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Marburg, Sonntag, 3. Juni 1877.

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Versetzungen der UnterprLfecten und GeneralrLthe, die

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verstand leisten können.

Freilich hat mir «eine eigene militärische Erfahrung

befindet sich viel junge« Volk nebst einer Anzahl Vertrauter Fourtou's aus der schlimmsten Druckperiode des KaiserthumS. In den politischen Kreisen außerhalb des Elys«; bereitet man sich auf den Kampf vor, der in der Mitte Juni entbrennen und entweder die Auflösung der Deputirten- kammer oder, wenn die Regierung nicht die nvthige Stim­menzahl im Senate erlangt, die heftigsten Auftritte in den Sitzungen bringen wird. Bis jetzt fehlt Broglie immer noch ein halbes Dutzend Stimmen im Senate, doch wird alles aufgeboten, um die Legitimisten zu bewegen, daß sie für die jetzigen Machthaber sich zum Zweck legen. Der päpstliche Nuntius ist im Elyfse mächtiger als jemals und und es ist bereit« von einer Erhebung Mac MahonS zum Ehef der Executive auf Lebenszeit in den vertrauten Kreisen wie in gewissen Blättern die Rede, während Gambetta in der „Rcpublique" den Marschall mit vollständiger Ironie alS einen Menschen hinstellt, der nicht weiß, waS er thut, und in seiner Naivetät mit Ludwig XIV. und Napoleon I wetteifern will, um dem französischen Volke seinen Geist einzubiasen. Mac Mahvn scheint jedoch, falls eS Broglie nicht gelangt, die Mehrheit im Senate zu erzielen, einlenken und für den Fall ein gemäßigtes Eabinet einsetzen zu wollen.

In der italienischen Abgeordnetenkammer kam eS am 26. d. bei der Zuckersteuer zu einer Auseinandersetzung über die auswärtige Politik Italiens, wobei DepretiS er­klärte, daß das Ministerium keine abenteuerliche Politik verfolge, daß Italien mit allen Mächten freundliche Bezie­hungen unterhalte, daß eS aber nöthigenfalls auf die Loyali­tät des Königs und die Tapferkeit feiner Armee rechnen könne.

Die spanische Regierung will abermals einer weit­verzweigten Verschwörung auf die Spur gekommen sein unv hat in Folge desien eine Anzahl von Personen, die weist dem höheren Militärstande angehören, verhaften lasten.

Während die Zukunft der Türkei sich in immer dunkleren Farben darstellt, scheint deS Fürsten Bismarck zuversichtliche Hoffnung, daß der orientalische Krieg zu keinen größeren Verwicklungen Anlaß geben werde, mehr und mehr au Wahrscheinlichkeit zu gewinnen. Die geringe Widerstandsfähigkeit der türkischen Heere, wie sie in jüngster Zeit auf dem asiatischen Kriegsschauplätze zu Tag« trat, führte wohl tu der richtigen Eckenntniß, daß der Pforte nur noch durch Midhat Pascha und seine Diktatur geholfen werden könne, zu einer Kundgebung deö durch die SoftaS vertretenen jungtürkischen Elements, welche sich in erster Linie gegen den einflußreichen Mahmud Damat und den Kriegsministet, in zweiter aber gegen die ganze Palastpartei und den Sultan selbst richteie und die für's Erste noch

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durch eine milde Form des Belagerungszustandes beant­wortet wurde, während die Regierung sich gleichzeitig der in den jetzigen Zeitläuften mehr als unbequemen Beauf­sichtigung durch die Sammern zu entledigen fucht. Der egyptische Khediv zögert mit der Absendung deS rückstän­digen TheileS feiner HülfSmannschaften, und von den christ­lichen Staaten Europas wird die Pforte am allerwenigsten eine ausgiebige Hülfe zu erwarten haben. Seit Mac Mahon's klerikal politischem Staatsstreich betrachten sich Italien und Frankreich mit gerechtfertigtem Mißtrauen, Deutschland aber bewahrt Rußland gegenüber eine wohl- wollende Neutralität, soweit es überhaupt mit seinen An­sichten an den Tag tritt, und von England und Oesterreich dürfte, sei es zu Nutz-n, sei cS zu Schaden der Pforte, wohl kaum etwas Anderes als die Wahrung ihrer eigenen Jntereffen zu erwarten fein, die wie alle politischen rein egoistischer Natur find. Oesterreich besonders scheint neuer­dings zu Allem eher denn zu einem Vorgehen gegen Ruß­land geneigt zu sein, und wenn eine Secundo Gcnitur für Serbien und Bosnien auch wenig Aussicht haben mag, so wäre doch selbst einer den Ungarn zu Liebe in's Werk ge­setzten Mobilmachung mit darauf folgender Besetzung Ser­biens nur wenig Bedeutung beizum sie« und sie dürste vor Allem nicht in ruffenfeindlichem Sinne gedeutet werden. Die Aluta ist längst von den Ruffen überschritten, und wenn auch nicht anzunehmen ist, daß Serbien sich fär'S Nächste thätig am Kriege betheiligen werde, so steht doch eine solche Theilnahme nach den ersten russtschen Siegen mit einiger Wahrscheinlichkeit in Aussicht. An der Donau hat man sich zu wiederholten Malen zwischen Rustschuk und Turtukai, sowie zwischen Widdin und Kalafat bombar- dirt, wobei Fürst Karl persönlich die schweren russischen PosttionSgeschütze richtete; auch ist am 26. d. bei Bratta abermals ein türkisöcS Panzerschiff, und zwar diesmal durch russische Torpedo«, in die Luft gesprengt worden, im Uebrigen aber hat da« Anschwellen der Donau jede Aktion verhindert, und auch auf dem montenegrinischen Kriegsschauplätze steht noch Alle« beim Alten. In Asim ist die erste türkische VertheidigungSlinie, welche sich an die großen Festungen anlehnte, durch den Fall von Ardahan unrettbar durchbrochen. Während ein Thetl de« von Alixandropol auSgerückren russtschen HauptkorpS das Bom­bardement von Kars fortsetzte, rückte der andere Theil In Verbindung mit dem von Achalziche abmarschirten rechten Flügel auf der Straße von Erzerum bis gegen Olti vor. Da der linke russische Flügel gleichzeitig gegen Toprakkalch und Delibaba vordrängt, so wären die beiden Flanken der türkischen Hauptarmee unter Mukhtar Pascha umgangen,

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losigkeit und allrussischem Gebühren. Doch gibt eS natür­lich Ausnahmen auf beiden Seiten, und zu diesen will ich insbesondere den braven alten Hauptmann Schleiher rechne«, den StalionSkommandanten der Etappe Plojesti, welcher nach dreißigjähriger Jnaktivität jetzt auf den Ruf de« Kai­ser« seine Uniform wieder hervvrgeholt und seine Dienste dem Vaterlande zur Verfügung gestellt hat. Derselbe er­kannte in mir bald den Fremden und lud mich ein, mit ihm eine Taffe russtschen Thecs zu trinken. Gern nahm ich die freundliche Einladung an und habe die letzte Stunde vor Abfahrt meines Zuge« mit dem liebenswürdigen allen Herrn, der vorzüglich deutsch sprach, auf das angenehmste verplandert. Namentlich wußte er nicht genug von der Freundlichkeit und Leutseligkeit deS Großfürsten Nikolaus zu erzählen, mit dem er in feinet Jugend im CadettencorpS zusammen gewesen sei, und der hier in ihm seinen alten Lehrer schnell wieder erkannt habe. Man rühmt mir allent­halben da« Auftreten des russtschen Oberkommandirenden, und selbst Leute, welche keineswegs mit der russischen Sache sympathistren, versichern mir, daß man sich kaum dem ge­winnenden Einfluß der Persönlichkeit deS Großfürsten ent­ziehen könne. Auch der jüngere Nikolaus, eine hochge­wachsene, prächtige Soldatenerscheinung, allerdings noch ein wenig schlank, ist allgemein beliebt. Er bekleidet jetzt den Rang eine« Hauptmanns in der Armee. Vater und Sohn haben sich heute zum Besuche des Fürsten Karl nach Bukarest begeben. Ersterer wird voraussichtlich am Nach­mittage nach Plojesti zurückkehren, der Letztere sich von da für kurze Zeit nach Giurgewo begeben. Täglich pafsiren mehrere Militärzüge, von Osten kommend, die rumänische Bahn, doch kann die Beförderung, da die Bahn nur ein Geleise hat und außerdem ein großer Mangel an Wagen herrscht, nur sehr langsam ausgeführt werden. Das rus­sische General-Etappmkommando hat eine neue Fahrordnung festgestellt. Seit dem gestrigen Tage sind regelmäßige Mi> litärzüge über Galatz Barboscht und Roman Barboschi ein-

StellMttügr für die Pferde, sondern auch noch Lagerstroh für chnhos^ t Mannschaft nachgesührt werden muß. Meine munteren [10^ hget hatten in ihren Zelten gar nichts und mußten auf ---1 ■ nackten Boden campiren. Wenn sie nichts desto roe-

Jm diplomatischen Corps zu Berlin und zugleich Deutschen BundeSraihe steht eine Perfonalveränderung indem der bisherige bayerische Gesandte Freiherr PerglaS demnächst von diesem Posten zurücktreten wird. B Nachfolger 'st noch nicht bekannt. In München die betreffenden Ministerien mit Vorbereiiungen für bevorstehende LandtagSfefsion befchäftigt, insbesondere Vorlagen wegen BuSsührung der RcichS-Justizgesttze, daneben mit beabsichtigten Steuerreformen.

Die Vorarbeiten zum Ausgleiche zwischen beiden ReickS- der habsburgischen Monarchie sind in Pest ilch in Fluß gekommen. Die Aussichten auf den Aus im Reichstage stellen stch jetzt sehr günstig. Da« meichische AbgivrdnetenhauS nahm am 29. seine Thätig- wi-der auf; an demselben Tage begannen die Verhand der von den beiderseitigen Parlamenten gewählten Deputationen; Präsident der österreichischen Depu- ist Graf Webna, der ungarischen Szlavy. Die dringen auf rasche Beendigung der Verhandlungen;

traf zu dem Ende am 29. in Wien ein.

Vierzehn Tage find eS jetzt, seit der Präsident der «zi fisch en Republik den „Geschicken* Frankreichs andere Wendung gab. Das neue Cabinet Broglie seitdem nicht auf Rosen geruht, aber e« ist rüstig an Arbeit, um stch ein sicheres N.st zu bauen. Seit dem Mai wimmelt e« im Amtsblatte von Ernennungen

Mein & Vogler tn Hurt a- M., Berlin, Köln ic.; Rudolf £ tn Berlin, Frank­furt a. M. IG

oft genug bewiesen, daß, wie der preußische Unteroifielet, tet das erste Glied eines Zuges nachcxerciren muß, zu wettern pflegt, „xte längsten Kerle fast immer die schlaffsten sind*; aber bei diesen Söhnen Kleinrußlands möchte stch ein solcher Borwurf nicht rechtfertigen laffen. Dagegen will mich bedünken, daß eS ihnen noch an der Schnelligkeit und Gewandtheit in den militärischen Bewegungen fehlt und daß die große Körperkrast auch mit mehr oder weniger großer körperlicher Unbeholfenheit gepaart ist. Wie ich zu den singenden Soldaten heranlrat, hatten sie eben einen Kreis gebildet, in dessen Mitte ein Spielmann stand, der eine kleine Trommel nach Zigeunerart mit einem Stäbchen schlug und so den Tanz eines anderen Mannes begleitete. Diese künstlerische Leistung bestand in nichts anderem, al« in einigen wiederkehrcnden regelmäßigen Sprüngen und hastigen Bewegungen deS Oberkörpers, erinnerte aber sehr an den ungarischen CzardaS. Während des TanzeS stie­ßen dir Umstehenden von Zeit zu Zeit einen halb klagen­den, halb wild und gellend jauchzende« Ton aus — daS Ganze ein echtes Bild astatischen Lebens in russischer Uni­form. Die Leute gehörten zum 32. und 357. Infanterie- Regiment und als solche zum 11. CorpS, welches der Fürst Schahowskoi commandirt. Der General, de« ich später auf dem Bahnhofe sah, als er einen besonderen Courier mit demselben Zuge, aus dem ich nach Galatz fuhr, nach Petersburg abfertigte, ist eine nicht sonderlich sympatische Erscheinung Von untersetzter Figur, ziemlich cotpulent, mit spärlichem grauen Bart «nd einem aufge­dunsenen Gesicht, das sehr lebhaft a« daS russische Na- tonalgetränk erinnert, bietet Fürst Schahowskoi alles eher, denn das Bild eines geniale« Feldherrn. Doch der Schein mag trügen.

lleberhaupl haben die jungen russischen Offiziere einen weit günstigeren Eindruck auf mich gemacht als die älteren. Dort Frische, Lebendigkeit, Intelligenz in der ganzen äußeren E schcinung — hier B-quemlichkeit gepaart mit Rücksicht-

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage ,,dl«|hrtrtt« ••nutetlllett" durch die Erpedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 21 Wert, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Wert 5® Pf», (exl. Bestellgebühr). — JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 1» Pf«.

Für in der Erpedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pf«, berechnet.

Für den Monat Zimi werden auf die

Sberhessische Irilnng

und deren Beiblatt

Bei den Russe« und Rumänen.

(Bon dem Special-Berichterstatter der »Köln. Ztg *)

(Fortsetzung.)

Galatz, 21. Mai.

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; ia und Hannover; Th. Srantfurt a.äJl.:

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.Blattes, sowie d.Annoncen-Buteaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hennann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W. Thienes in

Elberfeld; C. Schlotte in

Bremen.

WM Unter Kaiser Wilhelm gedenkt nach der Jubiläumsfeier Pegnitz, wohin die Reise nächsten Dienstag angetreien II» 1 it, dis spälestenS zum 13. Juni stch zur Kur nach EmS und t ■ [ Mitte Juni stch zur Nachcut nach Gastein zu begeben deutsch BundeStath hat daS vom Reichstage beantragte Mefetz betreffend den Zeugnißzwang verworfen; dagegen das Patentgesetz in bet ReichStagSsaffung angenommen bie Einsetzung deS Patentamts wird unmittelbar er-

Ilustrirtes Sonntagsbtatt

1« allen Postanstalten Bestellungen entgegenge- blikv« ugtnen.

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Bl« ich gestern vor Abfahrt de« Zuge« auf dem Bahn- 6on Plojesti noch einige Zeit warten mußte, drangen nicht zu großer Ferne die Töne wilder Soldatenlieder —-5 Wit herüber und ich beschloß dem Schalle nachgehend, omtnfl k Sänger selbst zu besuche«. Nach kurzer Zeit wat ich i ihnen angelangt; e« wat ein größere» Piket, da« bie wache hatte unb in mehreren Zelten untergebracht war. Leute liegen in biefen Zelten im Allgemeinen schlecht, e« fehlt in Rumänien, wie mir russische Oi stricte len, nahezu völlig an Heu unb Stroh, so baß nicht

& alle heiteren, ja, ausgelassenen Muthcs waren, so ist , ejtfr * jedenfalls für bie körperliche Tüchtigkeit unb Ausdauer

< Mannes ein vorzügliche« Zeichen. Wie sehr ich auch den teuften Krieg verurtheile und der russtschen Eroberung«' c «jRt die Verantwortlichkeit für das Elend zuschreibe, das .g E Gefolge haben wird, so kann mich diese« Urtheil ,r " $ nicht abhalten, meinet günstigen Meinung ton bet J Achen Armee Ausdruck zu gebe«. Selbst bie älteren — im russtsche« Heere herrscht wegen bet langen fMieit unb beS verschi benen Aushebungssystems keines- ' sch» bie Gleichaltrigkeit bet Mannschaften wie bei uns

ni t j^Zien ein vorzügliches kriegStüchtigeS Aussehen. Wenn sä,'®*iipetituft des Einzelnen die Schlachten entschiede unb W die DiScipli« und bet Geist des Feldherrn, so möchte L*rnig Armee« geben, welche biefen russischen Soldaten