Marburg, Mittwoch, 23. Mai 1877.
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Geschäfte stört, die Interessen beunruhigt uud die den Erfolg der großartigen Anstrengungen unserer Industrie für da- große, friedliche Stelldichein der allgemeinen Ausstellung von 1878 gefährdet; wie groß auch die nationale Sorge inmitten der europäischen Verwicklungen sein mag Frankreich wird flch weder täuschen noch enttäuschen lasten; eS wird allen Herausforderungen widerstehen. Die repub« likanischen Beamten werden auf ihren Posten verharren, bis ste abgesctzt werden, um sich von der Bevölkerung zu trennen, deren Vertrauen sie besitzen; diejenigen unserer Mitbürger, welche in die gewählten Räthe des Landes berufen wurden, werden ihren Eifer, ihre Aufopferung und ihren Patriotismus verdoppeln, um die Freiheiten der Nation anfrechtzuerhalten. WaS unS, Eure Vertreter, betrifft, so treten wir von jetzt an mit Such in direkte Verbindung; wir rufen Euch auf, Euch über die Politik der Reaktion und der Abenteuer, die Alles in Frage stellt, was wir feit sechs Jahren auf so mühselige Weise erworben haben, und über die weise und feste, friedliche und vorwärtSschreitende Politik auszusprechen der Ihr schon Eure Zustimmung gegeben habt. Theure Mitbürger! Diese neue Heimsuchung wird von keiner laugen Dauer sein. In fünf Monaten spätestens wird Frankreich das Wort haben. Wir haben die Sicherheit, daß eS sich nicht selbst verleugnen wird. Die Republik wird stärker denn je aus den Volksurnen hervorgehen; die Parteien der Vergangenheit werden end- gültig besiegt werden und Frankreich wird der Zukunft mit Vertrauen und Sicherheit entgegeNseheN Knrttn.* * — Auch tie republikanischen Mitglieder des Senats hielten eine Versammlung, tu welcher gleichfalls eia Manifest beschaffen wurde.
Zwischen der italienischen und deutschen Regierung hat di den jüngsten Tagm ein äußerst lebhafter Depeschenwechsel Mgefunden. Wie wir vernehmen, herrscht zwischen beiden Regierungen ein vollständiges Eiuverständniß in Bezug auf tie eventuelle gegenüber Frankreich einzuschlagende Haltung.
Lrirzig, Cölu ic.; Rudolf ggfle in Berlin, Frankfurt a. M. m.
geieiaen nimmt entgegen: Expedition d.BlatteS,
ind bin berat arburg.
Dir Vorgänge in Fraukerich, die der Entlastung des i fMzösstschen Ministeriums gefolgt sind, erregen natürlich • ® großes Aufsehen in ganz Europa. Für die innere Politik Frankreichs würden ste ziemlich allgemein als Vor- eineS Staatsstreiches betrachtet, nach Außen hi« beste die Lockerung der guten Beziehungen zwischen schlaud und Frankreich. Der Präsident der franzö- Republik wird die Kammern nur deshalb vertagt , um desto ungehinderter die weiteren Schritte und oßregelu zur Niederhaltung der republikanischen Partei «nehmen zu können. Daß diese Maßregeln nicht den ‘ len, sondern den Gegnern derselben gelten, e» liegt
' der Hand, und eben deshalb weil die nächste Ent- «ckmg der Verhältnisse in Frankreich auf eine Verstärkung * ultramontanen Einflusses abzickt,, so wird man leider za sehr berechtigt sein, eine Störung des bisher frrund- Mchen Verhältnisses zwischen Frankreich uud Deutsch- " «uthmaßeu zu müßen. In diesem Sltme wird" dttM die neue Wendung der Stage in parlamentarischen AegienmgSkrckfen aufgefaßt.
Der Papst hat an fdnem Geburtstage eine große Renge von Telegrammen erhallen, darunter solche von dw Kaiser von Oesterreich, den Königen von Bayern und - - velgien und dem Präsidenten der französischen Republik. L-ituiqchie genannten Telegramme wurden sofort auf telearaphi- shtv Wege erwidert.
»Mtiflen nimmt entgegen: die Expedition ».Blatte», sowie d.Annoncen-Bureanx von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a.M.;Jäger>sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Invalidendank in
Berlin; W. Thienes in Elberfeld: E. Schlotte in
Bremen.
Neueste KrkegSnachrichteu:
Petersburg, 19. Mat. Arbaha» ist mtt 60 Se- schützet» und großen Borrächen von unseren Truppen «t= nommrn worden. Nachdem bereits am 16. Dtat rM Vorwerke weggenowmen waren, schritt General SoriS-Meli- koff am 17. Mai zum Angriff auf den Platz selbst» Un- sere Artillerie erschütterte bfe BettheidigmigSwerkc und als die Truppe« zu« Stmm schritten, ergriff der Feind bfr Flucht, auf bet er trotz der etabrechrnden Nacht vöü bet Cavallerie verfolgt wurde. Unser Verlust an Todten und Verwunbeteu beträgt 235, barunter 5 Offiziere.
PeterSburg, 20. Mai. Telegramm beS Oberkom- manbirenden der Kaukasus Armee vom 19. Mai: °tcb habe die Ehre Ew. Majestät aus Veranlassung der Einnahme AldahanS zu beglulfwünschen! Soeben Hase ich bfcn General LoriS-Melikoff folgende Depesche eifotitn-
1 Die Vorwerke ArdahanS, dte Befestigungen, 60 »miäXu-. eine ungeheuere Masse Proviant und Munition, das Mer von 14 Bataillonen Türken und die Citadelle liegen zu Füßen Ew. Majestät. Sm 17. d. von 3 bi- 6 Uhr Nach, mittags hatten da» wunderbare Feuer unserer Artillerie in di- Mauern des Platzes Bresche gelegt, um 6 Uhr erfolgte der Sturm mit den Regimentern Erivan, Tiflis, Baku und den Sappeurtn. Det Feind konnte dem Anprall nicht widerstehen uttd ergriff die Flucht, eine große AriM'TödM zurücklassend; die Kavallerie verfolgte ihn trotz der Dunkel- hett. Uta 9 Uhr durchschritten unsere Truppen dte ganze Stadt, sowie« die Befestigungen unter den Klängen ba Nationalhymne unb feierten mit Begeisterung den Steg. Die russische Flagge wurde auf allen Befestigungen aufgezogen. Unsere Verluste sind Noch nicht bekannt: Man schätzt dieselben auf 1 Offizier und 50 Soldaten getödtet unb 180 Marnu verwnnbet. Ich habe nicht genug Lobsprüche für bk Tapferkeit nnb Kaltblütigkeit unserer jungen Soldaten und für die von den Offizieren gelt,ffenen guten Dispositionen! Feierlicher Gottesdienst wird heute tat Mittelpunkte der Befestigungen in Gegenwart der Truppen abgehalten werben."
Petersburg, 19. Mai. Eukhum-Ktle ist durch ein neues Bombardement eingeäUert unb daher von unseren Truppen verlassen worben.
Loudon, 19. Mai. DeSk .Reuter',tzen Bureau" wird aus Erzerum gemeldet: Eta neuer gtoßer Angriff bet Russen auf Ardahau ist zurückgewiesen. Die Betbttk- dckNg wkd schwierig, ba btt Telegrophenleitukg gestört ist. Bei KarS herrscht seit zwck Tagen Ruhe; die Russen be- Haupte» ‘ i|ct Stellung. Muss» Pascha ist mit den Tscht» kessen in Erzerum eingetroffen.' Zuhdi Effendi, Unterstaat-' ^skretäc im türkischen Finanzministerium, ist in besonderem Mission in London eingetroffen. Ein Abgesandter deS' Emirs von Kiaschgat ist von Paris aus ebeuifallS in Loudon angelangt.
Konstantinopel, 19. Mai. Die .Ahence HavaS"
llebet die zwischen dem russischen Botschafter am eng« r—mue fischen Hofe und dem Fürsten Bismarck stattgehabte Zu« desi^ Mwukmift, erfahren wir nachträglich, daß diesckbe die tant q Einwirkungen der ans» engste mtt einander verbundenen i, eüj Hilfe von St. Petersburg und Berlin auf die fernere Auf- it po® ktchterhaltnng der österreichischen Neutralität zum Gegen «•gerat stand gehabt hat. Da Rußland auf alle nur mögliche loisella Weist den Wünschen Oesterreichs zuvorkommt, z. B. die rumänischen Unabhängigkeitsgelüste deSavouit, ferner Set- ..... tim den Rath gegeben, sich nicht auf eine Action gegen die Vis H Türkei einzulassen, sowie in Montenegro von einer aktiven ae toi$ khrilmlhme an dem russisch - türkischen Kriege ferngehalten esser j ftt, um dne Beeinflussung der österreichischen Südslaven m«m durch die Kriegführung au der österreichischen Grenze zu [1323 «chkwern, so glaubt man, es werde auch ferner gelingen, taineht Lrsterreich in den bisher von ihm gezogenen NeutralitätS- f Grund parzeo zu halten.
I», wwiebAnnoncen-Bureaux "l. q Mn xh, Dietrich & Co. in (7t r-ffel und Hannover; Th.
S*«?*11. BeWter ixntftlanto. Och-,«!»« unb Italien- haben gestern den Großvezir uud den Minister dts Auswärtigen besucht. Der Chef der Barque vttornane begibt sich nach London, um Zahdy Effendi in seiner finanziellen Mission zu unterstützen. Giurgewo. Der Gouverneur deS DonauvilajetS Eadik Pascha ist mit den Consuln von Rustschuk Nach Schurnla fibetgrftebelt Das Bombardement von Giurgewo wird stündlich er&artet.
8uIareP, 1,8. Mai, Ein russischer. Truppentrans« ist Puefti mit einem Lastzug züsammengestoßeu, wobei sieben Wagen zertrümmert, mchrere Soldaten ge- tödtet und viele verwundet würben. Ein .höherer Offizier soll ta Folge 6er erlittenen Verwundung gestorben sein.
Wien, 19. Mai, Nach einer Depesche der „Polit. Corr." aus Atheu beabsichtigt man dort die Bildung eines Coaltttons-Ministeriurns unter KumunduroS obet Kanaris worin ZaimiS, Trtkupis, Deligiorgis ober andere Mitglieder ihrer Fraktionen PortefckckSö- übrrtthmen würden. — Auf Reklamation des türkischen Gesandten ließ die Regierung ckuige bewaffnete Schaareu, welche sich fit sie linkischen Grenzprövinzen begeben wollten, interniien. — Die Presse melbet aua Bukarest: Der Eisenbahn-Zusammenstoß ist durch falsche WetcheustelluNg verursacht worden. Sechszehn Pttsonen sind tobt, 12 Wagen unb beide Maschinen zertrümmert.
Konstantinopel, 1s. Mai. Eiste Proklamation beS Sultans an die nach dem Kaukasus efttfenbeten Truppen fordert dieselben auf, ihre tscherkessischen Glaubensgenossen von der russischen Herrschaft zu befreien.
Bukarest, 19. Mai. Die rumänische Regierung hat ihre Agenten beauftragt, den Regierungen, bei welchen sie beglaubigt sind, zur Kenntniß zu bringen, daß von einem Detachement regulärer türkischer Truppen am 16. Mai die «ach Uebenrältigung einiger von Milizsoldaten bezogenen wmänischen Pique» bei Gura Zalomitza zurückgebliebenen Schwerverwundeten auf Befehl der Osfiziere erschossen würben.
Petersburg, 20. Mai. Der Kaiser reift am 21. d. zur Donauarmee ab und kommt am 25. ober 26 Mai bofelbft an. Der Großfürst. Thronfolger unb Großfürst Sergej begleiten ben Kaiser.
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Dnttfche» Reich.
Berlin, 19. Mai. Die .Nordd. AllA Ztg." schreibt.
Mitth^ilungen Über demnächfiige Beratungen über tae Reichsfinanzfrage liege auamschetalich»ein Jrtthum gu mS&mffiiiüS: W ter CommissaM ba
»unW»rtfltaWn^tt iur Vorberettuntz der Ftnanzgesetze benmichst baafl« werben sollten/ noch liege es zur Zeit in tftr Absicht, VerttauenSwänne^ aus bem Reichstage zu berufen. — Demselben Blatte E bta gMW Pariser Meldung als vollstälbig eorrrcf tatti&tet; baf esdem beutschen Botschafter Fürsten ckM eingefallen
fei, über bie gegenwärtigen Vorgänge Aufklärunaeri *t verlangen. Zu etaedi sdlcheri Schritte habe weder ffit1 rte dnt attbrtC Kirrung ein thatsächlicher
8Rnt Das großh. BeMöstrasge- richt hät heute ben Redakteur der „Hessischen LandeSzcktuna« weg« GotteSlästeruckg unb Beschimpfung der evangelischen Kirche zll HTage Gtsängntß verurtheilt. ES wurde fofort Appellation eingereicht.
Stuttgart, 19; Mai. Der Prozeß gegen den «ößtm Theil der katholisches Geistlichkeit HoheüzdllernS weclen Verbreitung eines staqkSfeiudlichen FlÜAbiatteS end'ele, einem Bericht be« „Schwäbisches MerkurS^ aü«' Hechingen zu.
äl- Vertheidiger. . l-ngare
München, 18; Mai. Der Borflastd deS^katholischeu
Erziehungsvaeins, Hirt- Lubwig Aua in Donaüwörtb ist
i200'000 zNnbm
«iuderadrisse nach Rdm atzgereist.
Äxltaxb.
, 19. Wtk Da Minister des Arckiwärttae»,
Herzog Deeaze«, has heute <mf telegraphsschem Wege eifl Runbschreiben ack bU diplomatischen Bertteter Frmrtteich«' ^rlchtet, Mt ste bmch UebermttwTnng eines von dem Mat» schall Mar MthmS an Decaze» gitichtkten Schreibens Nstd ^gestern verlesrneü Botschaft üba dir Bedeutung de»' CabinetSwechselS zu instruirek. Di« royalistische Rechte des Senats hielt hestte früh Atzuua» worin hrfchlsssäp «urbe, gegenüber dein' rieften Miuisienüm vorlSüfig eine abwartende Stellrmtzetagutahwen. ÄkEttkMFrattioum
»les dschlvq Utit
Erss'i-tt tlg(ich -ußer W 6onn. ttnb 3aertaflett. Preis für d°S Quartal mit der wöchentlichen Beilaae „bnl
vuchdruckerei) bezogen Sh «ark, durch bie PosttnUer be# Deutschen Reiches 8 Mark 50 Pfz^l. PestcklaMhr).- in ba »tpckntion zu ettheileube Auskunft unb Annahme von Abreffen »erben Ü5 I
®ie via Gruppen da Linken hielten am Freitag ihre waUSBafommlung unb beschlossen eine Ansprache an MH M richten, welch« die Untaschriften von 348 Wtedan ba< Deptairtenkarnmer erhielt. Diese- „Ma- " Frankreich- tautet: Theure Mitbürger! Da» n tw ’n, welche- Ihren Vertretern zu! nahe tritt, ist das n > Zerret de- Ministerium- des Kumpfes , welches die ; Mt Frankreichs tat Schach hasten will. Di« 8efr >r. 1 .^räftbenten da Republik läßt leinen Zweifel fAbsicht feina Rachzeber. Die Kamma ist, dis i Vas Recht erlangt hat, sie aufzulösen, auf einen 11-9. »vertagt. Wie nach dem 24. Mai 1873, beweist 86,41- La ihre Kaltblütigkeit', ihre @Ätrt6, ihre Eni» ^nenbrit, daß' eine unverbeffaliche Minbaheit ihr die EWaung nicht entreißen kamt. Wie schmazlich —. ? rwawartele Hednsnchung auch ftta nug, welche die
M dem ^brfagUere^ gilt es in biplomatisihrtr für unKvcksckhaft, daß dir diplomatischen Bezie- ttt--' zwischen dem St. Pcka-btntztr Äabfnet unb bem W F“gm Stuhl baldigst abgebrochen werden, well sich der , M ffW- beim Empfange da Pilga aus Sätayen" so rück«
• über Rußland ausgesprochen hat. Dir Bthanp daß ba Sultan dem Papst wegen eben dieser Aeu- ____ seinen Dank habe aussprechen lassen, wird von ig ariEL8™mint1: »Razione* für unrichtig erklärt. Dagegen Maßt '.für. Haffun dem Vatikan durch die Propaganda [12$ L,j üechmt^. dich jene Aevßerungen in ben RegiaungS- —' „„ v°n Konstantinopel guten Eindruck gemacht haben; C wünsche jedoch nicht, daß brr Papst ckueu wahren gegen Rußtanb prebige (sic !).
tifd n. trau»