen reich ausgestatteten zoologischen Garten lb ein Aquarium zu unterhalten, ober eine VogelauS- Iflung zu beschicken. Für ein mineralogisches Kabinct ist miger Vorrath vorhanden. ES sind nur 28 Kupfer, 4 leib, 11 Silber, 2 Messing, 4 Eisen, 8 Kohlen, 1 Samant und 132 gewöhnliche Steine da. Putz ist darum ich nur 3 Mal vorhanden, Schmutz dagegen, in anderen Hbten nicht selten, findet sich in Berlin nur in den itraßen trotz dem Geräusch bet nächtlichen Reiuigungs-

Mit Thieren aber könnte bie Kaiserstadt das Kaiser­lich versehen. Nicht weniger als 111 nennen sich Fuchs, h welche nur 1 Fuchsloch (ein Schneider) da ist; 54 k und — eine seltene Vermischung — 2 Bärwolf; 199 Mse, 10 von der neuen Rechtschreibung beleckte, Hase 6 8 Häsecke; 13 Schaaf, 2 Hammel und 12 Lamm, Ü denen sich 164 Schäfer, 70 Schäffer, 3 Scheefer, 5 Heeffer, 3 Scheffer und 1 Schefer (ver Letztere hat sicher t Schule nie besucht) abplagen müssen. Es finden sich ich 3 Hund, 1 Hundrich; Löwen 56 (nebst einigen rei- toen (Spielarten al« da find: Löwenberg, Löwenfelo, Lö- ®llau, Löwenhain, Löwenstamm, Löwenherz, Löwensohn, kenstern, Löwenstein und Löwy); OchS sind 8, Stier I, Kuh nur einer; e« gibt ferner 673 Wölfe, darunter $ aus dem ff; 4 Gaule; 5 Roß; Esel gibt e« keine Berlin, wohl aber 45 Kluge und übet dies 14, die log find, und Salomon, bet Weise, ist 89 Mal vothaa »! Da« befiederte Thierteich ist durch 152 Vogel mit Vogelsang vertreten, denen, nut 3 Vogeler nachstellen

Die Lage der türkischen Truppen in Klein Asien scheint eine sehr kostlose zu sein; die Stuften rücken ihnen immer nähet auf den Leib und zwar auf drei concentrischen Linien, deren Vereinigungspunkt Erzerum ist; von Etzetum ist das Gentium nur noch sechs Stunden entfernt. Alle Truppen, die sich ihnen entgegenstellen »erbet ans« Haupt geschlagen; in Erzerum selbst ist man um bie Stellung Mukhtar Pascha'S besorgt, bet beiläufig fast seine ganze Cavalletie eingebüßt haben soll. Dem Daily Telegraph wirb aus dem Hauptquartier Mukhtar Pascha's vor Erze­rum vom Mittwoch gemeldet: „Wir haben soeben unsere Zelte zur Nachhut gesandt. Das Heer ist in Bereitschaft, das Lager abzubrechen und den Vormarsch zu beginnen. Richtung und Ziel dieser Vorwärtsbewegung find mir be­kannt, doch würde beten Veröffentlichung nicht angängig sein. Mit ben gegenwärtig vor Olli stehenden Truppen ist gemeinsames Handeln vereinbart worden. Es herrscht starker Schneefall, der bie Wege für bie militärischen Be­wegungen äußerst schlecht unb beschwerlich macht." Es scheint, baß bie Truppen, welche ben Vormarsch antraten, jene Niederlage erlitten haben, von welcher in den Tele­grammen die Rede ist. In Rumänien klagte man über tropische Hitze. Bei Ada-Kaleh scheint fich ein rumä­nischer Angriff vorzubereiten; über den Kampf an der Su- lina-Mündung find noch keine näheren Berichte eingetroffen. Bevor größere Operationen stattfinden, wird erst der Czar in Rumänien erwartet. Seine Abreise von St. Peters­burg haben wir gestern gemeldet.

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7.

Der römische Correspoudent der „Daily News" telegra „Kardinal Ledochowski hat den deutschen Bischöfen L-^bgler Führung des Kardinals Schwarzenberg eine Audienz ib Wellt, in welcher der letztere ernstlich zu Gunsten einer " -söhnung mit Preußen sprach. Er behauptete, daß Fürst Wmarck lhatsächlich nicht der Verfolger der Katholiken besonders jetzt, wo in Folge vieler Einflüffe der Ber-

Hof aufrichtig Frieden mit der Kirche wünsche."

Tage-bericht»

In diplomatischen Kreisen spricht man von einem an- Mch in naher Aussicht stehenden Besuch de« Königlich I s^ßbritanischen Botschafters, Lord Odo Ruffel, bei dem i ;g Kisfingen weilenden Reichskanzler Fürsten Bismarck. ' M»as Zuverlässiges über dies Vorhaben ist aber bis jetzt 'i M zu unserer Kenntniß gelangt. — Mehrere Blätter ' reSen eine Herbstsesston des deutschen Reichstages in Aus- !: W und legen derselben mit Unrecht die Aufgabe bei, über ] geltere militärische Vorkehrungen in Elsaß - Lothringen zu । zachen. Wie unS versichert wird, steht die Berufung des ! e Sriib«tage« im Herbst nur bann zu erwarten, wenn ber ; joabeisoertrag mit Oesterreich - Ungarn bringenben Anlaß > Mju geben sollte.

U«iriaen nimmt entgegen: i ^.Expedition b.BlatteS, ’Le d.Annvncen-Bureaux ‘ Th. Dietrich & Co. in „«rf und Hannover; Th. Trichin Frankfurt a.M.; Laftnftein & Vogler in kntfurt a- M., Berlm, Jjjjig, Cöln ic.; Rudolf Nr in Berlin, Frank­furt a. M. ic.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jlnftrtrte» ••neteeillatt“ durch die Expedition (Kochfche Buchdruckerei) bezogen 2h Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiche- 2 Mark 50 Pf-. (exl. Bestellgebühr). — JnsertionSgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pf-. Für in der Expedition zu ertheileade Auskunft und Annahme von Adreffeu werden 25 Pf-, berechnet.

188,13n Frankreich »erben bie Maßregeln gegen bie repu- ' Manisch gesinnten Beamten fortgesetzt unb man scheint in kn Kreisen ber gegenwärtigen Machthaber wirklich ber

>00. Mang zu leben, daß die nächsten Wahlen zur National- xtjammlung im antirepublikanischen Sinne ausfallen wer- «. Daß eS überhaupt zur Auflösung der Nationalver- mmriung kommt, unterliegt schon jetzt keinem Z veifcl, in- lttr, km der französische Senat, trotz der Gegenwirkungen von —- WerS und Gambetta, sich für dieselbe ausgesprochen. Ueb-

Anzeigen nimmt entgegen: bie Expedition d.Blatte«, sowie d.Annvncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hcnnann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

Das „Mämorial biplomatique" erhält gegenüber ben '80. Yantis gewisser Organe ber französischen Presse bie *32. bricht aufrecht, daß eine Zusammmankunst zwischen dem und dem Kaiser von Oesterreich in Herrmanstadt fMfinden würde. ES soll hiebei die serbische Frage und *41 hie Eventualität eine« am Ende de» gegenwärtigen Krieges

*28'M berufenben Kongresses erörtert werden.