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Marburg, Dienstag, 29. Mai 1877.

XII. Mlgaig.

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#81tigen nimmt entgegen: Asrpeditio»d.Dlatte-, ^,ied.Ännvncen-Bureaux 5 Th- Dietrich & Co. rn «affei und Hannover; Th. Mich in Frankfurt °.M,; ' -^senstein & Vogler in Ofurt a- M., Berlin, Azig, Cöln rc.; Rudolf - We iin Berlin, Frank- furt a. M. rc.

OhchMk Jritmiii.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.Blatte», sowie d.Annoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; JSger'schc Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl- daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C- Schlotte in Bremen.

Mr den Monat Juni werden auf die

S Mkrhkfsische Zeitung

Der Anfang vom Gnde.

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heil wieder zurück. Ohne ein Wort zu erwidern, verbeugte

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Wie unS auS Rom gemeldet wird, hat der Kardinal Für i Hohenlohe dem Empfange der deutschen Pilger beim Papste nicht beigewohnt.

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die übrigen Anwesenden folgten.

»Gnädigster Herr, Euch die gebührende Hochachtung

»Ihr seht hier, gnädigster Herr, die Ersten deS Lande» um Euch versammelt, welche gekommen sind, Euch die ge-

Der Schleier, der über die österreichische Politik gegen« über Rußland gezogen war, ist nunmehr gelüftet. Die Mtlttärpartei in Wien, an deren Spitze der Erzherzog Albrecht steht, besten Sympathien für Rußland nicht minder groß sind, al» seine Abneigung gegen die Magyaren und die deutsch«österreichische VerfaflungSpartei, hat über die rustenfeindliche Partei einen vollständigen Sieg davonge- tragen. Oesterreich wird dem Vorgehen Rußland» gegen die Türkei nicht nur keinen Widerstand entgegensetzen, son­dern Rußland obendrein dircct und indirekt unterstützen, indem e» Bosnien und die Herzegowina besetzen und Ruß­land freie Hand in Serbien taffen wird. Die Okkupation Bosniens und der Herzegowina soll Oesterreich die Ga­rantie geben, daß die serbischen Pläne auf die Errichtung eine» großserbischen Reiche» nicht verwirklicht werden, die jüdslavische Agitation in Oesterreich also von dieser Sette her keine sür die Sicherheit de» Reich» gefährliche Nahrung erhält. Ein weiterer Zweck, den da» Wiener Cabinet mit der Besetzung Bosniens erreichen will, ist, ganz abgesehen davon, daß Dalmatien ein Hinterland bekommt, der, daß für die Beseitigung de» durch den österreichisch ungarischen Ausgleich im Jahre 1867 geschaffenen Dualismus eine reelle Grundlage gewonnen wtrv. Dieser Dualismus war der Mtlttärpartei und speciell dem Erzherzog Albrecht von scher ein Dorn im Auge, weil derselbe bie einheitliche Ent­wickelung der militärischen Berhältniffe störte, obgleich die auswärtige Politik und das Heerwesen zu den gemeinsamen Angelegenheiten gerechnet wurde. Werden die Delegationen, in denen die auswärtigen Verhältnisse und daS Heerwesen einer steten und meistens einer höchst abfälligen Kritik von Seiten der Ungarn unterworfen werden, beseitigt, wird Ungarn wieder wie zur Zeit Schwarzenberg'S und Bach'S ein Kronland des österreichischen KaiserstaatS, so hofft man e» b.quemer zu haben für die Verwirklichung de» centra ltsttschen Programm», d. h. der strammen Zusammenfassung der Kräfte Ungarn» und Oesterreichs. Mit Hülse deS russisch - türkischen Krieges und d.r Betheiligung an dem-

chen vorbereitet wird. Siegreich, würden die Türken ganz Europa unleidlich werden und es könnten von den im wahnsinnigsten Fanatismus Berauschten sogar Versuche gegen den Frieden Eurcpa'S vorbereitet werden. Die Türken werden aber, wenn sie darniederliegen, der ganzen Welt noch einmal ein entsetzliches Schauspiel geben, ehe sie auS Europa verschwinden. Nicht bloS gegen die russt scheu Feinde und die Ungläubigen überhaupt auch gegen das eigene Fleisch und Blut, gegen Diejenigen, welche die gefährliche Verantwortlichkeit trogen, wird der Fanatismus wüthen. Und damit b-siegelt sich das Schicksal der Türkei. In einem solchen Augenblicke würde eS England unmög­lich sein, der Türkei zu Hülfe zu eilen, selbst wenn die Russen vor den Thoren Konstantinopels stünden, dann könnte e» sich sür John Bull nur noch darum handeln, den ihm gebührenden Theil der Löwenhaut in Besitz zu nehmen.

ktwa» Außergewöhnliche» verbergen müsse und im Slillen freute sie sich jetzt darüber, daß sie ans dem Spazierritt, 6 er mit einer fast i ff-nen Liebeserklärung gegen sie h>r

In den politischen Kreisen der deutschen Hauptstadt ist man der Ansicht, daß Vorgänge, wie sie am 24. Mai in Konstantinopel stattfanden, nur geeignet find, den Auflö­sungsprozeß der Türkei zu beschleunigen. Sollten sich solche Austritte wiederholen und die revolutionäre Bewegung noch weiter anwachsen, so würde dadurch der Zeitpunkt für da» Einschreiten Englands und in zweiter Reihe auch Oesterreichs erheblich näher gerückt fein.

Der falsche Czar.

Historische Erzählung von Carl v. Kessel.

«-geschlossen sei.

In der That hat am 24. d. gegen Abend eine förmliche Revolution zu Gunsten Midhat Pascha'» stattgefunden. Tau- jmbc von Mohamedanern zogen unter Anführung von Softa'S

vorgetreten war, nicht ablehnend, sondern nur ausweichend geantwortet hatte.

Mit der größten Ehrerbietung wurde Otrepjew während des Males behandelt. Er saß zur Rechten de» Fürsten, während Pater Ignaz an dessen linker Seite Platz gr« nommen hatte; alle Speisen reichte man ihm zunächst, und al» nur erst einmal die erste Verlegenheit vorüber war, schim er sich auch in seine geheimnißvolle Rolle vollständig gefunden zu haben, denn er benahm sich mit einer Leichtig­keit und Sicherheit, als sei et an den Tribut, welcher ihm gezollt wurde, schon seit seiner frühesten Jugend gewöhnt.

Nachdem daS Desert aufgetragen war, befahl der Fürst den Dienern sich zu entfernen und verschloß dann mit eigener Hand die Saalthüre. Marina beobachtete inzwischen Otrepjew im Geheimen scharf und e» entging ihr nicht, daß dieser mit dem Geistlichen mehrere bedeutungsvolle Blicke wechselte. Der Letztere erhob sich schließlich, und sich vor den An­wesenden verbeugend, besann er mit feierlicher Stimme:

Gesegnet sei der Tag, wo e» mir durch de» Himmels Wollen gestattet ist, ein begangene» große» Verbrechen wieder gut zu machen. Ein Jeder wird sich noch erinnern, zu welchem schändlichen Mittel Bort» Godunow griff, um sich deS russischen Thrones zu bemächtigen. Vor den Augen der eigenen Mutter ließ er den rechtmäßigen Zar, den achtjährigen Demetrius ermorden und gab dann vor, der Prinz habe an der fallenden Sucht gelitten und sich dabei in einem solchen Anfall selbst die Kehle abgeschnitten. Wehe dem Mörder, welcher dreizehn Jahre hindurch daS Szepter in den blutb. fleckten Händen hielt I Wehe ihm, denn die Stunde der gerechten Vergeltung ist nunmehr erschienen!"

Der Pater hielt hier einen Augenblick inne, während sih inzwischen die Blicke der Woiwoden unwillkürlich auf Juri! Ottepj« richtie", der alle seine Energie zusammen«

(Fortsetzung.)

Marina glaubte zu träumen, noch mehr aber gerieth st- in Erstaunen, als ihr Vater auf dm jungm Mann zuschritt und mit allen Zeichen der Unterwürfigkeit folgende Worte an denselben richtete:

nahm, um eine Ruhe zu erheucheln, die et in der Thal in diesem Augenblicke nicht besaß.

Ja," fuhr bet Jesuit mit erhöhtet Stimme fort, Gott wollte nicht, baß ein so verruchtes Verbrechen be­gangen würde; der Letzte aus dem ruhmreichen Geschlecht der Ruricks sollte nicht von der Mörderhand sterben l Ein treuer Diener rettete den kaiserlichen Knaben in dem Augen­blick, wo man um das unrichtige Opfer beschäftigt war, denn der Dolch deS Mörders hatte einen Spielgenoffen deS Demetrius erreicht, der diesem sprechend ähnlich war. Aus Umwegen floh der Rettet mit dem Kince und erreichte glücklich Volhynien. Nur wenige Eingeweihte wußten um daS Geheimmß, aber der Thatbestand wurde gerichtlich fest- gestellt. Hier sind die Bewe.se dafür," rief der. Sprecher und legte gleichzeitig ein Dokument aus die Tafel nieder. Abermals entstand eine Pause und abermals wendeten stch die Blicke der Anwesenden Otrepjew zu.

Endlich ergriff Fürst Mnischek daS Wort und sagte:

Ihr habt un» hier Enthüllungen gemacht, hoher Herr, welche Jeden mit Recht in daS höchste Erstaunen versetzen müssen, lüftet nun vollends den Schleier, hinter welchen ich bereit» geblickt habe, indem Ihr ben anwesenben Woi­woden sagt, welchen Gast ich seit einiger Zeit zu beher­bergen bie Ehre halte."

Nun wohl," rief bet Angeredete,bereit» durchfliegt die Nachricht, daß der rechtmäßige Czar Dimitrij noch lebt, ganz Rußland, und e» ist daher nicht mehr nöthig die ge­heiligte Person desselben vor seinm Feinden zu verbergen. Vernehmt also: Dieser Jüngling, welcher hier an unsere» erlauchten Wirches Seite fltzt, ist der todtgeglaubte Di- mitrij, der Zarewitsch von Moskau!'

Nun richtete stch auch Otrepjew empor. Die linke Hand auf ben Tisch gestützt, verbeugte er stch nicht ohne Würde und sagte mit fester Stimme:

und deren Beiblatt

Austrittes Somrtagsölatt

M allen Postanstalten Bestellungen entgegenge­nommen.

I Sowie bie Zurückberusung be» früheren Großvezier» Midhat p^iWGaschaS. Der Prästbmt der Kammer versprach ben Sul an unverzüglich von diesem Vorgänge zu unterrichten. lltt-DDie nächste Folge be» Auftritt» war bie Verkündung be» agerungSzustande». Mahmud Damat und Redif Pascha blieben jedoch bei ihren Aemtern. Die Nachricht endet t, daß die Erregtheit der Bevölkerung im Wachsen da» Eintreten einer revolutionären Erhebung nicht

Lage-bericht.

Der Kaiser hat die auf den 9. Juni anberaumt ge­wesene Abreise nach Em» aufgeschoben. Er beabsichtigt noch, den bevorstehenden Cavallerie » Hebungen bei Berlin und Potsdam beizuwohnen. Weitere Bestimmungen über bie Emser Reise stab Vorbehalten. Sonnabend Nach­mittag 4 Uhr ertheilte der Kaiser dem russischen Botschafter b. OubrU Privat«Audienz. DieNordd. Allz. Ztg." meldet, der Kaiser habe den von dem CultuSminister ge- billigten Vorschlägen des Präsidenten des Ober Kirchenraths Herrmann entsprochen und den General-Superintendenten B ückner zum Vire-Präsidenten sowie den Ober Conststorial- Raih Schmidt in Kassel und ben Ober-Gerichtsrath Braun in Celle zu Mitgliedern des Ober - Kirchenraths ernannt. Gleichzeitig seien zu Conststorial - Präsidenten bet Appel- lationSgerichtS - Direktor Hering in Münster, der Ober- RegierungSroth v. d. Gröb.n in Bonn und der Confisto- rtairath Snethlage in Coblenz ernannt. DieNordd. Allg. Ztg " schreibt ferner: In jedem Jahre pflegt eine öffentliche Aufforderung an Civil Aerzie gerichtet zu werden, eventuell in Militär ärztliche Praxi» einzutreten. Es be- darf kaum bet Versicherung, daß die gegenwärtige Wieder­holung dieser Bekrnnimachung ebenso wenig wie in früheren Jahren auf eine bevorstehende Mobilmachung schließen läßt. Ebenso ist bet Sensationsnachricht entgegenzutreten, daß die Militärbehörde nach den BekleidungS- und Bewaffnungs­stücken für den Landsturm Erkundigung eingezogen habe, woran gleichzeitig die Meldung von einer in Aussicht ge­nommenen Mobtlistrung de» Landsturmes geknüpft wurde. Von allem Diesem war keine Rede.

fr<6 stumm und bot dann der Prinzessin seinen Arm, am sie nach dem Speisesaal zu führen, wohin nun auch

^scheint täglich außer de» Werttagen »ach Sonn- und Feiertagen. Preis für da» Quartal mit der wöchentlichen Beilage3I»fhrtrtH L»»»ta««ölatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen Warf, durch die Postämter de» Deutschen Reiche» 3 Wart 56 Pf«, (exl. Bestellgebühr). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zerle 16 Pf«. Für in der Expedition zu ertheUende Auskunft und Annahme von Adressen werden 35 Pf«, berechnet.

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Zn Konstantinopel hat sich am 24. d. ein Schauspiel chztsplelt, da« uns einen Vorgeschmack dessen giebt, waS Mtlässtg eintreten wird, wenn die nülitärische Lage der Wrkei fortsährt stch zu verschlechtern. Eine Deputation «« Sofia'» begab sich in die Kammer der Abgeordneten, l gg die Absetzung Mahmud Damm'» (Schwager des Snl-

- wn») und Redif Pascha'» (de» Kriegsministers) zu »et# langen, weil diese an dem Fall der Veste Atdahan Schuld jticn; ebenso verlangten sie die Absetzung deS Comman Pf-W donien bet türkischen Armee in Asien, Mukhtar Pascha,

__- ur bezeigen! . . . ." Diese Worte klangen der jungen mm* Dame noch fortwährend in den Ohren, als sie sinnend an kr Seite de» ManneS fortschri t, den sie noch vor ein d«n Stunden einen Abenteurer genannt hatte. Tausend Eedanken kreuzten stch in ihrem Kopfe, ohne baß sie zu dniger Klarheit zu kommen vermochte. Aber eine Ahnung 8ieg doch in ihrer ehrgeizigen Seele auf, die nämlich, daß frch unter dem vermeinten schlichten Edelmann jedenfalls

dührrnde Hochachtung zu bezeigen. Ich selbst rechne eS > l mir zur größten Ehre an, einen so hohen Gast in meinem Hkf hause zu beherbergen. Die Tafel steht bereit und ich harre eutrt tut noch Eurer Befehle."

«oai Jurii Otrepjew wurde feuerroth, aber ei« Blick, den ztr mit dem Jesuiten austauschte, gab ihm seine Besonnen

vor den Palast be» Sultan» und verlangten drohend die en rot stückbetu'ung und Wiedereinsetzung de» früheren Groß. " t «eziet». Als der Ruf:Nieder mit dem Sultan" ertönte, indem »schien demselben die Sache gefährlich und al» Hofgardist en« verkleidet, flüchtete Abdul Hamid auS seinem Palaste. Jn- zvischen machte daS Militär von den Waffen Gebrauch. 8» gab Stabte und Verwundete.

ES verlautete daß der Putsch von Mitgliedern der

- Deputirtenkammer in Scene gesetzt war; dieselben hatten c Nis kurz vorher in einer Moschee eine berathende Versammlung eina abgehalten. Zwei türkische Generale sollten ihre Unter# |en p ßützung zugesagt haben. DaS ist bet Thatbestand der d. A «niesten Vorgänge in Konstantinopel, soweit sie bis jetzt [12$ in glaubwürdiger Weise bekannt geworden sind. Sie be- H zeugen, daß der Untergang der Türker.Herrschaft in höherem u' Maße von den Türken selbst al» von den russischen T-up- [135