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Marburg, Freitag, 25. Mai 1877.
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■on nimmt entgegen: ^tßttioit d.Blatte«, ^Ännoncen-Bureaux Dietrich & Eo. in L*unb Hannover; Th.
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Tfirint täglich außer den Wrrttagen nach Sonn- und Feiertage«. Preis für da« Quartal mit der wdchentlichen Beilage „zinftrirte» «,u»t„»»l»tt" durch die Expeditton («och'fche Buchdrucker ei) bezogen 3ß Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 3 Wert 50 Pf,. iexl. Bestellgebühr). — InsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf«. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werde» 35 Pf«, berechnet.
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Tagesbericht.
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Schwäbische Dorf-Novelle von Rudolf Wellna«.
(Schluß).
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Die Prov. Corr, berichtet über die bisherigen Ereigne Geisse -ns dem Kriegsschauplatz in folgender summarischen ien gv «erficht: Der Aufmarsch der Russen an der Donau ^ig ;z ieint seiner Vollendung entgegen zu g'hen: an allen «vdertWgen Punkten des linken Donauusers sind bereits [13M »astende Truppenmassen mit allem Kriegsmaterial ver- ------ emelt und unaufhörlich rücken weitere Truppen aus chland nach. Es wird angenommen, daß der Uebergang
e « dir Donau noch im Laufe dieses Monats erfolgen **■1® ttte. Der Kaiser Alexander selbst gedenkt in den ersten 877. kingen bei seiner Donauarmee einzutr ffen. Auf dem e. riqtschauplatz« in Asten sind inzwischen zwei Vorgänge rin M h größerer Wichtigkeit eingetreten, der eine zum Vorthril Frau« u iütten, der andere zu Gunsten der Rusten. Die feien haben am 14. und 16. Mai von fünf Panzerschiffen lot. i » die russische Uferfestung Suchum-Kale am Schwarzen
Käthi aber war wieder in Gundelfingen das TageSge« und wo fie sich auf der Gaste blicken ließ, wurde Neugierigen umringt.
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Hier schwieg Kätht, die Zunge versagte ihr den Dienst ■ Veiterredm, ihre Veilchenaugen waren voller Thräaen. Und Hecker, der mit gespannter Aufmerksamkeit der ein- I >fen. im schlichten herzlichen Tone vorgetragenen Rede 101| 8 Raid willig Gehör geschenkt und besten Gesicht den rstmOruck väterlichen Wohlwollens angenommen hatte, ent- ^ffpete mit tiefmildem Ernste:
10111»’$“ hast mir das Herz bezwungen, liebliches Schwaben« 50}ftael! Wenn Deine Reden Wahrheit sind, woran ich kaum s^^vste, so fei Deine Bitte Dir gewährt l Doch hättest Du iß dennoch getäuscht und hast den Buhlen Dir erkauft, trifft Dich die ganze Wucht meines Zornes, mit dem gg § gelobt, Lüge, Heuchelei, Trug und Verstellung bei den en zu bestrafen I--Geh jetzt, laß mich allein;
- bin einer Stunde komme zurück, — und Schwarz auf
102 kannst Du'S dem Ebermcycr in die Hand geben, wie
irs nicht gesonnen ist, durch halb unfreiwilliges Eia-
leichtsinniger Jünglinge in seine Schaar, die dadurch —-^Schandfleck einer vergeudeten Bergangmheit aus ihrem Hinwegwaschen möchten, einen Makel auf dieselbe p« zu lasten l"
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rtflfrt Kaiser gedenkt am 5. Juni der Jubelfeier deS M>z«Grenadier»Regiments (Nr. 7) in Liegnitz, sodann 10. Juni noch dem Stiftungsfeste des Lehrbataillon» Laa«. SotSdam beizuwohnen und einige Tage darauf (etwa , 13) die Reise nach EmS anzutreten. — Die „Prov.- bestätigt eS, daß ter Reichskanzler Fürst Bismarck ' 6eo nächsten Tagen zum Kurgebrauch nach Kissingea
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tt.?‘"i.Ä®ei Stunden später sehen wir Gorthold und Käthi , S'ZNbrglüSt der Heimath zuwandern, allwo fie von den 8, ohne irgend welchen Vorwurf, mit auSgebreiteten empfangen und an die freudigen Herzen gedrückt
Der Pariser „GauloiS" brachte dieser Tage „au« guter itlle* die Meldung von dem „Bruche zwischen Frank« in alle, t nab Italien" und dem Abschlüsse einer Allianz mit lualsti« säanb, und veranlaßte dadurch die „Agence HavaS" zu (Erklärung: „Wir find in der Lage zu bestätigen, daß ist Nachrichten vollständig erfunden find." Der „Gau 'alte». 1* welcher pritendirt, offiziöser zu sein, al« die „Agence ' erwiderte indeß: „Wir sind in der Lage, zu beton, daß diese Ratifikation der „Agence HavaS", trotz I offiziösen Anstrich« S welchen sie heuchelt, gar keinen mh hat. Die osfiziösen Beziehrungen der „Agence Li»" zu der Regierung sind in diesem Augenblick unter chm." Weiterhin hält da» Blatt seine Angaben voll- etig aufrecht, welche — wie mitgctheilt wird — in Paris ligra Glauben finden. In diesem Sinne wird auch die
Itter it msache gedeutet, daß der MarquiS von Harcourt, Bot- arcr F» chr beim Hofe von St. James, in Paris angekommen Hanfe, Die englische Regierung soll ihren Botschafter in r Hau-äni- zu diesem Behufe mit besonderen Instruktionen au»»
Meere bombardirt, in Brand gesteckt und größtm TheilS zerstört. Die russischen Truppen mußten sich von dort zurückziehen. Dieser Erfolg ist für die Türken insofern von Bedeutung, al- sie in Snchum Kale einen günstigen Stützpunkt gewonnen zu haben meinen, um die Bewohner des kaukasischen Hinterlandes weiter gegen die Rusten auf» zu wiegeln. In dieser Beziehung werden von der Pforte die größten Anstrengungen und namentlich große Waffen- sendnngen nach den tscherkessischen Küstenstrichen gemacht. Die Türken suchen die Bedeutung des Erfolges bei Snchum- Kale in offenbar übertriebener Weife geltend zu machen: dem Sultan ist in Folge besten schon jetzt der Beiname „der Siegreiche" beigelegt worden Die Rusten haben indesten einen erheblichen Erfolg an anderer wichtiger Stelle errungen. Die Festung Ardahan ist am 17. Mai von dem General Loris - Meltkow erobert worden. Nachdem am 16. zwei Vorwerke genommen waren, schritt General Meltkow am 17. zum Angriff auf den Platz selbst. Die russische Artillerie erschütterte die VertheidigungSwerke und als die Rusten dann zum Sturme schritten, ergriffen die Türken die Flucht. 60 Kanonen und bedeutende Vorräthe fielen in die Hände der Rusten. Der Fall ArdahanS ist die erste größere Waffenthat in dem gegenwärtigen Kriege und dürste von erheblicher Bedeutung für das weitere Vorgehen der Rusten in Armenien werden. Zunächst werden die Operationen gegen KarS dadurch erleichtert werden, weiter aber dürste die türkische Armee, welche unter Mukhtar Pascha den Weg nach Erzerum, dem Hauptpunkt Armeniens, decken soll, nunmchr von zwei Seiten bedroht werden. Auch wird der russische Sieg einen erheblichen Eindruck zur Einschüchterung der zum Abfall ausgereizten tscherkessischen Stämme machen.
Während der von den Türken im KauksuS avgesachtea Aufstand wie ein Brand um sich greift und zahlreiche Truppen- th- ile anS dem Innern Rußland« zur Verstärkung der russig schm Garnisonen im Kaukasus abgeschickt werden, gestaltet sich die Lage auf dem europäischen Kriegsschauplatz für die Türken immer ungünstiger. Da» rumänische Heer ist mit dem russischen verbunden; die Actionspartei in Serbien ist täglich im Wachsen begriffen und eS besteht heute kaum noch »in Zweifel darüber, daß die Rusten, welche bereit« die kleine Wallachei occupirt haben, ihre Streitkräfte nun auch gegen die serbische Grenze zuschieben, Serbien mit in den Krieg hineinziehen, und dieses Land alsdann den Rusten al« eine vortreffliche OperatiooSbastS für den Krieg gegen die Türket dient. Dazu kommt nun noch, daß die Griechen sich ebenfalls zum Kampf? gegen die Türkei bereit machen,
Der rauhe Winter war vergangen. Frühling war'« wieder geworden, auf den begrünten Matten fproßtm die Blumen und ein rührige«, heitere« Leben und Treiben ent« faltete sich rings auf sonniger Lenzflur l
Auch in Gundelfingen war der wonnige Lmz eingezogen, wie in Feld und Au, so auch in dem Herzen der stillgcmüthvollen Menschen. Die liebliche Margarethe, de» Pfarrers Töchterlein, die im Verein mit Gotthold, der der trefflichste Arzt bei ihr gewesen, im Pfarrgarten gepflanzt, begostm und gejätet, sah jetzt mit stiller Lust die auftei- menbtn und herrlich^emporsprostenden Früchte ihre« FleißeS.
„Wenn die Blumen gewachsen, die dm Weg zu Deinem Kirchgang bestreuen können," hatten Vater und Arzt gesagt, „bann sollst auch Du an ber Hand Gottholv'S auf blumigem Wege wandeln in ein neue« Leben der Liebe und Freude!"
Nun, die Blumm zum Kirchgang waren da und blühe ten lustig und duftig in bunter Menge und mannigfaltiger Farbenpracht auf allen Rabatten des Gartens, und inmitten derselben stand Margarethe selbst als die frischeste, blühmdste von Allen, deren purpurbehauchte Wangen zeugten von der neuen wunderbaren Fülle deS Lebens und der Gesundheit. Aber auch der Vater blieb nicht zurück in der Erfüllung seines gegebenen Wortes. Vor brei Wochen schon war fie zum ersten Male abgerufen von der Kanzel mit Gotthold, dem Geliebten, der das Pachtgut seine« Vaters übernommen, da eS mit seinem Smdiren ein für olle Mal ein Ende hatte.
Doch nicht dies Pärchen allein, nein, auch Margarethens Herzensfreundin Käthi mit dem grundehrlichen Sebastian Stailinger war bereit« zu gleicher Zeit abgekanzelt worden.
Und als nun endlich der schöne Sonntag gekommm, der zum Ehrentage der beiben in vielen Beziehungen so merkwürdigen Paare bestimmt war, und die Pfarrerin der Käthi die prachtvolle Myrthmkrone, die ihr die Jungfrauen M Dorfes verehrt, in bal reiche Haar flocht, da fühlte
um Epirus, Thessalien und die Insel Kreta sich einzuverleiben. Wenn nun aber Rumänien, Serbien und Griechenland im Bunde mit Rußland Krieg gegen die Türkei sühren, so kann letztere, allein auf fich angewiesen, den Rusten wohl zwei oder drei Monate, aber nicht auf die Dauer von fünf oder sechs Monaten Stand halten. Für die Türken ist e« daher eine Lebensfrage, ob England für die nächste Zeit ihr Hülfe leistet und ob Oesterreich feine Neutralität nicht zu Gunsten der Rusten verletzen wird. In Bezug auf England verlautet nun, daß die Absichten deS englischen Premierministers allerdings darauf gerichtet sind, nicht nur Candia rind die Lan-enze von Suez zu besetzen, sondern auch den Türken B it öO bi« 60,000 Mann wirksame Hülfe zu leisten. Indesten nicht nur der englische Hof, sondern auch die englischen Minister selber sind noch nicht über den Umfang ihrer Action einig, soviel steht aber jedenfalls fest, daß die englische Action noch längere Z it auf sich warten lasten wird. — Oesterreich aber ist sich zur Zeit ebenfalls noch nicht klar, was e« beginnen soll, denn eine „gemeinsame Action" zu Gunsten der Slaven und zu Gunsten der Magyaren ist einfach Unsinn, und wenn die officiösen Journale in Wien und Pest von einer solchen „gemeinsamen Action" reden, so geht eben daraus hervor, daß Oesterreich noch immer Bedenken trägt gegen Rußland Front zu machen aus Furcht vor einer Verwickelung mit Deutschland und einem hieraus eventuell entstehenden allgemeinen Weltkriege. In Ungarn freilich nimmt die Erbitterung über Oesterreich täglich zu und die Kostuth'fche Partei, d. h. die Partei, die auf die vollständige Unabhängigkeit Ungarns hinarbeitet, gewinnt immer mehr an Boden.
Nachrichten au« Konstantinopel, die bis zum 16. d. reichen, melden, daß die Stellung be« KriegSminister« Rebif Pascha burch die Erfolge bet türkischen Waffen in Asten befestigt worben ist .Währenb es vor einer Woche wahrscheinlich schien, baß ber von bet Dcputirtenkawmet sehr angtfeinbete Minister werbe weichen müffen, ist er heute neben Mahmud Damat ber einflußreichste Staatsmann. Beide sind sehr feindlich gegen den englischen Botschafter Layatb gesinnt und thun Alles waS sie linnen, um besten Pläne zu vereiteln. Der kaiserliche Jtibe für bie bulgarische Amn estie, für besten Erlangung Herr Layarb sich so viele Mühe gab, würbe von ber Pforte vor zehn Tagen nach bem Palast zur Unterzeichnung gefanbt, aber bie zwei obenerwähnten Würdenträger verhinderten den Sultan an der Unterzeichnung desselben. Aus das Drängen Sir LayardS ist Schefket Pasba von der Donau zurück-
ste bie ganze entzückende Seligkeit und Wonne einer Braut und wiederholt sank sie der ebenso bewegten Margarethe an die Brust, und Herz am Herzen weinten bie bräutlichen Freunbinnen helle Thränen be« GlückcS und ber Freude, — bis bie Jungfrauen erschienen, sie abzuholen zur Kirche.
Der Weg von bet P arre dis zum GoiteShause wat reichlich mit blitzendem weißen Sanbe bestreut unb darüber bick mit Blumen bedeckt, bie Kirche im Innern prächtig geschmückt unb bekränzt, unb in feierlich sinniger Weise geschah, nachdem Pfarrer Hunold in einer trefflichen Rede bet jüngsten Vergangenheit m t ihren auf bie Brautleute bezüglichen ernsten Ereignisten gedacht und lobend und rühmlichst erwähnt, wa« Käthi mit Gottes Beistand Alle« voll' bracht und wie sie nächst Gott Diejenige wäre, durch welche Margarethe heute hier stehe vor dem Altäre des Herrn, um seinen Segen zu erflehen für den zu schließenden Bund, die Einsegnung bet beiden Brautpaare.
Und al« beim gemeinschaftlichen heitern Male im Pfarr- hause, bet welchem selbstverständlich auch der Schultheiß und die Base nicht fehlten, der Pfarrer da« gefüllte Gla« ergriff, brachte er den schönsten Toast auf die jungen Gattenpaare in Bezug ihrer Zukunft au«, indem er voll hoher Begeisterung rief:
„Möge Euer Leben gleichen dem schönen Tage Eurer Verbindung, dem lieblichen, wonnigen Mail Möge Euer Wandel sein ein Leben der Liebe und Freude! Möge jeder Tag dahinschwebm auf sonnigen Matten, umsprcßt von den Glücksblumen der Erde, Über regnet von den Bl ül heu himmlischen Segens!"
Angeregt und sottgeriffen von der Begeisterung des Pfarrers, stimmten Alle ein in dessen Wünsche, welche auch später in Erfüllung gingen. Denn da« Leben beider Paare floß dahin leicht und anmuthig, in ungetrübtem Glücke und so fließt e« vielleicht noch heute rein und klar, jung unb grünend, von der Sonne der Liebe stenndlich belächelt, von Friede «ttb Freude umblüht — ein ewig heiterer Maitag!