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ITlarßUüg, Donnerstag, 31. Mai 1877.

XII. Mrgssz.

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AkchesW jfitiniij

surt a. M. rc.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.Dl attrs, sowie d.Annoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer de« Werttage« «ach 6omt« und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage ,,J»«ftrirtr» 8»e*t«geH«tt" durch die Expedition (Aoch'fche Buchdrucker ei) bergen U Mark, durch die Postämter deS Deutsche« Reiches 3 Mark 50 Pf,, (exl. Bestellgebühr). — JrrsertionSgebühr für dir gespaltene geue 10 Pf,.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft «nb Annahme von Adressen werden 35 Pf,, berechnet.

^en nimmt entgegen : 'Tsedition d.Blatte», Ai ^dÄnnoncen-Bureaux ällf - Tb. Dietrich & Co. rn u» Vt und Hannover; Th. Äch in Frankfurt a.M.; wüstem & Vogler m d ^furt a- M., Berlin, . . Ä^Cöln rc.; Rudolf LflnK . CD.U.m

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Illustrirtes Sonnlagsblatt

ggunen.

Mr den Monat J««i werden auf die

Merhesstsche Zeitung

und deren Beiblatt

Rot, ß. w allen Postanstalten Bestellungen entgegenge-

rage-bertcht.

Durch die Zeitung« geh« neuerbing» Mittheilungen,

von unS an unterrichteter Stelle elngezogenen Erkun-

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Der falsche Czar.

1871

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»M, Bekanntmachungen über Bekanntmachungen er«

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Sch, LegatiouSrath Lothar Bucher wird sich in den

Tag« »ach Kissing« begeben, und dann bet dem rkanzler Fürsten Bismarck vorläufig verbleiben. Ob Fürst von Kisstngen direkt nach Varzin wieder zurück wie einige Berliner Cvrrespondenten bestimmt wiflen llen, darüber ist heute noch nicht» entschieden. Die Ent- tng de» Fürsten ist von dem Verlauf der Kisfinger und von dem Ausspruch der Aerzte abhängig.

Da« .Bureau Hirsch" bringt folgende Depesche auS , 29. Mai. Wie verlautet wird der Deutsche Bot- Fürst Hohenlohe in nächster Woche nach Kisstngen um dem Fürsten Bismarck Bericht zu erstatten.

. M d, daß zwischen Oesterreich und Rußland eine förmliche iwohrt «dention über die Behandlung Serbien« nickt abge-

Historische Erzählung von Carl v. Kessel.

(Fortsetzung.)

»Davon zu sprechen, wird eS später noch Zeit sein," ablenkmd die junge Dame, „und nun geht und »re­gt Euch mit meinem Vater, meiner Einwilligung seid gewiß."

Im anderen Tage verließ Jurii Otrepjew als glück Bräutigam den Hof des Fürsten Mnischek, um sich Begleitung des Jesuiten nach Warschau zu begeben g Sigismund, vollständig in das Gcheimniß ringe t, spielte die ihm hierbei zugefallene Rolle vortreffltch. Gegenwart des versammelten HoseS umarmte er den den Tobten wiedererstanbenen Herrn Vetter auf« sie und sprach unter stchtbarer Rührung:

Gott helfe Euch, Fürst Dimitri von Moskau. Wir In Euch den Sohn Iwans und bestimmen Euch Beweise unserer Liebe jährlich die Summe von vier

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-,tnb Gulden, auch stelle ich eS Euch frei, Euch der sr unserer Großen zu bedienen."

Der falsche Czar dankte ebenfalls voll Rührung und » in wenigen Wochen hatte er ein Here um sich ver- *melt, welches stark genug war, gegen die russische ^>ptstadt vorzurücken.

Wir übergehen die nun folgenden Kriegsbegebenheiten, Elche damit endet«, daß der Glücksritter schon im Juni 1 folgenden Jahres in Moskau einzog und von der

ag dq welchen der Kaiser in Folge der politischen Verhält- n A auf die diesjährige Kur in EmS verzichtet habe resp g« Abreise dahin auS diesem Grunde verschoben habe. : Plitz h* von unS an unterrichteter Stelle elngezogenen Erkun«

, Entgegen den entschiedensten Verfionen über die Stel _ H!g der drei kaiserlichen Regierungen zu Serbien erfahren

8 Czarenburg, dem Kreml, B fitz nahm.

Vergebens hatte Boris Godunow, der Mörder des trB pichen Demetrius und der gegmwärtige Inhaber des

fchvÄ E)je gestrige Berliner Börse ließ stch durch das Gerücht, ‘l5ti kj auf den Präsidenten der französischen Republik Mar- rzg soll Mac Mahon ein Mordanfall versucht worden sei, , . ilufttgung versetzen. Jndeß ermangelt daS Gerücht bis

',nw V der Bestätigung.

igen können wir diesen Mittheilungen widersprechen mitthrilen, daß deßbalb über die Reise deS Kaisers zch EmS noch keine definitive Entscheidung getroffen ist, Die i, §c. Majestät noch die Absicht hegt, den bei Berlin 8 ga« ßt Potsdam statlfindenden Hebungen der Garde Cavallerie rt bol vor der Abreise beizuwohnen. Erst nach Beendigung bsn Hebungen also etwa nach vierzehn Tagen wird aber Abreise nach EmS erfolgen.

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schloffen worden ist, und daß von Seiten Rußlands die Neutralität Serbiens nicht garantirt ist. Alles was in diesem Punkte geschehen ist, besteht in der bestimmt« Er­klärung Oesterreichs, daß eS eine Vergrößerung Serbiens nicht dulden könne und daß eine Einmischung Serbiens in den Krieg zwischen Rußland und der Türkei die Regie rung des Kaisers nöthigen würde, eine „anSgleichende Maßregel" zu ergreifen. Demzufolge räth Rußland Ser­bien dazu, Frieden zu halten, und eS dürfte dem Fürsten Milan vollständig bekannt sein, daß er im entgegengesetzten Falle nicht hoffen dürfe an den Früchten etwaiger russischer Siege theilzunehmen.

Hebet die Beziehungen dkS englischen CabinetS zu dem französischen und österreichischen wird unS von gut untre« richtetet Seite mitgeiheilt, daß das englische auswärtige Amt dem französischen Minister des Aeußern jeden feiner Schritte kund thue. England fei überhaupt noch lange nicht zum Handeln bereit, obschon in den Arsenalen sehr viel gearbeitet werde. In Alexandria und Port Said sei Proviant für 60000 Mann eingelagert und die Möglich­keit vorbereitet, ein Corps zur Hälfte aus indischen und zur Hälfte aus europäischen Truppen gebildet, dort zu­sammen zu ziehen. Anderseits finde ein lebhafter Ideen­austausch zwischen dem englischen und österreichischen Cabinet statt, so daß eine entente cordiale als vorhanden betrachtet werden könne. Beide Regierungen finden den Augenblick noch nicht gekommen, wo eine Gefahr für die Sicherheit ihrer Reiche vorhanden sei. Daß der ehemalige sächsische Minister v. Beust hierbei eine große Rolle spielt, ist selbst­verständlich. Dieser Staatsmann, der sich noch immer in den alten großdeutschen Illusionen wiegt und von einer Zertrümmerung des deutschen Reichs träumt, arbeitet emsig an einer österreichisch - französisch - englischen Allianz gegen Rußland und Deuffchland, deren Zustandekommen jedoch so lange warten dürfte, als bis sie durch Ereigniffe über­holt worden.

Wie von verschiedenen Seiten gemeldet wird, ist in Konstantinopel das Gerücht verbreitet, daß der englische Botschafter Sir Layard sich bemühe, Verhandlungen zwischen der Pforte und Rußland über die Einstellung der Feind­seligkeiten zu Wege zu bringen. Nach dem Vorschläge Str Layarb'ö soll die Pforte einige GrenzberiLtigungen in Asten und die Annahme einzelner von der Konferenz vorgefchlagenen Reformen anbieten. Durch diese Gerüchte sollen die Demonstrationen bet Sofias wesentlich hervor« gerufen worden sein.

Die Vorgänge in Konstantinopel haben eine Bedeutung Mr«.'Willi! I.l 1 SB.....>* ' I« .1 'l.

l-ffen, in »enen er klar vatchrt, daß bet angebliche De­metrius nichts weiter als ein gewöhnlicher Bet üger sei, die Menge glaubte dies nicht, bie Kosaken vom Don unt> Dnepr verstärkten bie Armee deS Otrepjew; überall, wo er erschien, jauchzte ihm daS Volk entgegen, in jeder Stabt nahte man fich ihm mit Salz und Brod und schließlich ging ein KnäS (Fürst) nach dem andern zu ihm über. Godunow selbst starb kurz vor der Katastrophe, aber seine Familie konnte dem Schicksal, welches bet Sieger ihr be­reitete , nicht entgehen. In echt mongolischer Weise ließ er dessen Frau und Sohn hinrichten, während stch die Tochter zu seiner Geliebten hergeben mußte. Der Betrüger selbst entfa'tete den größten Pomp bei seinem Einzüge; ein wunderschöner Zelter trug ihn, seine Kleider strahlten von unzähligen Perlen und Juwelen, eine glänzende Leib wache umgab ihn, und überall, wo bet vermeinte Ezat stch zeigte, fiel das Volk vor ihm auf die Kniee und tief voll Entzücken: „Gott erhalte Dich gesund, Herr l — Du bist die reckte Sonne, die in Rußland scheint l"

Obgleich der römisch - katholischen Kirche angehörenb, wagte er doch nicht, dies sogleich öffentlich zu bekennen, sondern ließ sich nach griechischem RrtuS krönen. In bet Kathedrale, untre dem Hinzuströmen einer unübersehbaren Menschenmenge, wurde dieser Act vollzogen. Im feierlichen Zuge erschien zuerst der Patriarch von Moskau an bet Spitze bet Klerisei in bet Kirche. Eine mit Teppichen belegte Tribüne, zu welcher brei Stufen hinaufführten, zeigte stch den Zuschauern. Auf dieser Tribüne standen drei Stühle, von denen zwei nnb-sitzt waren, während auf dem dritten die Czarenmütze und der mit Edelsteinen prachtvoll besetzte Czatenrock lagen. Während sich um diesen Platz die Geist­lichkeit versammelte, zeigte stch plötzlich am Eingang des Gotteshauses bet Czar mit den Bojaren, unb eine Hymne uutbe angestimmt, um ihn zu begrüß«. Feierlichen Schrittes

bie «eit über bie Grenz« bes türkischen Reichs hinaus­geht. Die Demonstrationen bet Sofia« sind aus dem Mißtrauen entstanden, welches man nicht bloS zu bet Festigkeit bet gegenwärtigen Machthaber in Konstantinopel gegenüber Rußland gefaßt hat. In Bezug auf die Krieg­führung hat der gegenwärtige KriegSministre, welcher mit dem Obercommandanten der Armee Abdul Kerim Pascha wie mit dem Kommandtrenben bet Donauarmee Eckub Pascha in stetem Streit sich befunben, zu zahlreiche De­mentis durch bie Thatsachen erhalten, als baß er noch längere Zeit auf seinem Posten bleiben könnte. Wie es stch jetzt schon heranSstellt, so hat bie Ansicht deS Ober­befehlshabers bet Donanarwee durch die russischen Opera­tionen in der oberen unb mittleren Donau Bestätigung erhalten, baß nämlich die Ruffen mit Umgebung bet Linie Rustschuk-Silistria nach Sofia vorücken wollen unb die Operationen in bet unteren Donau wie gegenüber ben oben beiden genannten Hauptfestungen demnach nur Schein- kämpfe sind. Die Türken machen deshalb auch schon bie größten Anstrengungen Sofia stark zu verschanzen unb bort ein zahlreiches Truppencorps aufzustellen. Von eigentlich größerer Tragweite ist jeboch bie Befürchtung bet Sofias unb vieler Staatsmänner in Constantinopel, baß bet Sultan und sein Anhang zu einem FriedenSschluß mit Rußland geneigt wären aus der Grundlage einer russischen Gebietserweiterung in Asten. Um diese letztere handelt e» sich ganz allein für Rußland unb körn te für bie russische Diplomatie, nachdem sie noch einige Erfolge, etwa bie Cetnirung von KatS unb ein entscheidender Sieg vor Erzetum errungen ein fait accompli zu Stande brin­gen, so wären die Zwecke der russischen Kriegführung er­reicht und England müßte mit langet Nase abziehen. Die Demonstrationen bet SoftaS unb bet Bevölkerung in Con- stantinop-l gegen ben Sultan werben stch beShalb wahr­scheinlich so lange wiederholen, als bis da» Mißtrauen gehoben unb Mibhat Pascha toieber zurückbreufen wirb.

Neueste KriegSnachrichtm:

Wien, 29. Mai. Der Presse zufolge wären fämmt- liche Meldungen über eine angeblich zwischen Rußland und Oesterreich bezüglich der Ausdehnung der kriegerischen Action Rußland» vereinbarte DemarcatioliSlinie (Motawa oder aiuta) unbegründet; es bestehe keinerlei Vereinbarung über eine Beschränkung der russischen Kriegführung.

Petersburg, 29. Mai. Der Gang der russtschen Kriegführung wird durch Sengen und Brennen vereinzelter Ortschaften an bet Küste beS Schwatzen Meere» nicht be­rührt, ebenso wenig durch die vergeblich versuchte Aufwie­gelung einzelner Stämme dc» Kaukasus. Diese türkischen Jnsurtectio: S-Verfucke können leicht an bet Donau Gegen

bewegte sich der Zug butch die Kirche; auf bet Tribüne angelangt, ließ stch Demetrius auf einem bet leeren Stühle nieber, während vor dem zweiten der Patriarch stand. Nun erhob dieser sein Meßbuch und verlas ein Gebet, in wel­chem et Gott, Sanct Nikolaus und die anderen Schutz­heiligen antief, daß sie dieser Krönung beiwohnen möchten.

Nach dieser Anru ung erhob stch ber Czar mit ben Mitgliedern deS StaatSrathe» und trat dem Patriarchen einen Schritt näher. Schließlich endete bie Ceremonie damit, daß stch alle Anwesenden herbeidrängtm, um vor dem in- zwischm mit dem heilig« Oel gesalbten und mit der Czaren­mütze bekleideten neuen Herrscher die Stirn auf die Erde zu schlagen und ihm die Här be zu küssen.

Welche Gefühle ben ehemaligen bedeutungslosen Jurii Otrepjew bestürmten, als et jetzt im Kreml beim Ratferm ale faß. mögen sich die Leset selbst ausmalen, aber inmitten dieser Pracht und Herrlichkeit, Angesicht» dieser von allen Seiten ihm datgebrachten Huldigungen, mochte ihm doch wohl nicht ganz wohl sein, denn so Mancher seiner Helfers­helfer kannte seine Abkunft, ein Zufall konnte Alles auf« decken, und so schwebte das Damoklesschwert, trotzdem er als rechtmäßiger Herrschet feierlich anerkannt worden war, doch sortwährmd über seinem Haupte.

CinS blieb dem vreschm tzten, zu einer wunderbar« Höhe ewporgehobenen Abenteurer noch übrig nämlich seine Vermählung mit ber noch in bet Heimath zurückgebliebenen Marina zu feiern. Die» geschah ein Iaht nach seiner Krönung, im Mai 1606. Aber murrten die Russen schon, daß er sich eine Frau au» Polen holte, so steigerte stch da» Mißtrauen gegm ihn dadurch noch mehr, daß re seine Gemahlin unmittelbar nach ber Trauung ebenfalls krönen ließ. Dies war nicht russische Sitte, ebenfo nicht, baß et fich nicht in bet streng« Zurückgezogenheit hielt, wie bieS das Zeremoniell einem Czar« in feinem Schlöffe votfchtieb.