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Marburg, Sonntag, 27. Mai 1877,
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^naen nimmt entgegen: ^'irptbition d.Blattes, ^ied-Ännoncen-Bureaux teS”8 Dietrich L T°. ;- H Zktl und Hannover; Th.
in Srantfurt a.M.:
EJttnftein & Vogler in tifutt a- M., Berlin, S-ia, Eöln rc.; Rudolf Mt in Berlin, Frank-
(Olinlieffifdir Britmij.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.BlatteS, sowie d.Annoncen-Bureaux von G- L. Daube 4 Co. in Frankfurt a. At.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl- daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; L- Schlotte in Bremen.
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»rtAeint tiglich außer den Werttagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beiloge „Ilusttttrtes Lonutagsdlatt" durch die Expedition («och'sche Buchdruckerei) bezogen Sh Mark, durch die Postämter des Deutsche« Reiche» 3 Mark 56 Pf,, (exl. Bestellgebühr). - JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 16 Pf,. Für in der Expedition zu ertbeilende Auskunft und »»nähme von Adresse» werden 35 Pf,, berechnet.
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Für den Monat Jtmi werden auf die Merhesstsche Zeitung und deren Beiblatt
ZLustnrtes Sonntagsblatt M allen Postanstalten Bestellungen entgegenge- Mmen.
Palitischk Woche» - Urtzrrstcht
' Fürst Bismarck ist am Pfingsttage unerwartet aus Liitdrichsruhe in Berlin eingetroffen, wo er auf dem «Märtigen Amte sehr angestrengt arbeitete und einen leb» kajten Depeschenwechsel nach verschiedenen Seiten, nament- tzch auch nach Italien unterhalten soll haben. Auch ver- !«tet, raß der Reichskanzler auf eine beschleunigte Aus Hrung der vom Grafen Moltke im Reichstage geforderten «ilitürischen Ausgleichungsmaßregeln," namentlich Ver- Lkung der Garnisonen in Elsaß Lothringen drängt In Kqug auf den russisch -türkischen Krieg setzt der Reichs- Uster, so glaubt man, mit allem Eifer (ehe Bemühungen ott, für die einstweilige fernere Fortdauer der Neutralität Englands und Oesterreichs zwischen diesen Staaten und Mßland zu vermitteln. Die in Wien gepflogenen Ber- hendlungen wegen Erneuerung des deutsch-österreichischen sill und Handelsvertrages sind vorläufig abgebrochen; tie deutschen Comijffarien find nach Berlin zmückgekehrt M «erden voraussichtlich nicht wieder nach Wien gchen, so lange die Schutzzoll Tendenzen dort ihr jetziges liebet» Wicht behalten.
Im österreichischen Abgeordnetenhause wurde am 17. Mai der Antrag Sturm'S aus Abänderungen in der Behandlung der gemeinsamen Angelegenheiten nach längeren 8-rhandlungen in Fo ge einer Gegenerkiärung des Minister» Präsidenten Auersperg, daß die Regierung dem Anträge «i$ Folge leisten könnte, mit 133 gegen 66 Stimmen ktwotfen. Daffelbe Schicksal hatte der Antrag Patro in Lcireff der Autonomie von Wäischlyrol. Die Zusammen- kmsl Andrasty's mit Tisza in Wien am 19. galt dem «»«gleiche; die Ausgleichsgesetze werden dem Vernehmen nach im Juli in beiden Parlamenten zur Verhandlung lammen. Die Gerüchte über Andraffy's Rücktritt hatten wj diesmal ihren periodischen Verlauf von der Wahrscheinlichkeit zur Unwahrscheinlichkeit und zur Grundlo» izkcit.
Der schweizerische Bundesrath hat, nachdem auch Italien gleich der deutschen Regierung seine Theilnahme Wsagt hatte, die internationale Conferenz für Reconstruk
tion des Gotthaidbahn-Unternehmens auf den 28. d. M. nach Bern eingeladen. Dieselbe wird vom BundeS-Vice- Präsidenten Schenk im Ständerathssaale des BundrSpalaiS eröffnet werden.
In Italien verfolgt man den RegierungS - und Systemweclsel des französischen Nachbarlandes mit einem Mißtrauen, welches selbst durch die beruhigenden Versicherungen der beiden Minister DepretiS und Melegari nicht vollkommen beschwichtigt werden konnte. Der Papst hat am 17. d. beim Empfang deutscher Pilger eine Reve gehalten, die keineswegs für eine bessere Stimmung gegen die deutschen Staatseinrichtungen spricht.
In Frankreich ist der 16 Mai ein bedeutungsvoller Tag geworden. Auf den Absagebrief, den Mae Mahon an JuleS Simon geschrieben, hat daö bisherige Ministerium abgedankt und an feine Sftlle sind getreten: Broglie, das Haupt der Camarilla, als Präsident und Justiz- und CultuSminister, Fourto (früher Bonapartist, rücksichtsloser, ehrgeiziger Parteigänger) als Minister des Innern, Brunet für Unterricht, de Meaux für Ackerbau und Handel, Ca-llaux für die Finanzen. Herzog DecazeS hat das Auswärtige Amt und Bcrthaut das Kriegs-Departement behalten. Am 18. wurde die Session des Senats und der Deputirtevkammer auf einen Monat vertagt. Alsbald erließen die republikanischen Mitglieder beider Häuser entrüstete Manifeste; dann sind sie mit der Drohung abgereist: „Wie gehen als Deputirte und kehren als Richter wieder." Der Herzog Decazes hat die andern Mächte über die Tragweite biejcS Umschwungs zu beschwichtigen gesucht.
In Spanien redet man wieder einmal von einem bevorstehenden Sturze des Ministeriums Canovas, dem der kränkliche Ministerpräsident selbst wenig Schwierigkeiten in den Weg legen würde. Sicher ist so viel, daß das Vorgehen der Regierung gegen die baskischen Sonderrechte Herrn Canovas zu ganz außerordentlichen BerstchtSmaßregeln veranlaßt hat.
Nachdem die fünfnächtige Redeschlacht über die orientalischen Wirren Leiber und Geister der englischen Volksvertreter abgespannt hatte, kamen die parlamentarischen Ferien sehr willkommen. DaS Unterhaus wird am 31. d., das Oberhaus erst am 4. Juni seine Thätigkeit wieder aufnehmen.
Die Opposition im dänischen Folkething hat an einem ihrer Hauptsührer, I. A. Hansen, die unliebsame Erfahrung gemacht, daß derselbe die unter seiner Verwaltung stehende Brandverstchcrungskaffe seit 22 Jahren zu seinem eigenen Nutzen auSgebeuret und um 50,000 Kronen geschädigt hat.
Der schwedische Reichstag hat den NeutralitStScredit, der übrigens von der Regierung auch in den KricgSlSuften
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Der falsche Cza».
Historische Erzählung von Carl v. Kessel.
(Fortsetzung.)
»Ein großes Ziel?" und die junge Fürstin blickte ihren Begleitet gespannt an.
,3a, Marina", rief dieser nun feurig, „ein Ziel, das !» erreichen mich nicht bloS der Ehrgeiz, sondern haupt- sichiich auch, die Liebe zu Euch antrteb. Das Wort, weihe» mit so schwer auf dem Herzen lag, ist nun gesprochen, nehmt cS huldvoll auf und vertrant mit und meinem Glück."
„Gesetzt, ich zütnte Euch nicht," antwortete die junge Dame, „so müßt Ihr doch selbst einsehen, daß der Stolz seines VaterS nie darein willigen würde, meine Hand täetn Manne zu geben, bet nur ein einfacher Edelmann H und welcher übetdem eigentlich doch nur als ein Aden testet hier eine gastliche Aufnahme fand."
Otrepjew erröthete und seine Augen blitzten auf, denn töne Gesellschafterin hatte die letzten Worte nicht ohne ^tterkeit und ohne einen Anflug von Spott gesprochen, °der vorsichtig hielt tr doch selbst jetzt noch zurück und ^merkte nut:
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„Nun, geduldet Euch blos noch zwei bis drei Tage, "iEeicht erscheine ich Euch alsdann in einem befferen Lchte, Weicht finde ich bann mehr Gnade in Euren schönen wie jetzt, und hoffentlich wird dann auch Euer Herr «ater nicht mehr so stolz auf u ich herabblicken, wie Ihr ill glauben scheint."
Marina wurde durch diese mit unverkennbarer Zuver- ausgesprochenen Bemerkungen doch etwas in Verwir- ^"8 gesetzt. Sie erinnerte sich, mit welcher Auszeichnung Begleiter von ihrem Vater vorn ersten Augenblick an
■4i$Melt worden wat; die» mußte seine gewichtigen Gründ«
haben, und hinter dem Gchetmniß, welches Jurii Otrepjew umgab, konnte doch am Ende etwas dem Ehrgeiz ihres Herzens Zusagendes verborgen sein.
Mit der ihr eigenen VerstandeStuhe wendete sie stch daher jetzt mit möglichst gewinnenden Blicken an ihren Gesellschafter und sagte:
„Laßt eS gut sein und faßt meine Worte nicht zu scharf auf. Ihr habt mir vorhin ein Geständniß gemacht und jetzt hört, was ich Euch darauf erwidere: Ich nehme Euere Bewerbungen zwar nicht an, aber ich weise dieselben auch nicht zurück; ich werde warten, bis die Hülle fällt, welche Euch umgibt, und dann soll meine Entscheidung erfolgen. Seid Ihr damit zufrieden?"
Otrepjew wollte stch in feurigen Danksagungen ergehen, aber die junge Dame, energisch und willenskräftig wie sie war, schien keine Lust zu haben, daS Gespräch weiter fort» zusetzen. Bevor der junge Mann noch etwas zu erwidern vermochte, hatte fie ihr Pferd bereits durch einen kräftigen Schlag mit der Reitpeitsche zum raschen Lauf angelrieben und unserem Bekannten blieb nichts Anderes übrig, als ein Gleiches zu rhun, wollte er an der Seite der Prinzessin bleiben, die seinem Herzcn so theuer geworden war. Eine Viertelstunde darauf bogen Beide in den Hof des fürstlichen SchloffeS ein, Marina fprang schnell aus dem Sattel und indem sie den herbeieilenden Dienern ihren Zelter überließ, verabschiedete fie stch mit einer leichten aufmunternden Verbeugung von ihrem Begleiter, der ihr liebeverlangend nachblickte.
Als die Fürstin nach etwa einer Stunde ihre Gemächer wieder verließ und das große Empfangszimmer betrat, in welchem man stch in der Regel zu versammeln pflegte, bevor man sich zur Tafel begab, war fie nicht wenig erstaunt, dort eine zahlreiche Gesellschaft von Herren vorzustnden, welche gleich ihrem Vater, meist Woiwoben waren, und als
von 1854, 1863 unb 1870 begehrt, aber nicht benutzt worden, ohne weiteren Anstand bewilligt.
In Griechenland benttjman, ein Ministerium zu bilden, in welchem alle Parteien (LulgariS ausgenommen) vertreten fein sollen.
Vom europäischen Kriegsschauplatz ist eine Verschiebung der an der untern Donau ausgestellten russischen ArmeecorpS in westlicher Richtung zu verzeichnen, der llcber- gang über den Fluß aber scheint bis zu »et in einigen Tagen erwarteten Ankunft des Kaisers vertagt zu fein. In Asten hat der rechte Flügel der Arpatschai-Armee am 16. unb 17. b. bie türkische Festung Ardahan erstürmt, während die Türken ihrerseits im Rücken des linken FlügelS gegen Bajazio vperiren. Die Flotte hat nach der Einnahme von Suchnm-Kaleh bie Beschießung bet kaukasischen Küste von Atdiler bis Poft fortgesetzt unb an einigen Orten sogar Truppen gelandet; auch soll ein VerstärkungS- corps von 10,000 Mann unter Falzy Pascha unterwegs sein. Mit der Proclawirung deS heiligen Krieges durch den Scheich-ül» Islam hat man in Stambul, theils ans Nützlichkeitsgründen, theils um der Maßregel einen Theil ihres gehässigen Charakters zu nehmen, die Einberufung der christlichen Untertanen zum Heeresdienst verbunden. Rumänien hat am 21. d. den Krieg gegen bie Pforte unb feine eigene Unabhängkeit erklärt, obschon Englanb dagegen Einsprache erhoben haben soll und die Anerkennung wohl sürS Nächste von keiner Macht erfolgen wird. Oesterreich betrachtet mit Mißtrauen bie Ueberschreitung der Alnta durch bie Russen unb bie drohenbe Einmischung Serbiens, gestattet aber trotzbem dem russichen Kriegsmaterial bie Benutzung seiner Eisenbahnen. Englanb hat ber russischen Regierung vertraulich kundgegeben, baß es einer Bedrohung beS SnezcanalS ober bet Dardanellen nicht ruhig zusehen werbe. Doch mag sich vielleicht durch bie Abtretung ber Oberhoheit über Aegypten ein anderweitiges Uebereintommen erzielen lassen.
Tagesbericht.
Die militätischen Ausgleichsmaßregeln sollen gestern vom Kaiser genehmigt worden sein und werben nun wohl in ber nächsten Woche veröffentlicht werben. In Bezug auf bie in Aussicht genommene Errichtung drei neuer Regimenter, welche bie Nummer 97, 98 und 99 führen sollen, wirb unS mitgetheilt, baß in ber Herbstscsston des Reichstages die Reichsregierung einen hieraus bezüglichen Antrag einbringen wirb.
Die Gegensätze zwischm Ungarn unb Oesterreich verschärfen sich mit jebem Tage. Alle Journale in Pest unb
solche also zu den vornehmsten Sßüibenträgein deS polnischen Reiches gehörten. Daß sich bie Gäste bei ihrem Ein- tritt tief vor ihr verneigten, dies hatte für bie junge Dame nichts Auffallendes, denn sie war ja berechtigt, eine solche Höflichkeit als eine Huldigung anzusehen, welche ihrem hohen Stande, ihrer Jugend und ihrer Schönheit bargebracht würbe, aber was ihr ausfiel, »ar, daß sich bei ben Anwesenden eine sichtbar feierliche Stimmung kund gab unb daß sich an ber Seite ihres Vaters, mitten unter diesen stolzen, von Gold unb Edelsteinen strotzenden Magnaten ein einfach in schwarz gekleideter Herr befand, welcher stch als ein Mitglied der Gesellschaft Jesu erwies, denn der Fürst sagte zu feinet Tochter, indem er stch gleichzeitig vor dem Ordensgeistlichen achtungsvoll verbeugte:
„Ich stelle Dir hier den ehrwürdigen Pater Ignaz vor, welchen Seine Heiligkeit gewürdigt hat, als fein Vertreter in der Mitte dieser erlauchten Herren zu erscheinen, um dem feierlichen Act, welcher stch sogleich vor Deinen Augen entwickeln wird, die kirchliche Weihe zu geben."
Der Jesuit, eine lange hagere Gestalt, mit einem Gesicht voll Schlauheit und Intelligenz, faltete bie Hände über der Brust unb jagte, während Marina feinen Gruß entgegenkommend erwiderte:
„Der Segen des Herrn sei mit Euch, Fürstin. Möge Euer Fuß stets auf Blumen wandeln, möge Golt und feine Heiligen Euch zu j.der Zeit in ihren Schutz nehmen."
„Ich baute, hoher Herr," murmelte die junge Dame und trat verwirrt einen Schritt zurück.
In diesem Augenblick öffneten stch die Flügelthüren unb Jurit Otrepjew zeigte sich den Anwesenden in auSgewählter Toilette. Sogleich richteten stch bie Blicke aller Anwesenden auf ihn und ehrerbietig begrüßten ihn stumm bie stolzen Herren.
(gotifetuag folgt '!