XII. Zahrgarg.
Marburg, Sonntag, 20. Mai 1877,
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huiaen nimmt entgegen: ^Lrpedttio« d.Blatte-,
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Unser Kaiser hat bei seiner Abreise aus den Reichs«
1 _ durch einen veröffentlichten herz'ichen Erlaß an den ^^vde> Präsidenten v. Möller seinen Davk für den ihm Seit-nS
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tn Lugen de» Landes herabzusitzen. TiSza's Verlegenheit ürd durch die Vorfälle in Agram bei Gelegenheit de» Be- cheS vom Erzherzog Albrecht sehr gesteigert.
Die deutsche Reichsregierung erklärte dem schweizer dsdeSrath, daß sie zur Theilnahme an einer internationalen isvferenz für die Rekonstruktion des Gotthardbahn-Unter- chnenS bereit sei und seine Einladung erwarte.
Die italienische Kammer verwarf den Antrag Berta- i’i, die Verwaltung der Civllliste unter Aussicht de» snlamentS zu stellen, und nahm den Gesetzentwurf über de Abänderung der Civllliste mit 202 gegen 56 Stimmen an.
Frankreich liegt wieder in Krisen. Der Minister» Wdent JuleS Simon hat seine Entlastung genommen, mb zwar tn Folge eines AbsagrbrirfcS, den der Präsident a Republik ihm geschrieben. Mac Mähen hob darin di« issmerberathungen über das Gcmeindegejctz und über die ^eßnovclle als Grund seines Mißfallens hervor und schloß
drohend: „Wenn ich auch nicht wie Sie dem Parlamente gegenüber verantwortlich bin, so bin ich e» doch Frankreich gegenüber, mit besten Geschick ich mich jetzt mehr denn je beschäftigen muß." Das Gemeindegeseh hat noch die dritte Lesung und dann die Zustimmung des Senats zu bestehen; die am 15. mit 393 gegen 56 Stimmen in der Deputaten» kammer beschlostene Abschaffung der Dufaure'schen Preß« Novelle, wodurch die Preßproceste wegen Beleidigung der Kammer, de» Präsidenten der Republik und der fremden Souveräne den Zuchtpolizeigerichten wieder entzogen und der Jury zugewirsen werden, bedarf gleichfalls noch der Bestätigung des Senats. Unmittelbare Gefahr war hier also nicht im Verzüge, wenn diese Schritte der Kammer überhaupt eine Gefahr wären; die Gründe zu Mac Mahon'» Eingriff sind auf einem andern Felde zu suchen: der Vatikan wollte Simon al» Opfer haben und Broglie zu seinem Nachfolger.
Statt am vorigen Donnerstag zum Schluffe zu gelangen, wie die parlamentarisa,en Führer anfangs berechnet hatten, hat der Redekampf im englischen Parlament über die Gladstonr'fche Resolution noch zwei weitere Sitzungen in Anspruch genommen. Erst in der Nacht von Montag auf Dienstag fiel die Entscheidung. Daß Gladstone unterliegen würde, stand von vornherein fest; die große Mehrheit aber, 354 zu 223, womit die Regierung ihren Sieg davontrug, übertraf die Berechnungen, welche man nach der Zurückziehung der beiden letzten Gladston-'jchen Resolutionen an- gestellt hatte. Auf die Festigkeit, mit welcher die Regierung den Schutz der englischen Joteresten gegenüber dem dieselben bedrohenden Vorrücken Rußlands wahrnehmen wird, kann dieser Beschluß de» Unterhauses nur einen stärkenden Einfluß haben.
In Rußland tst die Städteordnung vom 10. Juni 1870 nun auch für die Ostfeeprovinzeu maßgebend geworden; doch soll ihre Einführung in Berücksichtigung der Localvcrhältniffe allmählich vollzogen werden. Am 11. Mai hat der nunmehr zwanzig Jahre alte Großfürst SergiuS dem Kaiser den Eid der Treue geschworen.
Die gegen die europäische Türkei aufgestellten Heere»« kolonnen Rußlands scheinen sich in zwei Armeen gliedern zu sollen, jvon denen die erste au» drei Armeekorps beste- hende über Braila in die Dobrudscha, die zweite, au» sechs Armeekorps zusammengesetzte und durch die Rumänen verstärkte über Turnu-Margurrlli und Simnitza in die Bul» garet einfallen würden. Die im Uebrigen bedeutungslosen Geschutzkämpfe längs der Donau haben am 11. d. den Untergang eine» türkischen Panzerschiffes herbeigefühlt. TürkischerseitS soll man neuerdings beabsichtigen, die Dobrudscha aufzugeben und sich hinter den TrajanSwall zurück- zuziihen. Rumänien befindet sich jetzt thatsächlich mit der
Obschon wir an dem endlichen Siege der russischen Waffen über die türkischen durchaus nicht zweifeln, so müssen die militärischen Anstrengungen der Ruffen doch ganz bedeutend erhöht werdeu, soll dir russische Orientpolitik von Erfolg gekrönt «erden. Denn in Asten wie in Europa sind die Türken zur Zeit noch nahezu den Ruffrn überlegen in numerischer Hinsicht, was daher rührt, daß die russischen Bataillone nicht entfernt den vorgeschrir« benen Solletat erretcheu. Entweder müffea also durch Heranziehung von Reservisten die Bataillone verstärkt werden, oder fall» diese Reservisten nicht vorhanden find, müssen weitere Armeekorps mobilisirt werden. Dkd"russtsche
Pforte im Kriegszustände; in Serbien gährt es, trotzdem Rußland auS politischen Gründen eine Theilnahme dieses Landes wohl schwerlich wünscht, und der Fürst von Montenegro scheint sich auf Befehl des russischen Generalstabe» einstweilen noch ruhig zu vrrhalteu. In Asten soll die russische Riou Armee am 11. d. beim Angriff auf Datum eine Schlappe erlitten haben. Der rechte Flügel der Ar« patschai-Arwee steht vor Ardahan, da» (Zentrum unter LoriS-Meliko« bet Zaim vor KarS und der linke Flügel bet Djiaden. Die bisherigen Zusammmstöße dieser Abthet« langen scheinen thatsächlich nur Reeognogrirung» - und FouragirungSgefechte gewesen zu sein.
und ging beherzt auf meinen Vorschlag ein, im nahe gelegenen WirthShause „zum vollsten Schoppen" ein Viertel« stündchen zu rasten, um eine Wecke und etwas BackstcinkäS zu sich zu nehmen. Hier nun, während des EfsinS, erzählt mir die Käthi von der auferstandenen Margarethe, die ohne den Freund ihres Herzen», den Geliebten ihrer Seele, schwerlich dem Leben dürfte erhalten werden. Der aber fei in Tübingen ein leichtsinniger Patron geworden, habe sich auf und davon gemacht, fei Werbern der Freischärler in die Hände gefallen und treibe in Karlsruhe fein Wesen, während daheim der tiesbetrübte Vater und die unglückliche Pfarrers« tochter vor Schmerz vergehen möchten. Da habe sie es nicht über sich vermocht, stiller Zeuge des abermaligen Hin- welkenS dieser Blüthe zu fein, sondern sich stracks auf gemacht, den Gotthold, des Pächters Ebermcyer auf Heinau Sohn, aufzusuchen, um denselben an die Pflichten eines guten und rechtschaffenen Kindes zu erinnern und ihn in die Arme seiner sehnsüchtig harrenden Geliebten zurückzu« führen. —
D'raus hat mir die Käthi noch aufgelragen, bei Euch einzusprechen und Euch den Zweck ihrer Reise mitzutheilen, damit ihr gelegentlich den besorgten Schultheißen über ihren Verbleib ausklären könntet. — Und nun," so schloß der Wachtmeister, „behüt Euch Gott! Hab schon zu viel Zeit verplaudert und der Gaul drunten wird ungeduldig, weil» ihm atp Besten fehlt 1*
Mit diesen Worten verließ Gözzinger die Stube und erhielt von der durch seine Mitthetlungen gerechtfertigten Hisnern da» Geleit bi» zur Hausthür. Und als er den bestaubten, unruhig scharrenden Gaul wieder bestieg, rief ihm die Alte im Vollgenuß ihrer Freude über ihre so schnell hergefiellte Ehre noch laut nach:
„Habt Dank, Herr Wachtmeister, für Eure Nachricht
Käthi, drS Schultheiß« Enkelin.
Schwäbisch« Dorf-Novell« von Rudolf Wellnau.
(Fortsetzung.)
„Höfnern, komme da eben zurück von einem Ritte gen Cannstadt, von wo au» ich heut in aller Frühe aufbrach, um baldigst wieder heim zu fein. Sehe da jenseit Tübingen, als der Tag zu grauen beginnt, auf der Landstraße eine menschliche Gestalt mir entgegen schreiten und als dieselbe näher kommt, werd' ich'S gewahr, daß e» eine Weibsperson ist, die ein Bündel auf dem Kopse trägt. Halte darauf dem Gaul die Zügel etwa» straff und reite langsamer, bi» mir die Person dicht zur Seite ist. Denkt Euch mein Erstaunen, als ich dieselbe genauer in» Auge fasse und in ihr die Enkelin de» Schultheißen von Sundelsingen erkenne, die, zitternd an allen Gliedern, keine» Worte» mächtig, mit zu Boden gesenktem Blicke vor mir steht. Mein erster Gedanke war der, daß die Käthi ihrem Großvater entlaufen sei, weßhalb ich vom Gaul herabstieg und verschiedene Fragen an ste richtete, die ste mir aber ohne Furcht und Scheu mit einer Genauigkeit beantwortete, daß mir alles anfängliche Mißtrauen völlig dadurch benommen wurde. Hatte mich die Maid doch auch erkannt, denn sie ward dreister
Lage-bericht.
Für die kaiserlich deutsche Marine sind gegenwärtig über 20 Schiffe und Fahrzeuge im Neubau begriffen, von denen sich etwa zwei Drittel auf Privatwerften befinden. Die Panzerkorvette A., welche nahezu 8 Millionen Mark kostet, ist der Vollendung nahe. Die Panzerkorvette B. ist feit 1874, die Panzerkorvetten C. und D. seit 1876, die Panzerkorvette E. vor Kurzem in Bau gegeben. Zwei Panzer-Kanonenboote stad nahezu vollendet; drei andere neuerdings in Angriff genommen; eia Aviso ist seit 1876 in Ban, ein weiterer vor Kurzem in Bau gegeben. Für da» Artillerieschiff „Renown", welches nur noch etwa für zwei Jahre dienstfähig ist, wird ebenfalls Ersatz geschaffen, und das neue Schiff mit Kanonen und Lafetten der neuesten Construktion versehen werden.
Ueber die große Orientdebatte im englischen Unterhause giebt die „Time»" folgendes Schlußurtheil ab: „Die vollständige Unfähigkeit der Türken, sich zu beffern und die Thatsache, daß ste noch heute so find wie damals, al» ste nach Europa tarnen, ist die Moral dieser Debatte. ES ist der Schluß der Majorität und die Verurtheilung der Türkei."
tein.
f.
Reichsten Wohlstands Segen blüh'n, Lächle wieder unserm Leden Höchsten.GlückeS Immergrün!
Einst, wenn Friede rings auf Erden, Und Gott in der Höhe Ehr', Wird es wieder bester werden, Freude übet Land und Meer!
Und mit jenen Feuerzungen,
Wie in einst'ger großer Zeit, Set dem Höchsten Dank gesungen, Lob und Preis in Ewigkeit!
gd fo großen TheileS der Bevölkerung gewordenen Em« sVß ausgesprochen. Einen besonder« erfreulichen Ver« MmSbewetS, wie ihn der LandeSauSschuß der Reichslande «dient hat, bildet da» im Reichstage zu Stande getommere, OB Kaiser am 2. d. Mt». zu Straßburg vollzogene Gesetz V, kt die Landesgesetzgebung in Elsaß - Lothringen, da» in K* ' ßsm Tagen amtlich kund gemacht worden ist. Der Bun
lirath hat in dieser Woche auch das deutsche Patentgesetz , der Fassung des Reichstages angenommen; dasselbe er« t nun noch die Feststellung umfaffender BusjührungS regeln. Die „Nordd. Allg. Ztg." vernimmt ans Rom, Port anwesende deutsche Bischöfe über ihr fernere» Ver.
en gegenüber den kirchenpolitischen Gesetzen und Maß 8-11, gg({n tn Deutschland mit dem Papste sich verständigt haben tn. Ueber die Bedeutung und Tragweite dieser Meldung MetalLjjooben nähere Kommentare abzuwarten sein.
Die Reguicolar-Deputation in Oesterreich, die von riben Häusern deS ReichSratheS gewählt wurde, hielt am l Mai ihre erste Sitzung. Die Pfingstferien des öfter, nichischeu Abgeordnetenhauses beginnen am 19. und enden w 29. Mai. Die Stimmung in Wien ist ruhiger als
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.Blatte», sowie d.Annoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld: E. Schlotte in Bremen.
^O-Annoncen-Bureaux w Th. Dietrich & Co. in M und Hannover; Th.
Pfr« Lftr «.
Pfingsten, Fest der Lust und Freud«, Jubelfest für Jung und Alt! Rings im grünen Frühlingskleide Prangen Wiesen, Flur und Waid! Pfingsten, sei uns hoch willkommen. Hebst uns wieder Herz und Sinn! Hast den Bann von uns genommen, Und der Winter ist dahin!
Sanfter Winde laue Flügel Wogen uns um Stirn und Brust, Und im Thal, auf Berg und Hügel Jauchzen Frohfinn, Freud' und Lust. Rings entzückt das Äuge wieder Duft'ger Blumen bunter Flor, Und eS mischt in uns're Lieder Sich der Vögel Jubelchor!
Pfingsten, senke dich hernieder Beut' auf deine Christenheit!
int die zerstreuten Glieder, Ende Zwiettacht, Haß und Streit! Fern im Süden, wie im Norden Der Zerstörung Fahne weht! Ende Krieg und Kampf und Morden, Daß der Friede neu ersteht.
Deine Feuettaufe gieße
Auf da» halberstorbne Reis, Daß es neugekräftigt sprieße Zu de» Höchsten Ruhm und Preis! Gieße deinen Flammenregen Auf der Kirche dürres Feld, Daß deS Höchsten Heil und Segen Reu belebe rings die Welt!
Laß durch Frühlings-Maiendüftc Auch des Nothftands Winter flieh'», Mit dem Hauch der Blumendüfte Freude in die Herzen zieh'»!
Und laß wieder unferm Streben
in P.st, wo sich Interpellationen an Interpellationen o ™' dfcn und gegen Tisza von Seiten der ixtremen Fraktionen ■ z Ä iw förmliche Hetzjagd im Gange ist, um die Regierung in
MF Des Pfingstfestes wegen erscheint je nächste Nr. Dienstag Nachmittag.
Lriteint täglich außer de» Werktagen nach Soun« und Feiertage». Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Vellage „SVlßtrtrteS E,n»1a,»»latt" durch die «rpeditioa (Koch'sche Luchdruckerei) bezogen 34 Wext, durch di- Postämter d«S Deutschen Reiches 3 Mart 50 Pf,, (exl. Bestellgebühr). — JnfertionSgebühr für di« gespaltene Zelle 10 Pf». Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werde» 35 Pf«, berechnet.
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