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Marburg, Mittwoch, 30. Mai 1877.

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1 Akkr. Erscheint t6g fabtit dnchl

lieiaen nimmt entgegen: ,'sryedttion d.BlatteS, Eirv.Annvncen-Bureaux a LH. Dietrich <t Co. in Stl und Hannover; Th. »irich m Frankfurt a.M.; L,i,nftein & Vogler in Sri a. M., Berlin, g,iXa, Cöln ic.; Rudolf Kge in Berlin, Frank- w furt a. M. ic.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.VlatteS, sowie d.Annoncen-Bureaux von ®. L. Daube 4 Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'schc Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in

Bremen.

,lich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlNftrtrteS G»N»t«,»ölatt" durch die Expedition (Koch'fche druckerri) bezogen -b Mark, durch die PostSmter des Deutschen Reiche- 2 Mark 50 Pf«. <exl. Bestellgebühr). — JnsrrtionSgebühr für die gespaltene Zeue 1t Pf«.

Für in der Expedition zu ertheileude Auskunft und Annahme von Ldreffe» werde» 25 Pf«, berechnet.

6H2 Für den Monat Z««i werden auf die

Stierhessische Zeitung

list q und deren Beiblatt

ILustrirtes Sonniagsblatt

jen allen Postanstalten Bestellungen entgegenge-

gommen.

rageSdericht.

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Aus den Reichslanden sind Meldungen bei der Reichs, L «gstrung eingelangt, nach welchen ft otz deS voch für Elsaß- j krthiingcn bestehenden Pferde - Ausfuhrverbots dort schon » i |pt längerer Zeit im Stillen nicht unbedeutende Ankäufe ----' jtn Pferden abgeschlossen und die angekauften Thiere auf s Schleichwegen über die verhiltnißmäßig nur schwach be- ... j rechte französische Grenze geschafft werden. Gleichzeitig Httumi eit fc|,fer Meldung trifft auch aus anderen Gegenden die Miitheilung von erhöhten Pferoeankäufen ein, in denen die kauften Pferve nach dem Süden geschafft werden. ES ■I Ütitcn deshalb, wie wir hören, binnen kurzem verschärfte MWAchregelo zu erwarten stehen, welche derartigen Miß

Contre-Admiral Bätsch hat gestern (28.) in Wilhelm« kftn den Befehl über da» Panzer-Geschwader übernommen; b br*. ikttereS besteht aus den Panzer-Fahrzeugen ^Deutschland*, luaiL JM«*, «Preußen*, «Friedrich Karl* nebst dem Aviso Falke*. DaS Geschwader wird morgen oder übermorgen a Ad!, Me UebungSfahrt nach dem Mtttelmcer antreten. Die dgkrrvette „Victoria* ist gestern von Gibraltar nach dem

tz'leiei W4en Mittelmeer abgesegelt. Rach dem Eintreffen des 'nmil, Mizer-Geschwaders im Mittelmeere treten die daselbst noch r tttg «ßerdem befindlichen Schiffe „Gazelle", „Komet* und z ab«, «Pommeranta* in den Verband des Geschwaders.

iiiuchen entgegentreten.

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tt, etc.

Die französische Regierung und französische Diplomatie Lnbieten sich in Versicherungen ihrer Friedensliebe gegen- ibtt Deutschland wie Jtalim. ES solle, so heißt eö, in ta auswärtigen Politik nichts geändert werden. Dies Äu Wan vollkommen zugeben, ohne darum auch nur da» zmngste Vertrauen zu der französischen Politik'zo geröinnem $mn die auswärtige Politik, die selbstv-rständlich bisher «jchl entschieden deutschfeindlich auftreten konnte, ohne in tum ernsten Corfl'kt mit Deutschland zu geraihen, wird N auch künsftg nicht früher thun können, als b s die ^oiiercitungen zum Revrnchekrieg vollendet sind uns die tinepäifÄe Covstellation für Frankreicd gw fit.er g worden

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De, falsche Czar.

Historische Erzählung von Carl v. Kessel.

(Fortsetzung.)

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Snaäß vor Sigismund erscheint."

Abermals ertönte lauter Jubel als Zeichen der Zustim- *wg und Otripjew verbeugte sich, seiner Rolle getreu, Wc Siuem mit einer Würde, als habe er bereit- von dem ^wne Besitz genommen, den er erst erobern sollte.

In der aufgeregtesten Stimmung trennte sich die @e» ichchafl und eine Stunde darauf herrsite im Schlöffe »tba die gewöhnliche Ruhe. Während Marina, sich Zu- mnslsträumcn hingebend, den Kopf in die Hand gestützt, 58 ihrem Gemache saß, wandelte der falsche Demetrius mit

I,füllen in einem der einsamsten Gänge deS ParkrS eifrigen Gespräch begriffen auf und ab

„So hoch haben wir Dich empocgehoben," sagte der

, „und zwar so hoch, wie ein Mensch von Deiner ^euiunzSlostgkeit die» wohl niemals hoffen durfte. Vr - «8t Dich Dein Muth nun jetzt, wo eS nur an Dir ließt*. . * Hand nach einet Krone auszustrecken?*

i t «Schein! Euch denn der Erfolg schon so gewiß?" W« zögernd Otrepjew.

«Niemand von uvS zweifelt an diesen Ansprüchen," be» Witte Fürst Mnischek, konnte sich dabei aber doch nicht kiaes leisen ironischen Lächelns erwehren.

«Zunächst", bemerkie der Pater weiter, „soll eS jetzt ; Wine Ausgabe fein, mich mit unstrrn erlauchten Gaste nach Lürschau zu begeben, um ihn dort dem König vorzustellen.

hoffe, daß ein The» der hier anwesenden Herren ur6 Gleiten wird, denn eS geziemt sich, daß der Nachkomme

dem ruhmreichen Geschlecht der RurilkS, seinem Range

ist. An einen französischen Angriff auf die Unabhängigkeit Italiens wird gegenwärtig noch viel weniger gedacht, dmn ein so'cher Angriff würde sofort eine BundeSgenoflenschaft Italiens mit Deutschland zu Stande bringen; die Kund­gebungen für die römische Kurie und den CleruS haben cur den Zwick, die Ultrawontanen aller Länder auf die Seite Frankreichs zu treiben und mit deren Hülse die Zwecke des Revanchekrieges zu erreichen. Die Haltung der großen Mehrheit der französischen Bevölkerung ist übrigens eine ziemlich gleichgültige gegenüber den neuesten Vorgängen in Frankreich, man glaubt allgemein, daß die nächsten Wahlen zur Nationalversammlung im entschieden republikanischen Sinne ausfallen und alsdann die Tage der gegenwärtigen Regierung gezählt fein werden.

lieber die Stärkeverhältniffe der rnsfifchen und türkischen Truppen begegnen wir in der Presse noch immmer ben verschiedenartigsten Angaben, wobei natürlich der rusien- feindliche und türkensreundliche Standpunkt eine Hauptrolle spielen. Arn meisten objectiv scheinen uns die Angaben des preußischen MilitärwochenblatteS gehalten zu sein, welche» die Gesammtstreitkräsle der Türkei aus 370,000 Mann angibt. Hiervon fallen 290,000 Mann auf die europäische Armee, von denen wiederum 90,000 Mann zur Besetzung der serbischen Grenze, in Bosnien, Albanien, in Epirus, Thessalien und Creta verwendet werden, so daß also 200,000 Mann in runder Summe für die Operationen bet Donau- Armee übrig bleiben. Auf dem asiatischen Kriegsschauplätze stehen im Ganzen 80,000 Mann. Vergleicht man hiermit die russische Armee, so kann zur Zeit von einer numerischen Uebcrlegenheit der Ruffen nur in Asien die Rede sein; jeeoch darf trän hier nicht außer Erwägung lasten, daß zur Niederschlagung der ausständischen Bewegungen im Kaukasus, die nach den neuesten Nachrichten dort eine so au her ordentliche Ausdehnung gewonnen haben, ein sehr großer Theil der russischen Streitkräfte erforderlich ist. Letztere werden nun allerdings in Eilmärschen an die be­drohten Punkte geworfen, und ist der Ausstand im Rücken der russischen Armee niedergeworfen, was, wenn auch mit schweren Opfern, doch immerhin im Laufe der nächsten beiden Monate geschehen wird, so werden die türkischen Positionen in Datum, Kars und Erzerum schließlich den Russen in die Hände fallen. Damit wäre dann aber daS KriegSziel der Ruffen im Wesentlichen erreicht, denn eine Erweiterung der russischen Machtstellung in Asten genügt, um in entfernterer Zeit den Bosporus und die Dardanellen zu erreichen. Ungünstiger stellen sich die Verhältniste für die Rnflen auf dem europäischen Kriegsschauplätze. Denn die Rumänen werden nicht rffeofio vorgehen gegen die Türkei, vielmehr aus b<m linken Donau Ufer bleiben; die

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„Geh, Du btst ein Feigling!* rief zürnend der Be­fragte, „Du bist der großen Rolle nicht gewachsen, zu welcher wir Dich auSerwählt haben."

„Ein Feigling bin ich Nicht," entgegnete der Abenteurer, „eS mangelt mir keineswegs der Ehrgeiz und ich besitze auch Muth, ungeachtet eS noch sehr fraglich ist, ob ich nicht schließ ich unter den Händen deS Henkers enden werde. Nein, das ist eS nicht, was mich drückt, etwas Anderes erfüllt vielmehr meine ganze Seele und hält meta Herz in wunderbarer Weife gefangen.*

Der Pater lächelte. „Du liebst," bemerkte er, «and diese Liebe macht Dich schwankend wie ein vom Winde be wegtes Rohr."

„Allerdings, ehrwürdiger Herr, liebe ich mit der ganzen Glmh einer plötzlich hervorbrechenden Leidenschaft, und Ihr, die Ihr bereits so Großes zu Stande gebracht habt, werdet mir, wie ich hoffe, auch hierbei Euren Beistand nicht versagen."

„Du liebst Marina?' fragte der Jesuit und sah Otrepjew dabei scharf an.

„Allerdings," antwortete dieser halblaut, indem er die Augen zu Boden schlug.

„Nun. Du brauchst Dich nicht wie ein schüchterner Knabe zu geberden," bemerkte Pater Ignaz, „und wäre mein Beistand in dieser Sache erforderlich, so würde ich Dir denselben gewiß auch gewähren. Aber Dn kannst beu­le ben entbehren, der Tochter des Fürsten mangelt eS nicht a । Ehrgeiz und unter den j-tzigen Verhältnissen wird sie Dir keine abschlägliche Antwort ertheilen. Sie hat einen entschlossenen männlichen Charakeer. u ib gerade einer solchen Frau bedarssr Du, um Dich vorwärts zu treiben, wenn Dich in einer schwachen Stunde Dein Muth verlaffen sollte."

«An Marina'S Sette bin ich bereit, jeder Gefahr zu t offen."

Serben sind noch lange nicht kriegsbereit und außerdem ist die serbische Grenze zunächst von den Türken gesperrt. Griechenland aber wird sicher erst den Erfolg der russischen Waffen abwarten wollen, ehe eS zur Akrion gegen die Türkei schreitet. ES bleiben also sonach nur die bulga­rischen Freikorps Übrig, die in einer Stärke von 24,000 Mann der russischen Armee einverleibt sind. Letztere zählt mit den Bulgaren kaum 200,000 Mann. Wenn diese den Donau-Uebergang bewerkstelligt haben werden, läßt stch zur Zett noch nicht sicher berechnen. Der Monat Juni wird aber wohl noch hingehen, ehe die Ruffev in ihrer vollen Stärke die Operationen auf dem rechten Donau Ufer be­gonnen haben, und selbst wenn hier die Ruffen mit Glück operiren, so würden doch die vorhandenen Strettkräste kaum anSreichen, um die erste Bertheidignngsltaie der Türken zu nehmen. ES wird also eine bedeutende Ver­stärkung der russischen Armee aus dem europäischen Kriegs­schauplätze nothwendig sein, wollen die Ruffen die osma­nische Herrschaft in Europa brechen, um die Slaven zu befreien und die Hegemonie auf der Balkanhalbinsel her- zustellen, worauf doch die Zwecke der russischen Kriegfüh­rung hinanslausen.

Neueste KriegSnachrichten:

Wien, 28. Mai. Das „Tagblati* meldet auS Kon­stantinopel vom 26. d. M.: Prinz Reuß überreichte heute feine Creditive. Gestern fanden gegen Redif Pascha, al» er in daS SeraSkierat ging, neuerdings Demonstrationen statt. Ans Turn-Severin: Die Donau-Sperre bei Adakale ist heute in Folge Ordre Abdul fttrim Pascha's aufge­hoben. Die Türken zogm Truppen in die Nähe be» Timok.

Petersburg, 27. Mai. Telegramm beS Großfürsten Michael vom 27. b.: Das von Ardler zurückgezogene Fuß-Kosaken-Bataillon ist in Sotscha angekommen, wo fich das Detachement de» Obersten Schelkownikoff concentrirt, welchem von Norden her Verstärkungen zugegangen sind. Eö bestätigt stch, daß bi» jetzt an der Küste ausschließlich Tscherkeffen - Auswanderer gelandet werden. Die Verluste des Generals Kcawtschenko, der bei den Akapu Höhen dem Feinde große Verluste beibrachte, bestehen in zwei Offi­zieren, 20 Soldaten tobt, und in 31 Verwundeten. Auf dem linken Ufer des Kobor Flusses ist da» Detachement des Generals Alchasvff concentrirt und bereitet ben Ueber­gang über ben Kodor vor. Di- türkische Garnison von Ardahan ist größtentheil» zersprengt; ein kleiner Theil floh mit dem Pascha nach Saturn. Das Detachement von Bajazed bleibt vorläufig bei Surb-OrhanneS und besorgt die Verproviantirung.

Wien, 28. Mai. Die „Presse* meltet aus Kalafat:

„Gut, so Iprich Dich mit ihr au», sie wird Dir keinen Korb geben.'

Der I fuit trennte sich nach diesen Worten von seinem Sckützling und dieser selbst kehrte beruhigt und mit neuen Hoffnungen erfüllt ir.'s Schloß zurück.

Am anderen Tage ließ stch Otrepj w bet der Priuzesstn melden: Dieselbe empfing ihn mit einem Lächeln auf den Lippen, welches vollend» die Befürchtungen, die er noch gehegt hatte, verscheuchte. Sein Herz klopfte im verstärkten Maße, als er in das von einem zauberischen Liebreiz über­gossene Antlitz der Fürstin blickie.

„Wünscht Ihr als Ezar ober blos als ein einfacher Bekannter von mir empfangen zu werben?" fragte sie, während ihre schwarzen Augen stch in seine Seele zu senken schienen.

„Euch gegenüber, Prinzessin, will ich nicht» weiter al» ein ergebener Diener fein," erwiderte der junge Manu unter einer liefen Verbeugung.

„So ist e» recht, Jurii Otrepjew," ries Marina, „denn diesen Namen müßt Ihr mir unter vier Augen schon noch weiter gestatten, da Ihr hoffentlich doch nicht gesonnen sein werdet, mir zuznmuthen, daß ich an da» Märchen glauben soll, welche» der Herr au» Warschau tu Bezug auf Euch bei der Tafel aufttschte."

Der falsche Czar wurde feuerroth. „Ihr glaubt also wiik.ich nicht? . . ." stotterte er.

„Wirklich, ich glaube e» nicht," wiederholte die junge Dame lachend, «da» ist aber auch ganz gleichgiltig. Erobert Euch einen Thron, befestigt Eure Macht, auf da» Uebrige lege ich nicht den mindesten Werth."

„Und würdet Ihr gesonnen sein, mein Geschick zu theilen ?" „Run, ich wage dabei vielleicht viel," entgegnete Ma­rina, „aber Ihr werdet schon bemerkt haben, daß in meinen Abern «mazonenblut fließt. Ich kann mir auch eine Polin